Orlek und 24 Jahre Bar Gabrijel in Cerkno (2019)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2019
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Ort: Cerkno / Bar Gabrijel / Slowenien
Datum: Montag, 23.12.2019


Orlek – weder Žamboh noch Ostrež, aber mindestens genauso eine Rock’n’Roll-Gruppe aus Zasavje, die in diesem Jahr ihr sattes 30-jähriges Bestehen feiert – gilt als einer der großen Veteranen des Punkrock-Evangeliums mit ausgesprochen slowenischer musikalischer „Natur“. Das bedeutet: Keiner kommt ihnen auch nur annähernd nahe – weshalb ihr selbstgeprägter Begriff „knap’n’roll“ einfach ideal sitzt. Einzigartig. Reinblütig aus Zagorje. Das Knapovci-Nonett widmete dem diesjährigen fröhlichen Dezember auch einen Besuch in Cerkno. Der dortige Bar Gabrijel feierte nämlich sein 24-jähriges Bestehen – und jeden 23. Dezember veranstaltet die geschätzte Cerkljansko-Location ein exklusives Konzert, mit dem sie ihren Jahrestag feiern.

Konzerte im Gabrijel sind immer eine Art Exklusivveranstaltung. Ganz einfach. Es handelt sich um eine einzigartige Location, der keine andere auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Wer sie kennt, schüttelt wahrscheinlich schon jetzt den Kopf, wie überhaupt neun Musiker auf die kleine Bühne des Gabrijel passen konnten. Kein Problem. So wie vier Elefanten in einen legendären Fičo passen (zwei vorne, zwei hinten). Und obendrein haben die Orleks sogar noch ein Klavier auf die Bühne gebracht. An diesem Abend fehlte nichts – vor allem aber waren Lebensfreude, Heiterkeit und positive Energie im Überfluss vorhanden, die einem die Abkopplung gebot und nach den anstrengenden Dezembertagen endlich absolute, wohltuende Entspannung des Geistes bescherte. Hundert Eintrittskarten waren schnell weg. Die Veranstaltung war schon lange im Voraus ausverkauft. Auch viel junges Publikum mit „LJ“-Kennzeichen war zugegen.

Die Band spielte. Spielte – mit großen Buchstaben. Volle zweieinhalb Stunden. Ohne Unterbrechung. Ohne Pause. Das Publikum wurde sofort ins berühmte „Orlek-Theater“ geworfen. Dabei demonstrierten Orlek eine außergewöhnliche Eingespieltheit, verbunden mit unglaublicher Erlebnistiefe und vollblütiger Spielfreude. Orlek sind ein gelungenes musikalisches Kombinat eines Punkrock-Orchesters – von allen Seiten aufgeplustert und reichlich beladen mit Bläserarrangements sowie der oft dominanten Präsenz des außergewöhnlichen Jure Tori, der sich gelegentlich auch ans Klavier setzte – während im Hintergrund die elektrisierte Durchdringlichkeit des Gitarrenphrasierens gehalten wird, das beim Freisetzen von Dezibeln in keinster Weise knausert, und natürlich eine solide rhythmische Kinetik. Wenn dann noch der unglaublich charismatische Sänger Vlado Poredoš die Bühne betritt, ist die Maschinerie zur Wiederbelebung knapovischer Sitten und Gebräuche sowie anderer Zasavje-Geschichten komplett.

Neben ihren berühmten Klassikern, die im eisernen Konzertrepertoire niemals fehlen dürfen, spielte die Band auch das komplette neue Album „Živel Rokenrol“ durch – darunter auch das glänzend arrangierte „Fešta“, das im Original den The Pogues gehört – und zeigte dabei keinen Moment Anzeichen nachlassender Energie. Im Gabrijel hatten sich die Orleks an diesem Abend nämlich für einen echten Konzertmarathon entschieden, der kein Ende zu nehmen schien – genau wie dieser einzigartige und unvergessliche Abend des Zusammenseins mit einer (man darf es ruhig sagen) legendären Band. Als der hochoktanige Treibstoff im Reservoirtank der Gruppe doch allmählich zur Neige zu gehen begann, rief Vlado schnell in Richtung Tresen: „Jetzt macht uns da hinterm Tresen Spritzer fertig!“ – und die Sache war im Nu geregelt.

Wenn Orlek auf der Bühne spielen, weißt du, dass da eine Band mit außergewöhnlicher Kilometreleistung am Werk ist. Ganz einfach. Wegen der überragenden Eingespieltheit, die durch die unglaubliche Lockerheit und das Selbstbewusstsein aller Bandmitglieder ergänzt wurde – sowie durch das unglaubliche gegenseitige Gespür und die chemische Wirkung untereinander. Die Bandmitglieder kennen sich untereinander außergewöhnlich gut und beherrschen damit auch eine Menge (fast schon routinemäßiger) Tricks, mit denen sie ihr Bühnentheater dosieren. Erster unter ihnen ist natürlich der unglaublich ansteckende, fast schon ikonische Vlado, dem das Publikum buchstäblich aus der Hand fraß.

Die Band lieferte genau das, wofür wir gekommen waren. Sie entwaffnete das Publikum mit einer phänomenalen Rock’n’Roll-Party – und weil das Ganze in einer Location mit echtem Club-Charakter stattfand, verzauberte und verführte sie die Anwesenden mit ihrer einzigartigen musikalischen Aussage, Authentizität und sprühender Energiespannung des ihnen eigenen Knap’n’Roll noch intensiver. Wer nach einem Namen für eine echte Party sucht, findet die Antwort denkbar einfach: Orlek. Der Gabrijel krachte und ächzte an diesem Abend aus allen Nähten – und mit ihm bogen sich auch die Wände, die im Laufe des Abends bei den edlen Dämpfen alkoholischer Derivate selbst ganz ordentlich „feucht“ wurden.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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