Built For Fighting
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Wilson, Damian
Label: Black Lake Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 45:42
Wertung: 4/5
Nur fair, dem insgesamt vierten Solo-Studioalbum des Threshold-, Headspace- und Landmarq-Vokalists Damian Wilson noch ein paar Worte zu widmen! »Built for Fighting« ist ein Album, das bei Wilson all das widerspiegelt, was nichts mit seinen sonstigen Prog-Metal-Aktivitäten zu tun hat – in Bands und Projekten wie Threshold, Headspace, Ayreon, Star One sowie mit Rick Wakeman und Mostly Autumn. Die Liste ist damit noch längst nicht vollständig, denn Damian Wilson gilt als unglaublich umtriebiger Musiker. Im Laufe seiner Karriere hat er sich auf die eine oder andere Art auf über siebzig Alben verschiedenster Künstler verewigt, und Mitte der Neunziger haben ihn Iron Maiden höchstpersönlich zum Vorsingen eingeladen, als sie fieberhaft einen Ersatz für den »geflohenen« Bruce Dickinson suchten. Kurzum: Wilson ist in der Musikszene ein außerordentlich angesehener Musiker – besonders als Sänger.
Was »Built for Fighting« mitbringt, ist die Fortsetzung dessen, was Wilson mit seinen bisherigen drei Solo-Studioalben bereits geboten hat. Eigentlich ist es ein neuer Abdruck, ein Spiegelbild der künstlerischen Reife dieses Musikers. Zwölf Songs liefern eine unglaubliche thematische Vielfalt. Selbst in den Produktionsgriffen – und nicht nur in den kompositorischen Herausforderungen. Wilson vollzieht darin so manche Genresprünge, vor allem aber präsentiert er sich diesmal in erster Linie als sensibler Singer-Songwriter und tritt ins Zentrum des Geschehens – besonders mit einer Note persönlich bekennender Poesie (die sinnlichen und zarten Abschluss-Tracks des Albums I Won’t Blame Life und Battlelines). Was wir auf dem Album hören, ist eine Art Art-Rock, der mit seiner extremen melodischen Geschmeidigkeit und sinnlichen Atmosphärenkreation (das Album ist nämlich ausgesprochen atmosphärisch) eher Liebhaber von entspanntem, radiofreundlichem Rock anzieht – oder gar von Pop-Art-Ästhetik –, als jene, die auf der anderen Seite einen neuen Prog-Metal-Exzess von Wilson erwarten. In die Art-Rock-Mischung von »Built for Fighting« hat Damian Genresprünge aus der Weltmusik eingehaucht, sogar traditionelle britische Musikfolklore (Written in Anger, When I Was Young), dann gibt es einen ungestümen Hard-Rock-Ausbruch (Sex & Vanilla), während bei What Have We Done sofort klar ist, dass der Track mit seiner Pop-Ansteckungskraft direkt die Gunst der Radiofrequenzen sucht. Am meisten zünden aber die Tracks, bei denen man einfach nur sagen kann: das ist Art-Rock, leicht eklektisch – wie etwa der Opener Thrill Me oder, in der zweiten Hälfte, Can’t Heal War –, während das brillante Fire mit seiner dualen Natur gewisse Abweichungen hin zur Prog-Rock-Nomenklatur der typisch britischen Schule evoziert. Wilson hat dem Album auch eine höchst interessante Coverversion des Depeche Mode-Originals Somebody beigelegt, die wirkt, als wäre sie sein ureigenes Werk, und die sich hervorragend ins Album einfügt.
Damian besitzt eine ausgesprochen markante und einzigartige Stimme. Sie wirkt unglaublich autoritär und ist mit ihrem klaren melodischen Ansatz ausgesprochen dominant in den Arrangements. Doch wenn es nötig ist, tritt der besondere Charakter seiner Hypersensibilität sowie seine verfeinerte Sinnlichkeit und Sanftheit zutage (Somebody, Fire, Battlelines, I Won’t Blame Life). Das ist jene Seite, die für oberflächliche Ohren, die an Wilsons allgemeine Aktivitäten innerhalb von Threshold gewöhnt sind, meistens verborgen bleibt, Damian wird von den außergewöhnlichen Musikern, die auf diesem Album mitwirken, mit starkem kompositorisch-performativem Rückhalt unterstützt, womit alle Anforderungen erfüllt sind, die dem Produkt absoluten, klanglich verfeinerten Perfektionismus verleihen. Diese Musiker haben nämlich im Laufe ihrer Karriere unter anderem mit Jeff Lynne’s ELO, Take That, Three Friends, Steve Hackett, It Bites, Ozzy Osbourne, Black Sabbath, The Strawbs und Ray Davies zusammengearbeitet – da ist auf diesem Album schlicht kein Platz für künstlerische Fehlschüsse.
»Built For Fighting« ist ein wunderschönes Singer-Songwriter-Album von Damian Wilson und legt auf die schönste Art jene musikalischen Seiten des persönlichen kompositorisch-expressiven Handwerks des Künstlers bloß, die aufgrund von Wilsons sonstiger Reputation als einer der herausragendsten Sänger im Prog-Metal-Bereich meistens verborgen bleiben.
Damian Wilson – Thrill Me (offizielles Lyric-Video):
Besetzung
Damian Wilson – Gesang, Gitarre
Brian Willoughby – Gitarre
Adam Wakeman – Keyboards
Lee Pomeroy – Bass
Bill Shanley – Schlagzeug
Produktion
Andrew Holdsworth
Trackliste
1. Thrill Me
2. When I Was Young
3. Impossible
4. Fire
5. Somebody
6. Sex & Vanilla
7. Can’t Heal War
8. What Have We Done
9. Written In Anger
10. All I Need
11. I Won’t Blame Life
12. Battlelines