Kratko ampak sladko
Künstler: Pastichon
Label: Macefizelj
Veröffentlichung: 2012
Laufzeit: 37:00
Wertung: 2.5/5
Hier kommen die Wattestäbchen zum Bohren in den Tiefen eurer Gehörgänge! Das Quartett Pastichon ist eine relativ junge Band. Die Mitglieder sind seit gut fünf Jahren im Musikgeschäft aktiv. »Kratko ampak sladko« ist ihr eigenständiges Studio-Debüt. Das klassische Rock-Line-up aus Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang bietet ein Konglomerat aus neun Songs, durchdrungen von reichlich Pop-Rhetorik. Der Gesang ist weiblich. Rechnet man das alles zusammen, liegt die Wahrheit irgendwo zwischen Pop und Rock. Zweifellos handelt es sich um ein Quartett qualitativ starker Musiker, und das versteckt diese Platte auch nicht – doch im kompositorischen Sinne gelingt es dem Quartett nicht, klare charakterliche Ausgangspunkte herauszuschälen, an denen man in Pastichon eine Band erkennen würde, die eine unverwechselbare Identität mit einem eigenen musikalischen Ausdruckscharakter entwickelt. Zumindest noch nicht. Das bedeutet nicht, dass »Kratko ampak sladko« in qualitativer Hinsicht nicht standhält. Es hält stand, das Problem liegt jedoch in seiner Vorsicht, der vorhersehbaren Schablonenhaftigkeit und Generizität.
Die Produktion ist präzise, klar und warm genug in der Klangfärbung. Die Bausteine sind untereinander kontrastiert, mit dem weiblichen Gesang in einer klar zentralisierten Position. Maša ist eine sehr gute Sängerin, sie besitzt ein Gespür für Soul- Improvisationsfiguren, worauf schon der Blues-Rock-Einschub des eröffnenden Heavy blues aufmerksam macht – noch ausgiebiger funkelt dieses Talent im funky unterlegten Svet, während der Rest so oder so von Improvisationsfiguren der Sängerin durchzogen ist. Das Problem ist ein einziges. In den höheren bis höchsten Lagen wird dieser Gesang dünner, zeitweise piepsig – was störend und irritierend wirkt. Leider ist Maša weder Glenn Hughes noch Tina Turner, als dass ihre Vokalinterpretation den Hörer »erschüttern« könnte. Im gegebenen Arrangierumfeld funktioniert das also nicht vollständig kompatibel, und darin blitzt auch die Tatsache auf, dass Pastichon sich ausdrucksmäßig noch suchen und formen.
Obwohl die Band keine Anzeichen dafür zeigt, dass ihre Mitglieder mit den Klängen der guten alten Hard-Rock- und Blues-Rock-Schule aufgewachsen sind, ist die vorbildliche Produktion am Ende auf ein gefälliges Pop-Sentiment beschränkt, das dem Wunsch der Band entgegenkommen soll, sich potenziell irgendwo im Umfeld slowenischer Mittelwellen-Pop-Rock-Bands zu verankern. Wenn die Gitarre rockartig aufbrüllt, wenn der Rhythmus in die Schwingungen eines kokett-funkigen Charakters springt (Trouble), bremsen Vorsicht und der Wunsch zu gefallen – durch den Einsatz von Pop-Sound-Elementen, dessen Süße der weibliche Gesang noch vertieft – die Entwicklung des Rock-Gradienten aus; Letzterer hätte sich in einem sterileren Umfeld mit viel weniger oder gar keiner Rock-Würze im heutigen Soul und R&B besser behauptet.
Der Song Psiho in der Albummitte deutet mit einem längeren instrumentalen Einschub darauf hin, dass die Band definitiv bei vielen Proben mit stundenlangen freien Jam-Improvisationen gereift ist. Das Quartett ist also nicht von gestern, und Erfahrung steht dahinter. Genau solche Momente wie in Psiho deuten darauf hin, dass die Band im künstlerischen Bereich künftig mehr musikalische Spannung bieten kann – die Frage ist, wie viel Mut der musikalische Intellekt der Mitglieder aufbringt und wie groß der Hunger nach dem Herausfordern des kreativen Geistes ist.
»In sanjam in čutim« ist womöglich der Ausgangspunkt, auf den sich die Band stützen könnte, um ihre unverwechselbare künstlerische Ausstrahlung in Zukunft zu schärfen. In diesem Song riecht die Gitarre wieder nach Retro-Hard-Rock, der Song wird effektiv von einer dynamischen und melodisch beschlagenen Basslinie gestützt, rhythmisch wagt er sich sogar an ein paar Tempowechsel. Und er fließt schön. Der Soul-Gesang fügt eben jenes Quäntchen Pop-Charakter hinzu. Eben diese Beobachtung, der ihr beim Hören des Albums nicht entkommen könnt, wird die Hörer spalten: in jene, die lieber sehen würden, dass Pastichon die Süßlichkeit ablegen und einen Klang der Retro-Heavy-Rock-Destruktivität mit einer starken, autoritativen Stimme kreieren – und als Gegengewicht zur ersten Option auf der anderen Seite derselben Geschichte jene, die noch mehr Soul-Pop-Purismus fordern werden..
Pastichon haben mit ihrem Debüt bewiesen, dass sie definitiv qualitativ starke Musiker und solide Arrangeure sind – doch sie müssen noch den Ausgangspunkt einer Entwicklungslinie finden, die den musikalischen Ausdruck eines eigenständigen Artismus wirksam transportiert, was eine Garantie für mehr Anziehungskraft wäre, insbesondere für anspruchsvollere Hörer. In dieser Hinsicht wäre es besser, wenn sie den Sound abstreifen und sich eher in Richtung Rock als Pop weiterentwickeln, denn bis heute haben es in dieser neuen Ära eine ganze Reihe ähnlicher, schnell vergesslicher slowenischer Bands wenig erfolgreich – vor allem aber kurzlebig – versucht.
Besetzung
Maša Simčič – Gesang
Anton Kljun – Gitarre
Jernej Podlogar – Bass
Primož Hadalin – Schlagzeug
Produktion
Pastichon & Simon Jovanovič
Trackliste
1. Heavy blues (3:13)
2. Poletje (3:35)
3. Svet (3:23)
4. Trouble (3:20)
5. Psiho (5:42)
6. In sanjam in čutim (3:30)
7. Hej srček (3:37)
8. Kratko ampak sladko (4:54)
9. Ami (5:42)