Nashville Pussy und eine neue Kanonade rockiger Perversionen in der Orto bar (2015)
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Samstag, 31.05.2015
Nashville Pussy, die ungezügelten Rock’n’Roll-Revoluzzer aus der amerikanischen Stadt Atlanta, kamen mit dem neuen Album »Up the Dosage« und der frisch erschienenen Kompilation »The Years of Pussy« (2015) im Gepäck zum vierten Mal in die slowenische Hauptstadt und zum dritten Mal in die Orto bar. Diesmal im neuen Erdgeschoss-Saal.
Das Event lockte ein bunt zusammengewürfeltes Grüppchen an den Veranstaltungsort – Biker fehlten genauso wenig wie Rockabillys, Letztere auch deshalb, weil der Konzertabend von den heimischen Clockwork Psycho eröffnet wurde. Einige Liebhaber des ursprünglichen Rock’n’Roll-Fiebers waren sogar aus Österreich angereist, und natürlich waren wieder jene Fanatiker dabei, die – unabhängig von den Genre-Abweichungen zwischen den Bands – kaum ein Konzert in der Orto bar verpassen.
Lilith, Al Eržen und Don Mihon sind das Trio Clockwork Psycho. In der knapp bemessenen Spielzeit ihres Konzertauftritts stellte das Trio neben einer amüsanten Coverversion des Eurythmics-Hits Sweet Dreams ihr Debütalbum »Nightmares from Laibach« (2014) vor und überzeugte mit einem rohen Mix aus Rockabilly und Punk. Besonders imponierte Sängerin Lilith mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Mut – sie meisterte gleich zwei anspruchsvolle Aufgaben in einer Person: Kontrabass schmeißen und gleichzeitig den Hauptgesang übernehmen. Das Publikum belohnte die Band mit lautem Jubel und jeder Menge Zuneigung. Die Band, die auf der Bühne – trotz einiger offensichtlicher Patzer der surrenden Gitarre – einen vorbildlichen Radau veranstaltete, hat die richtige Dosis Lausbubigkeit, hartes Auftreten und die Energie für erstklassigen Rock-Exzess, den sie in Zukunft definitiv weiterentwickeln und verfeinern wird.
Nashville Pussy lieferten erwartungsgemäß wieder eine unvergessliche Rock’n’Roll-Totenmesse. Das Quartett, das seit jeher von Ehe-Dauerbrenner Blaine Cartwright und Ruyter Suys angeführt wird, komplettiert durch Bonnie Buitrago am Bass und Jeremy Thompson am Schlagzeug, bleibt ungemein heiß und bewahrt seine ganze beißende, kompromisslose Rock-Direktheit, die mit den Jahren der Reifung keinen Deut nachlässt. Die Band fühlte sich beim neuen Ljubljanaer Auftritt mehr als wohl und rastete schon beim ersten angeschlagenen Ton komplett auf der Bühne aus. In einem wilden Stampede, angerührt aus einer einzigartig dreckigen Dosis Rock’n’Roll, Punk und Southern Rock, rollten sie einen Song nach dem anderen raus. Besonders dem männlichen Teil des Publikums, zusammengepfercht in den vorderen Reihen, drehte es gewaltig den Kopf, als die mähnenbehaarte Frauenversion von Dee Snyder – nur eben mit echter Frisur –, die wild gewordene Stute Ruyter, mit der Zurschaustellung ihres Dekolletés für Schnappatmung sorgte.
Der Auftritt von Nashville Pussy ist geradezu für ein Rock-Lehrbuch geschrieben, aus dem alle neuen Bands abschreiben können, wie man sich auf der Bühne zu benehmen hat, wenn man sich an echter Rock’n’Roll-Perversion versucht. Das Publikum fraß ihnen die ganze Zeit aus der Hand – im Handumdrehen hatten sie es verhext und in der Tasche. Den Höhepunkt des Konzerts lieferte eine geöffnete Flasche Jack, die Ruyter und Blaine großzügig nicht nur mit Jeremy teilten, sondern auch mit dem Publikum, das seine Biergläser hinhielt, während Ruyter den »Whisky-Malt« zu echtem Beton verrührte. Auch Blaine mixte sorglos Laško-Bier mit Jack, und die Kämpfe in den Kehlen loderten gewaltig auf. Irgendwann zog er seinen Hut, beäugte die Laško-Flasche aus nächster Nähe und fragte laut: »What’s this?« Im nächsten Moment begann er, seine glänzende Glatze mit Bier zu übergießen. Na ja. Typische Masche von Nashville Pussy.
Fast zwei Stunden »Wahnsinn« aus Rock’n’Roll-Perversionen und dem Tornado Nashville Pussy lieferten eine Fülle echter Konzerterfahrung, von der du einfach nicht genug kriegen kannst. Als Trost bleibt entweder ein schneller Abstecher nach Zagreb, wo Nashville Pussy am 02.06.2015 auftreten, oder der Gedanke und die Hoffnung, dass sie so bald wie möglich wieder nach Slowenien zurückkehren.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist:
- Come On Come On
- Rub It to Death
- I’m So High
- Struttin‘ Cock
- Wrong Side of a Gun
- Pillbilly Blues
- She’s Got the Drugs
- Up the Dosage
- High as Hell
- The South’s Too Fat to Rise Again
- Everybody’s Fault But Mine
- Gonna Hitchhike Down to Cincinnati and Kick the Shit Outta Your Drunk Daddy
- Go to Hell
- Good Night for a Heartattack
- Snake Eyes
- I’m the Man
- Why Why Why
- Go Motherfucker Go
—Zugabe— - Keep on Fuckin‘
- Milk Cow Blues (orig. Sleepy John Estes)
- First I Look at the Purse (orig. The Contours)
- Going Down Swinging





























