A Conspiracy of Stars
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: UFO
Label: SPV Records
Veröffentlichung: 2015
Spielzeit: 47:52
Wertung: 4/5
Da ist er, sage und schreibe, das 22. Studioalbum der großen britischen Heavy-Rock-Veteranen UFO. Die Londoner, die sich seit 1969 ohne Unterbrechung in Bewegung halten, veröffentlichen auch im reifen Alter außerordentlich gute Alben. Und auch das neueste »A Conspiracy of Stars« macht da keine Ausnahme!
Die Integration des amerikanischen Gitarristen Vinnie Moore im Jahr 2003 – als dauerhafter Ersatz für den legendären Michael Schenker – hat den Kompositionsstil zwar ein wenig beeinflusst, aber nicht erschütternd. Genau im richtigen Maß. UFO behalten nämlich durchgängig ihre unverwechselbare elementare musikalische Visitenkarte, doch mit Moores Ankunft wurde die Blues-Komponente in den Arrangements spürbarer. Und seit dem Album »You Are Here« (2004) bauen UFO beharrlich auf dieser musikalischen Akte weiter.
Die Kombination aus drei Original-Bandmitgliedern und Vinnie Moore funktioniert auch in der Neuzeit ausgezeichnet. Während der britische Teil des Teams für die Einbringung vertrauter Bausteine von Mysterium, Düsternis und gelegentlich sogar Okkultem sorgt – gebremst durch den typischen Sarkasmus des schwarzen britischen Humors, für den nach wie vor der legendäre Gesang von Phil Mogg verantwortlich ist (Mogg bleibt ein echter »Lausbub«) –, ist der Amerikaner Vinnie eine außergewöhnliche Schatzkammer des Gitarrenarsenals, mit der UFO um eine saftige Blues-Prämisse bereichert wurden. Erst mit seinem Eintritt hat die Band ihre musikalischen Versuchsfelder noch etwas ausgeweitet, weshalb Ausflüge in den Southern Rock für UFO in der Post-Millenniums-Ära keine Überraschung mehr sind – ebenso wenig wie Blues-Einschübe, die einen gar ans Mississippi-Delta ziehen können (Ballad of a Left Hand Gun). Gerade der längste Song des Albums, Sugar Cane, erfüllt am stärksten die außergewöhnliche Fusion von erotogenem Blues in Kombination mit rockiger Attitüde und musikalischem Wert. Alle Songs schließen sich nach aller Regel in ihrem Theater dramatisch ab.
UFO setzen einen durchdringenden Riff, der sich sofort unter die Haut setzt – wenn Phil Mogg mit seiner einzigartig unverwechselbaren Vokal-Schutzmarke in die Strophen stürmt, ist klar, dass die Legenden fest im Sattel ihres Rock-’n‘-Roll-Galopps sitzen. Die Band klingt kompakt, organisch, lebendig und verliert nicht den Funken. Devils in the Detail ist zum Beispiel mit einem massiven Hammond-Klangteppich geschmückt, der die Gitarrenphrase verstärkt. Rustikal und klassisch altmodisch. Authentischer geht’s kaum, wenn man in das elementare Erbe des Rock ’n‘ Roll schauen will. Die Band dreht noch immer außerordentlich geschickt die jeweilige Stimmung in einem Song hin zu einer anderen, vor allem wenn die »Mid-Eight«-Passage mit plötzlicher Melodiemodulation einsetzt. Diese Abschnitte nutzt UFO auch auf der neuen Platte äußerst geschickt, wie sie es seit jeher getan haben. Vinnie Moore liefert dabei ein wahrhaftiges Märchen des »Lustspiels« des Gitarrensolos. Ein Genuss, diesem Meister der sechssaitigen Musiktheorie zuzuhören!
»A Conspiracy of Stars« ist ein Album mit klar definierter musikalischer Vision und Fokus, dem die großen Veteranen weiterhin treu folgen – im Stil ergrauter Desperados, die aber weder Potenz noch Glanz in ihren reifen Jahren verlieren. UFO halten sich nicht zurück. In den Jahren, in denen der Abschied nah ist, schaffen sie mit außerordentlich überzeugender künstlerischer Reife und feinem Gespür. Rock’n’roll fließt ihnen eben durchs Blut, und (zum Glück) können sie’s einfach nicht anders!
Besetzung
Phil Mogg – Gesang
Vinnie Moore – Gitarre
Paul Raymond – Gitarre, Keyboards
Andy Parker – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Rob De Luca – Bassgitarre
Produktion
Chris Tsangerides
Trackliste
1. The Killing Kind
02. Run Boy Run
03. Ballad Of The Left Hand Gun
04. Sugar Cane
05. Devils In The Detail
06. Precious Cargo
07. The Real Deal
08. One And Only
09. Messiah Of Love
10. Rolling Rolling