Forever
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Maxx Explosion
Label: Kivel Records
Erscheinung: 2013
Laufzeit: 51:22
Bewertung: 3/5
Obwohl das Album schon ein Jahr auf dem Buckel hat, verdient es in jedem Fall eine kurze Vorstellung. Wer House Of Lords kennt, weiß, dass neben James Christian noch Jimi McCarvill am Bass, Jimi Bell an der Gitarre und BJ Zampa am Schlagzeug zur Besetzung gehören. Was bekommst du, wenn du von dieser Truppe House Of Lords-Chef James Christian abziehst? Vögelchen ohne Nest. Nicht ganz. Die Band Maxx Explosion. Und zusammen mit ihr ihren Erstling »Forever«.
McCarvill, Bell und Zampa spielten in den letzten Jahren ihrer Tätigkeit bei House Of Lords eine wichtige Rolle bei der Erfüllung der Aufgaben, die ihnen James Christian übertrug. Bell und Zampa sind seit 2006 in Christians Crew. In dieser Zeit haben die Jungs echte Kameradschaft aufgebaut, verbunden durch ein ähnliches Verständnis und Gespür für die Magie namens Musik. Das haben sie spätestens beim gemeinsamen Jammen im Studio, bei den Proben oder auf der Bühne während echter Konzertauftritte unter Beweis gestellt. Die Gründung einer neuen Band war daher nur logisch.
Das Album »Forever« versteckt seine melodische Zugänglichkeit und Einprägsamkeit nicht — sie offenbart sich in den meisten Fällen in ultra-melodisch verführerischen Refrainmelodien, die in den Songs klar das Sagen haben. Kräftig unterstützt werden diese natürlich durch vokale Harmonisierungen, was ein großes Markenzeichen von House Of Lords ist. Geerbt. Eigentlich übernommen. Christian hat den Jungs in den Jahren ihrer Tätigkeit bei House Of Lords offensichtlich so einiges Nützliches beigebracht. Das Arrangieren macht ihnen daher keinerlei Kopfzerbrechen.
Ein wesentlicher Unterschied, der Maxx Explosion stilistisch vom bekannten House Of Lords-Arrangierrezept abhebt, ist der deutlich lebendigere und beinahe konzertante Sound der Produktion — vor allem das klare und spürbare Rattern von McCarvilIs Bass, der in House Of Lords-Produktionen im Klangbild viel kontrollierter ist. Genauso schäumen Bells Riffs deutlich rauer und ungezügelter im verzerrten Zerhacken. Das Trio nimmt sich unter dem Namen Maxx Explosion viel mehr Freiraum, in dem es so manche solistische Akrobatik hinlegt, die Richtung Gruppen-Jam zieht (Instrumental Demon Wheel) — was ihnen unter der Dirigentschaft von James Christian bei House Of Lords sonst nicht erlaubt ist.
In dieser Konstellation ist das schwächere Glied natürlich McCarvilIs Gesang, der zwar von der Stimmfarbe her weniger charismatisch ist, sich aber in den Grundzügen des vokalen Ansatzes vorbildlich, solide und würdevoll den gegebenen »Melodiekurven« anpasst — sowohl in den Strophen als auch in den atmosphärischen Crescendos der Refrainmelodien. Dieser Faktor wird aber gut kaschiert durch die erstklassige instrumentale Leistung des Trios, und in den Refrains verbirgt er sich ohnehin im Arrangement-Gewand mehrstimmiger Vokalharmonien.
Neben dem Element des größeren Lärmpegels des rohen Klangbilds in der Produktion sowie einer größeren Dosis solistischer Eskapaden gegenüber dem heutigen Stil von House Of Lords bleibt die Grundprämisse von Maxx Explosion dennoch die melodische Kompaktheit und Eingängigkeit, die das Album »Forever« über seine gesamte Spielzeit vollblütig bietet. Auch das Element der Bombastik ist klar herausgearbeitet, was eine sinnvolle verwandtschaftliche Verbindung zu House Of Lords darstellt. Die Tracklist hat einen Tick zu viele Songs, weshalb der einzig ernsthafte Schwachpunkt des Albums darin besteht, dass sich gelegentlich das Gefühl einschleicht, einige verwendete Motive würden sich in den Arrangements wiederholen. Zehn Songs hätten für dieses Album mehr als gereicht. Wer House Of Lords-Fan ist, wird auf diesem Album genug verwandtschaftliche Züge finden, um ihn interessant und sofort ansprechend zu finden.
Schnell und völlig überspitzt karikiert lässt sich sagen, dass das Album »Forever« das »hässliche Entlein« der House Of Lords-Diskografie ist. Vor allem deutlich ungeschliffener und frecher, mit viel weniger Kontrolle und mehr ungezwungenem Gliederstrecken. Und was im Rock ’n‘ Roll das Wichtigste ist: Es schleudert eine ganz ordentliche Ladung Dezibel in den Raum!
Besetzung
Chris McCarvill – Bass, Keyboards, Gesang
Jimi Bell – Gitarre, Keyboards
BJ Zampa – Schlagzeug
Produktion
Maxx Explosion
Tracklist
1. Devils Locomotive (4:36)
2. Falling Away (3:58)
3. Cross Your Heart (3:59)
4. Don’t Wanna Break (4:49)
5. Love Is a Nightmare (3:40)
6. Rise (3:49)
7. End of the Line (3:33)
8. Demon Wheel (2:00)
9. Cant Stop Falling in Love (4:36)
10. Beat Around the Bush (3:54)
11. Famous (4:05)
12. Suicide Door (3:42)
13. Forever (4:40)