Death-Metal-Spektakel in San Donà di Piave

ALEŠ PODBREŽNIK 2019
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Auftretende: Nile, Hate Eternal, Vitriol, Omophagia
Ort: San Dona Di Piave (Treviso) / Revolver Club / Italien
Datum: Samstag, 21.09.2019


Nile, Legenden des amerikanischen brutalen Death Metal bzw. die Death-Metal-Ägyptologen, sind nach einigen personellen Wechseln endlich zurück. Vor zwei Jahren hatte nämlich der langjährige Gitarrist Dallas Toler-Wade die Gruppe verlassen, was viele Debatten und Skepsis bezüglich der Zukunft der Band ausgelöst hatte. Zwar blieb Mastermind Karl Sanders an Bord, doch ohne den langjährigen Toler-Wade war es schwer vorstellbar, dass jemand den charismatischen Musiker ersetzen könnte, der gleichermaßen stark spielt wie growlt. Aber an extremen Musikern mangelt es nicht. An Gitarre und Gesang wurde Brian Kingsland verpflichtet, dem damit eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe zufiel.

Nile waren dieses Jahr mit einem neuen Album sehr fleißig. Die Band war ständig am Werkeln, und das Ergebnis dieses Prozesses wird bald auf dem kommenden Werk Vile Nilotic Rites zu hören sein – dem ersten Bandalbum seit vier Jahren. Aber das eine ist, was im Studio eingespielt wird, das andere ist der Live-Auftritt. Nile entschieden sich, das neue Album noch vor seiner Veröffentlichung auf einer Europatournee anzuteasern. Auf dieser Tour begleiteten Hate Eternal, Vitriol und Omophagia die Band. Für Death-Metal-Fans ist die Kombination Nile und Hate Eternal zum Fingerabschlecken. Alles andere ist nur noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Die Tournee machte zwar keinen Halt in Slowenien, doch das Städtchen San Donà di Piave ist nah genug, um als Death-Metal-Fan die Reise anzutreten.

Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen haben sich zweifellos bereits Omophagia bewiesen, die als Erste auftraten. Das Death-Metal-Quintett aus der Schweiz servierte ein gehöriges Maß an Technik und Brutalität, sodass die ersten Köpfe im Publikum zu nicken begannen. Der Besuch war noch überschaubar, wie es bei Vorgruppen üblich ist, aber Omophagia zeigten echtes Potenzial. Die Band zeichnen schnelle und präzise Drums, technisch akkurate Gitarren und ein ausreichend tiefes Growling aus, das das Ganze ordentlich brutal macht. Die Gruppe hat bereits drei Alben im Rücken und bewies damit, dass Death Metal auch im Jahr 2019 noch spannend ist. Schließlich bietet das Genre genug Spielraum, um nicht eintönig zu werden. Omophagia ist eine Band, die man im Auge behalten sollte.

Vitriol, eine junge amerikanische Band aus Portland, erwies sich als die beste Wahl vor Hate Eternal. Das Quartett ging aggressiv zu Werke, die Riffs waren chaotisch, die Rhythmusfraktion kompromisslos schnell. Allerdings war die Band aufgrund des schlechteren Sounds ziemlich undifferenziert zu hören – genau das Terrain, auf dem Hate Eternal Spezialisten sind. Vitriol haben bislang nur eine EP und ein Album mit dem Titel »To Bathe from the Throat of Cowardice« hinter sich, das dieses Jahr erschienen ist. Dennoch zeigte die Band Bühnenerfahrung, sodass man ihren Auftritt genießen konnte. Vor allem ihre Energie verdient Lob – man merkte, dass der Band das Publikum nicht egal war.

Hate Eternal sind eines der angesehensten Death-Metal-Projekte. Mit von der Partie ist Erik Rutan, der sich als Gitarrist bei Morbid Angel einen Namen gemacht hat und zahlreichen Bands bei Albumaufnahmen geholfen hat. Er ist schlichtweg eine Legende und das treibende Herz von Hate Eternal. In den letzten Jahren spielen bei Hate Eternal immer wieder wechselnde Schlagzeuger, weil sich kaum jemand länger als ein Album hält. Diesmal saß John Longstreth (Origin, Gorguts u. a.) am Schlagzeug – eine mehr als ausgezeichnete Wahl. Longstreth ist bekannt für sein extrem schnelles und präzises Spiel. Er gehört zu den bekanntesten Drummern der extremen Metal-Szene. Auch diesmal überzeugte er mit seinem Spiel – manchmal hatte man sogar das Gefühl, er stahl die Show.

Hate Eternal bewiesen mit ihrem Auftritt einmal mehr, dass sie das Chaos zu beherrschen wissen. Verglichen mit manch anderen Shows war es diesmal möglich, den Großteil der Songs herauszuhören, während das für sie typische »Geschepper« nach wie vor präsent war. Die Band eröffnete mit Bringer of Storms und bot praktisch die Mehrzahl ihrer anerkannten Songs auf, darunter Behold Judas, I, Monarch, King of All Kings sowie neuere Tracks von den Alben Upon Desolate Sands und Infernus. Erik Rutan und seine Crew bewiesen, dass sie noch lange nicht abzuschreiben sind. Rutan selbst ist als Frontmann auch heute noch souverän genug. Das Publikum antwortete mit dem ersten größeren Moshpit. Egal wie viele Jahre vergehen – Hate Eternal bleiben ein wichtiger Name im Death Metal.

Für das große Finale blieben noch Nile. Die Skeptiker wurden schon in den ersten Minuten zum Schweigen gebracht. Brian Kingsland, der in ziemlich große Fußstapfen trat, erwies sich als ausgezeichneter Gitarrist, der mit Karl Sanders mithalten kann. Auch sein Solospiel lässt nichts vermissen. Vor allem aber ist sein Growling überzeugend. Würde man ihn nur hören, wäre kaum zu merken, dass sich beim Gesang überhaupt etwas geändert hat – Kingsland hat eine dem Vorgänger recht ähnliche Stimmfarbe. Nile zeigten auch diesmal, was intensives Spiel bedeutet, was sich vor allem beim Schlagzeuger George Kollias zeigte. Kollias ist wie Longstreth eines der großen Namen unter den extremen Metal-Drummern. Doch was Nile besonders macht, ist ihr Zusammenspiel als Einheit. Karl Sanders wirkt nicht so, als wolle er besonders herausstechen. Auch Bassist Brad Parris, der seit 2015 mit der Band zusammenarbeitet, steuert Vocals bei. Die aktuelle Besetzung wirkt eingespielt, und zwischen den Mitgliedern überwiegt sichtlich positive Energie. Und wenn alle Gitarristen gemeinsam growlen, entfaltet ihre Musik genau den richtigen Effekt.

Nile bewarben auf dieser Tournee das kommende Album Vile Nilotic Rites, von dem sie drei Songs spielten. Mit den Neuerungen machten Nile klar, dass sie nicht nachlassen. An Brutalität mangelt es nicht, die Technik bleibt, und auch die für Nile typischen orientalischen Melodien sind zu hören. Das Publikum reagierte gut darauf – noch besser aber auf die bekannten Songs. Stücke wie Sacrifice Unto Sebek, Kafir!, Call to Destruction, The Howling of the Jinn und Sarcophagus gelten heute als fester Bestandteil des Repertoires der Band. Ein Moshpit des Publikums war also unvermeidlich. Mit dem abschließenden Black Seeds of Vengeance bewiesen Nile, dass man noch immer auf sie zählen kann.

Der Revolver Club bot mit dem Konzert von Nile, Hate Eternal, Vitriol und Omophagia eine echte Death-Metal-Delikatesse. Der gute Zuspruch machte klar, dass Death Metal in jeder Form noch immer einen Besuch wert ist!

Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik


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