Voodoo Zoo
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Voodoo Mule
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2013
Laufzeit: 43:53
Wertung: 4/5
Das slowenische Trio Voodoo Mule, das im Frühling 2010 begann, ernsthafter Dezibel-Lärm herauszulocken, hat einen Studioerstling mit dem Titel »Voodoo Zoo« zusammengestellt. Schamanisch, zügellos. Tribaler Exzess! Wie der Name andeutet. Einst sammelte Pater Ašič Kräuter, doch sein Maultier, mit dem er Stängel berauschender Düfte und betäubender Substanzen transportierte, steckte die Nase in einen Sack frisch geernteten Cannabis. An der Reinheit der Seele von Pater Ašič ist nicht zu zweifeln – das Cannabis wurde ihm nämlich von Dorfschuften untergeschoben, im Kampf um die Vorherrschaft auf dem Markt der lokalen »Kräuter«. Wenn das wilde Herumrasen des zugedröhnten Maultiers eine Tanzkulisse bräuchte, gibt es keine bessere Musik als die musikalische Ausgeflipptheit von Voodoo Mule. Oder mit anderen Worten. Erstklassige musikalische Untermalung für Videos mit den Quasi-Moralismus-Ansprachen slowenischer Politiker. Ein garagiges Pionier-Denkmal für Doom und Sludge. Ausgezogen, roh, fettig, verpackt in eine Hülle extremer Garagigkeit.
Voodoo Mule rocken mit ihrem musikalischen Charisma. Hier steckt keine tiefe Philosophie. Nur Hingabe an die Musik und pures Vergnügen am Spielen der eigenen Kompositionen. Voller Einsatz. Du findest kaum ein ehrlicheres Produkt. Voodoo Mule sind echte Urgesteine, die ihrem Instinkt furchtlos folgen. Und der lügt nicht. Die Musik ist ein echtes Bekenntnis zum psychotischen Doom-Dröhnen, in dem die Riffs oft von heulenden Halbtönen zur Sludge-Salzigkeit abdriften!
Der frenetisch kreischende Gesang, durch einen Distortion-Effekt im Opener Honeyland gejagt, erinnert sogar an die fettig-klingenden Vokal-Bosheiten des genialen musikalischen Perversen Marilyn Manson. Der Exzess ist außergewöhnlich und erreicht im Zusammenspiel mit den quietschend-oszillierenden Tönen, die die Klangkulisse überfluten, einen Moment purer Psychedelik! Das ist ein außergewöhnlicher Reiz, der dieser Art musikalischer Ausrichtung, wie Voodoo Mule sie pflegen, vorzüglich steht.
Gleichzeitig tut es gut zu erkennen, dass Voodoo Mule Musik zusammengestellt haben, die sich sehr spontan entfaltet. Sogar noch mehr. Offensichtlich haben sie die Aufnahmen überhaupt nicht geschnitten, geschweige denn nachträglich mit studiotechnischen Tricks aufgehübscht. Einige »Patzer« schleichen sich aufs Album, doch die Band hat auch dieses Prinzip der authentischen Entstehung einer Studioproduktion unversehrt bewahrt. Und mehr noch: Bei dem oft dissonant heulenden Jaulen und Quietschen der Töne, die aus den Gitarrenphrasen herausragen, stören die »Patzer« (gemeint sind hauptsächlich ungenau gespielte Übergänge) überhaupt nicht. Die Chemie zwischen dem Trio stimmt auf ganzer Linie. Hier ist wenig Platz für Ratio. Die Band hat einfach einen Track geschaffen, ist ins Studio gegangen, hat gesagt, sie würden ihn »reinhauen«, und hat das völlig unverkrampft und von Herzen getan!
Voodoo Mule würden mit ihrer »abgedrehten« Doom/Sludge-Erscheinung, ihrer fast verletzlich-ehrlichen, aber außergewöhnlich instinktiven Performance, aus der der Charme des Unvorhersehbaren aufrichtig weht, bestens mit einem Eklektiker-Trio vom Schlage von Grrizli Madams auskommen. Auf einer gemeinsamen kleinen gesamtslowenischen Konzerttournee.
Der Erstling »Voodo Zoo« ist ein ausgezeichneter Grundstein für die Band. Mit der Veröffentlichung dieses Albums haben sich Voodoo Mule glaubwürdig an die Seite der Welle außergewöhnlich talentierter Jungbands der neuen Generation in Slowenien gestellt, die sich im Licht kreativer Kühnheit in vielen Genre-Sphären der Metal-Musik erproben, aber auch im zerrissenen Hard-Rock-Schmutz. Als solche sind Voodoo Mule mit ihrer Ausrichtung auf die Retro-Klangkulisse einer verlockenden Doom-und-Sludge-Fusion eine weitere wichtige Bereicherung für die slowenische Szene, da sie zur noch größeren Genre-Vielfalt beitragen.
Voodoo Mule beweisen mit diesem Werk ihren Charakter als Eigengewächse, die auf Trends pfeifen. Das Album ist keine sentimentale Nostalgie. Das ist eine instinktiv-regressive Reise in die Wiege des Rock ’n‘ Roll, die selbst neben dem Pionierwerk von Pentagram, dem primordialen Black Sabbath und Budgie noch äußerst vertraut klingen wird. Und weil auch Voodoo Mule ein Trio sind und das Trio-Format in der Geschichte der Rockmusik die größten musikalischen Sonderlinge hervorgebracht hat (darunter Rush, Motörhead, Cream, das bereits erwähnte Budgie,…), lässt sich der Schluss ziehen, dass die Zukunft der Bandentwicklung rosig aussieht.
Klang-Puristen: Finger weg von diesem Werk, denn ihr könntet es hassen! Liebhaber von Musikkreation, die auf der spontanen Therapie des Abschaltens basiert und ein fundamentaler Generator authentischer musikalischer Ideen ist – willkommen zu Hause!
Besetzung
Jernej „Jagnje“ – Gitarre, Gesang
Matej „Iguana“ – Bass
Fabijan „Hippo“ Purg – Schlagzeug
Produktion
Rok Zalokar
Tracklist
1. Honeyland
2. Tapas
3. Trunkfull
4. Jizz Da Bizz
5. I’m a Midnight Moler
6. Church Snake
7. Rip Off