House Of Lords: New World – New Eyes
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 12. 6. 2020
Produktion: James Christian
Albumlänge: 48.14 min
Genre: AOR/Melodic Rock
Wertung: 8.5/10
„New World – New Eyes“ ist das neue Studioalbum der AOR- und Melodic-Rock-Legenden House Of Lords, angeführt vom brillanten Komponisten, Produzenten, Arrangeur und unverwechselbaren Vokalisten James Christian. Mit »World Upside Down« und dem Wechsel unter das Dach von Frontiers Music Srl. begann für die Band eine neue Ära – und zwischen 2006 und 2020 haben House Of Lords, das neueste Album mitgerechnet, sage und schreibe acht Studioalben aneinandergereiht.
Das neue Album bringt keine besondere musikalische Revolution mit sich. Es folgt größtenteils dem Klang und Stil seines Vorgängers „Saint of the Lost Souls“ (2017) und weicht auch kaum von früheren Veröffentlichungen ab. Fans der Band können dieses Album also getrost »blind« kaufen. Auch das neue Album wurde von James Christian produziert, doch beim Hören des neuen Werks ist der allgemeine Eindruck, dass es einen Tick sanfter anspricht – im Arrangement wie in der Ästhetik der Klangproduktion selbst. So rücken Keyboardteppiche deutlich stärker in den Vordergrund der Klanglandschaft, und in einem der Tracks überrascht das Album sogar mit der Integration von Bläserarrangements.
Wie immer ist auch »New World – New Eyes« hervorragend ausbalanciert in der Kombination aus treibenden Tracks, mitteltemporigen Melodic-Rock-Stampfern und Balladenwerken, die nun einmal dazugehören müssen. Es muss kaum extra erwähnt werden, dass Christian kompositorisch wieder an alles gedacht hat – auch diesmal keine »künstlerischen Ausrutscher«. Alles sitzt. Eingängige Refrains, getragen von vielschichtig arrangierten mehrstimmigen Harmonien, arbeiten sich in den Tracks zu atmosphärischen Höhepunkten vor und gehen einem schlagartig unter die Haut. Gitarrenmagier Jimi Bell – der Mann, der sich kürzlich den wiedervereinigten AOR-Legenden Autograph angeschlossen hat – ist neben Christians markantem Gesang nach wie vor ein zentrales Element, das der Band ihren besonderen Platz im überaus dicht bevölkerten Genre des Melodic Rock und AOR sichert. Auch dieses Album trägt den musikalischen Charakter, den nur House Of Lords mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Werk verkörpern können. Kein Wunder: Christian, Bell und Schlagzeuger BJ Zampa sind seit 2006 die Konstante des Quartetts, und der Neue – Bassist Chris Tristram – hat sich ebenfalls bestens ins Team eingefügt, sein Beitrag ist sogar intensiver als auf dem Vorgänger. Trotz allem ragen als Highlights dieses Werks nach wie vor jene Songs heraus, die nach dem Schnittmuster eines Arrangierens und Komponierens geformt sind, das aus den klassischen Tagen der späten Achtziger schöpft – oder schlicht aus den ersten drei Alben der Band –, allen voran das eingängige Chemical Rush.
Diesmal hat James Christian wieder einige brillante Komponisten aus der AOR-Welt zur Zusammenarbeit eingeladen, die neben Christians eigenem Beitrag ebenfalls eine Reihe fein ausgearbeiteter kompositorischer Lösungen geliefert haben – auch wenn wir über ein Genre sprechen, das schon längst alles gesagt hat. Als Co-Autoren zeichnen diesmal Mark Spiro (Giant, Bad English, Cheap Trick …) – der neben Christian den Löwenanteil beisteuerte –, sowie der feinsinnige Tommy Denander, Chris Pelcer und Richard Hymas. Gerade wegen dieser Kollaborationen flirtet das neue Album stärker mit der Pop-Rhetorik der Achtziger. Das neue Album liefert also alles, was man vom Namen House Of Lords erwartet und verlangt. Überraschen tut es schon lange nicht mehr. Seine Aura reflektiert eine minimale Abweichung im Arrangement, die sich diesmal auf die betonten Keyboards bezieht, die Bells Phrasierung begleiten, sowie auf eine insgesamt sanftere Produktion. Das bringt keine Schockwellen in die Diskografie der Band – und das Maximale, was man von den heutigen House Of Lords erwarten kann, ist genau dieses minimale Eingreifen bei den Produktionstricks. Das bedeutet, dass auf dem nächsten Album die Initiative in der Produktion wieder dem Gitarren-Fokus gehören könnte, wie er auf „Big Money“ (2011) geliefert wurde. Doch ungeachtet dessen: Hut ab vor James Christian für all seine Standhaftigkeit und Beharrlichkeit. Mit »New World – New Eyes« beglücken seine House Of Lords ihre Fans erneut durch und durch – genauso wie alle Liebhaber dieses in mancherlei Hinsicht heute schon archaischen Musikgenres.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Change (What’s It Gonna Take)
2. New World New Eyes
3. One More
4. Perfectly (You And I)
5. The Both Of Us
6. Chemical Rush
7. We’re All That We Got
8. Better Off Broken
9. $5 Buck Of Gasoline
10. The Chase
11. The Summit
Besetzung:
James Christian – Gesang, Keyboards, Background-Vocals, Akustikgitarre
Jimi Bell – Gitarre, Background-Vocals
Chris Tristram – Bass, Background-Vocals
B.J. Zampa – Schlagzeug, Background-Vocals
