The Ex, Vitja Balžalorsky, Montag, 24.10.2016, Ljubljana (klub Gromka)!
Autor: Aleš Podbrežnik
wer: The Ex, Vitja Balžalorsky
wo: Ljubljana, klub Gromka
wann: Montag, 24.10.2016, um 21.00 Uhr (Einlass um 20.30h)
Zum Auftakt liefert uns einer der vielversprechendsten einheimischen Gitarristen ein solistisches Recital, nach der Pause dann – zum Tanzen, für den Kopf, fürs Herz – legt die brillanteste Band des europäischen Undergrounds los.
THE EX (NL/GB)
Terrie Hessels – E-Gitarre, Baritongitarre
Arnold de Boer – Gesang, E-Gitarre, Sampler, Elektronik
Andy Moor – E-Gitarre, Baritongitarre
Katherina Bornefeld – Schlagzeug, Perkussion, Gesang
Zunächst ein paar rohe Fakten: The Ex begannen ihre Tätigkeit im Zenit des Punk – 1979 – und zwar als ziemlich ausgeprägte Anarcho-Punk-Band. Von Anfang an sind sie völlig unabhängig (sie organisieren sich über die Stichting Ex), haben aber auch ihr eigenes Label (Ex Records), bei dem bisher 38 ihrer Alben erschienen sind; darüber hinaus verlegen sie auch Werke weiterer Musikerinnen und Musiker, vor allem afrikanischer. The Ex haben bis Ende 2015 in ganz Europa, Nordamerika und Afrika insgesamt 1828 Konzerte gespielt (616 davon in den Niederlanden, 1212 im Ausland).
The Ex haben sich bald aus dem „strengen Punk“ auf einen unvorhersehbaren, aber verlockenden Weg begeben – hinein in die Divergenz der musikalischen Stile; sie haben die gesellschaftspolitische Schärfe, die Kritik, die Ironie und den Sarkasmus bewahrt (zwischendurch hat Arnold de Boer den klangvollen Sänger G. W. Sok – mit bürgerlichem Namen Jos Kleij – kongenial abgelöst), sind geschickt allen Pop- oder Trendfallen ausgewichen, haben den Klang der ohnehin schon sehr unverwechselbaren Gitarren bis ins Mark abgeschliffen; ihr langjähriger Bassist Luc hat sie verlassen, doch das Gitarrenpaar haben sie nonchalant in eine einzigartige Baritonfassung herab- und umgestimmt … sich dann kleineren Besetzungen zugewandt, von denen Zea, Lean Left und die verschiedenen Duos von Andy Moor und Terrie Hessels am bekanntesten sind – kurzum, sie sind ziemlich standhaft geblieben, aber immer offen. Ihre Reisen nach Afrika (vor allem nach Äthiopien, aber auch nach Ghana, Mali und Kongo) sind zum Synonym für eine besondere musikalische Mission geworden. Dorthin haben sie nämlich mehrfach ihre eigene Bühnenmaschinerie und zahlreiche Mitstreiterinnen und Mitstreiter mitgenommen (darunter die gesamte Crème de la crème der niederländischen Improvisation und des Free Jazz), dabei hatten sie stets vor allem die lokale äthiopische Szene im Sinn: Vielen haben sie Plattenaufnahmen und Welttourneen in guter Gesellschaft angeboten, darüber hinaus haben sie mehrfach auch einen Blasinstrumentenreparateur aus Amsterdam nach Äthiopien mitgenommen, der während des Besuchs eifrig Instrumente für ein möglichst reibungsloses Spielen herrichtete … Es wäre zu pauschal zu sagen, dass sich The Ex in ihrer Musik in Noise, Rock, Punk, Jazz, Improvisation, Ethno begeben … Sie sind schlicht und einfach einzigartig – ein vorbildliches europäisches Underground-Unternehmen, das mit seiner charakteristischen Saitenrhythmik und oft afrikanischer Schlagzeugart die hochwertigste Unterhaltung sowohl fürs Ohr als auch zum Tanzen bietet. Auf heimischen freigeistigen Terrains wie dem klub Gromka spürt man das noch viel mehr!
The Ex haben im Laufe ihrer Geschichte mehrere runde Jubiläen organisiert, zu denen sie ihre treuesten Partnerinnen und Partner eingeladen haben, in einer Phase haben sie sich zum experimentellen Ex Orkest erweitert, im letzten Jahrzehnt aber treten sie sehr gerne auch mit Bläsern und Blechbläsern aus den Welten des New Jazz und der improvisierten Musik auf, die sich für diesen Zweck Brass Unbound nennen.
Unzähligen Fans hallen die noch nicht allzu lange zurückliegenden Auftritte von The Ex noch immer im Kopf nach: 2000 in der Menza pri koritu (Doppelkonzert mit Zu, noch auf der „alten Bühne“), 2009 haben sie im Rahmen des Festivals Druga godba auf dem Metelkova Letni oder gespielt, und zwar mit dem inzwischen verstorbenen äthiopischen Bläser Gétatchèwom Mèkuryo und zahlreichen Gästen, 2010 haben sie als originelles Quartett beim internationalen Festival Jazz Cerkno eingeschlagen, im Sommer jenes Jahres mit der Band Ililta! (einer neuen äthiopischen Tanzkapelle) im Kino Šiška, in Cerkno waren sie schließlich auch im Mai letzten Jahres mit Brass Unbound …
Bühnenpartner und -partnerinnen von The Ex im Laufe der Zeit (Auswahl): Tom Cora (USA), Brader Musiki (Kurdistan), Lanaya (Mali), Jan Mulder, Kamagurka + Herr Seele (Belgien), Chumbawamba (GB), Fugazi (USA), Sonic Youth (USA), Djibril Diabate (Mali), Konono No. 1 (Kongo), Mohammed Jimmy Mohammed (Äthiopien), Gétatchèw Mèkurya (Äthiopien), Anne-James Chaton (Frankreich), Jaap Blonk, Instant Composers Pool, Han Bennink, Ab Baars, Wolter Wierbos, Theatergroep d’Electrique, Magpie Dance Company, Tortoise (USA), Tsehaytu Beraki (Eritrea), Mats Gustafsson (Schweden), Ken Vandermark (USA), Roy Paci (Italien).
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VITJA BALŽALORSKY (slo) – E-Gitarre, Effekte, Elektronik
Vitja Balžalorsky ist einer der bekanntesten jüngeren Gitarristen der slowenischen Musikszene. Seine musikalische Sprache reicht von Mainstream-Jazz, Elektronik, härteren alternativen Musikrichtungen und Noise bis hin zu improvisierter und experimenteller Musik. Bekannt ist er aus festen Besetzungen wie Balžalorsky/Drašler 3o, Kombo Zlatka Kaučiča, Orchestra Senza Confini, Buche 4, Litošt, Borghesia, Carnaval sowie aus Ad-hoc-Projekten verschiedener slowenischer und internationaler Musiker, die hauptsächlich im Bereich der kreativen improvisierten Musik und anderer Kunstformen aktiv sind.
2015 hat er sein Soloprojekt erstmals beim 56. Jazz Festival Ljubljana vorgestellt – er wird es auch im Gromka aufführen und aufnehmen -, nach mehreren Soloauftritten in diesem Jahr plant er auch die Veröffentlichung eines Soloalbums.
Er hat mit weltweit anerkannten Musikern zusammengearbeitet, darunter Evan Parker, Herb Robertson, Eddie Prévost, Alexander Balanescu, Javier Girotto, Ab Baars, Phil Minton, Johannes Bauer, Jim Pugliese, Marco Cappelli, Giovanni Maier, Massimo De Mattia, Zlatko Kaučič, Bruno Cesseli, Tomaž Grom …
Er hat Musik für die Kurzfilme Šampanjski Twist (Regie Harry Rag) und Poroka (Regie David Lužar) beigesteuert, außerdem wirkt er regelmäßig in den Tanzaufführungen Neforma (Zavod Sploh/En Knap) und Dinamično ravnotežje/Dinamic Balance mit. Er musiziert auch bei Poesieabenden (Literatura v živo, Mimoglasje, Živa književnost, Mlade rime) und ist Programmleiter des Musikzyklus Ropotarnica in der Galerie ŠKUC in Ljubljana.