The Sin and the Sentence

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Autor: Primož Novak

Künstler: Trivium
Label: Roadrunner Records
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 57:18
Bewertung: 4.5/5

Die amerikanischen Metaller Trivium haben in den letzten 15 Jahren eine beachtliche Anzahl von Alben herausgebracht. Aus einer gewöhnlichen Metalcore-Band sind sie zu einem der bekanntesten Namen der modernen Metal-Szene geworden. In den letzten Jahren haben sie es trotz mehrfacher Schlagzeugerwechsel geschafft, sich über Wasser zu halten, obwohl die Qualität der Alben schon begann nachzulassen, da sie ziemlich schnell produziert wurden. Mit dem siebten Album Silence in the Snow schien es, als würde sich die Gruppe von ihrem charakteristischen Stil entfernen und sich mit weniger aggressiver Musik stärker an einen größeren Markt anpassen. Doch wer die Band schon lange verfolgt, wird größtenteils bestätigen, dass Stilwechsel bei Trivium seit jeher zur Tagesordnung gehören.

Während der Entstehung des aktuellen Albums stieß mit Alex Bent ein neuer Schlagzeuger zur Band, der zuvor bei Battlecross, Arkaik, Braindrill, Decrepit Birth usw. gespielt hatte. Er half auch den Thrash-Metal-Veteranen Testament bei einigen Konzerten aus. Unter anderem spielte er beim Festival Heavy Montreal 2015 zusammen mit Testament und dem slowenischen Bassisten Tilen Hudrap. Bent ist zwar ein junger Schlagzeuger, hat aber seine Erfahrungen in technisch anspruchsvollen Bands gesammelt, wofür zuvor ein enormes Maß an Übung nötig war. Bei Trivium nimmt man schließlich keinen unerfahrenen Schlagzeuger, sodass Bents Kilometerzahl hier durchaus gepasst hat.

Schon im Eröffnungstrack des Albums zeigt sich, dass Trivium Bents Fähigkeiten konkret genutzt haben. The Sin and the Sentence kann mit allen Trivium-typischen Merkmalen aufwarten, die auf den vorherigen Alben zu hören waren. Die Gitarren sind stark, das Solospiel im neoklassischen Stil sticht definitiv heraus, Sänger Matt Heafy hat wieder zum rauen Gesang gegriffen, und die Drums dominieren praktisch den gesamten Track. Nicht nur schnelle Pedale, sondern auch Blast Beats sind zurück. Der Albumauftakt mit der Kombination von Elementen aus Ascendancy, In Waves und Shogun ist zweifellos vielversprechend. Nach einem einzigen Track lässt sich natürlich noch kein Fazit ziehen. Mit Beyond Oblivion bleibt das Potenzial bestehen. Der Track explodiert vernichtend (Alex Bent glänzt schlichtweg), es folgt eine Beruhigung und ein starker Refrain, zwischendurch eine Überraschung mit Blast Beats und virtuosem Solospiel. Es scheint, als wären Trivium wieder auf dem richtigen Weg. Mit Other Worlds und The Heart From Your Hate überzeugt die Sache nicht ganz so wie bei den vorigen Tracks. Im Vordergrund stehen Melodie, ein markanter Refrain und eingängiger Gesang. Nichts wirklich Neues, aber Trivium bieten seit Ascendancy immer wieder hitverdächtige Tracks an, bei denen eine einfachere Songwriting-Methode zum Einsatz kommt. Mit Betrayer, bei dem sogar eine Anlehnung an melodischen Black Metal auftaucht, dreht sich das Ganze wieder ein wenig. Das Metalcore-Element sticht zwar stärker heraus, aber es ist nicht das erste Mal, dass Trivium etwas Neues ausprobieren, auch wenn es hier keine drastischen Abweichungen geben wird. Unerwartet schlagen Trivium mit The Wretchedness Inside zu, das stärker groove-orientiert ausgerichtet ist. Mit tief gestimmten Gitarren und rauem Gesang kommt die Kraft des Tracks umso deutlicher zum Ausdruck. Bei Endless Night entsteht das Gefühl eines aufgesetzten Tracks. Der Song wirkt nämlich im Vergleich zu den anderen zu schmalzig, als wäre er eher für einen Abiball geeignet. Bei Trivium hakt es eben gelegentlich auch.

The Sin and the Sentence hat mehr Höhen als Tiefen. Als Höhepunkt lässt sich definitiv Sever the Hand zählen, der eine Überraschung in Form einer Wendung in einen schnellen, thrash-gefärbten Abschnitt versteckt. Wieder ein bewährtes Muster der Band, aber zweifellos effektiv. Die größte Überraschung verbirgt sich gegen Ende. Im Track Revanchist lassen Trivium wissen, dass sie auch progressiv ausgerichtet sein können. Nach dem Album Shogun, das einige progressive Momente hatte, haben Trivium endlich bewiesen, dass sie noch Spielraum für ein weiteres komplexes und technisches Album haben. Fraglich ist nur, ob sie sich trauen werden, so weit zu riskieren. Das Album endet mit dem druckvollen und schnellen Thrown Into The Fire, das endgültig bestätigt, dass Trivium auf dem richtigen Weg sind.

Mit dem achten Album bestätigen Trivium ihre Topform. Der neue Schlagzeuger Alex Bent hat der Band eine gewisse Frische mitgebracht, was jedoch nicht bedeutet, dass er die anderen Mitglieder in den Schatten stellt. Das Gitarren-Duo Matt Heafy/Corey Beaulieu sorgt nach wie vor für starke und melodische Riffs sowie virtuose Soli. Bassist Paolo Gregoletto sorgt dafür, dass auch er zu hören ist – er ist nicht bloß ein Unterstützer der Gitarren. Was stören kann, ist Heafys Gesang, der zeitweise ein wenig zu schmalzig gerät. Auch die Produktion des Albums schwächelt nicht. Josh Wilbur (Lamb of God, Hatebreed) war hier zweifellos die richtige Wahl.

Trivium sind offensichtlich wieder auf dem richtigen Weg. Ob sie es schaffen, auf diesem Weg zu bleiben, oder ob sie wieder in irgendeine andere Phase abbiegen, bleibt offen. Es hat sich aber gezeigt, dass ein guter Schlagzeuger bei Trivium ziemlich entscheidend ist. Kurzum: Trivium sind noch lange nicht abzuschreiben.

Besetzung

– Matt Heafy – Gitarre, Gesang
– Corey Beaulieu – Gitarre, Gesang
– Paolo Gregoletto – Bass, Gesang
– Alex Bent – Schlagzeug

Produktion

Josh Wilbur

Trackliste

1. The Sin And The Sentence
2. Beyond Oblivion
3. Other Worlds
4. The Heart From Your Hate
5. Betrayer
6. The Wretchedness Inside
7. Endless Night
8. Sever The Hand
9. Beauty In The Sorrow
10. The Revanchist
11. Thrown Into The Fire

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