The Breeze: An Appreciation of JJ Cale

0 5

Autor: Jernej Vene

Künstler: Clapton, Eric
Label: Universal Music Group
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 51:33
Bewertung: 4/5

Der britische Gitarrenheld Eric Clapton spielt seit vielen Jahren auch Songs seines musikalischen Idols J.J. Cale. Das Album The Breeze – An Appreciation of J.J. Cale hat er mit Freunden zu dessen Gedenken aufgenommen. Cale veröffentlichte in den Siebzigern einige phänomenale Alben, auf denen er einen äußerst raffinierten und leichten Sound definierte, der gleichzeitig anspruchsvoll und betörend war. Vor allem stellte er eine Fingerpicking-Technik vor, die sowohl dem amerikanischen Blues als auch dem Country verpflichtet war – Cale übertrug sie aber auch in einen eigenständigen Songwriter-Rock. Und genau hier beginnt die Geschichte eigentlich erst richtig. J.J. Cale wäre wie die meisten ähnlichen echten Innovatoren fast sicher in der Anonymität geblieben, hätte Eric Clapton auf seinen Solo-Alben nicht zwei seiner Schlüsselsongs gecovert – nämlich Cocaine und After Midnight. Es erübrigt sich zu betonen, dass dies wohl die entscheidenden Hits waren, dank derer Clapton zum Gott der raffinierten, gefühlvollen und zärtlichen Gitarrengriffe wurde. Während Clapton zu Mr. Slowhand wurde und Grammys sammelte, reiste Cale in seinem Wohnwagen und entdeckte die Reize der wilden amerikanischen Flüsse. Die Produzenten mussten ihn für jedes neue Album, das er ihnen schuldete, buchstäblich durch die amerikanische Wildnis jagen. Nun, gemeinsam gewannen sie 2008 einen Grammy für das gemeinsame Album The Road To Escondido. John Weldon Cale starb im Juli 2013 an einem Herzinfarkt. Eric Clapton sah ihn als sein Vorbild und schätzte ihn neben der Musik auch wegen seiner Schlichtheit und Ruhe.

J.J. Cale war für Clapton so etwas wie ein Leuchtturm. Letzterer war in den Siebzigern von manch schädlicher Substanz abhängig. Die Gitarre und das Etikett als eine Art Gitarrengott gingen ihm auf die Nerven, Heavy Metal ging ihm auf die Nerven – Krach verträgt er eben nicht. Er suchte die Wurzeln, Basismusik ohne den Anspruch auf instrumentale Eskapaden, komplizierte Rhythmen und dergleichen. J.J. Cale begann genau in jenen Jahren seine Albumkarriere, davor hatte er in den Sechzigern bereits einige Singles veröffentlicht.

Auf The Breeze – An Appreciation of J.J. Cale klingt Eric Clapton entspannt und unbeschwert – in dem Wunsch, dem Freund zu Ehren eine andere Sichtweise auf die Musik zu hinterlassen, war er vielleicht ein bisschen zu wenig ehrgeizig. Zugutezuhalten ist ihm, dass er sich nicht nochmals an einigen der naheliegenden Songs wie Cocaine und After Midnight versucht hat, denn es ist besser, dass er seine Kräfte auf die Präsentation anderer Werke Cales konzentriert hat.

Mit Erlaubnis von Cales Frau Christine Lakeland stöberte Clapton in der Schublade mit unveröffentlichten Songs – so landete Train To Nowhere auf dem Album, das er in Zusammenarbeit mit Mark Knopfler und dem lokalen Oklahoma-Helden Don White eingespielt hat. Erstmals veröffentlicht wurde auch Songbird, die der Country-Veteran Willie Nelson singt. Zu den Highlights zählen außerdem The Old Man And Me mit Tom Petty sowie Magnolia von Cales Debüt Naturally, gesungen von John Mayer.

Klanglich steht die Musik den Pop-Rock-Alben von Eric Clapton sehr nahe, auch wenn sie genauso unterschwellig einprägsam sein will wie Cales Musik – vielleicht war das aber auch gar nicht das Hauptziel. Besonders macht dieses Album die Synergie zwischen den mitwirkenden Gästen und Clapton, der völlig unprätentiös ist, aber keineswegs ausdruckslos. Cales Songs haben durch seine Handschrift eine stärker ausgeprägte Popform bekommen – und das im durchaus positiven Sinne. J.J. Cale webte in seine Songs neben der grundlegenden Rock-Besetzung manchmal völlig unvorhersehbar auch andere Instrumente ein, die nicht gerade zum Standard-Rockrepertoire gehören.

The Breeze – An Appreciation of J.J. Cale war zunächst als eigenständiges Projekt gedacht, wuchs aber rasch zu einem breiteren musikalischen Abenteuer heran, das Cales Vermächtnis mit ziemlich treuen Versionen der Songs ins Bewusstsein rückt. Diese sind zwar recht entspannt, doch nicht alle gehen so unter die Haut wie die Originale. Angesichts des legitimen Wunsches, das musikalische Erbe eines großen Meisters der amerikanischen Musik zu würdigen, muss man den Einsatz loben, den der Protagonist und seine Mitstreiter hineingesteckt haben. Das Ziel war auch, Cales Musik all jenen näherzubringen, die sie noch nicht kennen.

Besetzung

Eric Clapton – Gesang, Gitarren, Dobro
Tom Petty – Gesang, Gitarre
Mark Knopfler – Gitarre, Gesang
John Mayer – Gitarre, Gesang
Willie Nelson – Gitarre, Gesang
Don White – Gitarre, Gesang
Reggie Young – Gitarre
Derek Trucks – Gitarre
Albert Lee – Gitarre
David Lindley – Gitarre
Don Preston – Gitarre
Christine Lakeland – Gitarre, Gesang
Mike Campbell – Gitarre
Doyle Bramhall II – Gitarre
Greg Leisz – Pedal-Steel-Gitarre
Simon Climie – Keyboards, Orgel, Klavier, Drum-Programmierung, Percussion, Hintergrundgesang
Walt Richmond – Keyboards, Orgel, Klavier
Jimmy Markham, Mickey Raphael – Mundharmonika
Nathan East – Bass
Michelle John, Sharon White – Hintergrundgesang
Jim Keltner, James Cruce, Jim Karstein, Jamie Oldaker, David Teegarden – Schlagzeug
Satnam Ramgotra – Tabla

Produktion

Eric Clapton, Simon Climie

Trackliste

1 They Call Me The Breeze
2 Rock And Roll Records
3 Someday
4 Lies
5 Sensitive Kind
6 Cajun Moon
7 Magnolia
8 I Got The Same Old Blues
9 Songbird
10 Since You Said Goodbye
11 I’ll Be There (If You Ever Want Me)
12 The Old Man And Me
13 Train To Nowhere  
14 Starbound
15 Don’t Wait
16 Crying Eyes

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies