Plays Well With Others
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Koch, Greg
Label: Greg Koch Band
Erschienen: 2013
Laufzeit: 64:47
Wertung: 5/5
Greg Koch gilt als einer der besten Gitarristen des Planeten. Er ist der Meister der Telecaster-Gitarre in allen ihren Spielarten. Sowohl der bereits erfundenen als auch derer, die täglich neu entstehen. Weil Greg Koch leider nicht so gut parfümiert ist wie etwa Joe Bonamassa, muss er sich auch mit Gitarren-Clinics und Unterrichten über Wasser halten, sonst müsste ihn als Künstler jeder kennen, den die ideelle Witzigkeit der Sechssaiter-Theorie auch nur ein bisschen reizt. Vielleicht hat jemand von euch Greg bei einer Gitarren-Clinic in Ljubljana 2010 erwischt, als der ausgelassene Riese euch die Ohren aufgezogen und die Gehirnwindungen durchgeschüttelt hat mit seiner Brillanz an grenzenlosen Variationslösungen beim Gitarrenspiel.
Greg Koch hat mit dem neuen Album »Plays Well With Others« zwei grundlegende Neuerungen enthüllt. Die erste ist, dass sein Spiel beim Teamwork vollständig harmonisch mit dem anderer Musiker zusammenpasst. Die zweite ist, dass das neue Album ein Gruppenwerk ist und kein Solowerk, womit er sich in Richtung größerer Zugänglichkeit für ein breiteres Musikpublikum gewandt hat, besonders wenn man das neue Album mit Kochs früheren Werken vergleicht, wo der Mann sich in den meisten Situationen der Instrumentalmusik gewidmet hatte. Auf dem Album ist schnell zu erkennen, dass Koch die Gitarre nur mit den Fingern spielt, was ihm ermöglicht, optimale Kontrolle über jeden noch so detailliert ausgearbeiteten und wohlklingenden Ton zu entwickeln, den er auf der Gitarre anschlägt. Es ist schlicht unglaublich, wie man auf diese Weise die Leidenschaft in Kochs Gitarrenspiel viel intensiver und echter spüren kann. Derselbe Ton kann mit einem völlig anderen Klang gespielt werden, was ganz andere Empfindungen in der musikalischen Ausdrucksweise hervorruft. Auch das ist eine der großen Attraktionen nicht nur dieses Albums, sondern des gesamten gitarristischen Schaffens dieses Gitarrenmeisters. Das hat auch Richie Kotzen vor einiger Zeit erkannt, der sich für immer von den Picks verabschiedet hat.
Schon das Eröffnungs-Legato, klar wie eine Träne, sorglos dahingleitend und meisterhaft kontrolliert, das in seiner Verspieltheit an das Brummen einer rasenden Wespe erinnert, reißt im Opener Simone sofort die volle Aufmerksamkeit an sich. An Kochs Solo in diesem Stück knüpft kein Geringerer als Joe Bonamassa an. Bonamassa, für den Koch ein großes Vorbild und Guru ist, hat das Solo für dieses Stück in seinem Studio in Kalifornien aufgenommen und es Koch übermittelt,
Genau diese Ausrichtung Kochs, den Charakter der Stücke dem Teamwork unterzuordnen, bringt ihm eine Fülle neuer verfügbarer Optionen, mit denen er seine künstlerische Reichweite entwickeln und erkunden kann. Zehn Stücke besitzen einen außergewöhnlich expressiven Brennpunkt. Ausgearbeitete Phrasen, veredelt durch die Brillanz des schier perfekten Spiels von Kochs Telecaster. Tatsächlich hat Koch für jedes einzelne Stück einen anderen Sound entwickelt, mithilfe von Technik und Studio-Logistik (Pedale, Effekte, verschiedene Verstärker, sogar unterschiedliche Magnete, Saiten, Gitarrentypen) , und auch die gastierenden Gitarrengroßmeister tragen ihren Teil bei. Besonders beeindruckt Robben Ford mit seiner unverkennbaren leicht übersteuerten Stratocaster-Jazz-Kontur des Gitarrenspiels in den Stücken Sho Nuff, What You Got To Loose und Walk Before You Crawl. Dazu kommt Paul Berrere (Little Feat.). Seinen klanglichen und stilistischen Besonderheiten kann man sich nicht entziehen, besonders der sublimen Perfektion der jammernden »Slide-Züge« im ausgezeichneten Whiskey RainStorm.
Das raffinierte Klaviersolo von Jon Cleary in Spanish Wine liefert dem Teamwork neue Qualitäten, dazu kommt die außergewöhnliche Ballade Down the Road, wo eine Hammond wichtige Begleitfüllung bringt. Der Hauptsänger des Albums John Sieger aus der Band Semi-Twang verfügt über große Sensitivität und einen ausgefeilten, klaren Vokalansatz. Interessanterweise übernimmt das Gitarrenspiel eigentlich nicht den Vorrang vor den Vokalteilen, was erneut für das Teamwork spricht. In den mittleren instrumentalen Mid-Eight-Teilen legen Koch und Kompanie natürlich richtig los, die übrigen Elemente von Kochs Gitarrenspiel füllen geschickt den Hintergrund des Vokal-Performances aus. Die Klangfarbe von John Sieger hätte Kochs Kompositionen auf diesem Album nicht besser einfärben können!
Dann ist da Robben Ford, an dem man weder in seinen spielerischen Besonderheiten noch im Klang seiner berühmten weißen Stratocaster-Gitarre vorbeikann, die typischerweise mit Jazz-Inhalten verbunden ist, was sich in What You Got To Loose außerordentlich gut ergänzt — einem Stück, das Elemente von Country-Musik und Ragtime vereint —, ferner bei einem der Albumhöhepunkte Walk Before You Crawl sowie beim unterhaltsamen Shuffle-Stück Sho Nuff . Der Fantasie und der daraus resultierenden Variabilität beim Einsatz aller möglichen Techniken und deren Kombinationen sowie der Integration der Genres Jazz, Country, Ragtime, Swing in die Ausläufer des Blues ist kein Ende in Sicht. Koch macht all das mit außergewöhnlicher Sensitivität, aber gleichzeitig großer Bedachtheit. Alles liegt in den richtigen Dosen an den richtigen Stellen. Kein Griff ist überflüssig, kein Griff ist »zu kurz«. Koch ist ein außergewöhnlicher Meister der Fingerpicking-Technik, mit der er sein Spiel auflockert und belebt. In seinen Griffen ist er enorm unvorhersehbar, genau deshalb, weil sich ihm in der jeweiligen Situation mehrere optionale Lösungen bieten, aus denen er wählen kann. Und das ist die grundlegende Attraktivität im Entfalten jedweden Gitarrenspiels. Koch, bekannt für seine durchtriebene Präzision, ist gleichzeitig grenzenlos witzig, sogar ulkig, und ebenso unbegrenzt »weit« in der Wahl der Formen, die er funkelnd zusammenwebt. Schwer ist es, einen Gitarristen zu finden, der auf so brillante Weise die Elemente von Witz und einer zur Perfektion entwickelten Gitarrentechnik in einen Topf wirft. Koch hat buchstäblich jedes Holzstückchen des Instruments studiert, jede Schraube, die gesamte Physik! Tiefer kann man nicht in die Materie vordringen. All das hat er natürlich mit außergewöhnlicher musikalischer Aufnahmefähigkeit und einem ausgearbeiteten Charakter von charakterlicher Tiefe im Gitarrenspiel bereichert.
Auf diesem Album ist durchgehend völlig klar, dass zwischen den Musikern vollkommene Harmonie herrscht und dass es zwischen den gastierenden Gitarristen und Koch nie zu einem sechssaitigen Kräftemessen kommt, das die außergewöhnliche Klarheit, Präzision und Ausgefeilheit der Stücke dieses Albums trüben würde. 10 Stücke von außergewöhnlicher Charisma und mit Akribie arrangierten Charakterstärke, denen weder Klarheit noch gleichzeitig raffinierte Strukturiertheit fehlt. Der Sound der Produktion ist außergewöhnlich klar, wirkt lebendig — das Gefühl ist, als würdest du das Album in einer kleinen Bar hören, in die kaum 50 Leute passen. »Greg Koch Plays Well With Others« bietet umfangreichen und begeisternden gitarristischen Lesestoff, der mit Sicherheit auch die anspruchsvollsten und verwöhntesten Gourmand-Ohren sättigen wird.
Besetzung
Greg Koch – Gitarre
Roscoe Beck – Bassgitarre
Dylan Koch – Schlagzeug
John Sieger – Gesang
Theo Merriweather – Keyboards
GASTMUSIKER:
Joe Bonamassa – Gitarre auf Track Nr. 1.
Robben Ford – Gitarre auf den Tracks 2., 5. und 6.
Paul Berrere – Gitarre auf den Tracks 4., 7., 9. und 10.
Jon Cleary – Klavier auf Track Nr. 3.
Brannen Temple – Schlagzeug auf den Tracks 2. und 6.
Produktion
Greg Koch
Trackliste
1. Simone (03:52)
2. Walk Before You Crawl (06:23)
3. Spanish Wine (06:10)
4. This Whole Town Has A Broken Heart (03:40)
5. Sho Nuff (05:02)
6. What You Got To Lose (05:36)
7. Whiskey Rainstorm (03:35)
8. Down The Road (04:43)
9. Night Owl Now (05:17)
10. Hey Godzilla (06:34)
11. Spanish Wine (Radio-Mix) (04:55)
12. What You Got To Lose (Radio-Mix) (04:46)
13. Hey Godzilla (Radio-Mix) (04:09)
14. Welches Grape (digitaler Bonus-Track) (07:06)
15. Sweet Tea (digitaler Bonus-Track) (09:55)