Sanje podob

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Autor: Peter Podbrežnik

Band: Zmajev rep
Label: Sanje
Erscheinungsjahr: 2007
Bewertung: 3.5/5

Zmajev rep sind vier junge Musiker aus Bistrica ob Sotli, die mit ihrem dritten Album „Sanje podob“ (gerade für slowenische Verhältnisse) ein richtig solides und unverhohlen ehrgeiziges Werk für alle Fans hochwertiger, aussagestarker Instrumentalmusik abliefern. Auch wenn ihre Musik stilistisch nicht festgelegt ist, würde ich sie am ehesten im Jazzrock-Fusion verorten, mit Schwerpunkt auf kürzeren, einzelnen Improvisationen. Dieser jazzbasierte Ansatz ist übrigens bei den allermeisten unserer leider sehr wenigen progressiv ausgerichteten Bands zu finden, die vor allem zum eigenen Vergnügen spielen und sich nicht um künstlerische Rahmen und die kommerziellen Mausefallen des heutigen aggressiven turbokapitalistischen Musikmarkts scheren, wo die Verpackung zählt und nicht der Inhalt.

Die Musik auf „Sanje podob“ steckt voller spannender instrumentaler Variationen und freier Formen, die sich trotz ein paar obskurer Sounds die meiste Zeit an ein melodisches Hinterland halten, sodass das Album dich bestens unterhält, egal was du gerade nebenbei treibst. Trotz des Titels bietet die Stimmung allerdings wenig Raum zum Träumen, denn Zmajev rep wissen mit energischen Motiven ordentlich „Feuer unterm Schwanz“ zu machen. Die einzelnen Musiker bringen eine schöne Portion Virtuosität mit, dazu ein feines Gespür für Melodie, und dafür gebührt ihnen wirklich Lob. Gitarrist Andrej Boštjančič-Ruda mag witzige Soli genauso gern wie obskure Passagen; man könnte sagen, er sorgt für das zentrale Rock-Element ihrer Musik, wirkt dabei aber bei Weitem nicht dominant. Lob verdient auch Keyboarder Ambrož Božiček, der sich meist an den Grundsound und an melodische Arrangements hält, sich aber hin und wieder auch zu solistischen Spielereien hinreißen lässt. Die Rhythmusfraktion aus Vid und Jošt Drašler ist ebenfalls grundsolide, aus echter Jazzschule. Joštos Bass spielt fast die ganze Zeit eine enorm wichtige Rolle für die gespannte Atmosphäre und die instrumentale Lebendigkeit.

Die einzelnen Stücke auf dem Album spiegeln die inneren Gefühle der Bandmitglieder wider, die sie während der Aufnahmen durchströmten, weshalb man der Musik mangelnde Authentizität und Spontaneität kaum vorwerfen kann. Die Strukturen unterscheiden sich spürbar voneinander, vor allem durch die vielen interessanten, abwechslungsreichen und witzigen Soloeinlagen der einzelnen Bandmitglieder. So erwartet uns etwa im Stück „Misel na begu“ eine witzige Passage auf den Keyboards, „Padec po stopnicah“ ist beinahe klassischer Jazz Fusion und „Oprostite“ ist wieder eine ziemlich obskure Nummer, in der sich schwere Töne allmählich in leichtere Formen verwandeln. Irgendwelche ausufernden Improvisationen bieten Zmajev rep nicht, und bis zum vollständig professionellen Ansatz braucht es noch etwas Arbeit. Aber ihre Musik atmet im Gegensatz zu den meisten unserer verwandten Experimentalbands die ganze Zeit mit vollen Lungen und strahlt so viel Spontaneität aus, als wären ihnen die Ideen beim Aufnehmen erst on the fly gekommen. Von all den legendären Jazzrock-Fusion-Bands ist in ihrer Musik am deutlichsten der Einfluss des großen „Gurus“ John McLaughlin und seines Mahavishnu Orchestra zu spüren, was für eine junge Band mit Sicherheit ein verdammt guter Rucksack für den Weg ist.

Die Produktion klingt ziemlich lebendig, und man merkt, dass die Stücke live aufgenommen wurden, im ersten oder zweiten Anlauf. Zmajev rep sollen das Album nämlich tatsächlich in der Küche eingespielt haben. Deshalb trägt die Musik von „Sanje podob“ genau diese Lockerheit und das Heimelige der Umgebung in sich, in der sie entstanden ist. Zmajev rep haben ein richtig solides Werk geschaffen, das unserer armseligen Musikszene, der es ständig an progressiv ausgerichteten Bands fehlt, die in ihrer Musik Wert auf Neues, Vielfalt und Aussagekraft legen würden, wenigstens einen Tropfen der nötigen Frische bringt, auch wenn das im Meer des hochwertigen internationalen Jazz Fusion, der vor allem in den 70ern blühte, nur ein winziger Spritzer im Ozean ist. Zmajev rep haben so manches, was den meisten unserer Experimentalmusiker heute fehlt (mit der Entscheidung, nur Instrumentalmusik zu machen, haben sie übrigens einen sehr guten Zug gemacht, denn bei den meisten slowenischen (Prog-)Rock-Sängern, egal in welcher Sprache sie singen, wird mir oft schlecht). Ihr breites instrumentales Können haben sie erfolgreich mit jener Spontaneität verbunden, die normalerweise aus freien Gruppen-„Jams“ erwächst. Die Jungs haben genug gute Ideen, und einerseits ist es schade, dass sie hierzulande wohl am Rand der Obskurität und bei einer Handvoll Fans von instrumentalem Fusion hängen bleiben werden. Im Ausland würde ihre Stimme garantiert viel weiter reichen als in unserem slowenischen Hühnerstall, wo sich die Leute lieber der „Musik“ hingeben, die mit ihrem hirnlosen Primitivismus Gehirnzellen auffrisst, während die übrigen beim Gucken irgendwelcher Reality-Shows absterben.

Besetzung

Andrej Boštjančič-Ruda – Gitarre
Jošt Drašler – Bassgitarre
Ambrož Božiček – Keyboards
Vid Drašler – Schlagzeug

Produktion

Andrej Hrvatin

Tracklist

1.) Begne
2.) Prva soba
3.) Mravlje
4.) Tara Didlova
5.) Misli na begu
6.) Padec po stopnicah
7.) Oprostite
8.) Preobrazba
9.) Maske v preoblekah

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