Frontiers Rock festival 2014 – zweiter Tag!

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Ort: Trezzo sull’Adda (Mailand) / Live Club / Italien
Datum: Samstag, 02.05.2014


Der zweite Tag des Frontiers Rock Festival brachte Regen! Schon der Morgen und der Vormittag, die wir als ganze Truppe damit verbracht haben, durch ein riesiges Einkaufszentrum ein paar Kilometer außerhalb des Städtchens Trezzo Sull’Adda zu streifen. In einem noch kleineren Städtchen. Namens Basiano. Erstes Ziel war natürlich ein Besuch im Mediamarkt und bei den heruntergesetzten CDs, wo wir selbstverständlich nicht mit leeren Händen rausgegangen sind.  Mit einer Tüte voll grandioser Musik für je 4,99€ ging’s noch schnell in einen Discounter, um billige Flaschen Paulaner Weizenbier abzustauben, und so bestens versorgt machten wir uns auf zur Location.

Der erste Festivaltag hat uns neben der tollen Auswahl an Bands auch mit einer hervorragenden Organisation verwöhnt. Alles lief wie am Schnürchen. Die Bands traten auf die Minute genau zu den angesetzten Zeiten auf. Keinerlei Beschwerden über die Organisation also. Höchstens Lob. So trudelten wir kurz vor drei am Nachmittag am Hallen­eingang ein! Und Punkt drei enterten die Schweden Adrenaline Rush die Bühne. Die Band hat Ende Januar dieses Jahres einen Vertrag mit dem Label Frontiers Records unterschrieben und auch schon die erste Vorab-Single zum Song Changes veröffentlicht, der natürlich auf dem kommenden Debütalbum landen wird. Bei dem trüben Wetter draußen bot der Blick auf die Bühne jede Menge Grund zur Aufheiterung. Im Mittelpunkt stand ein heißes, kleines, kokettes Sahneschnittchen namens Tave Wannig! Sie schwang gekonnt das Mikro und fegte hemmungslos über die Bühne. Bevor sie zu Adrenaline Rush kam, hatte die Sängerin das Teen-Pop-Duo Peaches gebildet, aber bei Adrenaline Rush ist für Pop natürlich kein Platz. Komplettiert wird die Truppe von Ludvig Turner (Leadgitarre), Alexander Hagman (Rhythmusgitarre), Soufian Ma’Aoui (Bass) und Marcus Johansson (Schlagzeug). Die Band lieferte eine ordentliche Portion Kompaktheit und Eingespieltheit ab. Musikalisch bringen Adrenaline Rush absolut nichts Neues, aber die skandinavische Schule im Umgang mit melodischem Rock ist natürlich zu spüren. Auf der einen Seite hörst du Einflüsse älterer skandinavischer Rockbands wie Treat, Dalton, Renegade, 220 Volt, dazu kommt aber natürlich eine kleine Prise sleazige Frechheit, bei der Fans von Crazzy Lixx oder Hardcore Superstar die Ohren spitzen dürften. Im Sommer dieses Jahres veröffentlicht die Band ihr Studiodebüt, das unter der Produzentenfuchtel des herausragenden Erik Martensson (W.E.T., Eclipse) entsteht. Lassen wir uns überraschen.

Weiter ging’s nicht minder süß. Auch bei der nächsten Band hat ein süßes Mädel den Leadgesang übernommen. Die Estin Lennaa Kuurmaa, die sich neuerdings in der melodischen Rockband Moon Land versucht. Dahinter steckt natürlich die A&R-Abteilung von Frontiers Records und der Versuch des Labels, dem Volk ein neues heißes, knuspriges Brötchen zu servieren und ihm noch den einen oder anderen Euro mehr aus der Tasche zu locken. Die Songs hat zum Beispiel Alessandro Del Vecchio geschrieben, und Lenni wurde er geschickt, damit sie ihre Stimme daran ausprobiert. Die Sache hat offenbar funktioniert, und beide Seiten waren zufrieden. Lenaa Kuurmaa hat schon einiges an Erfahrung auf dem Buckel. Vielleicht kennt ihr sie von der Girl-Pop-Band Vanilla Ninja, die Estland zweimal beim Eurovision Song Contest vertreten hat. Beide Male eher erfolglos, den Durchbruch schafften die Mädels aber 2005, als sie mit dem Song Cool Vibes für die Schweiz beim Eurovision antraten. Damals lagen sie zur Halbzeit der Abstimmung noch vor allen teilnehmenden Ländern in Führung, landeten am Ende aber trotzdem auf einem ausgezeichneten achten Platz. Lenna wurde auf der Bühne von einem Quartett an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards begleitet. In gut einer halben Stunde präsentierte die Truppe Songs vom kommenden Debüt, das Ende dieses Jahres erscheinen soll, darunter Open Your Heart, Heaven Is Close To You und Live And Let Go.  Man merkt, dass die Band noch in den Kinderschuhen steckt und sich für Lenna vorerst alles erst entfaltet. Korrekt gespielt, ordentlich, kompakt genug, aber wie schon zuvor bei Adrenaline Rush stach natürlich Lenna mit ihrem Talent und ihrem Charme als hervorragende Sängerin und Bühnenfigur über allem heraus, die ihre Absätze so zu drehen weiß, dass du ihr sofort verfällst! Als ihre Vorbilder nennt die Frau The Beatles und Queen, gerne hört sie Heart. Die Hebel von Letzteren waren auch im gespielten Material ihrer neuen Truppe Moon Land nicht zu überhören.

Erst im Sommer letzten Jahres haben sich unter dem Namen L.R.S. drei ausgesprochen gestandene Musiker zusammengetan. Sänger Tommy La Verdi (21 Guns), Josh Ramos (Hardline, The Storm) und Michael Shotton (Von Groove). Das Studiodebüt des Projekts mit dem Titel »Down To The Core« erschien im März dieses Jahres, unter der wachsamen Produzentenaufsicht des Frontiers-Records-»Mädchens für alles« Alessandro Del Vecchio, der auf der Bühne während des Auftritts auch noch den Keyboarder gab. Die Entscheidung ist logisch, schließlich kennt er zum Beispiel Josh Ramos gut genug. Die beiden bilden nämlich zusammen einen Teil der heutigen Hardline-Besetzung. Man spürte, dass es überhaupt das erste gemeinsame Konzert des Trios war. Raus holten die Musiker diesmal ihre reiche Erfahrung und Routine, und das Repertoire füllte die Truppe mit einer Version des 21-Guns-Songs Knee Deep (ganz am Ende der Setlist), dem Von-Groove-Hit Once Is Not Enough, bei dem Drummer Michael Shotton den Gesang übernahm (wie auf dem Original), und dem The-Storm-Klassiker  I’ve Got a Lot to Learn About Love. Alle drei wurden zu einem »Medley« verschmolzen. Die Songs des Albums »Down To The Core«, wie der Titeltrack, dazu Our Love To Stay, Living 4 A Dream, Universal City (interessant übrigens, dass die Single Almost Over You aus der Setlist geflogen ist), wärmten natürlich die Herzen all derer, die dem melodischen Rock verfallen sind. Vor allem die von Journey-Fans. Das Volk hatte nicht weniger Spaß als vorher bei Moon Land und Adrenaline Rush, und alle Augen blieben meist an den herausragenden Gitarrenkunststücken von Josh Ramos hängen, der schon am Vorabend beim Auftritt von Hardline gezeigt hatte, dass er Neal Schon bis ins kleinste Detail studiert hat.  Der barfüßige La Verdi verlor während des Konzerts ein paar Mal den roten Faden, aber das ist alles der Tatsache geschuldet, dass er lange nicht auf der Bühne stand. La Verdi bedankte sich im Laufe des Konzerts natürlich überschwänglich bei den Chefs von Frontiers Records, dass sie ihn zurück auf die Bühne und in die Gesellschaft der beiden anderen herausragenden Musikerkollegen gebracht haben. Ein Auftritt ohne Highlights, der aber zugleich als exklusiv galt, denn es ist fraglich, ob dieses Projekt jemals auf irgendeine Konzerttour gehen kann. Eine ähnliche Geschichte also wie bei Three Lions, die einen Tag zuvor beim Festival gespielt haben.

Der Verlauf des zweiten Festivaltags sprang mit dem Auftritt der herausragenden schwedischen Melodic-Rock-Revivalisten Eclipse schlagartig auf ein höheres Qualitätsniveau, die mit zwei Alben in der Tasche neben den dänischen Pretty Maids eigentlich die härteste Band des zweiten Festivaltags waren. Der entscheidende Unterschied zwischen Eclipse und den übrigen drei Acts, die vor ihnen auf der Bühne standen, ist, dass Eclipse eine echte Band sind, die schon ein Stückchen länger in ihrer ausgereiften und klaren musikalischen Vision atmet und geschlossen wächst. Die Zügel hält der herausragende Sänger, Multiinstrumentalist, Produzent und Songschreiber Erik Martensson in der Hand, der zusammen mit seinem Kumpel, Gitarrist Magnus Henriksson, schon am ersten Festivaltag mit W.E.T. aufgetreten war. Das Quartett reihte in einem dreiviertelstündigen Auftritt eine herausragende Show aneinander, bestehend aus Nummern der einzigen beiden Alben, die Eclipse bis zu diesem Tag veröffentlicht hatten, mit Schwerpunkt auf dem aktuellen »Bleed And Scream« (2012). Ein Song wie Wake Me Up ist zum Beispiel geradezu perfekt komponiert und unter Melodic-Rock-Anhängern schon jetzt ein beliebter Evergreen. Bei der Aufführung sang ein ordentlicher Teil der Halle die Texte auswendig mit. Zumindest die Refrains. Eclipse sind eine ungemein ansteckende Band! Martensson ist ein Magnet. Ein außergewöhnlicher Sänger, Bühnenakteur, Schauspieler. Das Quintett spielt dabei fulminant. Auch Henriksson hat mit ein paar Solo-Kunststückchen verblüfft! Die Truppe beendete den Auftritt mit Breaking My Heart Again und hob die Qualitätslatte des Festivaltags auf ein höheres Niveau. Eclipse galten an diesem Tag für so manchen in der Halle als eine der schönsten Abwechslungen des zweiten Festivaltags. Sie lieferten tatsächlich einen so starken Auftritt ab, dass er qualitativ für viele vor Ort sogar über den Auftritten aller anderen Acts dieses Tages hinausragte. Selbst über dem der Hauptacts des zweiten Tages, den Amerikanern Stryper!

Red Dragon Cartel ist die Band, die nach 15 Jahren Pause einen der talentiertesten und versiertesten Hardrock-Gitarristen der Achtziger, Jake E. Lee, zurück auf die Bühne gebracht hat. Lee wählte als Sänger den sonstigen Drummer der Kanadier Harem Scarem, Darren J. Smith, der seine neue Rolle mit großer Auszeichnung gemeistert hat. Die Besetzung komplettierten Bassist Ronnie Mancuso und Drummer Jonas Fairley. Die »Gitarrennachtigall«, die sich mit ihrem Wirken bei Badlands und vor allem als erster Gitarrist von Ozzy Osbourne auf den Alben »Bark At The Moon« und »The Ultimate Sin« in die Herzen aller Heavy-Metal- und Hardrock-Fans eingeschrieben hat, startete seine Show in großem Stil. Direkt mit einem Haken und Ozzys Song The Ultimate Sin. Das hat der Halle das Dach weggesprengt. Das Publikum drehte durch, und das teure Bier (4 dl für 5,00€) schwappte im Nu in alle Ecken der Halle. Jake E. Lee war bestens gelaunt. Er feuerte gnadenlos aus der Gitarre und schoss Salven von Improvisationsakrobatik ab, sein ureigenes Markenzeichen. Es handelt sich nämlich um einen einzigartigen Gitarristen mit unverwechselbarem Stil.  Jake E. Lee entschied sich, einen konkreteren Teil der Konzertzeit der Aufführung einiger Badlands-Klassiker zu widmen, die ihm über die Jahre besonders ans Herz gewachsen sind. So folgten High Wire, Shine On, In a Dream, Rumblin‘ Train und Sun Red Sun . Dazwischen mischte die Truppe Songs des selbstbetitelten Studiodebüts, und zwar Deciever, War Machine, Feeder und Shout it Out. Zum großen Finale kehrte Jake E. Lee mit der Truppe für die Zugabe zurück und haute noch Ozzys Bark At The Moon raus und machte damit das gründlich »geölte« Publikum in der Halle maßlos glücklich! Eine Bombe von Konzert! Wenn Red Dragon Cartel irgendwo bei dir in der Nähe spielen, tu dir einen Gefallen und spring zu ihrem Konzert. Sie überschütten dich mit echter Energie-Voltage! Jake E. Lee ist hungrig und durstig nach Blut und Auftritten. Das hat seine Festivalshow bewiesen! Bestimmt werden Red Dragon Cartel in Zukunft noch das eine oder andere Album veröffentlichen! Bei dem gezeigten Fokus ganz sicher.

Pretty Maids sind an diesem Tag als Einzige beim Festival mit ihrem »Nightliner« angereist. Nicht wegen dieses Festivals. Der Weg aus dem dänischen Horsens hätte sich dafür nicht gelohnt, sie sind einfach so im Vorbeigehen beim Festival reingeschneit. Mitten auf ihrer Headliner-Tour, auf der sie immer noch ihr aktuelles Studioalbum »Motherland« vorstellen, ebenso wie das frisch erschienene Album mit neu eingespielten Klassikern und vier komplett neuen Songs, »Louder Than Ever«. Pretty Maids touren in den letzten Jahren regelmäßig. Schon im Herbst waren sie gemeinsam mit Pink Cream 69 und Bonfire auf ausgedehnter Tour über den alten Kontinent unterwegs, und für diesen Mai ist schon die nächste Tour angekündigt.

Pretty Maids gelten als eine der erfahrensten Livebands und zugleich als eine der stärksten Truppen, was die Interpretation des Repertoires angeht. An Routine war ihnen an diesem Tag unter den Auftretenden garantiert keiner gewachsen. Die Band, die bereits 1981 entstand, nahm sich auf der Bühne mehr Platz als die Bands vor ihnen. Das Schlagzeug stand ordentlich erhöht auf einem eigenen Podest, im Hintergrund prangte ein riesiges Banner mit dem Cover des aktuellen Studioalbums »Motherland« und natürlich dem Logo der Band. Auch an diesem Abend gaben Pretty Maids erwartungsgemäß alles. Sie spielen immer auf Vollgas. Ohne Bremsen. Schon zu Beginn riss Sänger Ronnie Atkins mit seiner bewährt strammen Konzentration und seinem charismatischen Magnetismus die Halle von den Sitzen, als nacheinander die neuen Mother Of All Lies und I See Ghosts liefen, ebenso wie der in die Setlist zurückgekehrte »Pandemonium«-Song Final Day of Innocence. Neben dem aufgekratzten Atkins sprang Bassist Rene Shades fröhlich hin und her, mal zu Keyboarder Morten Sandager, mal zu Gitarrist Ken Hammer, während die »Schlagzeugbestie« Alan Tschikaja den Fellen gnadenlose Ohrfeigen verpasste und nebenbei einen ganzen Haufen Drumsticks ins Publikum verteilte. Auch die ganz neue My Soul To Take funktioniert prima, die leise Richtung Little Drops Of Heaven schielt – die wurde natürlich in der zweiten Konzerthälfte gespielt –, ebenso wie etwas später die ebenfalls ganz neue  Nuclear Boomerang, die bei Ronnie ein bisschen stimmliche Angeschlagenheit offenlegte, was man eben in Kauf nehmen muss, denn die Stimme ist das einzige organische Instrument. Und sie lässt sich nicht komplett ersetzen. Die Band wagte sich auch an Phil Lynotts Please Don’t Leave Me, und die letzten Atome Kraft pressten sie dem Publikum mit dem erwarteten Schlussfinale aus Songs des eisernen Repertoires ab, Red Hot And Heavy, Future World und Back To Back.

Ein wenig überrascht hat nur, dass Pretty Maids keinen der neu aufgenommenen Klassiker des Albums »Louder Than Ever« ins Repertoire genommen haben, die sie live ohnehin schon länger nicht gespielt haben. Vielleicht hören wir sie aber am 15.05.2014, wenn die Band in Velden am Wörthersee in Kärnten im Club Bluesiana Rock Cafe auftritt. Dann spielen Pretty Maids nämlich ein zweistündiges Konzert. Pretty Maids lieferten an diesem Tag eine der stärksten Bühnenshows ab, deshalb wartete auf Stryper im Anschluss eine ausgesprochen schwere Aufgabe!

Konzerte der »weißen«, oder anders gesagt »christlichen Rocker« Stryper sind in Europa nicht gerade alltäglich. Obwohl die Band im vergangenen November das neue Studioalbum »No More Hell To Pay« veröffentlicht hat, hatte sie in Europa noch keine Gelegenheit, es konkreter vorzustellen. Die erste echte Gelegenheit bot sich also genau beim Frontiers Rock Festival. Zwar haben Stryper in diesem Sommer noch ein paar bestätigte Auftritte auf europäischen Festivals, unter anderem auch beim Bang Your Head!! Festival im deutschen Balingen, trotzdem bleibt Fakt eben Fakt. Stryper spielen nicht viel in Europa, deshalb galten sie garantiert als besondere Attraktion des Festivals. Schon beim Betreten der Bühne warf Michael Sweet ein paar »Stryper-Bibeln« unters Volk, als die Band zum eingespielten Intro Battle Hymn of the Republic auf die Bühne kam. Sing Along Song weckte mit seiner pompösen Ansteckungskraft sofort das Publikum, das gleich mitsang. Der ultimative Anführer und Boss der Band, Sänger und Gitarrist Michael Sweet, hält sich stimmlich gut. Trotzdem sparte er stellenweise Energie und mied die extrem hohen Lagen, die er immer noch singen kann (zumindest das letzte Studioalbum beweist das), sonst hätte er vor ein paar Jahren nicht als einer der Hauptsänger bei den legendären Boston mitgemacht. Stryper stellten ihr Repertoire aus ihren Hits zusammen, einen Teil des Konzerts widmeten sie der Vorstellung des neuen Studioalbums »No More Hell To Pay« (nur drei Songs), und eine Zeit lang sogar dem Coveralbum »The Covering« (2011), von dem sie den Judas-Priest-»Evergreen« Breaking The Law und den Kiss-Standard Shout It Out Loud spielten.

Ein Stryper-Konzert ist eine ganz besondere Erfahrung. Darin eingewoben ist das Predigerritual von Michael Sweet. Gerade im letzten Teil des Konzerts war dann die Ballade Honestly dran. Schon davor hat er »fleißig« geredet und geredet. Halb so wild. Es ist ein Klassiker, ein Standard. Erwartbares Zeug. Allerdings sang Sweet diesen Song im Balladenteil ganz allein auf der Bühne, mit eingespielten Keyboards (die Band hat sich im Lauf des Konzerts auch mit Playbacks der Begleitvocals beholfen), was der Ladung und der Spannung des Konzerts ein wenig den Wind aus den Segeln nahm. Vor dem Teil, in dem die ganze Band in den Song einsteigt, verschwand er kurz von der Bühne, die sich da komplett verdunkelte, dann spielt die Band den Song zu Ende. Auch die längeren Ansprachen zwischen den Songs konnten manche leicht nerven, erst recht, wenn man für eine kompromisslose Dosis Rock ’n‘ Roll-Party gekommen war. Das muss man in Kauf nehmen. Stryper sind eben eine besondere Band. Ein ganz schönes Bündel Stryper-Bibeln wurde verteilt, wir sind aber vor allem wegen der Musik gekommen, und die Band hat das mit den großartigen Riff-Strukturen locker wettgemacht, die in All For One, The Way und erwartungsgemäß am Ende des regulären Teils in Soldiers Under Command ertönten. Auch die Zugabe war erwartet. Erwartet war nicht nur ihre Kürze. Eingespieltes Intro (Abyss) und dann direkt in To Hell With The Devil und Abschied.

Ansonsten wirkt die Truppe kompakt, abgestimmt, bestens eingespielt. Die Erfahrung ist da. Die Reife, die mit den Jahren kommt, nicht weniger. Oz Fox und Michael Sweet ergänzen sich in den Soli wunderbar, ebenso bei den Terzen, der ansonsten bestialische Michaels Bruder Robert Sweet saß natürlich wieder mit dem Gesicht vom Publikum abgewandt, was seit jeher Standard bei der Band ist, aber auf diese Art immer wieder nicht wenig Verwunderung auslöst. Es gibt wenige Drummer, die sich dafür entscheiden, beim Konzert nicht mit dem Schlagzeug zum Publikum gedreht zu sitzen. Vielleicht fehlte das Tüpfelchen auf dem »i« in Form irgendeiner brennenden Stryper-Schrapnelle mehr, damit das Maß voll gewesen wäre, ansonsten aber kein Gemecker. Die Band spielt großartig, und das zählt. Auf jeden Fall ein Muss für alle echten Fans der Band. Stryper haben die Rolle als Headliner gerechtfertigt, trotz der herausragenden Pretty Maids und Eclipse vor ihnen, die für viele der Höhepunkt der Festivalauftritte des zweiten Tages waren.

Erfüllt vom Genuss der neuen Konzerterlebnisse machten wir uns auf den Weg zum Auto. Der Regen hatte aufgehört. Aber der Teufel ließ uns keine Ruhe! Jernej ist nämlich in der Halle Brad Gillis (Night Ranger) begegnet! Offenbar sind Night Ranger schon einen Tag vor ihrem Auftritt in Trezzo sull’Adda angekommen! Wir drehen um Richtung Halle. Zuerst stoßen wir auf Gitarrist Joel Hoekstra, der freundlich ein paar Worte wechselte und sich auf Wunsch der Anwesenden vor ein paar Kameras stellte, danach folgte noch die Begegnung mit dem Originalmitglied und Gründer von Night Ranger, Gitarrist Brad Gillis, der im Außenbereich der Halle einen Haufen aufgekratzter Fans empfing, die ihn wie die Fliegen umlagerten. Ein wunderschöner Abschluss des Festivaltages und die Einleitung zu seinem Finale, dem dritten Tag! 

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

ADRENALINE RUSH:
1. Black N Blue
2. Change
3. Mellansnack
4. No No No
5. mellansnack
6. When We’re Gone
7. Want It All
8. Generation Left Behind
9. Oh Yeah!
10. Hit You Like A Rock
11. Long Live Rock ’n‘ Roll (Rainbow)

L.R.S.:
1. Our Love to Stay
2. Livin 4 a Dream
3. Down to the Core
4. Universal Cry
5. I’ve Got a Lot to Learn About Love (The Storm)
6. Once Is Not Enough (Von Groove)
7. Knee Deep (21 Guns)

ECLIPSE:
1. Wylde One
2. Wake Me Up
3. Battlegrounds
4. A Bitter Taste
5. Bleed & Scream
6. Under the Gun
7. S.O.S.
8. About to Break
9. Breaking My Heart Again

RED DRAGON CARTEL:
1. The Ultimate Sin (Ozzy Osbourne)
2. Deceived
3. War Machine
4. High Wire (Badlands)
5. Shine On (Badlands)
6. Shout It Out
7. In a Dream (Badlands)
8. Rumblin‘ Train (Badlands)
9. Sun Red Sun (Badlands)
10. Feeder
—Zugabe—
11. Bark at the Moon (Ozzy Osbourne)

PRETTY MAIDS:
1. Mother of All Lies
2. I See Ghosts
3. Final Day of Innocence
4. My Soul to Take
5. Yellow Rain
6. Rodeo
7. Please Don’t Leave Me (Phil Lynnot)
8. Another Brick in the Wall Part 2 (Pink Floyd)
9. I.N.V.U.
10. Nuclear Boomerang
11. Little Drops of Heaven
12. Fortuna Imperatrix Mundi (Carmina Burana)
13. Back to Back
14. Red, Hot and Heavy
—Zugabe—
15. Future World
16. Outro (Sit on My Face – Monty Python)

STRYPER:
1. Intro (Battle Hymn of the Republic)
2. Sing-Along Song
3. Loud ‚N‘ Clear
4. Reach Out
5. Calling on You
6. Free
7. More Than a Man
8. Legacy
9. No More Hell to Pay
10. Marching Into Battle
11. Breaking the Law (Judas Priest)
12. Shout It Out Loud (KISS)
13. All for One
14. Honestly
15. The Way
16. Soldiers Under Command
—Zugabe—
17. Intro (Abyss)
18. To Hell With the Devil


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