Mephistophelian: Anotos
Label: Eigenveröffentlichung
Produktion: Mephistophelian, Miguel Tereso
Erscheinungsdatum: 4. 9. 2020
Albumlänge: 35:22
Es ist kaum zu glauben, dass eine der größten Hoffnungen des slowenischen Death Metals endlich zurückgekehrt ist. Mephistophelian waren vor mehr als fünf Jahren eine der vielversprechendsten Bands überhaupt – mit dem Potenzial zu zeigen, dass slowenische Gruppen locker mit den großen Death-Metal-Namen der Welt mithalten können. Doch plötzlich war Stille. Die Band ließ zwar wissen, dass ein Album in Arbeit sei, aber bis dieses Jahr blieb es ein Rätsel.
Dieses Jahr hat die Band endlich alle Details enthüllt, darunter auch den Namen des Schlagzeugers. An den Drums saß nämlich der erfahrene Romain Goulon, der sich zuvor in brutalen Bands wie Benighted, Disavowed und Necrophagist bewährt hatte. Entscheidend war auch, dass die Band den richtigen Studio-Techniker und das richtige Studio für die Postproduktion fand. In brutalen Death-Metal-Bands gehen Instrumente nämlich schnell unter, und das Ganze klingt wie sinnloser Lärm ohne Kopf und Fuß. Der portugiesische Produzent Miguel Tereso hat im Studio Demigod Recordings hervorragende Arbeit geleistet und zum Sound beigetragen, den Mephistophelian auch verdienen.
Das Debüt – und bislang einzige Album – von Mephistophelian entfaltet sich in knapp 35 Minuten. Schon mit dem Opener Abysmal Discorded Endeavour macht die Band klar: Hier gibt es keine Kompromisse. Tempo ist Programm – Fans brutalen Death Metals werden begeistert sein. Mit jedem Track schärft sich das Bild des Gesamtwerks. Geschwindigkeit und Brutalität stehen im Vordergrund, aber die Band hat die wuchtigen, langsameren Parts nicht vergessen, die man auch als Breakdowns bezeichnen könnte. Auch technische Finesse ist ihnen nicht fremd. Ein gutes Beispiel dafür ist The Purge – mit außergewöhnlicher Dynamik, Ausgefeiltheit und einer cleveren Struktur.
In dem Genre, das Mephistophelian spielen, ist es schwer, ein Werk zu schaffen, das abwechslungsreich genug ist und dabei den roten Faden der Brutalität behält. Bei Mephistophelian fehlt sogar das Gefühl des künstlichen Streckens von Songs, was heutzutage ziemlich gängige Praxis ist. Obwohl Brutalität im Mittelpunkt steht, ist das Album ziemlich bunt und abwechslungsreich. Das etwas längere Omnipotent etwa überrascht mit einem langsameren Abschnitt, ohne dabei an Intensität zu verlieren. Das war eindeutig ein durchdachter Ansatz beim Songwriting.
Man hört Einflüsse vieler Bands heraus, vor allem aber merkt man, dass sich die Band sowohl der älteren als auch der modernen Seite des Genres bewusst ist. Man könnte sagen, sie bedienen sich einer interessanten Mischung aus beidem. Einen Favoriten herauszupicken ist schwer – jeder Track liefert seine volle Dosis Brutalität. Aber es gibt Songs mit zwischengeschalteten Passagen, die das Ganze noch interessanter, vielleicht sogar herausragender machen. Besonders hervorzuheben ist der Abschlusstrack Violation Of The Mind, bei dem die Brutalität mit einem düsteren melodischen Outro endet – und damit schließt sich der Kreis.
Was wirklich faszinierend ist: Das Ganze funktioniert. Kein Instrument verschwindet im Hintergrund. Das Klangbild ist voll und satt. Auch was besonders heraussticht, lässt sich schwer benennen. Die Gitarren liefern durchgehend schnelle und brutale Riffs, die Basslinien ergänzen das Ganze wunderbar, und am Schlagzeug dominiert ein Blast Beat, der einfach nicht nachlässt. Auch der Gesang verdient ein Lob – tief genug, um perfekt zu den tief gestimmten Gitarren zu passen, und dabei trotzdem verständlich.
Das Album ist definitiv für Fans brutaler Death-Metal-Bands wie Suffocation, Disavowed, Aborted, Dying Fetus und Co. gemacht. Anotos ist ein Werk, das die Elemente der alten und neuen Death-Metal-Schule sinnvoll vereint. Es überzeugt mit Intensität, Kompromisslosigkeit und Dynamik. Das Traurigste daran ist, dass es das einzige Album der Band geblieben ist. Eines lässt sich aber mit Sicherheit sagen: Das ist eine erstklassige Leistung der slowenischen Metal-Szene – und man hofft, dass die Jungs vielleicht doch wieder Lust bekommen, etwas Neues zu schaffen oder auf die Bühne zurückzukehren.
9/10
Tracklist:
- Abysmal Discorded Endeavour
- A Void Reminiscence
- The Purge
- Primal Un-Godliness
- Omnipotent
- Flesh Canvas
- Without Contingent Of Prosperity
- Shroudslice
- F.E.AR.
- Violation Of The Mind
Besetzung:
ROMAIN GOULON – Schlagzeug
KRISTJAN BAJUK – Gitarre
DENI PETRAŠ – Gesang
RENATO JUREJEVČIČ – Gitarre
DALIBOR VLADIČ – Bass
