Converge und Misery Index: Heilung der Post-Festival-Depression in der Pekarna (2014)

foto: ANJA IVANOVIČ 2014
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Ort: Maribor / MC Pekarna / Slowenien
Datum: 12.08.2014


Kaum hat man sich ein bisschen von den Festivals erholt, geht’s auch schon weiter nach Maribor, wohin die Dihurčka die renommierten Converge und Misery Index gelockt haben. Die Erwartungen ans Konzert waren zweifelsohne hoch. Misery Index sind bei uns alte Bekannte und ihre Konzerte stehen für echte Brutalisierung ohne jegliche Kompromisse. Converge haben sich seit 2007, als sie beim Metalcamp-Festival auftraten, eine stattliche Fangemeinde aufgebaut. Unter anderem besuchte eine beachtliche Zahl slowenischer Fans das Konzert der Band in Zagreb im Jahr 2012, als die Gruppe All We Love We Leave Behind promotete.

Auch diesmal gab es Vorbands. Als erste betraten die norwegischen Okkultokrati die Bühne und servierten eine ziemlich misslungene Mischung aus Black Metal, Sludge und Hardcore Punk. Man könnte sagen, sie zogen ihre Inspiration von den bekannten Darkthrone und ließen sich gleichzeitig neben Kvelertak einordnen – leider aber ohne jede Seele. Schon bei Okkultokrati selbst zeichnete sich ab, dass die Besucher zwischen den Auftritten mit brutaler Hitze zu kämpfen haben würden.

Bei den schwedischen Martyrdöd blitzte durchaus etwas Potenzial auf, als die Band Crust, Hardcore und Black Metal miteinander kombinierte. Hin und wieder rutschte auch ein stonigeres Riff rein. Die Musik an sich war verdaulich, aber die Rhythmusfraktion war öde – und der Gesang noch mehr, der war schlichtweg unerträglich. In diesem Fall wäre es besser gewesen, die Band ganz ohne Vocals zu hören.

Nach den verunglückten Martyrdöd gehörte die Bühne den alten Bekannten Misery Index, die dem slowenischen Publikum schon mehrfach vorgestellt wurden und stets einen guten Eindruck hinterlassen haben. Die Band hat in diesem Jahr nach vier Jahren ein neues Album veröffentlicht, das auf den Namen Killing Gods hört und das sie beim Konzert auch selbst promoteten. In ihrem kurzen Auftritt konzentrierten sich Misery Index ausschließlich auf Material der letzten drei Alben – einige ältere Fans kamen dabei leider etwas zu kurz. Die Band bestätigte im Laufe des – zugegebenermaßen recht kurzen – Auftritts, dass ihre Form noch nicht nachgelassen hat. Besonders heraus stach Schlagzeuger Adam Jarvis, der gnadenlos auf seine Drums einprügelte. Die Geschwindigkeit, die Jarvis erreichte, grenzte schon ans Übernatürliche – und trotzdem blieb er erstaunlich präzise, ohne nennenswerte Fehler. Neben den eingängigen Death-Metal-Riffs mit Grindcore-Sympathien zeichnet Misery Index auch der Doppelgesang aus, der von Gitarrist Mark Kloeppel und Bassist Jason Netherton kommt. Mark hat in den letzten Jahren den Großteil des Gesangs übernommen, während sich Jason immer mehr aufs Bassspielen beschränkt. Bei Jason fiel auf, dass er müde wirkte und sein Auftritt nicht mehr die Energie widerspiegelte, die er bei früheren Konzerten an den Tag legte. Insgesamt haben Misery Index erneut begeistert. Vielleicht kam der eine oder andere um seinen Lieblingssong herum – aber bei einer Festival-Setlist darf man da keine Wunder erwarten. Die Rückkehr von Misery Index ist, nach dem Toben in den vorderen Reihen zu urteilen, mehr als willkommen.

Nach der Brutalisierung folgte ein Genre-Schwenk mit Converge, die eine Menge Anhänger des heutigen Hardcore anzogen. Die Halle der Mariborer Pekarna war bis auf den letzten Winkel vollgestopft. Schon bei den ersten Takten explodierte es in den vorderen Reihen. Die Band zeigte sich zweifellos von ihrer besten Seite – anfangs wirkte es, als würde die Musik gar nicht so komplex sein und als würden schlichtere Hardcore-Mittel überwiegen, doch in kürzester Zeit machten Converge klar, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Das Chaos war unbeschreiblich, die Rhythmen brachen sich ähnlich wie bei The Dillinger Escape Plan. Viel Aufmerksamkeit erntete natürlich Sänger Jacob Bannon, der auf schier unfassbare Weise ausrastete. Aber ohne einen guten Schlagzeuger wären Converge nicht so herausragend. Ben Koller zauberte auf einem halb so großen Set wie Adam Jarvis unzählige verrückte Rhythmen und bewies ein echtes Gespür fürs Beherrschen des Chaos. Trotz all dem Chaos wäre es besser gewesen, wenn der Auftritt von Converge auf etwa eine halbe Stunde beschränkt geblieben wäre. Der Gesang wird schlicht nervig, ständig wirkt es, als würde Bannon immer wieder dieselben Linien benutzen – und auch Gitarrist Kurt Ballou, der als außergewöhnlicher Produzent gilt, findet mit seinen atonalen Riffs irgendwie nicht zu seinem vollen Ausdruck. Vielleicht lag’s aber auch nur an der Hitze…

Für viele waren Misery Index die Gewinner des Abends, doch wer dem Hardcore im weiteren Sinne verfallen ist, kam bei Converge definitiv auf seine Kosten. Die Einheimischen bestätigten: Ein solches Konzert in der Pekarna hatte es schon lange nicht mehr gegeben.

Autor: Primož Novak
Video: Primož Novak
Fotos: Anja Ivanovič



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