Far Ma

0 7

Künstler: Crazed Farmers
Label: Radio Študent
Erschienen: 2009
Laufzeit: 42.57
Wertung: 3.5/5

Die heimischen Durchgeknallten, die auf den Namen Crazed Farmers hören, melden sich nach drei Jahren mit dem Album „Far Ma“ zurück. Das dritte Diskografie-Kapitel der Band befördert den alten Recken Simon Vene an den ersten Mikrofon-Posten der „Bauern“ — er hat Žiga Jenk als Haupt-Vokal-Sadisten abgelöst. Wie auch immer: Nennenswerte Änderungen in der stilistischen Ausrichtung wagen Crazed Farmers nicht, sondern bleiben ihrer erprobten Formel eines unnachahmlichen musikalischen Nervtötens treu, das sein volles Folterpotenzial wohl erst in den Händen eines Dr. Mengele vollständig entfalten würde.

Crazed Farmers ducken sich weg und greifen dann an, wenn du es am wenigsten erwartest. Ihre Hauptwaffe ist zweifellos eine verzweifelte Lärmorgie aus organischem Rock-’n‘-Roll-Puls, der vom urwüchsigen Ein-Takt-Massaker eines schroff-sturen Punkrock-Diktats bis hin zu spontanen Ausbrüchen kakophonischer, fast free-jazzig ausgerichteter Melodieschnörkel reicht, die weder Ordnung noch irgendeine greifbare musikalische Form kennen. Crazed Farmers treibt es scheinbar unkontrolliert in alle möglichen Richtungen. Die Kerle in der ersten Reihe zotteln getragen von der kompromisslosen Basslinie Boštjan Benčičs und dem ungezähmten Gehämmer Mirko Nežmahs durch verrauchte Kanäle des Rockunterrunds. Hier zapfen sie verschiedene Subgenre-Umgebungen an, die sie in einem einzigen Zug zu einer ihnen eigenen Orgie aus Gitarrensatz und schreienden Vocals verleimen. Dazu kommt die lästige Anwesenheit eines verdächtig klingenden, blasinstrument-verwandten Apparats orientalischen Ursprungs, der auf weiten Strecken des Albums mit unverminderter Entschlossenheit in die Ohren schneidet und Songs wie „HC“ oder dem verwandten „One Two Ex Yu“ eine gehörige Portion urwüchsiger Verstimmtheit verleiht. Durch die Linse dieses schizophrenen Musikhandwerks mangelt es hier wirklich nicht an Exzessen. Auf den Schwingen einer besorgniserregenden mentalen Verfassung des Vokals sät „Uč“ den Schrecken — und dreht sich trotz zahlreicher cholerischer Wendungen um den gleichen holprigen Strudel, ohne sich einen Zentimeter vom Fleck zu bewegen. Damit das Ganze nicht nur als verrückte musikalische Verirrung eines Sextetts von Landeiern wirkt, die beim ordentlichen Mistschaufeln auch noch den letzten Rest Verstand verloren haben, widmet sich „Far Ma“ mit Songs wie „You 2“, „Let It Beat“ und „Dead Gun“ am Ende auch konstruktiv einer eigenartigen Rekonstruktion grundlegender Punk- und Stoner-Formen.

„Far Ma“ ist das Album, das Crazed Farmers in Reichweite jener seltenen Glücklichen mit ausgesuchtem Musikgeschmack halten wird. 18 ausgewählte Motive hauen dich in gut 42 Minuten über die Knie, und nach dieser — daran zweifle ich nicht — einzigartigen Hörerfahrung wirst du den Besuch bei der nächsten Psychiatrie kaum vermeiden können. Guantanamo, here we come!

Besetzung

Simon Vene: Gesang
Dario Cortese: Gesang, Blasinstrument
Mihael Kunčič: Gitarre
Borut Benčič: Gitarre
Boštjan Benčič: Bass
Mirko Nežmah: Schlagzeug

Produktion

Bojan Babić

Tracklist

1. Ok
2. 2 4 8
3. Hc
4. One Two Ex Yu
5. Uč
6. Nirvana
7. 80’s
8. Uni Verse
9. Dead Gun
10. You 2
11. Odsev Kovine
12. Born In The Day
13. Let Iz Beat
14. 5 Seconds
15. Impro Four
16. Run
17. Helmet
18. Easy M

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies