Jones Jones, Mittwoch, 22.11.2017, Ljubljana (klub Gromka)!
Autor: Aleš Podbrežnik
wer. Jones Jones (USA / LIT)
wann: Mittwoch, 22.11.2017, um 21.00 Uhr (Einlass um 20.30h)
wo: Ljubljana (klub Gromka)
Man kann dem Kritiker vorbehaltlos zustimmen, der geschrieben hat, dass er „nicht genug betonen kann“, wie gründlich, unaufhaltsam und kompromisslos dieses Trio Jones Jones zu Beginn der 80er des letzten Jahrhunderts die Richtung für den heutigen „post-new wave“ und avantgardistischen Jazz vorgegeben hat. Ihr heutiges Spiel im Trio ist natürlich kein Zurückschauen auf vergangenen Ruhm – dafür sind sie schlicht nicht der Typ musikalische Persönlichkeiten … Aber kurz zur Erinnerung, wer mit uns dabei sein wird: Bläser Larry Ochs war im Oktober 1977 Mitgründer des außergewöhnlichen Rova Saxophone Quartet und spielt dort bis heute; Kontrabassist Mark Dresser war (nach seinem ersten Konzert genau in Ljubljana, beim Jazz Festival 1985) neun Jahre lang Mitglied des legendären Anthony Braxton Quartet (+ Marilyn Crispell / Gerry Hemingway); Schlagzeuger Vladimir Tarasov war von 1971 bis 1986 Mitglied des frischen, aufregenden und einzigartigen Newjazz-Ensembles aus der Sowjetunion – des Ganelin Trio (+ Vjačeslav „Slava“ Ganelin / Vladimir Čekasin) … Für die meisten heutigen Zuhörer sind das wohl Randinformationen, aber es sind enorme Referenzen – und allein schon deshalb deutet sich ein ganz besonderer Abend an.
Jones Jones sind:
Larry Ochs – Tenor-, Sopranino-Saxophon
Mark Dresser – Kontrabass
Vladimir Tarasov – Schlagzeug, Perkussion
Das Trio aus langjährigen Improvisationsmeistern von den verschiedensten Ecken der Welt spielte erstmals 2006 in San Francisco zusammen und begeisterte vor allem durch seinen Umgang mit meditativen musikalischen Schichten – und zeigte obendrein, wie ungewöhnlich und unalltäglich Reaktionen in einem führerlosen Ensemble sein können, was dieses grenzenlose Zuhören bedeutet und wie man einzigartige Antworten anbietet.
„(…) ‘Supergroup’ is old rock music terminology. I know no one in Jones Jones thinks of themselves in those terms. Nevertheless, each one of these musicians has been involved in critical groundbreaking music in important ensembles outside of double Jones. The interesting thing is if you mention the classic Anthony Braxton Quartet (Braxton, Crispell, Dresser, Hemingway), the Rova Saxophone Quartet (Ochs, Ackley, Raskin, Voigt) or the Ganelin Trio (Ganelin, Tarasov, Chekasin), despite the game-changing music produced by each of these bands, there’s no guarantee that people today will make the connection. Pity, I can’t stress enough just how groundbreaking those three early 1980’s strands of history are to the development of the post-new wave of avant garde jazz today. Dresser, Ochs and Tarasov, otherwise known as ‚Jones Jones‘, are no throw-back to past glories. They inhabit our millennium as contemporary Global nomads. They each have homes, they chose to travel (…)“
–Steve Day, SandyBrownJazz.co.uk (aus der Rezension des Albums The Moscow Improvisations)
Das Trio spielt ausschließlich improvisierte Musik. Jeder Auftritt hebt die besondere Geschichte jedes einzelnen Mitglieds hervor und erschafft damit eine ganz eigene Welt, wie sie nur sie heraufbeschwören können. Die Band spielte 2008 erstmals in Europa, und zwar bei Clubshows in Amsterdam und Sankt Petersburg sowie auf Festivals in Litauen und Lettland. Jones Jones spielte im selben Jahr auch beim Festival of New American Music in Sacramento, Kalifornien. 2010 taucht das Ensemble dann bei der Moskauer Biennale auf, wo das Konzert „live“ aufgezeichnet wurde und im April 2016 beim polnischen Label NotTwo Records unter dem Titel The Moscow Improvisations erschienen ist. Das erste Album von Jones Jones We All Feel the Same Way (2010 vom Moskauer Label SoLyd veröffentlicht, genau zur Zeit der Moskauer Biennale) ist schon lange vergriffen, steht aber nach wie vor in digitaler Form zur Verfügung.
Nat Hentoff (Wall Street Journal) beschreibt Vladimir Tarasov so: „(…) a master of decorative brushwork […] a drummer of rare subtlety and cunning, who takes sensual delight in the very touch of his extensive array of instruments, from finger chimes to cymbals (…)“ Tarasov war von 1971 bis 1986 Mitglied des außergewöhnlichen sowjetischen Newjazz-Ensembles GTC / (The) Ganelin Trio. Mit diesem Trio, mit zahlreichen anderen Künstler*innen und Orchestern hat er mehr als 100 Alben eingespielt, darunter eine ganze Reihe Soloalben. Viel hat er für Film und Theater geschrieben und schreibt er bis heute: Staatstheater, Stuttgart, 1995; Majestic Theater at The Brooklyn Academy of Music, New York, 1995; Josef Nadj Centre Choreographique National Orléans, Orléans, 1998, 2004; Théâtre Vidy-Lausanne, Mejerholdov center, Moskau, 2003, etc. Vladimir Tarasov hat unter anderem mit folgenden Musiker*innen gespielt: Andrew Cyrille, Rova Saxophone Quartet, Anthony Braxton, Lauren Newton, Butch Morris, Tomasz Stańko, György Szabados, Masahiko Satoh …
http://www.vladimirtarasov.com/
Mark Dresser ist ein international anerkannter Kontrabassist, Improvisator, Komponist und geschätzter Mitarbeiter bei interdisziplinären Projekten. Ein Großteil seiner musikalischen Ambitionen gilt der Erforschung der klanglichen und musikalischen Möglichkeiten des Kontrabasses durch den Einsatz unkonventioneller Verstärkung. Seine durchdachte Studie über erweiterte Techniken für den Kontrabass mit dem Titel „A Personal Pedagogy“ findet sich auch in einem der mehrbändigen Sammelbände Arcana, in dem Musiker*innen über ihr Leben und ihre Arbeit sprechen. Dresser ist auf mehr als 100 Alben zu hören, von denen gut dreißig das Ergebnis seiner solistischen, leitenden oder ko-leitenden Arbeit sind. Achtzehn Jahre lebte und arbeitete er in NYC, wo er mit den stärksten Persönlichkeiten der Neue-Musik-, „neoklassischen“ und Jazzszene aufnahm und spielte – unter anderem war er neun Jahre Mitglied des Anthony Braxton Quartet. 2001 wurde er für den Grammy nominiert. Dresser ist heute Professor für Musik an der University of California in San Diego; er lehrte auch in Princeton, an der New School University und am Hampshire College. Darüber hinaus ist er Mitglied des Vorstands der International Society of Bassists und Mitglied des Beirats der Society of Improvised Music. Bei uns gastierte er mehrfach in der Slovenska kinoteka (Kino-uho), im klub Gromka hatte er im Dezember 2002 einen Workshop und einen hervorragenden Soloauftritt.
Larry Ochs ist seit 1977 Mitgründer und Mitglied des Rova Saxophone Quartet – er hat mit ihm mehr als zwei Dutzend Alben aufgenommen und 40 Tourneen durch Europa und Japan absolviert. Genauso viele Alben hat Ochs auch mit anderen aktiven Bands eingespielt, so mit Larry Ochs Sax & Drumming Core (+ Scott Amendola / Don Robinson / Satoko Fujii / Natsuki Tamura; Album Stone Shift, 2009; ein weiteres für das Label Rogue Art, 2015) und Kihnoua (mit Vokalperformerin Dohee Lee, Scott Amendola und Special Guests; Album The Sybil’s Whisper, 2012). Er spielt und komponiert auch für „kollektivere“ Ensembles wie East-West Collective (+ Didier Petit / Sylvain Kassap / Miya Masaoka / Xu Fengxia, Album Humeurs, 2014); Ochs-Robinson Duo mit Perkussionist Don Robinson (Album The Throne – l, 2014); Maybe Monday (+ Miya Masaoka / Fred Frith; diese Band trat auch beim 7. Festival Jazz Cerkno 2002 auf, Album Unsquare, 2008); Shelton-Ochs Quartet (+ Aram Shelton / Kjell Nordeson / Mark Dresser); Trio Dave Rempis-Darren Johnston-Larry Ochs (Album Spectral, 2014). Auf seiner reichhaltigen Website (s. unten!) findest du ausführliche Interviews, Details zu zahllosen Tourneen und Aufnahmen. Ochs hat im Laufe seiner langjährigen Karriere außerdem mit folgenden Einzelpersonen und Ensembles gespielt und aufgenommen: Kronos Quartet, John Zorn, Steve Lacy, Anthony Braxton, Nels Cline, John Lindberg, Scott Amendola, Andrew Cyrille, Butch Morris, Marilyn Crispell, Henry Kaiser, Wadada Leo Smith, Peggy Lee …