Goodbye
Künstler: Cream
Label: Polydor Records
Veröffentlichung: 1969
Cream galten von Anfang an als eine dieser Bands, die keine Kompromisse eingehen. Und wenn das zu Beginn ihres Weges vor allem für ihre „Live“-Auftritte galt, begann sich bald Ähnliches auch in den Beziehungen untereinander abzuspielen. Bis zum Sommer 1968 hatten sich die ohnehin schon schwer angeschlagenen Verhältnisse nämlich so zugespitzt, dass die Band bald ihren Abschied von den Bühnen verkündete – der fand am 26. November in der Londoner Royal Albert Hall statt. Trotzdem steckt in Goodbye wieder jede Menge grandioses Zusammenspiel, und das Album zeigt die Energie, die für das „größte Trio aller Zeiten“ typisch ist, wie wir es so gern nennen.
Goodbye, erschienen im März 1969, ist im Grunde ein „posthumes“ Album, eine Art Abschiedsgeschenk, das zumindest ein bisschen die Legionen von Fans besänftigte, die sich noch immer nicht mit dem Ende der Band abfinden konnten. Trotz allem ist Goodbye eine beneidenswerte Leistung, auf die die Jungs stolz sein können, und gleichzeitig der Beweis, dass sie nach wie vor auf dem für sie gewohnt hohen Niveau Musik machen konnten. Dieses „Auf Wiedersehen“ nimmt uns zuerst mit drei Live-Aufnahmen von der letzten Tour mit, die ein typisches Bild der Wucht ihrer Auftritte zeichnen, mit einem wichtigen Unterschied. Zum ersten Mal ist nämlich eine Kluft spürbar, die die einzelnen Mitglieder jeweils in ihre eigene Ecke stellt, von wo aus sie eher auf Distanz miteinander abrechnen. Das heißt zwar nicht, dass sich die Jungs auf ihren Lorbeeren ausgeruht hätten, aber vor allem bei I’m So Glad fällt das interessante, disharmonische Dahintreiben von Jack Bruces Basslinie auf! Offensichtlich wollen die Jungs die Monotonie aufbrechen, aber als Einzelne ziehen sie dabei überall in ihre eigene Richtung. Spannend und ordentlich aufgedreht sind Politician und Sitting On Top Of The World, vor allem Letzteres, bei dem dank Jack Bruce die Erde kräftig bebt. Die Darbietung dieser drei Perlen ist zwar wie gewohnt hervorragend, übertrifft aber trotzdem keineswegs den Live-Teil von Wheels Of Fire.
Als der bessere Teil des Albums gelten die letzten drei Stücke, unter denen vor allem What A Bringdown heraussticht, das als einer der stärkeren Momente des Albums gilt, sowie der Abschiedshit Badge, den neben Clapton kein Geringerer als George Harrison geschrieben hat. Ein Song, der wie eine Vorankündigung von Erics weiterem Weg als Solokünstler wirkt und mit seiner geheimnisvollen Energie zum Nachdenken anregt. Das letzte Wort, zumindest was Cream betrifft, will mit Doing That Scrapyard Thing auch das Duo Bruce – Brown haben, das wie viele ihrer früheren Werke witzig-schräg daherkommt und gleichzeitig stark an eines der letzten Stücke der Beatles erinnert. Die überall stark präsente Atmosphäre, die intensiv nach traurigem Abschied riecht, spiegelt sich am schönsten im bereits erwähnten What A Bringdown wider, auf das Ginger Baker als Autor wirklich stolz sein kann. Bruce zeigt mit seinem tiefen, gefühlvollen Gesang noch ein letztes Mal seine ganze Meisterschaft, die er mit Claptons und Bakers Hilfe in eine Fantasie verschmilzt, die sich als perfekter Abschluss und mehr als würdiger Abschied dieses einmaligen musikalischen Kollektivs erweist, das für einige der besten Werke der Musik überhaupt verantwortlich ist und auf den Namen Cream hört.
Besetzung
Eric Clapton: Gitarre/Gesang
Jack Bruce: Bass/Gesang
Ginger Baker: Schlagzeug
Produktion
Felix Pappalardi
Tracklist
1.I’m So Glad
2.Politician
3.Sitting On Top Of The World
4.Badge
5.Doing That Scrapyard Thing
6.What A Bringdown
Spielzeit: 30.22