Panzerdivision mit Primal Fear und Riot V verwüstet auch Graz (2018)

ALEŠ PODBREŽNIK
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Primal Fear und Riot V auf gemeinsamer Tour! Salzburg, Ljubljana, Graz! Für slowenische Fans der Bands eine äußerst günstige Situation, die es sich lohnte auszunutzen. Nach dem Auftritt in Ljubljana am 21.10.2018 folgte ein Ruhetag, danach der Aufbruch in die österreichische Steiermark und in unser aller geliebtes Graz, wo wir schon unzählige hervorragende Konzerte erlebt haben. In Graz spielten sowohl Primal Fear als auch Riot V überhaupt zum ersten Mal in ihrer Karriere. Klub Explosiv. Fasst vielleicht 500 Leute, wenn er rappelvoll ist. Die Bands hatten diesmal einen niedrigen, man kann sagen enttäuschenden Besuch seitens des Publikums, denn die Auftritte wurden von einer mageren Handvoll von 200 Leuten begleitet — eher weniger als mehr.

Obwohl sich Existance, französische Heavy-Metal-Revitalisten, den kläglichen Empfang nicht allzu sehr zu Herzen nahmen. Als sie auf der Bühne standen, waren vielleicht 40 Leute in der Halle. Existance befinden sich noch in einer Position, in der sie sich erst ihren Weg zu größerem Ruhm auf der Metal-Landkarte durchbeißen müssen. Und unglaublich: Auch Existance strichen diesmal zwei Nummern von der Setlist, nämlich den Eigentitel Steel Alive sowie das abschließende Gwendoline, eine Coverversion. Das Original stammt nämlich von der alten französischen Heavy-Metal-Band H-Bomb — die hatten wir in Ljubljana hören können. Wie immer waren Existance auch diesmal korrekt und schwungvoll. Die Band nutzte auch das Podest, auf dem bereits das Schlagzeug von Riot V und Primal Fear stand, und sorgte so für noch mehr Dynamik bei der Konzertdarbietung. Der Sound durchgehend solide. Wie schon in Salzburg und Ljubljana überzeugten Existance auch in Graz und machten deutlich, dass man diese Band in Zukunft unbedingt im Auge behalten sollte.

Riot V kamen mit einem gewissen Pflichtminimum auf die Bühne. Eigentlich eine reguläre Setlist (minus Swords And Tequila). Das bedeutet, dass auch sie ihr Set kürzten und die Favoriten des eisernen Repertoires sowie einige neuere Songs vom aktuellen Album »Armor Of Light« spielten. Unter den Klassikern dominierte erwartungsgemäß das Album »Thundersteel« mit den Songs Flight of the Warrior, Johnny’s Back, Bloodstreets und dem abschließenden Thundersteel. Insgesamt neun Songs, was bedeutet, dass Riot V drei aus dem Programm bzw. dem Konzertrepertoire der aktuellen Tour gestrichen haben. Die Tour neigt sich dem Ende, eine leichte Müdigkeit macht sich bemerkbar, auch die Gesundheit der Bandmitglieder ist angeschlagen und ramponiert. Alle haben die Heimkehr im Kopf. Das bedeutet jedoch nicht, dass Riot V zufällig auch die Qualität vom Programm gestrichen hätten. Die fehlt ihnen nicht. Erneut verblüfften sie mit außergewöhnlicher Eingespielheit, unglaublicher Agilität, Routine und Erfahrung. Elemente, die man nur durch jahrelange Schufterei und auch Entbehrungen erwirbt. Hervorragende Einzelpersönlichkeiten und eine außergewöhnliche chemische Wechselwirkung im Team. Hoffen wir nur, dass sich irgendwann die Gelegenheit ergibt und die Band bei einem Headliner-Konzert auftritt und ein zweistündiges Repertoire spielt. Das Werk von Riot ist nämlich großartig und verdient es, wann immer sich die Konzertsituation bietet, konkret zum Leben erweckt zu werden.

Primal Fear spielten als Hauptträger der Tour und Stars des Abends exakt dieselbe Setlist wie zwei Tage zuvor in Ljubljana. Die Bühne war im Vergleich zur Šiška deutlich kleiner, dazu auch ein merklich schlechterer Besuch — obwohl das nicht der erste Grund für eine gewisse Zurückhaltung der Band hätte sein dürfen. Wahrscheinlich begannen die Jungs Kräfte zu schonen, da die Tour zu Ende geht und vor allem Ralf Scheepers eine gewisse Müdigkeit anzumerken ist. Diesmal rockte Ralf das Publikum wieder so, dass er (logischerweise) die deutsche Sprache einsetzte. Dennoch gelang es ihm nicht, aus dem Publikum solche Reaktionen delirischer Ausmaße herauszuholen, wie es noch zwei Tage zuvor in Ljubljana der Fall war. Ganz einfach: Zu wenig Leute waren am Veranstaltungsort. Außerdem muss man nicht extra erwähnen, dass die nördlichen Nachbarn als zurückhaltenderes Publikum gelten und zudem deutlich verwöhnter sind. Die Band trat in ihrer gewohnten Manier auf. Unterstützt von Musik voller außergewöhnlicher Gitarrenphrasen, die einem die Haut vom Leib ziehen, sowie den hochfliegenden Refrainmelodien des einzigartigen Ralf Scheepers. Besonders wenn du ein Fan des klassischen Ansatzes im deutschen Heavy Metal und der Musik von Judas Priest bist, wirst du bei der Musik von Primal Fear voll auf deine Kosten kommen. Es stimmt, dass der Setlist Klassiker aus der älteren Schaffensperiode der Band schmerzlich fehlten, aber Primal Fear haben mit einer Reihe hervorragender Werke der späteren Ära bewiesen, dass es nicht schlimm ist, wenn man den Klassikern der eisernen Zeiten gelegentlich entsagt. Auch mit Werken unter dem Dach von Frontiers Records, wie dem neuesten „Apocalypse“, haben Primal Fear die gesamte Qualität bewahrt, und eine spürbare künstlerische Entfaltung ist erkennbar — was für eingefleischte und strenge Fans der alten Ära der Band ein beinahe gotteslästerlicher Akt ist.

Damit ich nicht zu sehr philosophiere. Primal Fear sind ein äußerst erfahrenes Team aus fünf außergewöhnlichen Musikern, die seit Jahren gemeinsam Heavy Metal leben und atmen. Nicht nur bei Primal Fear, sondern auch in anderen Projekten und Bands (Voodoo Circle, Sinner, Rock Meets Classics, Jorn,…). Die Verbindungen zwischen ihnen sind außergewöhnlich, am stärksten spürt man das bei den geschliffenen Gitarrenpassagen und den geteilten Soli der außergewöhnlichen Gitarristen Alex Beyrodt und Tom Naumann. Fighting the Darkness hat wieder umgehauen! Während des Konzerts ereignete es sich, dass jemand aus der Menge, ganz von hinten im Klub, ein Bierglas auf die Bühne warf, was vor allem den Urgestein Mat Sinner aufbrachte, der dabei keinerlei Anzeichen von Verärgerung verbarg. Er trat an den Bühnenrand und musterte das Publikum finster, dabei etwas brüllend, wobei man auch das Wort »Scheisse« heraushören konnte, um dann zum neugierigen Naumann zu treten und ihm zu erklären, was passiert war. Es gibt Bands, die bei solchen Aktionen seelenruhig das Konzert beenden und die Bühne verlassen würden.

Endlich eine Tour von Primal Fear, die auch nach Slowenien und auf einige Konzerte in Wurfweite unserer Grenze gekommen ist. Das haben wir weidlich ausgenutzt und wurden dafür auch konkret belohnt. Wenn du ein Fan der alten Schule des Heavy Metal bist, geht es einfach nicht anders. Die Eindrücke sind intensiv und haben sich noch nicht gelegt — wir aber richten den Blick bereits in die Zukunft und auf neue Konzertereignisse sowohl von Primal Fear als auch von Riot V.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


PRIMAL FEAR:
1. Apocalypse (vorab aufgenommenes Intro)
2. Final Embrace
3. Blood, Sweat & Fear
4. Face The Emptiness
5. Hounds of Justice
6. The Ritual
7. Schlagzeugsolo
8. Nuclear Fire
9. Eye of the Storm
10. King of Madness
11. The End Is Near
12. When Death Comes Knocking
13. Metal Is Forever
—Zugabe—
14. Fighting The Darkness
15. In Metal We Trust

RIOT V:
1. Victory
2. Flight of the Warrior
3. Johnny’s Back
4. Heart of the Lion
5. Bloodstreets
6. Take Me Back
7. Angel’s Thunder Devil’s Reign
8. Warrior
9. Thundersteel

EXISTANCE:
1. Heavy Metal Fury
2. Legends Never Die
3. Dead Or Alive
4. We Are Restless
5. Breaking the Rock
6. From Hell

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