Hard Rock Live

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Künstler: Bad Company
Erscheinung: 2010
Laufzeit: 79.28
Wertung: 3/5

Reichlich Begeisterung löste die Nachricht von der Wiedervereinigung der Genre-Titanen, der großen Bad Company, unter Blues-Rock-Fans aus. Das große Ereignis fand vor knapp zwei Jahren statt, genauer gesagt am 8. August 2008 in der Hard Rock Live in Hollywood, Florida, wo die alten Haudegen Paul Rodgers, Mick Ralphs und Simon Kirke (Boz Burrell verstarb leider 2006) wieder zusammenkamen und bei dem damals noch einzigartigen Einmalkonzert die Standfestigkeit der größten Hits der Band auf die Probe stellten.

„Hard Rock Live“ enthüllt rasch die Kräfteverhältnisse des Bühnentreibens beim wiedergeborenen Bad Company-Zirkus. Sofort fällt der Kontrast zwischen Paul Rodgers‘ exzellenter Form und der andererseits doch recht vorsichtigen, bisweilen geradezu lässigen Haltung seiner Instrumentalbegleitung ins Ohr. Widmen wir uns zuerst dem Ersteren: Erfreulich ist vor allem, dass Pauls Stimme in allen erprobten Lagen souverän bleibt. Sein unverwechselbares Vokalspiel bleibt Opium für eingefleischte Blues-Rock-Fans — inspiriert, voller spontan eingestreuter improvisierter Windungen und Variationen über eingängige Melodien, dazu pflegt er die auf Hochglanz polierte Showman-Formel, eine starke Bindung zum Publikum aufzubauen. Bei einem so starken Vokal ist das Auftürmen von Gefühlswolken in „Ready For Love“ und „Seagull“ nur noch eine Frage der Formalität. Das Duo Ralphs/Kirke hingegen bleibt vor allem dank der Zurückhaltung des Ersteren allzu oft in der Routine des gewissenhaften Nachspielens der Originalaufnahmen gefangen. Nun, zum Glück verschwinden alte Gewohnheiten nicht von heute auf morgen. Micks „touch“ bleibt, auch im modern ausgerichteten Produktionsgewand mit spürbar betonter Aktivität im unteren Tonregister, das bedrohlicher klingt als je zuvor, überwiegend empfänglich für dreckige und deftig gewürzte Impulse, die sich traditionell gut mit der neckischen rhythmischen Schlichtheit des Kollegen am Schlagzeug vertragen. Ein schönes Beispiel dieser Symbiose ist „Live For The Music“. Ralphs verliert stellenweise tatsächlich etwas an Schärfe — besonders entspannt fallen seine „Spaziergänge“ durch „Honey Child“ und „Simple Man“ aus, und etwas mehr Kühnheit von ihm würde auch „Gone Gone Gone“ sicher gut zu Gesicht stehen. „Hard Rock Live“ liefert eine eindrucksvolle Bestätigung, dass der Schwerpunkt der fruchtbarsten Bad Company-Phase in der Frühphase der Band liegt, also zur Zeit der heute kultig verehrten Alben „Bad Company“, „Straight Shooter“ und „Burnin‘ Sky“. Etwas glaubwürdiges Gebell fügte dem Geknurre der Bad Co.-Meute das eigentlich völlig entbehrliche „Desolation Angels“ hinzu, vor allem dank des anomalen Aufblitzens von „Rock & Roll Fantasy“, das hier, gefangen im Schraubstock eines eindrucksvollen Gitarrengebräus, noch eine Spur vitaler und frischer klingt.

„Hard Rock Live“ kommt ohne Füller aus! 17 ausgewählte Songs bezeugen die Außergewöhnlichkeit des Bad Company-Katalogs, der bei einer hinreichend souveränen, wenngleich stellenweise durchaus vorwiegend routinierten Darbietung die Spannung ab dem Opener „Bad Company“ aufrecht erhält. Keine Frage: Wer die würzigeren Bad Co.-Aromen gewohnt ist und nach einer konkreteren Portion Aufregung verlangt, wird lieber zu „Live in Albuquerque 1976“ greifen, das Rodgers und seine Kollegen auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Kräfte einfängt. Gut 30 Jahre später ist ein Vergleich mit „Hard Rock Live“ natürlich unangemessen — dennoch erfreut die Tatsache, dass das Album alles andere als das Zeugnis einer Wiedervereinigung gelangweilter Musiker ist, deren Grundmotiv einzig der Wunsch nach zusätzlichem Verdienst wäre. Auf jeden Fall ein gutes Vorzeichen für die diesjährige Tournee durch Großbritannien. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass vom Schwung der Insel-Tournee auch genug übrig bleibt für einen Abstecher in die Arme Mitteleuropas.

Besetzung

Paul Rodgers: Gesang, Gitarre, Klavier
Mick Ralphs: Gitarre
Simon Kirke: Schlagzeug

Gastmusiker:

Howard Leese: Gitarre
Lynn Sorensen: Bass

Produktion

Bad Company

Tracklist

1. Bad Company
2. Honey Child
3. Burnin‘ Sky
4. Gone Gone Gone
5. Run with the Pack
6. Live For The Music
7. Seagull
8. Feel Like Makin‘ Love
9. Movin‘ On
10. Simple Man
11. Rock Steady
12. Shooting Star
13. Can’t Get Enough
14. Rock N‘ Roll Fantasy
15. Ready for Love
16. Good Lovin‘ Gone Bad

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