Demolition Group – `Upor, ki traja` und die Präsentation des neuen Albums in Šiška (2018)

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Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: 09.05.2018


Demolition Group sind zweifellos eine musikalische Eigenheit für sich. Darüber muss man nicht lange reden. Seit Jahren gelten sie als unglaublich durchdringende und überzeugende Schmiede dieser Besonderheit. Als langlebige Herren des slowenischen Alternative-Rock-Undergrounds, bereichert um die hochintelligente Anziehungskraft perfekter Art-Kultur, der niemand nahekommen kann – denn die edle Eigenwüchsigkeit der Band gilt als schlicht ungreifbar –, haben sie sich mit einem besonderen Anlass im CUK Kino Šiška eingefunden. Sie haben nämlich ein neues Album aufgenommen und veröffentlicht und dieser Neugeburt mit einem Präsentationskonzert eine besondere Ehre erwiesen.

Ein bisschen einleitende Philosophie – aber bis hierhin ist es eben die Wahrheit. Nun, die Wahrheit ist auch die, dass einem bei solchen Ereignissen das Herz flüchtig, aber »aufgewühlt«, einen Schauer schickt und man sich fragt: »Wo sind eigentlich die drei Jahre hin, seit wir uns hier mit der Band in denselben Räumen versammelt und die Veröffentlichung des Albums Zlagano sonce gefeiert haben?«

In drei Jahren hat sich für Demolition Group viel getan. Unter anderem haben sie die Besetzung umgekrempelt, entscheidend ist aber vor allem, dass sie aus dieser Geschichte stärker und musikalisch erneuert hervorgegangen sind. Neuen Herausforderungen entgegengestellt, kamen sie artistisch »aktualisiert« heraus. Sagen wir es »einfacher«: Sie haben ihren Artismus erfolgreich »ausgedehnt«, und das auf dem natürlichen Weg der Selbst-Evolution.  Das haben sie bei zahlreichen Konzerten im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt, als sie ohne Hemmungen bereits neue Songs präsentierten. Eine neue Bestätigung erhielten wir abermals, als Demolition Group ihr jüngstes Studiowerk »Pojdiva tja« von Anfang bis Ende durchspielten. Von vorne bis hinten, in der Reihenfolge der Songs, die auf dem Album vertreten sind. Der erste Eindruck ist der (das Album hatte ich vorher nicht gehört), dass die Band die Gitarrenarbeit eine Spur nach vorne geschoben hat, dass sie beim Experimentieren mutiger geworden ist, dass es mehr Soundtricks, Effekte und Loops gibt, und sogar, dass der Einsatz der vielfältigen Saxophone abwechslungsreicher ist – auch wenn das Saxofon auf der Bühne womöglich etwas weniger exponiert wirkt als zu den Zeiten, als es bei Demolition Group von Joco gespielt wurde. Mehr dazu in der Rezension. Ich sage nur noch so viel: Die neuen Songs der Band klingen zu 100 % im Einklang mit ihrem Wesen und Schaffen.

Der Zuspruch: ausgezeichnet. Für eine Band solcher »Köpfe«, eine echte und wahrhaftige Alternative-Attitude, die gerade punk genug ist, um nicht zu punk zu sein, und gerade metal genug, um nicht zu metal zu sein, lugten über 600 Köpfe neugierig in die Location. Es ist eine Klientel, die man auf Konzerten mit buntem Genre-Mix antrifft, was nur eines bedeutet: Demolition Group werden von anspruchsvolleren Hörern unterstützt, die in der Musik »mehr« suchen.

Die neue Demolition Group mit dem neuen Album in der Tasche haben auf der großen Bühne des Kino Šiška einmal mehr gezeigt, was für eine Rock’n’Roll-Maschine sie sind und welche expressive Kraft ihre musikalische Rhetorik entfaltet, wenn man der Band den Raum gibt, sich auf der Bühne so richtig auszutoben. Die Jungs rund um den außergewöhnlichen Goran Šalamon haben die Dynamik bis zum optimalen Ergebnis ausgeschöpft. Unglaubliche Kinetik bringen Gitarrist Petar Stojanovič auf der linken Seite (in Blickrichtung Bühne) sowie auf der anderen Seite Tomi Gregel am Bass in die Bühnenpräsentation der Band ein – keine Sekunde stehen die beiden still. Die Rhythmussektion der Brüder Gregel bleibt eine ganz eigene Geschichte und ist geradezu hypnotisch anziehend: Sie kriecht dem Zuhörer sofort unter die Haut und macht ihn (mit ihrer ganzen zur Schau gestellten Klasse) ohne sein Wissen süchtig. Unantastbar. Was für ein »Fundament« haben sie da erneut für die Phrasen von Gitarre und Saxophonen geschaffen!  Genau dieser satte, tief verwobene Funky-Groove der Basslinien ist eines der Fundamente, das zuerst die verborgenen Seelenwinkel des Zuhörers bewegt, sie aufweckt, aufschüttelt und in das Räderwerk dieser außergewöhnlichen Musikmaschinerie aus Brežice hineinzieht. Und natürlich all diese lawinenhafte Phrasierung, wo Saxophone und fette Gitarre in einem so makellosen gegenseitigen Dialog zueinanderfinden.

Das gut zweistündige Konzert bot erneut eine erstklassige Vorstellung. Das war zu erwarten und keine Überraschung. Die Band bewegte sich auf durchaus »historische« Weise durch ihre musikalische Schatzkammer. Vom neuesten Album über ausgewählte Tracks des Vorgängers »Zlagano sonce« reiste sie im Laufe der Konzertminuten langsam in Richtung der Anfangszeit. Überraschungen gab es mit der Ballade Dež (diesmal ohne Helenca) und weiter gegen Ende des Konzerts mit Amerika sowie Gram, die im ersten Zugabenblock gespielt wurden (alle drei Songs spielte die Band auch beim Konzert vor drei Jahren, als sie in Šiška »Zlagano sonce« präsentierte). Für das absolute Finale hatte die Band zwei besonders starke Stücke ihres kreativen Schaffens aufgespart – die eigentlichen Publikumslieblinge. Temni angeli usode, wo Ivan Gregel am Schlagzeug erneut die bemerkenswerte Präzision einer »Schweizer Uhr« manifestierte (der Mann hat ein außergewöhnliches Gespür und Sinn für Rhythmik), und natürlich (im Hinblick auf die bekannte Art-Visitenkarte der Band) die erotogene Blues-Messe, bei der die Mädels besonders ins Schwärmen gerieten. Das ist natürlich der Song Ljubiva za svet.

Das sechste Bandmitglied und Tontechniker Matjaž Pegam setzte erneut das i-Tüpfelchen auf die hervorragende Bühnendarbietung der Band und verlieh mit seiner gewieften Aufmerksamkeit dem Bühnenklang den perfekten Glanz – ein Klang, der im Kino Šiška so manchem Tontechniker ein echter Dorn im Auge sein kann. Die Band erblüht, und der donnernde, ikonische Goran agiert auf den Schwingen dieser jungen Garde von Weggefährten regeneriert, erneuert, verjüngt, schon fast ein bisschen verschmitzt. Als wäre er neu geboren. Wieder grenzenlos getobt! Weitere Worte erübrigen sich. Es bleibt eines: Demolition Group in jedes slowenische Dorf! »Pojdiva tja«! »Wohin?« »Na, zum Konzert von Demolition Group doch.« Das bleibt weiterhin das grundlegende Postulat für die Band, auch in ihrer neuen Ära, mit dem neuen Album in der Tasche und anstehenden Konzerten. Mit einer erweckenden Poesie von außergewöhnlicher Aussagekraft und dem geradezu sprichwörtlich donnernden Format der Songs bleiben Demolition Group eine der stärksten musikalischen Entitäten, die noch immer unerschütterlich die Böden des slowenischen Musik-Undergrounds und darüber hinaus zum Beben bringen. Der gesamten Balkanhalbinsel. Die Zukunft liegt für die Band also weit offen, und die neue Demolition Group fliegen wie Vögel. Frei vorwärts! Auf den Schwingen beherzt-kühnen Mutes, angetrieben vom unverdorbenen Kraftstoff artistisch furchtloser Herzhaftigkeit.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setliste:
1. Vse je tu
2. Zvezde onstran
3. Korak nazaj
4. Napačna midva
5. Grozno sam
6. Preveč vsega
7. Nostalgija
8. Se vidiva jutri
9. Pojdiva tja
10. Kaplja
11. Dan brez
12. 99
13. Kapital
14. Lažje je imeti psa
15. Včasih tko
16. Gospodar
17. Planet starcev
18. Mesečina
19. Neovangelij
20. Nimam rad boga
21. Zlagano sonce
22. Dež
—Zugabe I.—
23. U tvojim očima
24. Amerika
25. Gram
26. Japanci rade za nas
—Zugabe II.—
27. T.A.U. (Temni angeli usode)
28. Ljubiva za svet


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