Wiederbelebung der goldenen MTV-Ära mit P.O.D. und Alien Ant Farm

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2019
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Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: Dienstag, 12.11.2019


Als bekannt wurde, dass P.O.D. und Alien Ant Farm Ljubljana besuchen würden, haben sich wohl viele gefragt, ob diese Bands überhaupt noch existieren. Es geht schließlich um die Alternative-Rock- und Nu-Metal-Szene, die um die Jahrtausendwende geblüht hat, danach aber viele Bands auseinandergebrochen sind und die Szene wegen mangelnder Innovationskraft nicht mehr in den Vordergrund getreten ist, als neue Genres das Bild deutlich veränderten. Auch die Promotionmethoden haben sich geändert, und Nu-Metal-Bands haben diese nicht sofort für sich genutzt. Trotz allem haben P.O.D. und Alien Ant Farm überlebt. Letztere waren mit Alben etwas weniger regelmäßig und standen dementsprechend auch nicht im Vordergrund.

Beide Kult-Bands einer bestimmten Ära haben nie wieder die Popularität erreicht wie in den Zeiten, als ihre Videoclips auf MTV liefen. Die Ankündigung der Tour, die auch in Slowenien Halt machte, war wohl für viele eine angenehme Überraschung. Es war schwer vorstellbar, wie voll diese Bands die Halle Kino Šiška füllen könnten – doch ein mehr als solider Besuch versprach viel für das Konzert.

Als Erste betraten Dead Girls Academy die Bühne, die allerdings kein besonderes Nostalgiegefühl vermittelten. Die ziemlich junge Band wirkte auf der Bühne wie eine Schulband, die sich Falling in Reverse, Motionless in White und ein bisschen auch Bring Me The Horizon zum Vorbild genommen hat. Musikalisch schwammen sie nicht in schweren Gewässern – im Vordergrund standen vor allem Elemente aus Post-Hardcore, Emocore, Alternative Rock und schließlich auch Glam Rock. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Band auch einen Motley Crue-Cover spielte: Girls, Girls, Girls. Die Band hat hinter sich lediglich das Debütalbum Alchemy, doch mit ihrem Repertoire konnten sie nur einen kleinen Teil des Publikums überzeugen. Außerdem vermittelte die Musik mit ihrer übertriebenen Betonung der Refrains kaum das Gefühl, dass da mehr als nur Mittelmaß draus werden würde. Oder haben wir es hier mit einer neuen Glam-Rock-Sensation zu tun? Die Zeit ist aber noch nicht reif für diesen Revivalismus.

Bei Alien Ant Farm zeigte sich ein ganz anderes Bild. Die Band erlangte 2001 Bekanntheit, als sie mit dem Michael-Jackson-Cover Smooth Criminal auf die Szene katapultiert wurde – den warteten beim Konzert sicher viele. Tatsächlich haben viele AAF genau durch dieses Stück kennengelernt. Die Band versuchte später auch mit Eigenkompositionen zu überzeugen, die durchaus hörenswert waren, aber bei Weitem nicht so herausstachen wie besagter Cover.

Mit ihrem Repertoire fokussierten sich AAF auf das Album Anthology, einige Stücke kamen aber auch von den Alben Truant (2003) und Up in the Attic (2006). Die Form der Band ist zufriedenstellend. Mit den Jahren kamen auch ein paar Kilos dazu, aber an Energie mangelte es nicht. Dryden Mitchells Gesang war überraschend gut erhalten. Mitchell erinnerte das Publikum auch an die goldenen Zeiten von MTV, als dort noch Musik gespielt wurde, und kündigte damit den Song These Days an. Er erinnerte auch an die Zeiten der Computerspiele, als die Band den Song Wish zum Spiel Tony Hawk’s Pro Skater beisteuerte. Das Nostalgiegefühl war zweifellos spürbar. Den Song Attitude widmeten Alien Ant Farm dem verstorbenen Chester Bennington. Alien Ant Farm verabschiedeten sich logischerweise mit Smooth Criminal – das war der Höhepunkt ihres Auftritts.

Dann kamen P.O.D., die ihren größten Erfolg irgendwo zwischen 2001 und 2006 erlebten, als die Band ihre erfolgreichsten Alben veröffentlichte, darunter Satellite, P.O.D. und Testify. Letzteres markierte eigentlich schon den Rückgang der Popularität, weshalb die Band es auch diesmal nicht in den Vordergrund stellte. Dafür standen das Album Satellite und P.O.D. umso mehr im Mittelpunkt. Die Band startete mit dem neueren Song Listening for the Silence, doch danach freute sich das Publikum zum ersten Mal so richtig, als Set It Off und Boom gespielt wurden. Danach orientierte sich die Band eher zu neueren Songs hin, was respektabel ist – es gab kein bloßes Ausruhen auf alten Lorbeeren.

Das Alter macht der Band noch keine Probleme. Sie sind keine Jugendlichen mehr, haben aber auf der Bühne genug Energie, um das Publikum zu überzeugen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Außerdem ist die Band mehr als solide eingespielt und kann sich einen ausgeprägten Groove auf die Fahnen schreiben. Stilistisch halten P.O.D. auch heute am Nu Metal und Rap Metal fest. Die Ähnlichkeiten mit Korn, Limp Bizkit oder Papa Roach sind nach wie vor da, nur dass P.O.D. positiver gestimmt sind, dabei aber nach wie vor gesellschaftskritisch.

Einer der Höhepunkte des Abends war zweifellos Youth of the Nation, bei dem das Publikum den Refrain lautstark mitsang. Nach einigen neueren Songs spielten P.O.D. auch noch Will You vom gleichnamigen Album. Ein weiterer Hit – doch das Beste haben sie natürlich für den Schluss aufgespart. Alive hallte durch die ganze Halle. Schließlich war es genau dieser Song, der die Band in kommerzielle Gewässer katapultiert hat. Mit Alive war zwar noch nicht Schluss, aber es war definitiv der Höhepunkt. Satellite gehört natürlich auch zum Pflichtprogramm, während das abschließende On Fire nicht gerade die beste Wahl war. Was aber mehr störte: Die Band bot nur rund eine Stunde und fünfzehn Minuten Programm. Angesichts der umfangreichen Diskografie hätte man sich mehr erhofft – aber die MTV-Hits wurden immerhin gespielt.

Kurzum: An einem verregneten Dienstag fand mit dem Konzert von P.O.D. und Alien Ant Farm etwas statt, das niemand mehr erwartet hatte, nachdem sich die Trends verändert hatten und Nu Metal in Vergessenheit geraten war. Das Nostalgiegefühl war diesmal außerordentlich stark.

Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlisten:

P.O.D.:
1. Listening for the Silence
2. Set It Off
3. Boom
4. Rock the Party (Off the Hook)
5. Panic Attack
6. Soundboy Killa
7. Rockin‘ With the Best
8. Always Southern California
9. Circles
10. Youth of the Nation
11. Murdered Love
12. Lost in Forever
13. Southtown
14. Will You
15. Without Jah, Nothin‘
16. Alive
17. Satellite
18. On Fire

ALIEN ANT FARM:
1. Courage
2. Bad Morning
3. Forgive & Forget
4. Movies
5. Wish
6. These Days
7. Never Meant
8. Attitude
9. What I Feel Is Mine
10. Sticks and Stones
11. Goodbye
12. Smooth Criminal

DEAD GIRLS ACADEMY:
1. This Is War
2. Forever
3. Too Late
4. No Way Out
5. Everything
6. Cannibal
7. Girls, Girls, Girls
9. I’ll Find A Way


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