Jeff Scott Soto: Wide Awake (In My Dreamland)
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 6. 11. 2020
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 44.45 min
Genre: Melodic Rock
Bewertung: 8.0/10
„Wide Awake (In My Dreamland)“ ist das sechste Studioalbum eines Veteranen unter den Sängern der Welt und die Definition dessen, was dem Ganzen das Tüpfelchen auf dem i verleiht – ein Garant für hohe Qualität. Von Progressive Metal über AOR und alles dazwischen. Jeff Scott Soto ist nämlich eine Vokalinstanz, die mühelos zwischen den musikalischen Genres wechselt und mit federleichter Stimmgewalt durch sie hindurchspaziert. Sons of Apollo, Journey, Axel Rudi Pell, Trans-Siberian Orchestra, Soul SirkUS, W.E.T., … Die Ausdrucksunterschiede zwischen all diesen Projekten sind extrem. Der Mann hat in seiner bildreichen und beneidenswerten Karriere auf über 60 Alben verschiedenster Künstler mitgewirkt, die sich stilistisch teils grundlegend voneinander unterscheiden. Seit jeher hat Soto aber auch für eigene Studioarbeiten gesorgt, die neben dem neuesten Werk durch folgende Alben vertreten sind: »Love Parade« (1994), »Prism« (2002), »Lost In The Translation« (2005), »Beautiful Mess« (2009), »Damage Control« (2012) und »Retribution« (2017).
Soto war bei seinen Ideen stets irgendwie auf ein gutes Team angewiesen, das mit ihm im Studio zusammenarbeitete. Damit er jedes Solo-Studioprojekt künstlerisch überleben und glaubwürdig aus ihm hervorgehen konnte. Seit er unter dem Dach von Frontiers Music Srl. ist, muss er sich darum seit geraumer Zeit keine Sorgen mehr machen – er hat Alessandro Del Vecchio an seiner Seite (u. a. Hardline, Jorn, Revolution Saints, …), der mit seinen außerordentlichen Qualitäten als Komponist und Arrangeur sowie seinen Talenten als Multiinstrumentalist dafür gesorgt hat, dass auch »Wide Awake (In My Dreamland)« genau das ist, was man von Jeff erwarten – wenn nicht sogar verlangen – darf.
„Wide Awake (In My Dreamland)“ wird seine treue Fangemeinde begeistern, die dem Melodic Rock, Hard Rock und AOR zugetan ist. Stilistisch lehnt sich der Ausdruck seiner Alben bzw. sein Songwriting vor allem an das an, was er mit W.E.T. macht, aber auch an das, was er einst mit Talisman gemacht hat. Die Stimme reift wie ein guter alter Wein. Schon von Grund auf besitzt Jeff eine außergewöhnlich angenehme, samtige, warme und sinnliche Vokalcharisma, die er je nach Bedarf mit einem mehr oder weniger großen Schuss Rauheit dosiert. Eigentlich ist diese Stimme ein wesentlicher Träger der charakterlichen Ausgefeiltheit jedes Albums, auf dem sie auftaucht.
Interessant ist, dass Jeff Scott Soto sowohl in der Entwicklung der Kompositionen als auch in der Natur der Texte eine wache und positiv gestimmte Heiterkeit bewahrt. Auch in diesen alles andere als rosigen Zeiten, in denen wirklich niemand weiß, was uns in naher Zukunft erwartet. Als würde eine andere Zeit anbrechen – oder, wie der Albumtitel andeutet, sprechen Album und Jeffs Stimme diesmal aus seinem Traumland zu uns. Wacher als je zuvor, und doch auf der anderen Seite wach im künstlerisch bereits bewährten Schutz des Konformismus. Umgeben von einem Team erstklassiger Musiker liefert der Mann in knapp drei Viertel Stunden innerhalb der musikalischen Rezeptur des Genres, in dem alles gesagt ist und Überraschungen quasi „verboten“ sind, ein zufriedenstellend abwechslungsreiches Set an Tracks. Von neuen hervorragenden Balladen über mittelschnelle und atmosphärische Momente bis hin zu treibenden Uptempo-Nummern, die sofort packen. Die Grundlage von allem sind erstklassige Melodien in den Refrains. Mit einer so ausgefeilten und charismatischen Stimme ist es kaum vorstellbar, dass die Umsetzung irgendetwas anderes als erstklassig sein könnte. Fans seines Wesens, seiner Stimme und seiner bisherigen Soloalben, aber auch der Bands, in denen er mitwirkt oder mitgewirkt hat (besonders W.E.T., Talisman), werden auch mit diesem Werk wieder rundum zufrieden sein. Ist das neue Album besser oder schlechter als die bisherigen? Diskutabel – es strahlt aber in jedem Fall Reife aus und hält das Qualitätsniveau der Vorgänger aufrecht.
Der physische Tonträger enthält auch eine Bonus-CD mit Jeffs Liveauftritt im Rahmen des letztjährigen Frontiers Rock Festivals, der bereits Mitte dieses Jahres als Konzertalbum „Live And Loud in Milan“ ausschließlich in digitaler Form erschienen ist (Rockline Rezension).
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
01. Someone To Love
02. Mystified
03. Love’s Blind
04. Without You
05. Lesson Of Love
06. Paper Wings
07. Love Will Find A Way
08. Between The Lines
09. Living In A Dream
10. Wide Awake (In My Dreamland)
11. Desperate
Besetzung:
Alessandro Del Vecchio – Bass, Keyboards, Gitarre, Hintergrundgesang
Fabrizio Sgattoni – Gitarre
Edu Cominato – Schlagzeug
Jeff Scott Soto – Gesang
August Zadra – Hintergrundgesang, Gitarrensolo auf „Between The Lines“
