Erstklassiges Death-Metal-Chaos in der Gala Hala mit Suffocation und Co.! (2013)
Auftretende: Suffocation, Cephalic Carnage, Havok, Fallujah
Ort: Ljubljana / Gala Hala / Slowenien
Datum: Dienstag, 04.06.2013
The Boys Are Back In Town sangen Thin Lizzy 1976, und die legendären New Yorker Giganten des Death Metal grollten das bei ihrer bereits dritten Rückkehr in unsere Hauptstadt brutal heraus. Aber egal, wie oft Suffocation zurückkehren – sie werden stets mit offenen Armen und großer Freude von der heimischen Death-Metal-Gemeinde empfangen. Sie sind schließlich keine Band vom Typ Amon Amarth oder Korpiklaani, bei denen das erste Konzert schon eines zu viel war, hehe. Diesmal kehrten die New Yorker mit ihrem neuen Album Pinnacle of Bedlam zurück, einem neuen und weitaus geeigneteren Ersatz für den fehlenden Frank Mullen sowie drei Vorgruppen, die ein ordentliches Aufwärmen vor den Titanen des Death Metal versprachen.
Die Gelegenheit, das Publikum aufzuwärmen, bekam auf dieser Tour eine junge amerikanische Band, die keine Turbane trägt und nicht aus dem Irak stammt, sich aber trotzdem den Namen Fallujah gegeben hat. Eigenen Aussagen zufolge, weil sie in einer Welt nach dem 11. September aufgewachsen sind und die irakische Stadt Fallujah während des zweiten Golfkriegs die Stadt war, die auf beiden Seiten die meiste Zerstörung und die meisten Menschenleben zu beklagen hatte. Die Amerikaner veröffentlichten diesen April die EP –Nomadic-, von der sie zwei Drittel der Songs spielten, den Rest füllten Stücke vom Debütalbum The Harvest Wombs. Der Name Fallujah hatte vor dem Konzert recht solide Erwartungen geweckt, die die Band, die atmosphärischen/technischen Death Metal mit starken modernen Einflüssen und Metalcore-Anleihen spielt, aber nur teilweise erfüllte. Größtenteils wegen des extrem schlechten Sounds, durch den man nicht alle komplexen Nuancen des Gitarren-Bass-Gespanns heraushören konnte. An die Oberfläche drangen nur die ‚keyboardartigen‘, atmosphärischen Soli, die zum größten Teil wie eine armselige Kopie von Cynic klangen, und das Ergebnis des undeutlichen Grölens des eintönigen Gesangs sowie der übrigen Instrumente war ein einziges chaotisches Durcheinander. Schön, dass die Band aus San Francisco nicht nur eine von vielen Thrash-Metal-Bands aus dieser Gegend ist – aber damit Fallujah wenigstens annähernd so einen Eindruck hinterlassen wie ihre Stadtnachbarn, muss noch einiges getan werden.
Genau Thrash Metal spielt aber die Band, die als nächste die Bühne betrat und das slowenische Publikum erneut begrüßte. Havok aus Denver hatten nämlich letzten Mai eine Blutlache am selben Tatort hinterlassen (am 21.5.2012 heizten sie mit Goatwhore und 3 Inches of Blood ein), diesmal meldeten sie sich in Ljubljana kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums Unnatural Selection, das Ende des Monats erscheint. Von Havok hatte man viel erwartet, und die amerikanischen Thrash-Verrückten bestätigten mühelos ihren Ruf als eine der besseren modernen Thrash-Metal-Bands. Überrascht hat auch das Publikum, das die Jungs unter der Führung des röhrenden Sängers/Gitarristen David Sanchez von den ersten Tönen an eifrig und treu begleitete. Warum sind Havok eines der besten Dinge, die man im modernen Thrash finden kann? Weil sie, ähnlich wie Warbringer, durch ungezügelte Energie, Roheit, Aggression und Geschwindigkeit glänzen, dazu noch durch gute technische Ausführung und eine hervorragende Live-Präsenz. Havok stürzten sich in ihr gutes halbstündiges Set wie ein hungriger Hai auf einen ahnungslosen Schwimmer und nagten uns mit den Brechern D.O.A., Covering Fire und Scumbag in Disguise bis auf die Knochen ab. Nicht nur das Publikum rastete aus – auch die Amerikaner waren genauso energiegeladen und wild: Es fehlte weder an gerissenen Saiten noch an durch die Luft fliegenden Mikrofonen! Der hervorragende Sound, der sowohl den Fleischwolf der Riffs als auch die ziemlich originellen Soli (begleitet von den verrückten Grimassen des Gitarristen Reece) als auch die dröhnende Rhythmusfraktion (allen voran das wahnsinnige Schlagzeug!) in den Vordergrund rückte, war das i-Tüpfelchen eines Konzerts, das das erste wahrscheinlich sogar noch übertraf.
Vom schwarzen, thrashigen Schaf des Abends kehrten wir mit Havoks Stadtgenossen Cephalic Carnage auf die Pfade des brutaleren Death/Grind-Metals zurück. Die Wände der Gala Hala hatten seit dem letzten Auftritt der Amerikaner keinen solchen musikalischen technischen Mindfuck gehört, den die Jungs Hydrogrind nennen – was eine Mischung aus Death Metal und Grind sowie ewigen Romanzen über Marihuana bezeichnet. Als ewig Drittplatzierte (diesmal spielten die Cephalics in der Gala Hala bereits zum dritten Mal auf, na ja, wieder als Dritte) erschütterten sie das Ohrenschmalz des Publikums mit einem potenten Mix aus Death Metal und Grind. Jazz-Strukturen, ständig wechselnde Rhythmen und Tempi, technische, atonale und dissonante Gitarrenlinien sowie tierisches Schlagzeugspiel veredeln diesen Mix – zu dem der außergewöhnliche Sechssaiten-Bassist Nick Schendzielos noch sein Übriges beiträgt. Cephalic Carnage fügen dieser ohnehin schon abwechslungsreichen und vielfältigen Musik noch den einen oder anderen Sludge- und Doom-Zusatz hinzu, und das Maß wäre voll. Aber nicht für Cephalic Carnage – denn die greifen noch mit doppeltem Gesang an, den sich Nick und der Haupt-Cookie-Monster Lenzig Leal abwechselnd zuspielen – zweifellos einer der besten und unterhaltsamsten Frontmänner des Extreme Metal. So rief er mehrmals zum Rauchen von Gras oder ‚Gräschen‘ auf (dem sie natürlich die Romanze Kill For Weed widmeten), unterhielt mit Flamenco-Einlagen und überhaupt mit allen abgedrehten Ansagen. Cephalic Carnage präsentierten das durchgeräucherte Opus aus sechs Studioalben und sorgten zum Abschluss für zusätzlichen Genuss mit einer verrückten Black-Metal-Parodie – Black Metal Sabbath –, bei der sie Masken mit Corpse Paint, Netze und Spikes anlegten, während Nick eine apokalyptisch wiehernde Pferdemaske mit obligatorischem Schwänzchen trug. Wenn du jemals in ein Zimmer mit fünf bis zur Bewusstlosigkeit zugekifften Typen trittst, die zur Begleitung psychopatischer Musik gerade ihren x-ten Joint drehen, dann weißt du, dass du nur in der Gesellschaft von Cephalic Carnage sein kannst. „Squel piggy!“
Und dann der einmal mehr ersehnte Höhepunkt mit den Death-Metal-Giganten Suffocation. Egal, ob die legendären New Yorker mit quasi jeder Tour bei uns Halt machen – diese mächtige Band erwarten wir jedes Mal wie ein Kind seine Eiskugel. Weil wir wissen, dass sie jedes Mal alles geben und ein Death-Metal-Konzert spielen werden, wie es sich gehört. Suffocation traten auch diesmal leider ohne den legendären Frontmann Frank „The Tank“ Mullen auf, in dessen Fußstapfen diesmal der ebenso (vokal) brutale John Gallagher (Dying Fetus) trat. Die Wahl war anfangs vielleicht fragwürdig, weil Gallaghers Bühnenauftritt eine Unbekannte war – bei Dying Fetus gibt es das nämlich nicht, da er die ganze Zeit wie angewurzelt vor dem Mikrofon steht. Ich befürchtete, dass er auch bei Suffocation einfach am Mikrofonständer stehen bleiben würde, aber zu meiner großen Freude hatte ich Unrecht. Gallagher bewegte sich wie ein Irrer auf Speed, sorgte für eine gute Moderation des Programms und vor allem für eine fantastische Gesangsdarbietung, die genauso brutal, aggressiv und überzeugend war wie die von Frank. Die Vorstellung der übrigen Mitglieder war sowieso nie in Frage gestellt. Mit technisch überlegener Darbietung überzeugten erneut Terrance Hobbs und Guy Marchias, die kopfabsägende Riffs lieferten, und auch Rückkehrer Dave Culross am Schlagzeug schlug sich hervorragend. Genau seinetwegen haben wir wahrscheinlich zwei Stücke von der EP Despise the Sun abbekommen, auf der er gespielt hatte, und haben uns bei den ewigen Death-Metal-Hymnen Catatonia und Funeral Inception die Hälse verrenkt. Etwas überraschend fiel Bassist Derek „Bobblehead“ Boyer wegen einer Nackenverletzung aus – sein Headbanging ist sonst ein Paradebeispiel dieser Disziplin –, dennoch spielte er den Bass so, wie er es eben draufhat. Gallagher ging auch an das übrige gespielte Material mit viel Respekt heran, darunter schlugen auch die Tornados vom aktuellen Album Pinnacle of Bedlam hervorragend ein, und vor allem bewies er, dass er hundertmal die bessere Wahl ist als der hölzerne Bill Robinson (Decrepit Birth), der bei Suffocations letztem Besuch in Ljubljana mit ihnen aufgetreten war. Dementsprechend war auch die Reaktion des Publikums, das für spontanes Moshen sorgte und wahrscheinlich den Rekord im Stagediving brach – wofür sich auch das zartere Geschlecht nicht zu schämen brauchte! Suffocation beweisen immer und immer wieder, dass sie eine unaufhaltsame Death-Metal-Kraft sind und bleiben und dass sie fest auf dem blutigen Thron des Death Metal sitzen!
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
FALLUJAH:
1. Alpha Incipient
2. Venom Upon the Blade
3. Become One
4. Cerebral Hybridization
5. Assemblage od Wolves
HAVOK:
1. Covering Fire
2. Point of No Return
3. Scumbag in Disguise
4. Unnatural Selection
5. D.O.A.
6. Time Is Up
CEPHALIC CARNAGE:
1. Raped By An Orb
2. Divination & Volition
3. P.G.A.D.
4. Endless Cycle of Violence
5. Warith
6. Warbots A.M.
7. Kill For Weed
8. Lucid Interval
9. Black Metal Sabbath
SUFFOCATION:
1. Thrones of Blood
2. As Grace Descends
3. Catatonia
4. Funeral Inception
5. Rapture of Revocation
6. Liege of Inveracity
7. Pierced From Within
8. Purgatorial Punishment
9. Mass Obliteration
10. My Demise
11. Infecting the Crypts

































