Deep Purple – Hommage an die immergrünen Rock-Ikonen in Wien (2026)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2026
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Deep Purple (Support: Jayler)
Montag, 5. 10. 2026, 19.30 bis 22.40 Uhr
Wien / Wiener Stadthalle – Halle D / Österreich


Hätte das jemand für möglich gehalten, hätte sich irgendwer getraut, so etwas vorherzusagen? Deep Purple, eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die zentralen Bands des Rock’n’Roll, mit einem Pioniergewicht und einer Bedeutung, die die Entwicklung von Hardrock und Metal entscheidend geprägt hat, haben in diesem Jahr – im 59. Jahr ihres Bestehens – tatsächlich noch ihr 24. Studioalbum veröffentlicht. Nach allem, was sie hinter sich gebracht und auf ihrem Weg geschaffen haben, bleibt nur ein Fazit: Bewunderung. Eine Band, vor der du einfach Respekt haben musst und vor der du dich auf irgendeine Weise verneigen willst.

Die Jungs haben ihre Reihen vor einiger Zeit mit einem neuen Gitarristen verjüngt! Das ist der Ire Simon McBride, der 2022 zu Deep Purple gestoßen ist, nachdem sich der langjährige Vorgänger Steve Morse entschieden hatte, die Band zu verlassen. McBride war für Purple irgendwie die logische Wahl, denn davor hatte er jahrelang in der Band von Deep-Purple-Keyboarder Don Airey gespielt und war beim Einstieg schon mit vielen Deep-Purple-Marotten bestens vertraut. Mit McBride hat die Band schnell das Album „=1“ (2024, RockLine Review) aufgenommen und veröffentlicht, dem in diesem Jahr überraschend schnell noch ein weiteres Album namens „SPLAT!“ (RockLine Review) folgte – und der Gitarrist hat bewiesen, dass er aus dem richtigen Holz geschnitzt ist. Purple müssen nichts mehr beweisen, trotzdem sind auch ihre neuen Sachen richtig, richtig stark. Und das Schöne ist: Die drei Herren des Jahrgangs 1948 und der unglaubliche Sänger Ian Gillan, der dieses Jahr 81 Lenze auf dem Buckel hat, natürlich mit dem deutlich jüngeren „Adoptivsohn“ McBride (Jahrgang 1979) an Bord, denken nicht im Entferntesten ans Aufhören. Die Bühne bleibt auch 2026 ihr erstes Zuhause, und nebenbei nehmen sie neue Musik auf, was sie eigentlich gar nicht nötig hätten.

Die Tour, mit der sie wieder (und wer weiß, zum wievielten Mal) in der Wiener Stadthalle (Wiener Stadthalle – Halle D) gastierten, die gut 16.000 Köpfe fasst, füllte die Halle erneut bis in den letzten Winkel. Das Ding war quasi ausverkauft, und Deep Purple haben angesichts des bunt gemischten Publikums über alle Generationen hinweg einmal mehr ihre Unvergänglichkeit bewiesen. Sie sind eben ewige Legenden geworden.

Als Support haben sie diesmal die Youngster von Jayler ausgewählt. Unglaublich, wie viele Led-Zeppelin-Nachahmer es auf diesem Planeten gibt. Ständig tauchen neue auf. Mal zünden sie, mal nicht. Bei Jayler ist das Besondere, dass sie u. a. auch sehr geschickt die verblüffende Ähnlichkeit ihres Sängers James Bartholomew mit Robert Plant ausnutzen. Jayler schöpfen nicht nur schamlos Inspiration von den legendären Rock’n’Roll-Champions, sie haben auch Outfit und Bewegungen übernommen, selbst die Drums erinnerten an Bonzos Aufbau, und Bassist (und Keyboarder) Ricky Hodgkiss rannte barfuß über die Bühne. Eine Neuauflage des goldenen Rock-Zeitalters also, im neuen, frischen Gewand. Und den Jungs, die gerade mal knapp 20 Jahre alt sind, kann man wirklich nichts vorwerfen. Ihre Zeit, das waren 40 Minuten, haben sie mit Abstand genutzt und auf der Bühne eine echte Party gezündet. Ungezähmte Energie! Die Bühne war randvoll. Wenn man bedenkt, dass sie erst in diesem Jahr ihr Studiodebüt „Voices Unheard“ (2026) veröffentlicht haben, wirken sie wahnsinnig selbstbewusst, höllisch angetrieben von einem Treibstoff, der durch hochoktanige Verbrennung pure Zügellosigkeit verkörpert. Ein toller Sound, bis ins Detail einstudiertes und eingespieltes Zusammenspiel, allen voran eine mehr als ansteckende Gesangsperformance. Die Band stellte auch zwei brandneue Songs vor (No Woman, Kicking Stones), ansonsten gab es reichlich Material vom Debüt. Wie es aussieht, liegt eine helle Zukunft vor der Band.

Bei Konzerten von Bands wie Deep Purple klauen die Vorbands immer ein bisschen Zeit. Das ist eben die undankbare Position, in die du dich begibst, wenn du dich auf so eine Rolle bei den Touren von Rock-Ikonen einlässt. Die ganze Halle wartete also strikt auf die Ankunft der Urväter des Metal. Als Erster erschien Ian Paice hinter den Drums, von links gesellte sich Roger Glover dazu,… Die Band prescht direkt in Highway Star, einen Song, der zu den treffendsten gehört, wenn du überlegst, mit welchem Stück du ein Konzert eröffnen willst. Eine Abrissbombe! Die Halle im Nu auf Höchstdrehzahl. Der Sound war vom ersten Moment bis zum letzten Bühnenatemzug phänomenal. Die Bühnenbeleuchtung und das Lichtspiel bleiben bei Purple-Shows eine Attraktion. Und diese ganze Routine, mit der sie das alles handhaben. Unbezahlbar, unfassbar. Ja. Solche Bands gibt es heute nicht mehr.

Aber beim Album Machine Head blieb es nicht, die Band schaltete schnell auf das Album „=1“ um (A Bit on the Side), um dann wieder einen Klassiker aus ihrer goldenen Ära rauszuhauen: Into the Fire (Deep Purple in Rock, 1970). Natürlich interessierte uns die Form der Legenden. Darüber wurde in früheren Konzertberichten schon viel geschrieben, also verschwenden wir hier keine überflüssigen Worte. Die Jungs würden nicht auf der Bühne stehen, wenn diese Form nicht da wäre. Sie sind stattlich, behalten die gewohnte Art ihrer Bühnenshows bei und weichen keinen Zentimeter davon ab. Auch 2026 nicht. Lassen wir mal die „ermüdenden Sticheleien“ beiseite, dass die Band bestimmte Songs seit Jahrzehnten bewusst nicht mehr ins Programm nimmt, weil Ian Gillan sie nicht nur nicht mehr singen kann, sondern auch nicht mehr will. Klar waren sich an diesem Abend im Publikum wieder nicht alle einig, was die Leistungsfähigkeit von Ians Stimmbändern angeht. Und mehr noch: Im Publikum konnte man Zettel im A4-Format entdecken, auf denen stand, Purple sollten Soldier of Fortune spielen – solche Provokateure gehörten dauerhaft aus der Halle verbannt. Gillan bleibt für sein Alter ein absolutes Phänomen. Nicht nur, dass seine markante Stimme immer und überall sofort erkennbar ist, er ist auch eine Bühnenfigur, die mit Abstand unglaublich charismatisch bleibt. Gillan behält dieses ansteckende Lächeln, spielt mit Gesten und Blicken, am meisten „erschüttert“ aber sein allumfassender Sinn für schwarzen Humor. Woher er die Inspiration nimmt, weiß ich nicht, aber die Quelle ist unerschöpflich. Mit saftigen Kommentaren brachte er sogar seine Bühnenkumpane mehrmals zum Lachen, bei denen man gedacht hätte, die hätten ihn längst durchschaut. Nach Into The Fire trat Simon mit einem Solo in den Vordergrund, das in zwei neue Songs des Albums „SPLAT!“ überging (Arrogant Boy, Diablo).

Deep Purple wirken wie in Trance, Versteckspiele gibt es keine, Patzer auch nicht. Alles sitzt auf den Punkt. Und doch immer ein bisschen anders. Don Aireys Solo-Nummer bleibt ein Kapitel für sich. Diesmal gab es gleich zwei. Wir wissen, wo sie in der Setlist stehen, aber Airey könnte locker ein ganzes Konzert spielen. Man könnte ihm stundenlang zuhören. Das erste Solo verwandelte sich zum Ende hin schnell in das bekannte schelmische Motiv eines Klassikers vom Album Machine Head. Lazy, natürlich. Die Band strahlte durchgehend außergewöhnliche Eingespieltheit, Verspieltheit und Albernheit aus. McBride und Airey sind höllisch gut aufeinander abgestimmt, die immergrünen Roger Glover und Ian Paice sind eine undurchdringliche Rhythmusgruppe. Sometimes I Feel Like Screaming gilt seit jeher als eine der schönsten Kompositionen, nicht nur des Albums „Purpendicular“ von 1996, als wir es in Izola zum ersten Mal hörten, sondern der gesamten Deep-Purple-Karriere. Toll, dass die Band es wieder live gespielt hat. Und die Band genießt es sichtlich, die neuen Songs zu spielen. Man spürte richtig, wie sie sich mit voller Wucht in die neuen Nummern stürzten, sei es die mystische Sacred Land oder die eingängige Arrogant Boy mit einer der schnellsten Phrasen, die Purple je geschrieben haben. Aireys zweites Solo war noch gewaltiger und noch unterhaltsamer als das erste, und auf der Bühne gesellte sich die Geigerin Lidia Baich zu ihm. Airey blieb dem Publikum nichts schuldig und brachte die ganze Halle auf Touren, indem er sich u. a. an Strauss‘ „An der schönen blauen Donau“ wagte. Irrenhaus. Wir standen im südlichen Innenraum. An der Wand links vom Innenraum zog sich eine ganze Straße durstiger Bierkunden entlang, die ununterbrochen aus der Halle zur Theke und zurück strömten.

Und dann das große Finale. Perfect Strangers! Darf nicht fehlen. Niemals. Das ist einer der Höhepunkte von Deep-Purple-Konzerten. Gänsehaut. Dann Space Truckin‘ und der Riff aller Riffs, Smoke On The Water! Die Halle kochte vor Begeisterung. An Nostalgie-Momenten mangelte es nicht. Und gerade als du weißt, dass noch ein paar kostbare Minuten übrig sind, packt Gillan seinen raffinierten Sarkasmus aus: „We’re not finished yet!“ Die Band ging nicht von der Bühne, um zur Zugabe zurückgeholt zu werden. Nur Gillan verschwand für ein paar Minuten, während die Band in das neue Instrumental Guinnesis einstieg und die Show um eine weitere Ladung unbezahlbarer spielerischer Schelmerei verlängerte, wie sie nur Deep Purple liefern können. Gillan kehrt zurück, die Band springt in das entspannte, aber urzeitliche Hush, auf das der donnernde Riff des Klassikers Black Night folgt. Es war klar, dass es das jetzt war. Eine Stunde und vierzig Minuten!

Erstklassig. Auch heute, nach fast sechs Jahrzehnten. Unglaublich. Es sind 30 Jahre vergangen, seit ich Deep Purple zum ersten Mal live gesehen habe. Schon damals galten sie als ultimative Legenden. Und nach 30 Jahren erlischt das Feuer nicht. Die Jahre jagen uns nur scheinbar. In dir brodelt dagegen eine Energie ganz anderer Art. Und Deep Purple strahlen genau diese ungezähmte Energie aus. Man kann nach wie vor mit Leichtigkeit festhalten, dass diese Energie die definitive Vibration jugendlicher Ausgelassenheit ist, die noch lange nicht vorhat zu erlöschen. Hommage an die Legenden!

Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Jayler – Setlist:
1. Down Below
2. The Getaway
3. No Woman
4. Kicking Stones
5. Riverboat Queen
6. Lovemaker
7. Need Your Love
8. Over the Mountain
9. The Rinsk

Deep Purple – Setlist:
1. Highway Star
2. A Bit on the Side
3. Into the Fire
4. Guitar Solo
5. Arrogant Boy
6. Diablo
7. Keyboard Solo
8. Lazy
9. Sometimes I Feel Like Screaming
10. Sacred Land
11. Lazy Sod
12. Keyboard Solo (with Lidia Baich) (Inc. An der schönen blauen Donau)
13. Perfect Strangers (with Lidia Baich)
14. Space Truckin‘
15. Smoke on the Water
16. Guinnesis
17. Hush (orig. Joe South)
18. Black Night


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