Toto auf der Pressekonferenz im Hotel Balkan in Belgrad am 14.08.2006!

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Auf der Pressekonferenz von Toto im Hotel Balkan mitten im Zentrum von Belgrad am 14.08.2006 ging es eigentlich ziemlich hektisch zu. Geradeheraus und besser gesagt: nervös. Der ganze Raum, in dem die Pressekonferenz stattfinden sollte, sah aus wie ein Mini-Kinosaal, nur dass den Anwesenden statt einer Leinwand ein Tischchen mit neun Stühlen gegenüberstand (ihr wisst ja, wie das läuft: hinter neun Bergen, hinter neun Gewässern,…). Der ganze Raum war mit der Marke irgendeines verdammten Chips zugekleistert, der wohl vergoldet sein musste, um sich so eine Promo zu verdienen. So wusste ich anfangs gar nicht genau, ob ich wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort gelandet war. Gegen 17 Uhr nahmen die Toto-Mitglieder Steve Lukather, Bobby Kimball, Greg Philinganes, Simon Phillips und Mike Porcaro auf den Stühlen im Raum Platz. Letzterer saß nur ein paar einleitende Minuten bei uns, dann verabschiedete er sich wegen Rückenproblemen und einer speziellen Therapie, an die sich der Bassist halten muss, schnell von uns.

Schon bei der Ankunft sparte Steve nicht mit seinem Humor und fragte den Veranstalter, ob die übrigen Stühle (es waren neun, Toto-Mitglieder aber nur fünf) für die Bläsersektion gedacht seien, die Toto beim Auftritt in Belgrad begleiten wird?

Der Ablauf der Konferenz ging, nach einem echt minutenlangen, euphorisch-abnormalen Gedränge, mit dem ich bei keiner Pressekonferenz dieser Art gerechnet hätte, bei dem wir übereinander krochen und kletterten, um Fotos der Band machen zu können, in etwa so:

1.) Was ist der Unterschied zwischen der Szene der Achtziger, der Neunziger und heute im rock n‘ roll?

Steve, der wegen der Unschärfe der Frage zunächst etwas verwirrt war, schließlich begann der rock n‘ roll schon tief in den 50ern, machte sich dann doch an die Antwort: „Hm, früher zählten im Business das Können und das Talent der Musiker, heute zählt ausschließlich das Aussehen der Acts, alles unterliegt der Computertechnologie. Wir waren jung und ehrgeizig, heutige junge Bands brauchen diesen Ehrgeiz für ihren Erfolg nicht. Für einen Radiohit musst du heute nur gut aussehen, und das reicht.“

2.) Wie habt ihr es dann überhaupt geschafft?

Bobby (zeigt mit dem Finger auf Steve): „Er hat zum Beispiel schöne Beine!“

3.) Wie zufrieden seid ihr mit der aktuellen Tour und ihrem Verlauf?

Simon: „Sehr! Gestern haben wir zum Beispiel in Dänemark gespielt, vor 20.000 Leuten. Trotz Regens sind die Leute trotzdem gekommen. Unsere Konzerte sind meist ausverkauft, auch mit der Produktion an sich, den Big Screens, sind wir sehr zufrieden, dazu hat sich unser neues Equipment bei Bühnenbeleuchtung und Scheinwerfern bestens bewährt…“

4.) Dieses Jahr feiert die Band ihr 30-jähriges Bestehen. Bereitet ihr eine besondere Überraschung vor?

Bobby: „Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Jubiläum zu feiern. Vielleicht machen wir eine Sondertour, bei der aus diesem Anlass auch einige unserer ehemaligen Bandmitglieder als Special Guests spielen, die auch heute in irgendeiner Form mit uns zusammenarbeiten, zum Beispiel Lenny Castro, Steve Porcaro oder Joseph Williams. Auch ein neues Album zum Jubiläum ist gut möglich.“
Steve: „Ja, stimmt! Es gibt viele Optionen, wir haben aber wirklich neuen Schwung, echten Aufwind und sind voller frischem Arbeitselan. Die aktuelle Tour läuft schon ein halbes Jahr und wir planen noch mehr Konzerte, sodass wir die Konzerte voraussichtlich irgendwann im Sommer 2007 abschließen werden.“

5.) Greg, die Zusammenarbeit mit welchen Musikern in deiner reichen Karriere war für dich das größte Erlebnis?

Greg: „Die Zusammenarbeit mit jedem Einzelnen von ihnen ist etwas Besonderes. Ich habe mit Michael Jackson, Barbro Streisand, Eric Clapton, Steely Dan, Steve Wonder, Phill Collins, George Harrison gespielt. In dem Fall fällt mir die Wahl schwer.“

6.) Was ist für dich der größte Unterschied, wenn du das Spielen mit den genannten Künstlern mit dem Spielen bei Toto vergleichst?

Greg: „Früher war ich in Besetzungen, in denen es nur einen Star gab, hier aber ist die ganze Band der Star.“

7.) Und was ist mit Michael Jackson?

Steve: (verstellt die Stimme) „Yes? I am here!“

8.) Wie sind die Reaktionen auf euer neues Album Falling In Between?

Steve: „Wir sind mit der Resonanz der Medien sehr zufrieden, unser Album wird von den Musikkritikern und der breiteren Musiköffentlichkeit sehr gut aufgenommen. Es verkauft sich zwar nicht in solchen Mengen wie „Toto IV“, das sich 10 Millionen Mal verkauft hat, aber angesichts der heutigen Lage in der Musikindustrie verkauft sich „Falling In Between“ für eine Band wie Toto super! Heute sehen uns die Kritiker eher als „Live-Band“, weil wir hauptsächlich auftreten. Wenn wir aber ein Studioalbum veröffentlichen, stellt es uns viel realistischer als Musiker dar, als Musiker im tiefsten Kern, und bringt den Hörern unsere Authentizität viel wirkungsvoller nahe als unsere erfolgreichsten Alben. Im Studio wollen wir heute einfach nicht mehr das machen, was uns die großen Labels diktiert haben. Wir sind unter dem Dach unseres neuen – kleineren – Labels sehr zufrieden!“

9.) Die neue Version des Songs Rosanna, die ihr auf Konzerten spielt, war Gregs Idee?

Greg: „Ja, das ist ganz spontan entstanden, eigentlich haben Simon und ich uns eines Tages im Studio mit einer Jam amüsiert. Simon hat auf dem Schlagzeug improvisiert, dann bin ich am Klavier dazugekommen und die Sache lief von da an völlig spontan weiter!“
Simon: „Das neue Arrangement dieses Songs soll die Besucher unserer Konzerte überraschen, die die Nummer so nicht gleich erkennen, und natürlich unseren Auftritt auflockern!“
Steve: „Genau! Das ist der Sinn! Die neue Version spielen wir nur bis zum ersten Refrain, dann gehen wir in die gewohnte Version des Songs über, um alle Geschmäcker zufriedenzustellen!“

10.) Wie lange wollt ihr im Musikbusiness durchhalten?

Steve: „Schaut euch Keith Richards an! Bei all den Jahren, die er auf dem Buckel hat, klettert er immer noch auf Palmen und springt von ihnen runter. He’s my man!“
Bobby: „Keith fällt von den Bäumen, wir fallen dazwischen („falling in between“)! Keine Ahnung, was wir dann machen werden? Wahrscheinlich auf der Pfeife pfeifen!“
Steve: „Wir spielen bis zum Schluss, beziehungsweise solange wir leben. Und alle werden so spielen, wirklich alle Bands. Bis sie sterben! So läuft das.“

11.) Was für eine Beschallung wird es beim morgigen Konzert hier in Belgrad geben?

Simon: „Wir haben keine eigene Anlage, hoffen aber, dass sie ähnlich wie unsere sein wird!“

12.) Was könnt ihr über die neue Internetseite namens „Toto Network“ sagen?

Bobby: „Wir haben 28 Jahre alte Aufnahmen von verschiedenen Proben, unveröffentlichte Studioaufnahmen, die wir sehr gern auf „Toto Network“ veröffentlichen würden. Scott Page, der Typ, der bei Pink Floyd Saxofon gespielt hat, ist ein echter Computer-„Freak“ und baut uns die Seite. Eigentlich ist es die weltweit erste Internetseite dieser Art, in dieser Hinsicht sind wir so etwas wie Versuchskaninchen. Wir wollen allen unseren Fans das Geschehen während der Tour wirkungsvoll näherbringen.“
Steve: „Zum Beispiel die Aufnahme, als wir im März dieses Jahres in Frankreich zusammen mit Joe Satriani auf der Bühne standen, usw.… und Szenen von hinter der Bühne. „Toto Network“ soll regelmäßig mit frischen Neuigkeiten gefüttert werden, damit unsere Fans möglichst lange auf unserer Seite bleiben.“

13.) Was bereitet ihr für euren morgigen Auftritt in Belgrad vor?

Steve: „Eine sehr bunte Mischung von allem! Wir spielen alle Hits, ganz neue Songs, ein paar Bühnen-Jams, akustische und Solo-Nummern, einige Stücke haben ganz neue Arrangements. Das machen wir, damit uns das Spielen der Standardsongs nicht trocken wird. Wir servieren euch alles, was ihr hören wollt.“
Bobby: „Und wir treten völlig nackt auf!“

Während der Pressekonferenz gab es auch ein paar Blüten. Eine Dame richtete ihre Frage höflich an Joseph Williams, während sie Bobby Kimball ansprach. Da stand Steve bei dieser Gelegenheit höflich von seinem Stuhl auf und stellte jedes anwesende Bandmitglied von Toto einzeln vor, laut, deutlich und vor allem langsam. Wir Anwesenden konnten auch herzlich lachen über die Nachahmung von Greg Philinganes, als er in die Rolle von Jerry Lee Lewis schlüpfte, weshalb er bald in Greg Lee Lewis umgetauft wurde. Trotz der Anspannung seitens des Veranstalters, die die ganze Zeit in der Luft lag, wurde die Pressekonferenz erfreulich gut, und wir zogen mit Tüten voller Chips von dannen, sodass ich mir wie eine Marktfrau vorkam. Ich hätte nur noch kurz zum „Buvljak“ (Flohmarkt) vorbeischauen müssen, um sie gegen ein paar frische Socken zu tauschen. Toto ließen sich nach Ende der Konferenz ausgehungert an einem der Tische des Hotelrestaurants auf die Stühle fallen, wo sie keine Sekunde zögerten und im Eiltempo über serbische Spezialitäten herfielen, während wir anderen, ebenso im Eiltempo, von Gorillas in Security-Klamotten die ewige Vertreibung aus dem Paradies verpasst bekamen, pardon, aus dem Hotel!

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