Valvera – der leidenschaftliche brasilianische Sturm hat Tolmin „aufgeschreckt“ und verwüstet (2018)

Valvera
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Ort: Tolmin, MINK, Slowenien
Datum: Freitag, 30.11.2018
Auftritte: Valvera, Minotauro


Der letzte Novemberfreitag des Jahres war gekommen – genauer gesagt, der allerletzte Novembertag überhaupt. In der Hauptstadt der Nordprimorska, Tolmin, war er dem Metal vorbehalten. Tolmin ist bekannt für eines der imposantesten europäischen Metal-Festivals, doch danach wird die Stadt, zumindest was Metal betrifft, über das restliche Jahr recht ruhig. Genauer gesagt: der Ort. Konzertmäßig ist er keineswegs tot, nur Metal-Konzerte sind seltener, als man sich das wünschen würde. Wie dem auch sei, so ein Tag war da, den wir auf der klassischen Pendel-Strecke zwischen Kovačija und MC Mink verbrachten – hin und zurück. Auf ihrer ersten Europatournee machten nämlich die brasilianischen Thrash-Metal-Revivalisten Valvera aus São Paulo in Tolmin Station. Auf der Tournee präsentierten sie ihr zweites Studioalbum mit dem Titel »Back To Hell«, das im Jahr zuvor erschienen war. Das Quartett ist seit 2010 aktiv, in der Besetzung Glauber Barreto (Gesang, Gitarre), Rodrigo Torres (Gitarre), Jesiel Lagoin (Bass) und Vini Rossignolo (Schlagzeug).

Im Mink ist es schon fast Tradition, dass die Konzertzeiten sehr spät angesetzt werden. Etwa zwanzig Minuten vor zehn war noch nichts los im Venue, also musste man rüber über die Kreuzung in die benachbarte Kovačija auf ein helles Bernard. Es vergeht eine Stunde und mehr, bis die Gesellschaft über dieselbe Ampelkreuzung vom Mink her in die Kovačija kommt und meldet, dass die erste Band schon etwa zwanzig Minuten spielt. Oho. Endlich. Schnell runter die langen Stufen des Mink in den Keller – und rein ins Venue.

Da stehen Minotauro, ein italienisch-slowenisches Power-Metal-Sextett, mit einem klaren Schwerpunkt auf symphonischen Arrangements. Minotauro hatte ich bislang noch keine Gelegenheit, »ernsthaft« live zu sehen. Klar, vor ein paar Jahren beim Metaldays-Festival – aber ein Club-Auftritt ist was ganz anderes. Eine völlig neue Geschichte. Die Band strahlte gute, aufgeräumte Stimmung aus. Die Gitarren waren ausgezeichnet zu hören, das starke Duo, das Roko und Nik Smajlagič an den Gitarren bilden, funktionierte optimal. Die Band darf stolz auf beide Studioalben sein, die mit beeindruckenden Kompositionen und der Bombastik symphonischer Power-Metal-Melodien und deren Ohrwurmqualität punkten. Die Strukturen sind komplexer, und die Jungs müssen sich gut aufeinander einstimmen, um Fluss und Harmonie durch das Konzertrepertoire hindurch aufrechtzuerhalten. Sänger Rudi Breginc beeindruckte mehrmals mit seiner großen stimmlichen Bandbreite. Er kann mit der Stimme sehr hoch gehen, und man spürte, dass da noch mehr drin wäre – dass er vokal noch weiter explodieren und sich noch mehr austoben könnte. Die Soundbedingungen: solide. Für den Zuhörer solide. Die Band würde mir da nicht unbedingt zustimmen, denn es gab einige Blicke zwischen den Bandmitgliedern, die sich auf der Bühne offenbar nicht optimal hören konnten. Im Sound schnitten die Keyboards etwas schlechter ab, die manchmal zu wenig zu hören waren, und auch Rudi hätte im Mix ruhig eine Spur angehoben werden können. Ansonsten ein wirklich schöner Auftritt, wie gemacht besonders für hartgesottene Fans des echten Euro-Power-Metal. Die Band präsentierte beide Studioalben (»Master of the Sea« (2013), »Apocayptic Sense« (2017)), und am Ende des Auftritts gönnte sie sich mehr Ausgelassenheit, als sie souverän den Deep-Purple-Klassiker Burn in Angriff nahm, wobei Nik im Finale theatralisch auf die Knie und auf den Rücken sank, ganz im Stil von Randy Rhoads.

Valvera sind eine Band aus völlig anderem Holz. Von der anderen Seite des Planeten und natürlich auch aus einem ganz anderen musikalischen Umfeld. Valvera sind brasilianische Thrash-Metal-Revivalisten. Im Gegensatz zu Minotauro, die 90 Minuten gespielt hatten, verkürzten die Brasilianer ihren Auftritt auf gerade mal 45 Minuten. Aber diese 45 Minuten spielten sie so wild wie möglich. Leidenschaftlich, ungezügelt und mit voller Kraft. Song für Song wurde abgeliefert, und in ihrer Musik zeigten sie beachtliche Anleihen beim Erbe des deutschen teutonischen Thrash (Kreator, Destruction). Dabei immer mit einem Gespür für Musikalität und geschmackvolle Modulationen, was auch den Geist der alten guten Bay-Area-Thrash-Schule heraufbeschwor. Hervorragende Bühnenpräsenz, ständiges Rennen von einer Seite der Bühne zur anderen, beide Gitarristen und der Bassist Schulter an Schulter sowie der Old-School-Look mit High Tops und zerrissenen engen Jeans. Ununterbrochen jede Menge Bühnendynamik und gleichzeitig außergewöhnliches Spiel. Solos in allen erdenklichen Positionen und Posen , und dabei war kaum ein ernsthafter spieltechnischer Fehler auszumachen. Hervorragende Harmonie im Team. Die Band trat wirklich mit vollem Schwung auf und schoss während des Spiels enorme Mengen an Energie raus. Ein Sturm im MINK also. Schade nur, dass wieder kaum Leute da waren. Die Zahl schwankte zwischen 20 und 30 Besuchern – das klingt gruselig. Wirklich schade. Valvera sind eine großartige Truppe und haben sich an diesem Abend definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Eine Band, die die Luftströme des MINK gehörig durchgewirbelt und die Gehörgänge jener paar »Bekloppten« gereinigt hat, die wirklich mit Leib und Seele ihre ungezügelte Bühnenpräsenz genossen haben.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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