Mars je prodan
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Skalp
Label: ZKP RTV Slovenija
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 33:56
Wertung: 4/5
Die Skalp aus Ajdovščina kehren fünf Jahre nach dem Debüt »Preproste rešitve« mit ihrem zweiten Longplayer »Mars je prodan« zurück. Die Jungs bleiben dem Sound treu, den sie mit dem Vorgängeralbum zu entwickeln begannen. Nebenbei sei erwähnt, dass die Band, die den Planeten seit etwa 1997 unsicher macht, in der Vergangenheit reichlich Lorbeeren geerntet hat und dank Radiorotation auf dem slowenischen Musikterrain einen Namen gemacht hat. Singles wie unter anderem Vrtičkar und/oder Metka baletka klingen dem ein oder anderen von euch bestimmt noch oft in den Ohren nach.
»Mars je prodan« bietet am Mittelwellen-Sound orientierten Rock in schlichter, unkomplizierter Haltung, voll dem melodischen Ergebnis der Leitmotive verpflichtet. Die Jungs verstehen es, ein wirkungsvolles Strophe-Refrain-Gespann zu arrangieren, das in den Refrainmelodien ein stufenweises atmosphärisches Crescendo erlebt. Ein sehr wichtiger Faktor bei Skalp ist die gute Produktion. Am Produzentenpult stand einer der besten slowenischen Gitarristen und, wie man sagen kann, der erfahrensten slowenischen Musiker: Bor Zuljan. Wenn jemand den Kern des Rock in seinem Wesen versteht, dann ist das mit Sicherheit Bor. »Mars je prodan« pulsiert lebendig und atmet dynamisch. Die Bausteine des Klangbilds sind an den richtigen Stellen verdichtet. Die Gitarrenriffs packen die Klangwand und bieten dem expressiven Gesang ein stahlbetoniertes Fundament, während die Basslinie mit ihrem schwer beladenen Pulsieren wirkungsvoll durch die fest umgürtete Riff-Wand bricht. Sehr wirkungsvoll und invasiv. Sofort gefällig! Die Adrenalinspritze haut bei Skalp wirklich rein.
Auch wenn Skalp das Rad nicht neu erfinden und sich in vorhersehbaren, generischen Riffs bewegen, gehen sie die Sache mit einem ursprünglichen Gefühl an – nennen wir es instinktiv. Sie packen die Dinge mit Leidenschaft und Liebe an. Deshalb packen die Songs sofort ins Ohr, und das Album lässt in der Intensität von der ersten bis zur letzten Sekunde nicht nach. Sprich: hier wird mit echten, klirrend dickhäutigen Rock-Eiern gespielt! Die Songs sind in ihrer zwar schlichten Arrangement-Form raffiniert und sorgfältig ausgefeilt. Das Prinzip »weniger ist mehr« ist für viele Bands verdammt schwer zu meistern, doch Skalp macht das überhaupt keine Probleme. Die Jungs haben das Prinzip im kleinen Finger der linken Hand.
Die Jungs halten klug an der Verwendung der slowenischen Sprache fest, was ein wichtiger Faktor ist, der die Band von der Sphäre des Generischen abhebt. Das Slowenische verleiht eine Note der Wiedererkennbarkeit. So oder so. In jeder Hinsicht, wenn wir über den Einsatz slowenischer Verse in der Musikkunst sprechen. Die Texte sind intelligent, verfallen nicht in pathetisches Selbstmitleid, besitzen eine schöne Manier der Trotzigkeit, der Kühnheit, der Arroganz, sogar des Machismo, und was am wichtigsten ist: sie kennen kein Trauern um Mädchen. Wir wissen, dass es davon wie Sand am Meer gibt, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Band hat lange Zeit günstige Voraussetzungen für die Landung des neuen Albums »Mars je prodan« geschaffen. Damit das Album möglichst gut »ankommt«, hat sie taktisch zunächst 4 Singles veröffentlicht. Die erste ist gleich der Opener »Vem, da lahko!«, gefolgt vom ruhigeren, aber ungemein gelungen verführerischen Halb-Ballade »Krik izpod mrzlih rjuh«, dann dem Titeltrack »Mars je prodan« und schließlich noch »Dol med plamene« (wenn ich mir einen nostalgischen Impuls der vergangenen Rock-Ära erlaube: The Sweet würden das »Shoot Down in Flames« nennen). Alle Songs sind spürbar vielseitig, mit der Grundprämisse einer erkennbaren Zugehörigkeit zum Charakter und Werk der Band Skalp. Der Rest des Albums (lies: abzüglich der Singles) hält diese entspannte, spielerische und prägnante Rock-Kinetik aufrecht, die mit einfachen Lösungen, aber eingängigen Melodien angenehm verwöhnt. Die Band muss bei der Auswahl der repräsentativen Singles ganz schön Kopfzerbrechen gehabt haben. Die Songs sind eben sorgfältig ausgefeilt. Bor muss bei den Arrangements mitgeredet haben. Mit Sicherheit. Die Ballade »Sam proti vsem« riecht verdächtig nach den guten alten Zeiten von Šank rock. Es handelt sich um eine ausgezeichnete Ballade, die aber optimistisch ausgerichtet ist. Die durchaus mutig arrangierte Ballade »Sam proti vsem« beweist, dass Skalp nicht nur gute Musiker sind, sondern auch sehr talentierte Komponisten.
»Mars je prodan« ist eine vollblütige Weiterentwicklung des Albums »Preproste rešitve«. Sowohl klanglich-produktionstechnisch als auch in einem deutlich reiferen Erreichen mitreißender Arrangements. Die Jungs hätten in »Še enkrat« Šejla nicht besingen müssen (Divlje jagode brauchen wirklich keine Werbung mehr), aber wenn sich die Energie des abreißenden Riffs von »Resničen svet laži« entlädt, wird auch die Bemerkung über die Wahl von Frauennamen im Text dieses Songs bedeutungslos. Unwesentlich. »Mars je prodan« ist ein sehr schönes, direkt ausgerichtetes Rock-Album von positiver Haltung – unverhüllt, vorwärtsstürmend, voller greifbarer Melodien. Für die Rotation auf den Radiowellen geboren. Als solches auch konzipiert. Es trägt die Retro-Symbolik des Hard Rock in sich. Wie schön, ja geradezu unbezahlbar ist die Erkenntnis, wenn man sich unter den slowenischen Bands umsieht, die den »Mainstream« jagen, dass man im Fall von Skalp ausnahmsweise mal dieses allzu bekannte, »abgedroschene« Wort nicht verwenden muss. »Alternativ«.
Besetzung
Peter Krkoč – Gesang
Aleš Pelhan – Gitarre
Matjaž Koron – Bassgitarre
Tonči Valič – Schlagzeug
Produktion
Bor Zuljan
Trackliste
1. Vem, da lahko!
2. Še enkrat (Šejla)
3. Krik izpod mrzlih rjuh
4. Dol med plamene
5. Grem na svoje
6. Mars je prodan
7. Med štirimi stenami
8. Ko razum popusti
9. Sam proti vsem
10. Resničen svet laži