Majesty, Warkings und Victorius erheben den Power-Metal-Kult in Graz!
Bands: Majesty, Warkings, Victorius
Location: Graz / Explosiv / Österreich
Datum: Samstag, 26.10.2019
Na gut. Angesichts des allgemeinen Rückgangs der weicheren und melodisch zugänglicheren Genres im Metal-Universum, können wir uns eigentlich noch glücklich schätzen, dass die Verehrer fliegender Drachen, Thors und verzauberter Schwerter ab und zu in die Nähe von Slowenien pilgern. Majesty, die deutschen Nachahmer der mächtigen Manowar, haben es geschafft, die Termine ihrer neuen Headliner-Tour zusammenzustellen, zu der sie als Special Guests die immer heißer werdende neue Kitsch-Metal-Sensation Warkings sowie die fleißigen Landsleute aus Leipzig, Victorius, eingeladen haben. Mit dem Stopp im Grazer Club Explosiv versprach sich eine echte Totenmesse für die zeitgenössischen Erkenntnisse und Errungenschaften des Power Metals.
Victorius, die deutschen Power-Metaller, die hier am 28. 1. 2017 vor Grave Digger aufgetreten sind (RockLine-Konzertrezension HIER), also an dem Tag, an dem Slowenien der favorisierten Kroatien bei der Handball-WM höchst elegant die Bronzemedaille weggeschnappt hat, eröffneten also das abendliche Treiben im Grazer Explosiv. Als Erstes setzte sich Sänger David Baßin ins Blickfeld. Mit seiner neuen blondierten Frisur und dem kurz geschnittenen Haar hätte man spontan denken können, Jan Vetter aka Farin Urlaub höchstpersönlich sei von Die Ärzte übergelaufen, um die Fahnen des Power Metals zu verteidigen. Auch ein Klischee zündet, wenn man es mit Herzblut und Hingabe lebt. Du musst daran glauben. Und Victorius müssen das einfach glauben. Man spürt, dass sie viel spielen. Dass sie keine Grünschnäbel mehr sind. Sie beherrschen die Bühne sehr selbstbewusst. Die Band musste kürzlich feststellen, dass bei der Jugend, die ihre Tage mit Arcade-Games verbringt, Glitzer und Kitsch (an der Grenze zur Parodie) mehr zünden als künstlerische Kreativität. So haben sie mit der 2018 für Massacre Records veröffentlichten EP »Dinosaur Warfare – Legend of the Power Saurus« etwas von der Groteskheit von Dragonforce und Gloryhammer in ihren Look eingebracht (man könnte noch unsere Space Unicorn of Fire dazunehmen, damit das Maß voll ist). Aber wenn man bedenkt, dass auch die (vorübergehend eingefrorenen) Edguy gelegentlich in diesen Sphären herumgeistern, ist das halt ein Trend, in dem sich jetzt auch Victorius versuchen. Die Band spielte überwiegend Stücke von der EP (Dinosaur Warfare, Lazer Tooth Tiger, Legend of the Power Saurus, Razorblade Raptor) und fügte außerdem einen brandneuen Track vom kommenden Album »Space Ninjas from Hell« hinzu, der stärker mit Keyboards und Pomp aufgeladen war. Der Track: Super Sonic Samurai. Ein ordentlicher Auftritt des Quintetts, das neben Baßin aus Dirk Scharsich (Gitarre), Florian Zack (Gitarre), Andreas Dockhom (Bass) und Frank Koppe (Schlagzeug) besteht.
Was wir im vorigen Absatz besprochen haben, das hat die nächste Band, nämlich Warkings, zur echten Perfektion getrieben. Ein Quartett. Jedes Mitglied, dessen wahre Identität im Dunkeln liegt, ist quasi Pflicht. Auf der Bühne erwacht es in Form eines »Alter Egos« zum Leben. Sagen wir lieber: Die Jungs haben Rollen übernommen, die sich ihre Tricks von überallher borgen. Von der Antike über die Wikinger bis hinein in die Sphären der Fantasiewelt. Also: Der Sänger heißt Tribune, der Bassist Viking, der Gitarrist Crusader und der Schlagzeuger Spartan. Spaß vorprogrammiert. Definitiv. Die Schützlinge von Napalm Records haben ihr Debüt »Reborn« rausgehauen, und schon das Cover spricht eine betont machohafte Manowar-Sprache. Klanglich klingt die Band aber eher germanisch-skandinavisch, wenn wir über Power Metal reden. Also addierst du dazu noch den Ansatz, wie ihn Dream Evil oder Firewind haben,… Nach dem eingespielten Intro stiegen sie direkt mit dem eingängigen Never Surrender ein – ein ansteckender Refrain –, wobei nicht nur der sehr gute Sound überraschte, sondern auch die sehr gute Eingespielheit der Band. Überhaupt Crusader an der Gitarre, der schon mit einem hervorragenden Intro-Solo und sauberem Riffing überzeugte. Die Band wurde während des Auftritts von eingespielten Keyboards unterstützt, und Sänger Tribune besitzt eine klare, aber ausreichend dominant durchdringende Stimme, die an Georg Neuhauser von Serenity erinnert. Heh. Das ist tatsächlich auch Georg. Die Jungs haben sich in vierzig Minuten ordentlich ins Zeug gelegt, wirkten dabei sehr unterhaltsam und witzig und rechtfertigten diesen Moment gleichzeitig mit einer sehr qualitätsvollen Umsetzung des Materials. Das honorierte auch das Publikum, das die Band richtig angeheizt hatte. Je mehr der Auftritt seinem Ende entgegenging, desto mehr war das Publikum dabei.
Wir werden sehen, wie weit Warkings in Zukunft noch kommen, aber sie haben gutes Potenzial, mit dem sie sogar Powerwolf (ebenfalls unter dem Dach von Napalm Records) herausfordern können, die durch das Aufwärmen von Klischees und sorgfältig inszeniertem Bühnen-Kitsch bis heute groß geworden sind. Der Band ist nichts vorzuwerfen. Die Sache haben sie professionell und sehr souverän durchgezogen. Es sind erfahrene Figuren, hinter denen sich sehr gute Musiker »verstecken«. Interessant, dass der immer häufiger anzutreffende Trick der ist, dass eine Band ihrer Bühnenerscheinung mehr Aufmerksamkeit widmet als dem Songwriting. Besonders die frischgebackenen Metaller der jüngsten Generationen werden immer stärker darauf fokussiert, zunächst die Erscheinung zu perfektionieren. Erst danach kommt die musikalische Substanz – wenn überhaupt. Die Leute kommen also in erster Linie zu Konzerten, um sich zu entspannen und zu amüsieren. Und Warkings haben genau das geliefert. Das Ganze ist zum Schreien komisch. Die Band reihte noch Hephaistos, Battle Cry, Give ‚em War, Fire Falling Down, Sparta und Gladiator aneinander. Aha! Die ganze Party bereicherte noch der Auftritt der Schweizerin Melissa Bonny auf der Bühne. Die ist eine giftige Growlerin, die beim Track Sparta mitgewirkt hat. Sie singt eigentlich bei Rage Of Light, hilft aber auch bei Konzerten von Serenity aus.
Majesty betraten als Letzte die Bühne, um das neue Album »Legends« vorzustellen. Die Band hat sich über die Jahre keinen Deut verändert. Sänger Tarek Maghary, der Mann, der das berühmte Keep It True festival organisiert, bleibt die führende Figur. Die Band klingt »Manowar-mäßig« und kleidet sich auch ziemlich ähnlich. Der gefräßige Tarek hat sich »ein paar Kilos draufgepackt«, daran besteht kein Zweifel, und auch was die stimmliche Präzision dieses Abends angeht, glänzte er nicht gerade. Stellenweise lag er leicht zu tief, besonders in den pompösen Refrain-Melodien. Aber nicht überall. Nur gelegentlich. Um einen Viertelton. Ansonsten aber exzellenter Sound und sehr gute Eingespielheit. Aber wenn du einen Song siehst, hast du quasi alles gesehen. Die Majesty-Fans genossen es, aber man konnte das Gefühl nicht loswerden, dass Warkings der Headliner-Band die Show leicht gestohlen hatten. Das Publikum war nämlich weniger aufgedreht als beim Warkings-Auftritt. Eine gut einstündige Show, bei der wirklich nur die echten Fans der Band auf ihre Kosten kamen. Ansonsten wirken die bis heute gut eingespielten und erfahrenen Majesty einfach einen Hauch zu verbraucht und auch (besonders auf der Bühne) zu monoton und zu routiniert. Oder schlicht und einfach: Man fühlt sich leicht abgeschreckt vom übertriebenen Beharren auf immer denselben Phrasen und Bühnen-Tricks. Es scheint, als hätte an diesem Abend in Graz irgendwie der Spaß mit Warkings gewonnen, die den Höhepunkt des Power-Metal-Kitzels abgeliefert haben.
Autor: Denis Paradiž
Fotos: Denis Paradiž
(Text redigiert von: Aleš Podbrežnik)
Setlist Majesty:
1. Hail to Majesty
2. Burn the Bridges
3. Rebels of Our Time
4. Metal Law
5. Words of Silence
6. Hellforces
7. Die Like Kings
8. We Are Legends
9. Thunder Rider
10. Stand as One
11. Heavy Metal Battlecry
Setlist Warkings:
1. The Last Battle
2. Never Surrender
3. Hephaistos
4. Battle Cry
5. Give ‚em War
6. Fire Falling Down
7. Sparta
8. Gladiator
Setlist Victorius:
1. Dinosaur Warfare
2. Legend of the Power Saurus
3. Empire of the Dragonking
4. Blood Alliance
5. Super Sonic Samurai
6. Lazer Tooth Tiger
7. Metalheart
8. Silent Symphony
9. Razorblade Raptor


















































































