Smoods
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: BRO
Label: Celinka
Erschienen: 2013
Spielzeit: 59:08
Bewertung: 4.5/5
Mate Brodar »Bro« braucht keine lange Vorstellung. Die eine Hälfte von Da Phenomena, ehemals die rechte Hand von Magnifica und vieler slowenischer »federleichter Pop-Acts«, die neben sich die besten Arrangement-Helfer brauchen, meldet sich mit dem zweiten Solo-Studioalbum »Smoods« zurück.
Bro ist ein außergewöhnlicher Musiker. Ein begnadeter Musiker. Er hat ein feines Ohr, ein außergewöhnliches Gespür für Melodie und Arrangement – und was das Entscheidende an seiner musikalischen Klasse ausmacht: sein Kopf ist ständig voll verwertbarer Ideen. Ideen, die reif zur Umsetzung sind. Mate hat stets eine besondere Affinität zu Reggae-Rhythmen und -Melodien gepflegt. Da in der Klanglandschaft, die er auch auf dem zweiten Album bietet, überall gerne Echos nachhallen, trägt auch das neue Album eine Dub-Mähne. Rechne dazu noch die Lehrstunden bei Magnifica und die Studio-Trips mit Da Phenomena, und die ganze Geschichte um den Charakter des Albums »Smoods« landet irgendwo in der goldenen Mitte.
»Smoods« vertieft die auf »Serious Reggae Deviations« gesetzten expressiven Ausgangspunkte und liefert musikalisch ein noch klarer definiertes persönliches Bekenntnis-Dokument von Matej Brodar. Der Kern des Ganzen bleibt positiv strahlende musikalische Vibration. Ein entspanntes Aneinanderreihen kurzer, leichtfüßiger, aber prägnanter Gesten und spielerischer, unbekümmerter Verschmitztheit ins Getriebe simpler rhythmischer Strukturen und melodischer Motive mit Pop-Ansteckungspotenzial – in denen sich dabei enorm viel Raum findet für die Entfaltung feinsinniger Einfälle zur Bereicherung der Arrangements und zur optimalen Ausnutzung der Klanglandschaft jedes einzelnen Tracks. Der erste tragende Baustein ist der außergewöhnliche Einsatz einer melodischen, bewegten und dynamischen Basslinie, die mit Wärme und Weichheit eine Kontrastfarbe und Charisma in die musikalische Kultur des Albums »Smoods« haucht. Dazu kommt das »Ausschmücken« des verfügbaren Raums mit Sample-Loops, die bereits erwähnte Nutzung des Echo-Effekts (Dub) sowie eine clevere, aber wirkungsvolle Integration von Jazz-Elementen (Indica). Das Album trägt durch seine Vollgepacktheit mit den verschiedensten Effekten (lies: »Apple« macht Wunder) das Gefühl, als würden darauf ständig »Kaffee- und Gebetsmühlen« drehen – viele Passagen sind meisterhaft auch mit dem Einsatz verzerrter Sprachsamples gewürzt. Die Note der Luzidität ist klar hervorgehoben. Einer der stärksten Momente des Albums in dieser Hinsicht ist definitiv »Chinese Man«, wo die Vokallinien absichtlich »miauzend« verzerrt sind bis an die äußerste Grenze einer verschmitzten melodischen Figur, die solche Manöver in einem anderen musikalischen Umfeld in die Nähe der vokal-szenischen Show-Exzesse des »eighties« King Crimson mit Belew am Mikro rücken würde.
Bros jungenhaft gefärbte Stimme funktioniert im musikalischen Gefüge des Albums »Smoods« ausgezeichnet. Sie kriecht einem fest unter die Haut in der hypermelodischen Eröffnung »Runaway« (und ebenso in der geschwisterlichen Reprise der slowenischen Version des Tracks, »Brani me«). Bro liefert auf dem Album gleich drei verschiedene Versionen seiner eigenen Adaptionen des Siddharta-Standards Lunanai. Seinen Einfallsreichtum versteckt Bro nicht bei der gelungenen Anpassung des Originals »New Light In My Eyes« an die verführerischen Anforderungen eines Reggae-Standards. Die »Hall«-Version, auf Dub-Art zurechtgestutzt, ist kein bisschen weniger unterhaltsam, und für die dritte Version von »Lunanai« springt Trkaj als Special Guest aufs Album. Eine ähnliche Machart wie bei den slowenisch-englischen Versionen von »Runaway« und »Brani me«.
»Bass in the Face« trägt das Grundmotiv fast im Stil »Steely Dan trifft Toto« und liefert eine starke Mischung aus vielschichtigem Dialog zwischen Jazz, Swing, Pop und Hip-Hop, der sich im Glanz völliger Unberechenbarkeit experimentellen Abenteurertums entfaltet – und damit einen der interessantesten Momente des Albums darstellt.
Das Album »Smoods« hat bereits ordentlich Promo bekommen, mit drei Videos für drei Singles (»Lunanai«, »Brani me«, »Razsta«). Es ist ein Album von ausgesprochen positiver Vibration, das eine außergewöhnliche Kombination aus Melodiegefühl, einem festen, aber organisch abgestimmten rhythmischen Gerüst und der Einbettung komplexer Klangfiguren besitzt, die in ihrer experimentellen Herausforderung die dynamische Komponente der ausdrucksstarken Vielschichtigkeit des Albums auf genau die richtige Ebene heben. Jazz-, Funk- und Swing-Elemente sind da (gelegentlich hackt auch die Gitarre rein), mit feinem Gespür an die richtigen Stellen gesetzt – und auf dieser Grundlage behält das Album durchgehend eine bemerkenswerte Zugänglichkeit für den Hörer. Die kompakten und melodisch zündfähigen »Sanis«, »Razsta«, »Brani me« sind für die dauerhafte Rotation auf Radiowellen geboren, und mit der »Chill-out«-Konnotation des raffinierten Einsatzes von Jazz-, Dub-, Funk- und auch Blues-Elementen machen sie klar, dass Bro die Sache als großer Perfektionist mit breitem musikalischen Horizont angeht. »Smoods« ist ein Dokument, mit dem Bro als Solokünstler seine eigenständige künstlerische Haltung effektiv festigt. Es wirkt noch reifer und definierter als der ohnehin sehr solide erste Studio-Release.
Besetzung
Mate Brodar „Bro“ – Gesang, FX-Samples, Bassgitarre, Gitarre, Keyboards, Vocoder, Clavinet
MITWIRKENDE MUSIKER:
Davor Klarič – Keyboards
Marko Črnčec – Klavier
Jernej Kržič – Bassgitarre
Jani Hace – Bassgitarre
Brina Nataša Zupančič – Violine
Matej Horvat „Mato“ – Schlagzeug
Martin Janežič „Buco“ – Schlagzeug, Perkussion
Metod Banko – Gesang
Polona Leben – Gesang
Mojca Zalar – Gesang
Junior Tshaka – Gesang
Jah Mason – Gesang
Trkaj – Gesang
Buda – Gesang
Grega Kozar – Saxofon
Tadej Košir – Gitarre
Produktion
BRO und Matej Gobec