Heaven Shall Burn – der Himmel brennt wieder in Wien! (2018)

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Ort: Wien / Gasometer / Österreich
Datum: 29.03.2018


Die Konzertsaison kennt keine Gnade. Schon in Slowenien gibt es ein kleines Meer an Konzerten, noch mehr davon aber im benachbarten Österreich. Diesmal machte die Tour »The Final March« in Wien Station, mit Heaven Shall Burn als Hauptact, begleitet von August Burns Red, Whitechapel und In Hearts Wake. Das sind ziemlich populäre Bands in Österreich, was automatisch eine größere Halle bedeutete. Die Metalcore- und Deathcore-Sensationen waren offensichtlich keine Eintagsfliegen. In Wien füllen diese Bands seit mehr als einem Jahrzehnt die Hallen, und so waren auch für dieses Lineup die Erwartungen entsprechend hoch.

Den Anfang machten die australischen Metalcore-Jungs von In Hearts Wake, die aber nur eine Handvoll Leute wirklich begeisterten. Der Sound der Band war zwar okay, der Auftritt selbst überzeugte aber nicht. Die Musik wirkte irgendwie ideenlos. Die Band brauchte eine ganze Reihe von Songs, bis überhaupt etwas Energie aufkam – und es schien eher so, als würden die Jungs kaum den Tourschluss abwarten können. Vor allem der Bassist, der für die cleanen Vocals zuständig war, wirkte von allem genervt. Vielleicht hatte die Band einfach einen schlechten Tag – man kann nur hoffen, dass sie das bis zum nächsten Mal abstellen.

Besser wurde es mit dem nächsten Act: Whitechapel, einer der Hauptnamen in der sogenannten Deathcore-Szene. Die Band ist vor allem für ihr ausgeprägtes Death-Metal-Element, souveräne Auftritte und einen massiven Sound bekannt. Whitechapel hat aktuell allerdings keinen allzu guten Stand. Letztes Jahr verließ sie nämlich Drummer Ben Harclerode, der die Band auf ein höheres Level gehoben hatte. Wegen seiner Abwesenheit mussten jetzt eher langsamere Songs gespielt werden, zwischendurch schaffte es aber auch der eine oder andere schnelle. Die Eingespieltheit der Band war trotz neuem Drummer solide, der Sound funktionierte, auch wenn sich nicht alles optimal heraushören ließ. Das Repertoire ebenfalls solide – natürlich stachen This Is Exile, Our Endless War und The Saw Is The Law am meisten heraus. Auch Phil Bozeman bewies, dass er live wirklich einen brutalen Growl draufhat. Whitechapels Auftritt war zweifellos gut, die Band hat sich aber schon mit besseren Shows bewiesen.

Die Metalcore-Truppe August Burns Red hat in den letzten zehn Jahren wirklich an Bekanntheit gewonnen. Die Band ist auch unglaublich fleißig – sie tourt ständig und bringt alle zwei Jahre ein Album raus. Auf jeden Fall arbeitet die Band daran, nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Bühnenerfahrung war auch beim heutigen Auftritt im Gasometer deutlich spürbar. August Burns Red spielen auf professionellem Niveau zusammen, die Musik ist technisch ausgereift und dabei melodisch. Jake Luhrs‘ Vocals haben sich in den letzten Jahren etwas verändert – beim Screaming klingt er manchmal fast nach Black Metal. Der Charme von ABR liegt aber nach wie vor darin, dass sie eine sinnvolle Kombination aus Technik und Melodie gefunden haben, ohne dabei unzugänglich zu werden. Das Repertoire war hauptsächlich auf die letzten zwei Alben ausgerichtet, von den älteren Songs überzeugten Composure, Empire und das abschließende White Washed am meisten. Um wirklich jeden zufriedenzustellen, hätten sie eigentlich den Headliner-Slot verdient.

Heaven Shall Burn sind im Gasometer bereits alte Bekannte. Bisher haben sie immer geliefert, und auch das österreichische Publikum ist ihnen ausgesprochen zugetan. Die Band eröffnete das Set mit Downshifter vom aktuellen Album Wanderer. Zunächst betrat nur Sänger Marcus Bischoff die Bühne; mit dem Einsetzen der Musik fiel ein Vorhang und enthüllte den Rest der Band – und gleichzeitig war klar, dass HSB auch diesmal für eine beeindruckende Bühnenshow gesorgt hatten. Die Beleuchtung war exzellent, und bei besonders wuchtigen Parts schoss gelegentlich Feuer aus der Bühne. Die neuen Songs fanden beim Publikum nicht den stärksten Anklang, aber bei Weapon They Fear vom Album Antigone drehte die Menge richtig auf. Die Band serviert immer ihre bekanntesten Songs, hat dabei aber auch die eine oder andere Überraschung parat – so etwa The Dream Is Dead vom Album Antigone. Neben den Neuheiten gab es außerdem die Dauerbrenner Counterweight, Combat, Voice of the Voiceless, Profane Believers und Hunters Will Be Hunted. HSB schaffen es immer, eine sinnvolle Mischung aus bretternden und melodischen Songs hinzubekommen. Natürlich fiel auch ein Cover – das ist bei HSB Standardprogramm. Black Tears von Edge of Sanity steht nach wie vor auf dem Setlist, und das Publikum nahm es gut an. Das Publikum machte durch das gesamte Set mit – Moshing, Circle Pits ohne Ende, und auch der eine oder andere Wall of Death war dabei. Ein HSB-Konzert ist eben noch immer eine richtige Party. Die Form der Band blieb auf einem ordentlichen Niveau, Marcus hatte vereinzelt kleinere Problemchen mit dem Gesang, und auch instrumental passierte das eine oder andere Malheur. Nach mehr als einer Stunde war Pause angesagt; die Band kam mit dem wuchtigen Endzeit zurück, einem ihrer anerkanntesten Songs. Zum epischen Abschluss gab es noch Valhalla, ein Blind Guardian-Cover.

Beim Konzert von Heaven Shall Burn, August Burns Red, Whitechapel und In Hearts Wake war es schwer, enttäuscht zu sein. Die Bands haben eine richtige Party abgeliefert, die allerdings einiges an Kondition forderte. Definitiv ein Konzert, auf das man sich gerne nochmal freuen würde.

Autor: Primož Novak
Fotos: Nina Grad


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