Le Serpentine: Pobarvanka

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Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 10.10.2019
Produktion: Žiga Jokič
Albumlänge: 43.25 min
Genre: Alternative Rock / Pop
Bewertung: 9.0 / 10


Le Serpentine kommen nach vier Jahren mit ihrem neuen Album »Pobarvanka« zurück. Ihr Vorgänger »Ujemi val« (RockLine Rezension) stellte die Band als ambitionierte neue junge slowenische Musikentität aus der Region Krain vor, die sich kompetent in den Gewässern des Alternative Rock versucht – einer Musik, die gerne mit Groove und ansteckender musikalischer Kinetik kokettiert, wie sie auch gerne an die Radiosender anklopft.

Mit dem neuen Album »Pobarvanka« festigen Le Serpentine ihren ausdrucksstarken Charakter – und noch mehr. Sie erweitern ihre künstlerische Reichweite, denn das neue Album wirkt in seinem musikalischen Visionarismus deutlich definierter als das etwas vorsichtigere Studioerstlingswerk.  Die Songs auf »Pobarvanka« sind ausgefeilter, arrangementtechnisch durchdachter und vollendeter – und wie gesagt: Im Hinblick auf den Stil liefern sie einen spürbaren Absprung gegenüber dem Debüt. Besonders punktet die Band mit einer sehr guten Soundproduktion, die den Charakter der Songs antreibt und die in ihren Kontrasten verträumte, atmosphärische Stimmungen vertieft.

Eine besonders tiefe Kompositionsphilosophie steckt da nicht dahinter. Le Serpentine halten sich an das Axiom „weniger ist mehr“ und versuchen, mit der ausgefeilten Kinetik der Strophe-Refrain-Verbindung und musikalischer Ansteckungskraft den Hörer im Nu mitzureißen.  Die Band hält also eine packende atmosphärische Reichweite aufrecht und verwickelt sich nicht in komplexe technische Passagen oder Abschnitte, die durch ihre Komplexität den Songs Dynamik und mitreißenden Schwung nehmen würden. Die Produktion ist entscheidend und koloriert die Kontraste zwischen den Bausteinen des Klangbilds sehr gut und vertieft sie (betont sie). Die Bassdrum ist prominent und füllt die tiefen Bereiche des Klangbilds bildhaft aus, die Rhythmik ist schlicht, aber sie treibt voran – oft auch mit einem tänzerischen Dreh.  Der Großteil des Klangbilds gehört den lawinenartigen Gitarrenphrasierungen, während der weibliche Gesang in der zentralen Lage überwiegend verträumt anspricht. Obwohl Englisch besser klingen würde – und im Rock ist es auch einfacher, mit Englisch zu arbeiten –, haben sich Le Serpentine besonders der Metrik gewidmet und Slowenisch sehr gut in den musikalischen Charakter der neuen Songs eingewoben.  

Der Band lässt sich ein Indie-Rock-Stempel aufdrücken, aber auch der Stempel der Pop-Eingängigkeit. Die Band setzt tatsächlich auf Wiederholungen von Leitmotiven, die beim Zünden keine Scheu zeigen, mit dem Shoegaze-Ansatz der Achtziger zu liebäugeln – ebenso wie mit dem Post-Punk jener Zeit. Aber Le Serpentine betten das in ihrem Visionarismus so in die Arrangements ein, dass es ihnen gelingt, eine ganz eigene musikalische Charisma zu kreieren – was für den slowenischen Musikraum überaus willkommen ist, da er auf diese Weise zusätzlich bereichert und künstlerisch aufgefüllt wird. Überraschend, aber durchaus interessant ist die Tatsache, dass du, wenn dir sowas wie Haiku Garden gefällt, nicht lange zögern und auch das neue Le Serpentine-Album checken solltest.

Dass »Pobarvanka« ein außerordentlich hörbares Album ist, belegt auch die Tatsache, dass die Band bis heute sage und schreibe sieben Singles daraus in den Äther geschickt hat und dabei sehr viel Aufmerksamkeit auf den slowenischen Radiowellen erhalten hat – darunter auch zahlreiche Rotationen auf Val 202. Es geht nicht nur darum, bekannt sein zu wollen – man muss auch qualitativ hochwertige musikalische Substanz liefern können. Und »Pobarvanka« ist ein Dokument, das genau das hat. Le Serpentine beweisen, dass sie zu sehr versierten Arrangierern reifen und zu immer überzeugenderen Seiltänzern zwischen Radiotauglichkeit und ansprechender alternativer Rock-Haltung werden, die ihren eigenen Artismus entwickeln.  

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Skalca (3:27)
2. JRM (3:43)
3. Črnobel (4:04)
4. Z lahkoto (3:59)
5. Le naprej (3:45)
6. Friends (3:30)
7. Vrtiljak (3:39)
8. Veselja krik (3:56)
9. Majice kratke (3:51)
10. In vse zaspi (3:49)
11. Zadeta od interneta (3:19)

Besetzung:
Tjaša Teropšič — Gesang
Žiga Jokić — Gitarre, Hintergrundgesang
Matej Naglič — Keyboards
Grga Jokić — Bassgitarre
Anže Kern — Schlagzeug


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