Bang Your Head!!! 2013 – zweiter Tag

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2013
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Ort: Balingen / Messegelände (Volksbankmesse) / Deutschland
Datum: Samstag, 13.07.2013


Auch wenn nach zwei Tagen in Balingen die Köpfe schon schwer, die Beine müde und die Gesichter von der Sonne verbrannt waren – der Zeitplan des dritten Tages (den Aufwärmtag mit Candlemass mitgezählt) ließ keine Kompromisse zu! Schon um zehn Uhr morgens (naja, ein paar Minuten später) eröffneten Rebellious Spirit das Geschehen auf der Hauptbühne – heimische Hard-Rock-Aufsteiger, die im VIP-Campingbereich nur ein paar Meter von der Rockline-Crew entfernt zelteten. Die Band kenne ich schon seit letztem Jahr, als ich sie auf der Bühne des befreundeten Festivals Rock of Ages erlebt habe – leider haben sie seither, nach dem Gehörten zu urteilen, keinen einzigen Karriereschritt nach vorne gemacht. Obwohl sie viel Mühe in ihren Fortschritt stecken, was an der starken Promotionkampagne erkennbar ist, wirkten sie auf der Bühne viel zu schüchtern und unsicher. Rebellious Spirit folgen den Leitlinien der Hard-Rock-Schule der Achtziger, doch die zu wenig verspielten Riffs und der kindliche Gesang von Janikk Fischer halten sie tief im Mittelmaß – mehr als ein paar neugierige Blicke aus dem überschaubaren Publikum ließen sich in der knappen Schulstunde Auftritt nicht herausholen.

Als die Sonne gerade erst ihren spätvormittäglichen Aufstieg zum Zenit begann, erklommen Alpha Tiger bereits die Bühne – etwas erfahrenere deutsche Heavy-Metaller, die genau wie ihre Vorgänger auf der Bühne viel Wert auf ihr Erscheinungsbild legen. Die gelb-schwarzen Töne der Klamotten, Gitarren und sogar des Mikrofonstativs verbinden sie auf den ersten Blick mit den amerikanischen Heavy-Rock-Urgesteinen Stryper, obwohl die Musik der deutschen Jungs noch härter und aggressiver ist. Auch sie suchen die Inspiration für ihr Schaffen – dessen Frucht das aktuelle Album »Beneath The Surface« ist – im Erbe der Achtziger, wovon die W.A.S.P.- und Riot-Cover zeugten, die sie ins Repertoire aufgenommen haben. Ihre Bühnenpräsenz war selbstbewusster, der Frontmann überzeugender – sowohl in der stimmlichen Darbietung als auch im Kontakt mit dem Publikum. Alpha Tiger verdienen sich für ihren Auftritt eine positive Note.

Ein seltsames Gefühl, wenn einer der erwarteten Festival-Highlights schon vor Mittag aufschlägt! Als Dritte im Bunde präsentierten sich Hell der inzwischen etwas größer gewordenen Meute vor der Hauptbühne des diesjährigen Bang Your Head!!! – britische Heavy-Metal-Urgesteine, denen es während ihrer aktiven Phase in den Achtzigern nicht gelungen war, ein einziges Album zu veröffentlichen, weshalb ihr Name im Laufe der Zeit in völlige Vergessenheit geriet. Vor einigen Jahren tat sich die Band wieder zusammen und begann einen neuen, diesmal fruchtbareren Feldzug – 2011 erschien endlich ihr Debüt »Human Remains«, das seitdem den Ausgangspunkt ihres Konzertrepertoires bildet. Hell brachten eine echte Show auf die Bühne! Die Theatralik von Neuzugang David Bower kennt keine Grenzen! Die übrigen Bandmitglieder lieferten dem Sänger eine solide instrumentale Grundlage, blieben wegen seiner ausgefeilten Bühnenshow aber bloß Statisten. Bower hatte das Mikrofon ans Gesicht geschnallt, sodass seine Hände stets frei waren und bereit, jeder Seele in der ersten Reihe das letzte bisschen Energie zu entziehen! Breite Stimmrange, charismatische Persönlichkeit und ein ausgearbeiteter Auftritt inklusive Spielereien mit dem Publikum – das alles ließ Bower und die gesamte Band in einem hervorragenden Licht erscheinen, und mir läuft ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, was für eine höllische Atmosphäre Hell erst in einem intimeren Club-Umfeld zaubern müssen. Angesichts der starken Unterstützung, die die Band derzeit in der Metal-Welt genießt, einem starken Label (Nuclear Blast) und den guten Kontakten, die der renommierte Produzent und Hell-Gitarrist Andy Sneap mitbringt, muss man wohl nicht befürchten, dass Hell so schnell von der Metal-Landkarte verschwindet.

Die nächste Stunde gehörte den britischen Heavy-Metal-Urgesteinen Angel Witch. Anders als ihre Vorgänger auf der Bühne hatten sie in den Achtzigern drei Alben veröffentlicht und gehörten kurzzeitig zum Kreis der populärsten Namen der New Wave of British Heavy Metal. Nach dem Gesehenen sind ihre goldenen Jahre aber offensichtlich vorbei, obwohl ihr aktuelles Album »As Above, So Below«, letztes Jahr erschienen, wirklich sehr ordentlich ist. Angel Witch wirkten auf der Bühne viel zu statisch, den gespielten Songs fehlte jegliches Feuer, und obendrein traf sie der ungünstige Slot direkt nach Hell, wenn das Volk vor der Bühne noch in der Urmacht des Heavy Metal geschwelgt hatte – was Angel Witch leider nicht zu wiederholen wussten. Dem einzigen verbliebenen Originalmitglied Kevin Heybourne kann man außer seiner gelangweilten Bühnenpose eigentlich nichts vorwerfen. Der Typ bemüht sich, die Band am Leben zu erhalten, auch auf Kosten ständiger Personalwechsel, und offenbar ist es ihm mit der aktuellen Besetzung und dem neuen Album gelungen, wenn schon keine Erfolgsformel, so doch zumindest eine beständige zu finden. Die Setliste bestand wieder fast ausschließlich aus Songs des kultigen Debüts »Angel Witch«: White Witch, Sorcerers, Angel of Death …, dazwischen schmuggelte sich nur ein neueres Stück, nämlich Guillotine. Treueren Fans der Band – zu denen ich mich selbst zähle – sticht es sicher ins Auge, dass Songs vom zweiten und dritten Album nie den Weg ins gespielte Repertoire finden; diese Platten dümpeln zwar seit drei Jahrzehnten im Schatten des Debüts, sind aber ebenso großartig. Den Auftritt mit gemischten Gefühlen schlossen die Briten mit dem unsterblichen Klassiker Angel Witch ab, mit dem sie dem Publikum schließlich noch etwas Energie entlocken konnten – leider bestätigten sie damit aber auch meine These vom Wiener Solo-Auftritt vor einigen Monaten: Wenn sie ihren Fans noch einmal einen Konzerttriumph servieren wollen, müssen sie in ihrer Konzertformel etwas grundlegend ändern.

Manchmal kommt eine positive Überraschung aus einer Richtung, aus der man sie am wenigsten erwartet! Dafür sorgten Morgana Lefay, schwedische Power-Metaller, die im neuen Jahrtausend ihre Aktivitäten fast vollständig auf Eis gelegt hatten und daher schnell vom aktuellen Geschehen auf der Metal-Landkarte verschwanden. Die Band nahm von Opening-Track The Source of Pain an eine feste Position auf der Bühne ein, die der blondgelockte Frontmann Charles Rytkönen mit einem mitreißenden Auftritt und konstanter Pflege des Publikumskontakts immer weiter ausbaute – neben Gitarrist Tony Eriksson das einzige verbliebene Originalmitglied der Band, deren Geschichte bis ins Jahr 1989 zurückreicht. Die Schweden präsentierten sich in der knappen Stunde Auftritt mitten in der Sonnenhitze als eingespieltes Kollektiv mit interessanter Bühnenpräsenz – in ihrem Stil vereinen sie die im Metal oft als Gegensätze geltenden aggressiven zweistimmigen Gitarrenriffs mit einer melodischen Komponente, die am besten durch die mächtigen Refrains verkörpert wird. Zwischen dem vorwiegend älteren Material platzierten sie ein interessantes Cover von In The Court of the Crimson King (King Crimson), und den Auftritt in Balingen schlossen sie mit Maleficium ab, das zu seiner Zeit sogar auf dem Fernsehsender MTV gespielt wurde.

Nach dem Zerfall des in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends extrem populären Nevermore haben die meisten ihrer Fans einen teilweisen Trost für die Nevermore-Lücke in den wieder aufgelebten Sanctuary gefunden – den kultigen amerikanischen Heavy-/Power-Metallern, bei denen zwei ehemalige Mitglieder am Werk sind: Sänger Warrel Dane und Bassist Jim Sheppard. Anfangs herrschte rund um die Band ein Geist des Zweifels, vor allem wegen Danes Alkoholabhängigkeit und der damit verbundenen schwächeren Auftritte – doch Sanctuary schieben ihn langsam, aber beharrlich beiseite. In Balingen lieferten sie eine sündhaft gute Show ab und haben auf den Flügeln von Warrels überraschend guter Stimmform all jenen, die sie vorher noch nicht gesehen hatten, wieder Hoffnung in die Band eingeflößt. Neben Klassikern aus den Achtzigern präsentierten sie uns mit Frozen ein brandneues Stück, auf das die Band nach dem Gehörten zu urteilen zu Recht stolz sein kann – und mit dem sie im Konzertkontext das neue, lang erwartete Album ankündigen. Dem Original-Gitarristen Lenny Rutledge leistete das vor zwei Jahren zur Band gestoßene Mitglied Brad Hull auf der Gitarre Gesellschaft. Das Duo agierte beim Legen scharfer Riffs und beim Aufbau einer düsteren Atmosphäre extrem effektiv – wenngleich das endgültige Urteil über ihre Zusammenarbeit erst nach Erscheinen des bereits erwähnten Albums in Entstehung fallen kann, das den Arbeitstitel »The Year The Sun Died« trägt. Die sengenden Sonne jenes Tages in Balingen war übrigens (noch) nicht gestorben, auch die psychedelischen Motive des Jefferson-Airplane-Covers White Rabbit konnten sie nicht verscheuchen – das Sahnehäubchen auf einer erfolgreichen Bandpräsentation bildeten die eigenen Klassiker Soldiers of Steel und Future Tense.

Rage als eine der Säulen der deutschen Power-Metal-Schule muss man wohl nicht extra vorstellen. Das Trio in der Besetzung Peavy Wagner (Gesang, Bass), Victor Smolski (Gitarre) und Andre Hilgers (Schlagzeug) ist auf heimischem deutschen Boden extrem beliebt, weshalb sich vor der Bühne eine beachtliche Zahl schwarz gekleideter Seelen versammelt hatte. Rage veröffentlichten letztes Jahr ein neues Album, »21«, mit dem sie beweisen, dass sie trotz ihres Veteranenstatus auf der Szene kreativ noch nicht das letzte Wort gesprochen haben. Mit dem Album haben sich Rage vom symphonischen Sound des Vorgängers »String To A Web« entfernt, weshalb auch der Auftritt in Balingen, dessen Zeitplan sie zur Hälfte mit Songs von der aktuellen Scheibe füllten, ganz im Zeichen jenes Jahrtausendwende-Sounds stand, zu dem sie stilistisch zurückgekehrt sind. Obwohl Peavy unbestrittener Chef der Band ist, ist es schön zu sehen, dass er dem Gitarren-Guru zu seiner Linken, Smolski, bei gelegentlichen Gitarren-Eskapaden freie Hand lässt – wie er sie etwa bei der Darbietung von Soundchaser zeigte. Genau die fruchtbare Zusammenarbeit des Duos Peavy – Smolski hat den Namen Rage im neuen Jahrtausend mit konstant starken Veröffentlichungen dorthin zurückgebracht, wo er hingehört. Das Duo in der ersten Kampflinie legte giftige Linien und zeigte extreme Eingespiel­theit; die Chemie der minimalistisch angelegten Heavy-Metal-Maschinerie ergänzte hinter dem Schlagzeug Hilgers – nach sechs Jahren Mitgliedschaft, also seit dem Rauswurf von Mike Terrana, längst vollwertiges Bandmitglied.

Als nächste traten Thunder auf – eines der (ex)klusivsten Namen der diesjährigen Festivalausgabe! Thunder kehrten nach ihrer Pause mit einem Auftritt beim Londoner High Voltage Festival 2011 ins Leben zurück und erfreuen seitdem ihre Fans mit gelegentlichen Auftritten – auch wenn ihr Wirkungsradius im Vergleich zum Ende der Achtziger, als sie die britischen Rock-Charts aufmischten, erheblich geschrumpft ist. Thunder lieferten eine fantastische Hard-Rock-Show ab, mit dem Schwerpunkt auf ihrem besten Album »Back Street Symphony« (1989), von dem sie Dirty Love, Until My Dying Day und Back Street Symphony spielten – überraschenderweise fand der heiß erwartete Hit Love Walked In jedoch keinen Platz im Repertoire. Die zentrale Figur des Auftritts war der einst verführerisch braunhaarige, heute charmant graumelierte Frontmann Danny Bowes, der das Volk in den Pausen mit dem pikanten britischen Humor à la Monty Python unterhielt. Thunder wirkten auf der Bühne völlig entspannt; nach der Rückkehr auf die Bühne (in klassischer Besetzung!) haben sie sich offenbar, ohne Plattenvertrag im Nacken, entschieden, ihren Auftrag auf sorglose Freude an europäischen Bühnen zu beschränken – und der lockere Geist und die Rock-’n‘-Roll-Ausgelassenheit siedelten sich im einstündigen Auftritt federleicht auch im Himmel über Balingen an.

War der zweite Festivaltag bis zu diesem Moment ganz auf die Liebhaber des traditionellen Heavy-Metal-Erbes zugeschnitten, kamen um halb sieben Uhr abends endlich auch die Anhänger der aggressiveren Metal-Schule auf ihre Kosten – denn At The Gates stürmten die Bühne, Vertreter der berühmten Göteborger Melodic-Death-Metal-Szene. Vertreter – eigentlich sogar einer ihrer Mitbegründer, zusammen mit In Flames und Dark Tranquillity. At The Gates kehrten nach ihrer Auflösung Mitte der Neunziger mit einer einmaligen Reuniontour im Jahr 2008 ins Leben zurück. Doch das Gefühl der vollen Geldbörse (lies: der Wunsch zu spielen) war offenbar magisch genug, dass es nicht bei der einmaligen Tour blieb – At The Gates legten 2010 wieder mit voller Kraft los und spielten weiter, was sie letztendlich letztes Jahr auch in unsere Gefilde führte. Studiotechnisch bleiben At The Gates bei ihren vier Alben aus den Neunzigern, weshalb es für alle Liebhaber ihres klassischen Sounds auch diesmal auf Rosen gebettet war! Die Band war in exzellenter Konzertform – von Opening-Track Slaughter of the Soul an wirbelten die Schweden mit einem Expresszug-Marsch ohne Rückwärtsgang durch den Auftritt! Frontmann Thomas Lindberg grölt noch immer mit tiefem Gesang, der einem unweigerlich ein Gefühl von Düsternis und Beengtheit einpflanzt – was natürlich auch seine Absicht ist! At The Gates verbeugten sich in der Setmitte mit einem Slayer-Cover von Captor of Sin vor dem verstorbenen Gitarristen Jeff Hanneman, und den Streifzug durch ihr meistgeschätztes Album »Slaughter of the Soul« (1995) schlossen sie in alter Manier mit der technischen Bombe Blinded By Fear ab. Die Halswirbel knackten um die Wette, als die Lektion im melodischen Death Metal zu Ende war!

Laut dem alljährlichen BYH!!!-Leidensgenossen Peter »Mungot« Gregorc sind Iced Earth eine der Bands, die nach dem unaufhaltsamen Abgang der Heavy-Metal-Dinosaurier vom Schlage Maiden, Priest, Purple und Sabbath die Fackel des Genre-Giganten übernehmen und zu einem der Hauptstandartenträger des Metals werden wird. Damit liegt er wohl kaum weit daneben. Iced Earth nämlich vergrößern mit jeder neuen Veröffentlichung ihre Fanbasis – womit sich nur wenige Bands brüsten können, die seit über zwanzig Jahren auf der Szene sind. Hinter Jon Schaffer und seiner Crew liegt eine turbulente Zeit. Nachdem die erste Nachtigall und unverwechselbare Stimme Matt Barlow wegen dem Wunsch nach Familienleben die Band verlassen hatte, mussten Iced Earth eine würdige Nachfolge suchen. Sie fanden sie im kanadischen Frontmann Stu Block, der – nach dem exzellenten Empfang des Albums »Dystopia« zu urteilen – von den Fans hervorragend aufgenommen wurde. Genau sein Auftritt war das Hauptziel der Blicke der meisten Anwesenden. Der sympathische Block hat seine stimmliche Darbietung definitiv beim Hören von Barlows Aufnahmen geübt, was bei den Performances älterer Klassiker wie Dark Saga und Burning Times hörbar war – gleichzeitig beginnt er bereits eine eigene vokale Identität aufzubauen, die vor allem auf schnellen Tonhöhenwechseln von tief nach hoch und zurück beruht. Hoch in die Luft gereckte Arme bei den Darbietungen der neuesten Songs Dystopia und Anthem sind der Beweis, dass das Schiff der Band in die richtige Richtung fährt! Der charismatische Gitarrist Schaffer auf der linken Seite der Bühne befehligte es mit finsterem, entschlossenem Blick – offenbar ist genau seine Kompromisslosigkeit im Geschehen rund um die Band das Zugpferd, das alles vorwärts treibt. Alle fünf auf der Bühne trugen Jeans – in der Metal-Welt nicht gerade ein häufiger Anblick, aber halb so wild, die sind halt Amerikaner. Iced Earth bauten ihr Repertoire aus vorwiegend epischen Kompositionen mit ausgeprägtem atmosphärischem Profil – in dieser Hinsicht fügten sich A Question of Heaven und Watching Over Me wunderbar in den gespielten Set ein, aber auch die Anhänger ihrer frühen, ausgesprochen Speed-Metal-Phase kamen mit den Darbietungen von Pure Evil und Iced Earth auf ihre Kosten. Als sie schon Devotionalien ins Publikum warfen, gab der erhobene Daumen des Hauptorganisators das Zeichen, dass sie noch ein paar Minuten übrig hatten – und so rockten sie zum Abschied noch The Hunter raus. Ein fantastischer Auftritt, nach dessen Ende Stu uns das berühmte Motto ins Gehirn hämmerte: »Each and every one of you is heavy fuckin‘ metal«!!!

Für das große Finale der siebzehnten Ausgabe von Bang Your Head sorgten Accept, die unzerstörbaren Vertreter des traditionellsten Heavy-Metal-Erbes. Das Festival pflegt die Tradition, dass einer seiner Hauptacts stets deutschen Ursprungs ist – so besetzten die legendären Metaller aus Solingen diesen Platz bereits zum zweiten Mal in drei Jahren. Hatten sie den Auftritt vor zwei Jahren noch aufgezeichnet und (teilweise) auf DVD veröffentlicht, war das diesmalige Treffen lockerer Natur – die fünf auf der Bühne ließen ohne Zögern alle Fesseln fallen und explodierten buchstäblich über die Bühne vor ihrem Heimpublikum.

In den letzten drei Jahren haben Accept einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Ihr Comeback hat alle Erwartungen übertroffen – so agieren die Deutschen im Jahr 2013 als gut geölte Maschinerie, zusammengesetzt aus den besten Bausteinen ihrer gesamten Geschichte! Ihre jugendliche Ausgelassenheit auf der Bühne – in den Hauptrollen Mark Tornillo (Gesang), Wolf Hoffmann (Gitarre) und Peter Baltes (Bass) – würde sich keine halb so junge Band schämen müssen; da wundert es in Kombination mit den unsterblichen Sägewerk-Riffs der Marsch-Tracks Restless and Wild und Losers and Winners nicht, dass das Publikum in den ersten Reihen wirkt, als hätte es die Kontrolle über seinen Hirnkortex verloren! Neben klassischen Hits aus den Achtzigern füllten Accept einen Gutteil des Zeitplans mit Songs vom Comeback-Album. Nach einer Reihe etwas schwächerer Alben in den Neunzigern war die Pause offenbar lang genug, damit sich der kreative Teil der Band regenerieren und zwei hochgelobte Alben herausbringen konnte – »Blood of the Nations« (2010) und »Stalingrad« (2012) –, deren Songs die ursprüngliche Energie, die aus den Sechssaitern des Duos Wolf Hoffmann / Herman Frank brüllt, im Konzert stimmungsmäßig noch zusätzlich anheben. Einer der monumentaleren Momente der Setmitte war die Darbietung von Stalingrad – nach dem Ende des instrumentalen Teils stapfte Tornillo auf die Bühne und schwenkte eine Accept-Fahne über unseren Häuptern. Die Jungs auf der Bühne genießen es, als würden sie zum letzten Mal spielen. Die Glücksgesichter, die schon hinten hinter dem Schlagzeug im Gesicht von Stefan Schwarzmann beginnen, übertrugen sich ansteckend auf den Rest der Crew, die jedem gespielten Song mit dem dynamischen Auftritt noch zusätzliches Leben einhauchte. Frontmann Mark Tornillo ist so vergnügt wie kaum einer! Von seiner drahtigen Körperstatur her erinnert er an seinen Vorgänger Udo Dirkschneider, doch im Vergleich zu dessen schwer erträglicher Erscheinung ist er selbst die Verkörperung positiver Energie – die im Alter offenbar zum festen Begleiter der Accepts geworden ist. Komisch ist einzig die Situation zwischen den Songs: Der amerikanische Frontmann spricht außer einzelnen Wörtern kein Deutsch – weshalb die Ansagen der größten deutschen Metal-Band (ok, lassen wir die Scorpions kurz beiseite) im Herzen Deutschlands… auf Englisch sind. Bei längeren instrumentalen Ausflügen zog sich Tornillo in den Hintergrund und überließ den Raum in der Regel seinem Waffenbruder auf der rechten Bühnenseite, Hoffmann, der so bei Bulletproof zusammen mit Baltes eine etwas naiv-amüsante Show für das Volk hinlegte. Inzwischen war die Nacht über das Gelände hereingebrochen, und Accept nutzten die Kulisse, um ihr eisernes Repertoire zu servieren – darunter durften Fast as a Shark, Metal Heart und natürlich Balls to the Wall nicht fehlen. Den Accept-Marsch vor zwölftausend deutschen Fans zu erleben – einfach unbezahlbar!

Vor und nach Accept machten in der Nebenhalle noch die kultigen deutschen Thrash-Metaller Exumer und ihre Gothic-Death-Metal-Kollegen Crematory Rabatz – doch das unbeschreibliche Gedränge und der Tribut der Erschöpfung nach drei Festivaltagen haben eben ihren Teil dazu beigetragen; den beiden Bands werden wir uns natürlich bei der nächsten Gelegenheit revanchieren!

Autor: Urban Bolta
Fotos: Aleš Podbrežnik

HELL:
1. Overture (Themes From ‚Deathsquad‘)
2. Let Battle Commence
3. On Earth as It Is in Hell
4. The Oppressors
5. Blasphemy and the Master
6. Plague and Fyre
7. No Martyr’s Cage
—Zugabe—
8. The Quest

MORGANA LEFAY:
1. The Source of Pain 
2. Rooms of Sleep 
3. Master of the Masquerade 
4. Another Dawn 
5. Hollow 
6. Angel’s Deceit 
7. I Roam 
8. In The Court of the Crimson King 
9. Maleficium

SANCTUARY:
1. Taste Revenge 
2. Seasons of Destruction 
3. Die for My Sins 
4. Battle Angels 
5. Frozen 
6. World is Wired 
7. The Mirror Black 
8. White Rabbit 
9. Soldiers of Steel 
10. Future Tense

RAGE:
1. House Wins 
2. Twenty One 
3. Forever Dead 
4. Straight to Hell 
5. Feel My Pain 
6. Soundchaser 
7. Refuge 
8. Higher Than the Sky

ICED EARTH:
1. Dystopia 
2. Dark Saga 
3. Pure Evil 
4. Burning Times 
5. I Died for You 
6. V 
7. A Question of Heaven 
8. Anthem 
9. Boiling Point 
10. Watching Over Me 
11. Iced Earth 
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12. The Hunter

ACCEPT:
1. Hung, Drawn and Quartered 
2. Hellfire 
3. Restless and Wild 
4. Losers and Winners 
5. Stalingrad 
6. Breaker 
7. Shadow Soldiers 
8. Bucket Full of Hate 
9. Bulletproof 
(incl. Wolf + Peter Duel)
10. Pandemic 
11. Princess of the Dawn 
12. Up to the Limit 
13. Fast as a Shark 
————-
14. Metal Heart 
15. Teutonic Terror 
16. Balls to the Wall


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