Deafheaven und Touché Amoré kehren nach Ljubljana zurück

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Ort: Ljubljana / Kino Šiška / Slowenien
Datum: Di., 17. 9. 2019

Der Sommer ist vorbei und damit auch die Festivalzeit. Zeit, wieder in die Clubs zurückzukehren. Der September ist voll mit Konzerten. Im Kino Šiška erst recht, denn dort jährt sich der Beginn des Konzertbetriebs zum zehnten Mal. Das Angebot im KŠ ist also üppig, den ganzen September über ist eine schier endlose Menge an Veranstaltungen angekündigt. Der 17. September war für Liebhaber rauer Klänge und druckvoller Rhythmen reserviert. Denn Deafheaven kehrten nach Slowenien zurück, begleitet von Touché Amoré und Portrayal of Guilt.

Den Anfang machten Portrayal of Guilt. Die junge Band präsentierte eine ziemlich rohe Mischung aus verschiedenen Genres. Gespielt wurden Tracks vom Debüt Let Pain Be Your Guide. Die Musik selbst bewegte sich in eher extremen (Sub-)Genres. Einerseits waren viele Hardcore-Punk-Elemente spürbar, doch durch den schieren rohen Sound klang es, als würden die Jungs auch gerne in Richtung Grindcore und Blackened Sludge Metal greifen. Passend dazu war der Gesang, der seinen Stimmapparat ordentlich quälte. Portrayal of Guilt waren eine solide Eröffnung. Man merkt der Band an, dass sie noch an ihrem eigenen Charakter feilt — dafür braucht es noch das ein oder andere Album mehr.

Nach gut zwei Jahren meldeten sich Touché Amoré zurück, deren Unterstützung deutlich größer war als bei der ersten Vorband. Die Band gilt heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Post-Hardcore-Genres. So kamen Fans von Defeater, La Dispute und Pianos Become Teeth voll auf ihre Kosten. Auf der Bühne war der reiche Konzerterfahrungsschatz der Band deutlich zu spüren. Entsprechend gut war auch der Publikumsresponse. Der Auftritt ist ausgereift, die Band legt großen Wert auf Emotionalität. Musikalisch wird dabei das Rad nicht neu erfunden — im Vordergrund steht Schlichtheit, kein unnötiges Verkomplizieren, weshalb viele Songs auch power-chord-lastige Riffs enthielten. Touché Amoré haben ihrem Ruf mit einem energiegeladenen Auftritt und einer Setlist quer durch die gesamte Diskografie alle Ehre gemacht. Vielleicht fehlte dem einen oder anderen Lieblingssong die Bühne, doch das Publikum war dem Applaus nach zu urteilen zufrieden.

Als letztes traten Deafheaven auf, die 2013 mit dem Album Sunbather ihren großen Durchbruch erlebten. Damit avancierten sie zu den Hauptvertretern des sogenannten Post-Black-Metal. Vor diesem Album waren sie völlig unbekannt, was sich auch beim ersten Konzert in Ljubljana gezeigt hatte, als nur eine Handvoll Leute vorbeischaute. Im Kino Šiška bot sich ein ganz anderes Bild. Die Halle war zwar nicht ausverkauft, aber der Rückhalt für Deafheaven ist unbestreitbar gewachsen. Von einer Handvoll Besuchern kann keine Rede mehr sein. Die Band ist in guter Form. Die Mitglieder sind eingespielt, besonders der Schlagzeuger zeigte enorme Intensität — er musste den Blast Beat ganz schön lange durchhalten. Einzig der Sänger wirkte zeitweise ein wenig verloren. Von Unerfahrenheit lässt sich hier aber nicht sprechen.

In ihrem Set streifte Deafheaven die letzten drei Alben, der Auftritt selbst war aber ziemlich kurz. Die Band hat zwar einige sehr lange Songs, doch alles zusammen ergab etwa eine Stunde. Mit den neueren Tracks Honeycomb und Canary Yellow zeigten Deafheaven ihren aktuellen Stand der Dinge. Die Songs haben die rohe Black-Metal-Kante, kommen aber stärker durch die ruhigen, atmosphärischen Passagen zur Geltung, die mit ihrer verträumten Qualität an viele Post-Rock-Bands erinnern. Ähnliches galt für Brought to the Water vom Album New Bermuda — stilistisch kein großer Schwenk. Mehr Rohheit gab es mit Black Brick, einer neuen Single, der diese Verträumtheit fehlt. Zum Abschied fiel dann Dream House vom Album Sunbather. Platz für den einen oder anderen weiteren Song wäre durchaus gewesen, doch irgendwie hatte man das Gefühl, dass Deafheaven die Sache etwas routiniert abgearbeitet haben.

Unterm Strich war es ein angenehmer Abend, der so einige Genres aus Metal und Hardcore abdeckte. Wieder einmal ein buntes Konzert, das das zehnjährige Bestehen des Kino Šiška würdig begleitet.

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