Samo Šalamon Trio (feat. Igor Matković & Kristijan Krajnčan): Common Flow
Label: Samo Records
Erscheinungsdatum: 17.02.2020
Albumlänge: 50.14 min
Produzent: Samo Šalamon
Genre: ECM / Jazz Fusion
Bewertung: 09 / 10
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Im Februar dieses Jahres sind zwei Alben des Trios erschienen, in dem Samo Šalamon, Igor Matković und Kristijan Krajnčan ihre ungeahnten musikalischen Talente im „Samo Šalamon Trio“ vereint haben. Von den drei Genannten sticht der Name Samo Šalamon heraus, der sich auf der internationalen Bühne dank außergewöhnlicher musikalisch-expressiver Qualitäten und unglaublichen Fleißes sowie kreativer Produktivität den Ruf eines der interessantesten und »heißesten« Jazzgitarristen der neuen Zeit weltweit erworben hat. Auch Trompeter Igor Matković und Cellist sowie Schlagzeuger Kristijan Krajnčan sind bekannt für ihre ausgeprägte Jazzprofilierung, flexible Vielschichtigkeit und zweifelsohne Exzellenz.
Das Trio hat gleichzeitig zwei Alben veröffentlicht. Eines trägt den Titel »Common Flow«, das andere »Rare EBB« (RockLine-Rezension HIER). Die Musik auf den beiden Alben enthält je elf Eigenkompositionen, die der scharfsinnige und bildhafte Samo Šalamon geschaffen hat. Die erste der beiden Scheiben, die in meinen CD-Player gewandert ist und über die in dieser Rezensions-»Beichte« die Rede sein wird, heißt »Common Flow«. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Alben besteht darin, dass beide zwar dieselben Kompositionen enthalten, aufgenommen bei zwei Studiokonzerten in Maribor im Juli des vergangenen Jahres, diese sich jedoch in den Arrangements stark unterscheiden und den Hörer folglich ganz anders ansprechen, da sie beim Hören verschiedene Atmosphären erzeugen. Denn dasselbe Stück wird jedes Mal wesentlich anders gespielt. Auf »Common Flow« übernimmt Krajnčan die Rolle des Schlagzeugers, auf »Rare EBB« die des Cellisten, und die Art des Arrangierens passt sich der Natur der jeweiligen Instrumente an, die auf den beiden Alben mitwirken und sich eben voneinander unterscheiden. »Common Flow« wirkt also schon allein wegen seines Titels ein kleines bisschen »allgemeiner« und »universeller«, da es auf der (klassischen) rhythmischen Kinetik des Schlagzeugs steht. Auch sprechen die beiden Alben spürbar unterschiedlich an, da die Stücke auf beiden Alben in verschiedener Reihenfolge gespielt werden. Das offensichtliche Hauptziel des Trios war es offenkundig, genau auszuprobieren, wie dieselben Kompositionen funktionieren, wenn sie in einem anderen Aufführungsumfeld rein instrumentaler Natur ausgeführt und arrangiert werden.
Obwohl Samo im zeitgenössischen Jazz vor allem für seine »brillante« Unberechenbarkeit bekannt ist, die sehr oft bestens in den Gefilden der Avantgarde gedeiht, besonders wenn man tiefer in die Felder des Free Jazz vordringen muss. Nun, was dieses Projekt betrifft, hinter dem diese drei Musiker stehen, ist es überraschend, dass es zwar einige eingeschleuste Formen enthält, die sinnvoll an den Free-Jazz-Charakter anknüpfen, aber auf ein Minimum reduziert und stark verborgen sind. Das Album spricht also nicht mit der radikalen oder gar aggressiven Klangnatur freier und zwingend losgelöster Improvisationen an, sondern spricht den Hörer mit außerordentlicher musikalischer Versöhnlichkeit an – und noch mehr. Es wirkt zerebral, meditativ und auf überlegene Weise entspannend. Der meditative Effekt ist vorhanden. Und mit ihm eine Unmenge sanfter melodischer Windungen einer Gezeitenbewegung.
In den Fokus tritt Igor Matković, der auf das kompositorische Gerüst reagiert, das vorwiegend durch das akkordlich-akustisch organische Klimpern von Samos Gitarre und Kristijans Schlagzeugtexturen gehalten bzw. aufgebaut wird, mit einer außerordentlich feinfühligen Feinmechanik eines konzise gestimmten, ruhigen, entspannten, zarten Pastell-Treibens, das Matkovićs Trompete erzeugt. Dabei greift Matković eher auf Inspirationsquellen aus dem Jazztrompeten-Idiom der pre-elektrischen Ära von Miles zurück, was bedeutet, dass er »cool« wirkt, wie ein guter kühler Spritzer, wobei der Be-Bop-Charakter auf außerordentlich raffinierte Weise hinter dem musikalischen Ertrag der Leitmotive verborgen ist. Wenn man dieses Album schon irgendwo genremäßig einordnen muss, ist die ECM-Bezeichnung durchaus willkommen. Blickt man auf Interpreten wie Jan Garbarek oder Keith Jarret sowie den ECM-Stil selbst, der sich in den Achtzigern als kontrastierendes Gegenstück zum Free Jazz etabliert hat, greifen Šalamon, Matković und Krajnčan in ihrer diesmaligen Jazznavigation auch auf die Integration von Elementen der Weltmusik, der klassischen Musik und sogar des Rocks zurück, was im Gesamtergebnis, wie gesagt, ein außerordentlich zugängliches und entspannendes Werk zerebraler Natur hervorbringt. Im Stück Same tritt auch Samo in einen der seltenen Höhepunkte des Albums und begibt sich durch Jazzimprovisationen fast in den Schoß Andalusiens, um dabei flüchtig sogar in den Schoß des Flamenco zu blicken. Interessant ist, dass er bei seiner Improvisationsweise auf den Einsatz von Akkorden besteht und die Solostimme nicht nach den Standardkriterien der Einstimmigkeit gestaltet.
»Common Flow« ist ein Manifest der außergewöhnlichen Wahrnehmung aller drei Bausteine des Klangspiels, und bei der Belebung der grundlegenden kompositorischen Formen tritt Matković in die Hauptrolle mit seinem funkelnden und grenzenlos inspirierten musikalischen Moment entspannt abgemessener Schritte der Melodiegestaltung, die streng jeglichem aggressiven Aufwühlen eines Meeres undurchdringlicher Trompetensalven ausweicht. Eine gute Referenz für sein Spiel auf Common Flow ist der Charakter seines Spiels auf seinem Album »State Of KU«. »Common Flow« ist also ein Album, das auch von weniger anspruchsvollen Hörern mühelos gehört werden kann. Obwohl es einen festen Jazzcharakter trägt und das Element der unerwarteten Entwicklung sowie geistreicher Beweglichkeit in sich birgt, ist es auf der anderen Seite ein Album, das dich in seiner leichten Zugänglichkeit einfach »mitnimmt« – und an dem man sich dabei niemals satthört. Ein Album, das auch im Hintergrund alltäglicher Tätigkeiten laufen kann, und ein Album, das insgesamt vollkommen entspannend wirkt. Dazu trägt auch seine streng organische Klangnatur bei. Ein ausgezeichneter Schachzug von Samo, Igor und Kristijan, sich in einem neuen musikalischen Umfeld auszuprobieren, der in einem vollkommenen Element der Überraschung resultiert. Der entstandene musikalische Körper ist also im Format dreier Musiker ein einzigartiges Unikat, und an Eklektizismus mangelt es ihm nicht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Crooswijk (04:34)
2. Burmonster (03:08)
3. Dunes (04:30)
4. Sandstorm (02:46)
5. Serenity (03:16)
6. #7 (06:24)
7. Same (09:22)
8. Floating (03:58)
9. Here (02:54)
10. Dutchie (04:04)
11. Another Rain (04:58)
Besetzung:
Igor Matković – Trompete
Samo Šalamon – Akustikgitarre
Kristijan Krajnčan – Schlagzeug
