Little Richard 05.12.1932 – 09.05.2020

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Little Richard, Pionier des Rock’n’Roll, ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Diese Nachricht wurde gestern offiziell von seinem Sohn Danny Penniman bestätigt.

Wenn Elvis als König des Rock’n’Roll in die Geschichte eingegangen ist, hatte er dabei stets nur einen einzigen Herausforderer, der ihm diese Krone hätte streitig machen können. Little Richard.

Richard Wayne Penniman, den viele als Innovator, Initiator und Architekten des Rock’n’Roll bezeichneten, begann seine Konzerte stets auf der gegenüberliegenden Seite der Halle – gekleidet in gleißendem Outfit, maximal aufgedonnert – und bewegte sich dann langsam durch seine Fans bis zur Bühne. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Pianist (er spielte Klavier im Stehen), sein frenetisch donnernder und durchdringender Gesang, mit dem Little Richard eine Art theatralischen Wahnsinn und Exzess erschuf, der die Konzertbesucher dämonisch in seinen Bann zog, galt als das perfekte ursprüngliche Muster, an dem sich unzählige Musiker auf der ganzen Welt orientierten, wenn sie versuchten, seinen vokalen Ansatz nachzuahmen.

Sein Hit Tutti Frutti sowie der unsterbliche Schrei Awop-Bop-a-Loo-Mop Alop-Bam-Boom sind die Momente, in denen der Rock eine stürmische Transformation in allem erlebte, was er bis dahin bedeutet hatte.

Es waren die Fünfziger. Und dann war plötzlich Little Richard da. Ein Kerl, dem es gelang, in dieser Zeit soziale, rassische und sexuelle Barrikaden und Tabus zu überwinden – was bedeutet, dass Rock mit seiner Ankunft plötzlich zur transgressiven Kraft wurde, und Little Richard als schwarzer Künstler zum Teenageridol für Millionen Weißer avancierte, die kurz darauf selbst unzählige Coverversionen von Richardes berühmter Ode auf die Freuden des Analsex schufen – also des Songs Tutti Frutti, der im Original in folgenden Zeilen darauf anspielte: „Tutti Frutti/ good booty/ If it don’t fit/ don’t force it“. Nicht zu vergessen: Das war kein Szenario irgendwo, sondern mitten in den USA. Mitten in den Fünfzigern.

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms, im Jahr 1957, entschied er sich, seine Karriere zu beenden. Little Richard befand sich mitten in einer Australien-Tournee, von der er jedoch früher als geplant in die USA zurückkehrte. Nur zwei Wochen später stürzte genau das Flugzeug ab, mit dem er hätte von der Tournee nach Hause zurückfliegen sollen – wäre er bis zum Ende dabeigeblieben –, getroffen von einem Blitz. Little Richard deutete dieses Ereignis als Gottes Werk und eine Art göttliche Offenbarung. Von da an wollte er sein Leben Gott widmen.

Er begann zu studieren. Er wollte Prediger werden. Er heiratete sogar, obwohl von Anfang an klar war, dass diese Ehe zum Scheitern verurteilt war. Den endgültigen Punkt setzte seine Verhaftung, nachdem er in Long Beach (Kalifornien) seine Frau geschlagen hatte. Die Scheidung war unausweichlich.

Nachdem er das geregelte Leben satt hatte, plante er eine Rückkehr auf die Konzertbühnen. Es war das Jahr 1962, und Don Arden brachte ihn gemeinsam mit Sam Cooke auf Tournee.

The Beatles waren glühende Fans von Little Richard und traten in jenem Jahr sogar gemeinsam mit ihm in Hamburg auf. Little Richard und McCartney wurden später auch sehr gute Freunde.

Angeblich soll Bonzos einleitender Schlagzeug-Einwurf im Led Zeppelin-Song Rock’N’Roll entstanden sein, als die Band bei einer Probe spaßhalber Keep A Knockin‘ von Little Richard spielte. Diesen Song coverten später auch Mott The Hoople.

Während er in Europa keine besonderen Schwierigkeiten hatte, wieder berühmt zu werden, war der Weg dorthin in den USA erheblich schwerer. Gleichzeitig begannen sich langsam Probleme über seiner Karriere zusammenzubrauen, wozu auch seine schwere Drogenabhängigkeit beitrug. Auch der Tod seines Bruders durch einen Herzinfarkt hinterließ Spuren. Er behandelte die Musiker seiner Begleitband oft ziemlich grausam, wobei ihn manchmal schon echte Kleinigkeiten aus der Bahn warfen. Es passierte, dass sein Gitarrist in dunklen Turnschuhen zu einem Konzert erschien – und Little Richard zog ihm deshalb sofort 50 Dollar von seiner Gage ab, weil ihn das so rasend machte. Auch war er alles andere als ein Engel, wie schon hinsichtlich seines Kokain- und Heroinkonsums erwähnt. Mitte der Siebziger verbrannte er bis zu 1000 Dollar täglich für Kokain.

So entschied er sich, ein zweites Mal in den Ruhestand zu gehen, und wurde danach Vertreter. Er begann, von Tür zu Tür Bibeln zu verkaufen. Jahre später kehrte er ins Musikgeschäft zurück. So wirkte er u. a. als Special Guest auf Aufnahmen von Living Colour und Bon Jovi mit. Außerdem begann er wieder aufzutreten. Anders als viele seiner Generationsgenossen erlebte Little Richard ein hohes Alter und konnte so selbst Zeuge der Bedeutung seines musikalischen Beitrags werden.

Rock, wie wir ihn kennen, hätte sich ohne Little Richard wahrscheinlich anders entwickelt – und wir dürfen auch nicht vergessen, welchen Stempel Little Richard bei der weiteren Einführung von Glam in den Rock hinterlassen hat. David Bowie, Elton John, Alice Cooper und Prince haben alle anerkannt, dass sie bei ihren extravaganten Manövern aus Kitsch, Glitter und der Übernahme künstlerischer Alter Egos den ursprünglichen Taten Little Richards gefolgt sind. Little Richard hat mit seiner Pose grenzenlos unheiliger Bühnennärreleien, Streiche und Show-Exzesse den neuen Musikgenerationen die Tür weit aufgestoßen, damit diese durch die Sprache des Rock’n’Roll ihren Weg zu „Wildheit und Freiheit“ fanden!


Little Richard – Tutti Frutti
Little Richard – Keep A Knockin‘
Little Richard – Long Tall Sally
Little Richard – Lucille
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