Novemberlicher Death/Doom-Metal-Angriff!

October Tide
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Location: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Freitag, 08.11.2019


Doom Metal ist wie gemacht für trübes Wetter, und so wäre es schwer gewesen, ein tourneepakete zu finden, das besser zur aktuellen Wetterlage in Ljubljana gepasst hätte als dieses, das letzten Freitag den Orto bar besuchte. An einem verregneten Freitagabend empfing ein gut gefülltes Orto ein Trio, das langsame Rhythmen liebt – Oceanwake, October Tide und Swallow the Sun.

Die diesmaligen Vorgruppen, Oceanwake, waren ein komplettes Unbekannt, doch schon nach den ersten gespielten Tönen ließ sich ohne große Mühe erraten, dass es sich um Landsleute der Tourneenköpfe handelt. Das Quintett stammt nämlich aus dem Städtchen Luvia an der Westküste Finnlands und spielt genau das, was man von Finnen erwarten kann – eine melodische Mischung aus Death und Doom Metal, verhüllt hinter einem schweren Vorhang typisch finnischer Melancholie. Die Finnen konzentrierten sich bei ihrem Premierenauftritt in Slowenien vor allem auf ihr frisches Studioalbum Lights Flashing In Mute Scenery, erledigten ihre Sache absolut souverän, klangen dabei aber ziemlich generisch und boten das, was man in besserer Form von zahlreichen anderen finnischen Bands kennt – den Wechsel zwischen cleanen und rohen Vocals sowie brutaler Aggression und Momenten völliger Hoffnungslosigkeit mit sehnsuchtsvollen und melancholischen Passagen.

Mit mehr Spannung erwartet wurden – zumindest nach der Reaktion des Publikums zu urteilen – die einzigen schwedischen Vertreter des Abends, October Tide, die das Jahr bereits auf den Metaldays 2019 überzeugt hatten, wo sie am ersten Festivaltag auftraten und eine Lektion in qualitativem Death/Doom Metal erteilten. Auch diesmal war es nicht anders – nur dass October Tide in der intimeren Atmosphäre noch stärker zur Geltung kamen. Die Band setzt sich aus erfahrenen Recken der schwedischen Szene zusammen; in ihrem Lebenslauf finden sich Namen wie Katatonia, Dellamorte, Centinex und Demonical (für Letztere hat Sänger Alexander Högbom das sehr gute aktuelle Album Chaos Manifesto eingespielt). Diese Namen verraten, dass die Schweden vor allem im Death Metal verwurzelt sind, den sie bei October Tide aber auch ordentlich verlangsamen und mit schleppenden Rhythmen zu Grabe tragen können. October Tide lässt sich klanglich mit der frühen Katatonia oder den düsteren Chicagoern Novembers Doom vergleichen (die dem Monat entsprechend noch besser in dieses Paket gepasst hätten), haben aber genug eigene Handschrift, dass krasse Ähnlichkeiten dann doch ausbleiben. In den Vordergrund stellen October Tide vor allem Aggression und Brutalität – cleane Vocals sucht man in ihrer Musik vergebens –, und ihrer Herkunft entsprechend legen sie auch großen Wert auf ihre Death-Metal-Seite. Zwischen epische Riffs und Alexanders brutales Growling schmuggeln October Tide sogar Blast Beats, während sie ihre unheilvolle Atmosphäre auf massiven, monolithischen Riffs aufbauen, die wie gemacht für die trübe, verregnete Stimmung Ljubljana waren – was das abschließende Adoring Ashes nur noch unterstrich.

Die Finnen Swallow the Sun hatten nach dem exzellenten Auftritt der Schweden die verdammt schwere Aufgabe, ihren Status als Tourneekopf zu rechtfertigen. Den haben sie sich mit dem im Januar dieses Jahres erschienenen siebten Studioalbum When a Shadow Is Forced Into Light verdient, mit dessen Titeltrack sie das Ljubljanaer Publikum begrüßten. Der Song ließ mit seiner Fülle an cleanen Vocals, langsamen Rhythmen und kräftiger Keyboard-Untermalung sofort erkennen, dass Swallow the Sun die typisch finnische Formel auspacken würden, bei der aggressivere Passagen mit der Melancholie ewiger Dunkelheit abwechseln. Am Auftritt der Band gibt es nichts auszusetzen – sie ist top eingespielt, die Songs sind abwechslungsreich und vielfältig –, doch stellten ihre ausgedehnten Längen nach der konkreteren Schlagkraft von October Tide einen schwereren Brocken dar, und diesmal kamen Swallow the Sun mit ihrer verträumten Note nicht ganz so stark zur Geltung wie sonst. Insgesamt war das Paket aber genau das Richtige für die düstere, neblige und verregnete Jahreszeit, die uns bereits voll im Griff hat.

Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

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