Siddharta : Nomadi

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Label: Nika Records
Erscheinungsdatum: 14.09.2018
Produktion: Dejan Radičevič
Albumlänge: 43:05
Wertung: 9.0 / 10
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Neues von Siddharta. »Die allslowenische Volksband«. Was soll man sagen. Diesmal spielen sie die Nomaden. Und die Platte ist wieder gut. Siddharta sind im Laufe der Jahre zu außergewöhnlichen Meistern ihres Handwerks geworden. Sie beherrschen die Kunst, mit ihrer eigenen musikalischen Nomenklatur umzugehen, außerordentlich gut. Ihre musikalische Rezeptur verpacken sie immer wieder exzellent neu und servieren sie so, dass das Ganze frisch und unglaublich schmackhaft wirkt.

Das neue Album »Nomadi« liefert im Gegensatz zu den Vorgängern »Ultra« und »Infra«, aber auch zum mittlerweile schon ziemlich weit entrückten»VI«, eine Reihe gleichwertig hörenswerter Songs. Angesichts der Pompösität, die sprichwörtlich hinter dem Namen Siddharta steht, haben die Jungs diesmal eine Reihe von Rockhymnen hingestellt, bei denen es in Sachen musikalischer Ansteckungsgefahr keine großen Schwankungen gibt – sie wirken gleichwertig und halten die kompositorischen Qualitäten der Band auf hohem Niveau. Daher ist das Album im Vergleich zu allen drei Vorgängern in dieser Hinsicht konsistenter. Auf jeden Fall anders, obwohl Siddharta darauf keinerlei Neuheiten oder noch unentdeckte musikalische Horizonte erproben. Das Eröffnungsstück Halo nomadi riecht dank der eingewobenen Sampling-Dosis, die stellenweise im Arrangement heraussticht, am ehesten nach einem kleinen Hauch von Experimentierfreude. Es ist auch das ruppigste Stück des Albums, denn an keiner anderen Stelle reißt Tomi später so feurig vokal los.

Siddharta jonglieren wieder außerordentlich geschickt zwischen Rock’n’Roll und Pop. Wieder wird beides außerordentlich geschickt zusammengeführt. Deshalb leuchtet wieder in voller Pracht das persönliche Dossier musikalischer Leidenschaften und Emotionen der Band, in dem es an bombastischer Ansteckungskraft und Pomp-Theater nicht mangelt, dem einmal mehr geschickt und erneut der Sentiment von Melancholie und ewiger Sehnsucht beigegeben wurde. Genau das, was echte Fans bei Siddharta immer (wieder) suchen. A.M.L.P. ist ein Stück, das auf jedem der ersten drei Alben der Band hätte landen können. Es jagt die Rotation in den Charts und stellt einen Hit dar, der aber im Vergleich zum übrigen Albummaterial eigentlich das uninteressanteste Stück des Albums ist, weil wir diese Art von Hit-Songwriting bei Siddharta einst schon in mehreren Variationen erlebt haben, nur unter anderen Titeln.

Standard eines jeden Siddharta-Albums ist natürlich die gute Produktion. Auch »Nomadi« enttäuscht darin nicht im Geringsten. Die Klanglandschaft des Albums ist wieder geschickt ausgereizt und feinsinnig ausgefüllt. Die Keyboards konzentrieren sich diesmal ausgiebiger auf den Einsatz synthetischer Klangteppiche aus den Achtzigern, was bereits im Eröffnungsstück Halo nomadi auffällt. Das Einlegen dieser Klangebenen in die Arrangements verstärkt das kontrastierende Phrasieren der Gitarren und vertieft bzw. hebt so die Theatralik des Produkts, seinen Drama-Moment. Das Album entfaltet stellenweise wieder einige außerordentlich eingängige und packende, hochatmosphärische Zustände.

Favoriten gibt es gleich mehrere auf dem Album.Die Wahl der Favoriten liegt diesmal bei jedem Einzelnen. Wie gesagt. Die Songs sind nämlich qualitativ gleichwertig. »Nomadi« ist daher ein außerordentlich kohärentes, kompaktes und konsistentes Produkt. Siddharta bleiben große Stilisten in der Kunst des Komponierens. In Jaz tritt besonders in der Strophe eine besondere Klangfarbe von Tomis Stimme in den Vordergrund, die sich von der gesamten übrigen Vokalinterpretation des Albums abhebt. Beim ersten Hören wirkt es, als hätten Siddharta in der Strophe dieses Stücks einen besonderen Gastvokalisten integriert. Dabei ist es eigentlich Tomi selbst, der mit Klangfarbe und Ansatz das Ego-Gefühl potenziert (in Einklang mit der Botschaft der Verse von Jaz). Dieses Stück erreicht eine besondere Stimmungsdualität, gerade dank Tomis vokaler Ausstrahlung und jener vokalen Ansteckungskraft, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Jaz ist ein Song, als wäre er aus der Aufnahmezeit des Albums „Saga“ (2009) verlorengegangen. Im Refrain von Kripto ist die Vokalproduktion so gestaltet, dass sie das Gefühl intensiviert (betont), dass sich der Hörer tatsächlich » live« mit »Engeln im Paradies« wiederfindet (siehe Vers des Songs). Das unterstreicht nur, wie weit Siddharta ihr musikalisches Handwerk bzw. ihren eigenständigen expressiven Artismus in ihrer Reife getrieben haben.

Je weiter das Album seinem Ende entgegengeht, desto mehr packt und fesselt es mit größerer artistischer Feinmechanik. Die abschließende Kombination der beiden außerordentlich schönen Songs Blizu und Vzhod ist regelrecht triumphierend. In Blizu tritt Tomis emotionale und leidenschaftliche Vokalperformance in den Mittelpunkt, die besonders im explosiven finalen Crescendo dem Hörer buchstäblich den Schauer über den Rücken jagt. Darauf folgt als kontrastreicher atmosphärischer »Entspanner« das erweckende Vzhod, das ans Ende des Albums gesetzt ist. Das »plätschernde«, positiv gestimmte Vzhod beschließt also das Album. Doch mit einem unerwarteten, ruppigen Sprung in einen wiedererwachten Outro-Gitarrenriff wird das Albumende eigentlich an seinen Anfang zurückgeführt. Simpel. Lässt dich »hungrig« nach solchen Gefühlen zurück, und deshalb »erlaubst« du ihm ganz leicht eine neue Runde im CD-Player!

Im evolutionären Sinne der musikalischen Ausrichtung der Band bringt das Album »Nomadi« nichts wirklich Spektakuläres. Es erhält die Qualitätskonstante. Die Band pflegt und stärkt weiterhin kraftvoll das, worin sie am stärksten ist. Ihren expressiven und eigenständigen Alter-Pop-Rock-Artismus, der im slowenischen Rock-Musikraum ein bewährtes »Bergmassiv« darstellt. Dort bleibt Siddharta auch mit »Nomadi« weiterhin fest im Sattel. Bewährt folgen sie jenen Art-Prinzipien, die unter der Regie des Quintetts bewährt zünden. Siddharta verweilen als reife Ästheten mit »Nomadi« weiterhin klug im Schutz jener musikalischen Rezeptur, die sie eben beherrschen. Ohne Experimentieren und Abweichungen von der grundlegenden musikalischen Ausrichtung. Eine neue Sammlung, diesmal wirklich eine Serie außerordentlich hörenswerter Songs, was die artistisch-expressive Reichweite des Albums über die Vorgänger »Ultra« und »Infra« stellt. Siddharta bleiben mit »Nomadi« eben Meister ihres Handwerks. Das Album liefert genau das, was nur sie können und vermögen. Daher ist das ein Album, das ihren Fans wie auf den Leib geschrieben ist. Die neuen Songs werden sich auch hervorragend ins eiserne Konzertrepertoire der Band einfügen. Siddharta sind zwar »Sicherheitsspieler«, aber reife »Sicherheitsspieler« – und das kommt eben mit der Laufleistung. Und diesmal haben sich all dieses Wissen, diese Erfahrungen und Weisheit noch besonders erfolgreich zu einem außerordentlich gefälligen und wunderschönen neuen Studio-Konglomerat zusammengefügt. Damit bewahren Siddharta weiterhin das Primat der wichtigsten Rock- und Pop-Fahnenträger des slowenischen Musik-Mainstreams.

Autor: Aleš Podbrežnik


Setlist:
1. Halo nomadi
2. A.M.L.P.
3. Lej lej lej
4. Moderne dame
5. Jaz
6. Medrevesa
7. Kripto
8. Matador
9. Blizu
10. Vzhod

Besetzung:
Tomi M. – Gesang, Gitarre, Hintergrundgesang
Primož B. – Gitarre
Tomaž O.R. – Keyboards, Programmierung
Jani H. – Bassgitarre, Programmierung
Boštjan M. – Schlagzeug, Perkussion

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