The Art of Touring (drunk and sh**ty in every city
Autor: Rok Klemše
Künstler: Shadows Fall
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2005
Shadows Fall sind heute eine der meistverkauften Bands im Metal und wahrscheinlich sogar die besten Vertreter des Sounds der New Wave of American Heavy Metal (NWoAHM). Ihr 2004 erschienenes Album The War Within ist die meistverkaufte Platte von Century Media und ging über 200.000 Mal über den Ladentisch. Vor dir liegt jetzt die Vorstellung der ersten DVD der Band aus dem Jahr 2005. The Art of Touring wurde zwischen 2002 und 2004 auf der Tour zum Album The Art of Balance aufgenommen, und zwar in den USA, in Europa und in Japan.
VIDEO:
Shadows Fall haben schon vor Erscheinen dieser Scheibe eifrig beteuert, dass sie Bootleg-Aufnahmen draufpacken wollen, und genau das haben wir auch bekommen. Leider aber wirklich nur das. Die Videoqualität ist erbärmlich, die Farben sind komplett ausgewaschen, das Bild ist körnig, sogar nervige Nachtaufnahmen haben sie mit reingepackt. OK, die Jungs haben sich eben entschieden, nicht nur ein komplettes Konzert zu filmen, sondern Material von der ganzen Tour einzubauen. Das ist völlig in Ordnung, wenn sie es nicht auf die denkbar schlechteste Art gemacht hätten. Der Großteil der Konzertaufnahmen stammt nämlich aus ein und derselben Halle, und dazwischen sind mehr oder weniger zufällig Schnipsel aus mehreren anderen Konzerten reingeworfen. Nervig? Und wie. Um das Maß vollzumachen, findet man kaum eine Aufnahme, die mit mehr als nur einer Kamera gedreht wurde. Statt eines professionell gefilmten Konzerts gibt es einen oder, hoppla, sogar zwei Blickwinkel, und die sind dann auch noch mit statischer Kamera aufgenommen. Wo ist wenigstens ein Zoom und ein bisschen Dynamik, wir leben doch im 21. Jahrhundert, im Zeitalter modernster Digitaltechnik.
AUDIO:
Wenn schon das Video bitter enttäuscht hat, kann wenigstens der Sound die DVD retten. Denkste! Verfügbar ist nur 2.0 Dolby Digital. Wie sowas passieren kann, in Zeiten, in denen mindestens 5.1 Dolby Digital schon fast Standard ist, ist mir schleierhaft. Aber damit ich nicht zu anspruchsvoll rüberkomme, nehme ich auch das hin… Ja, wenn die Tonspur wenigstens halbwegs ordentlich wäre. Leider ist sie davon meilenweit entfernt, der Sound ist schlichtweg katastrophal. Wenn diese Tonspur irgendein Mixing oder irgendeine Produktion durchlaufen hat, soll mich auf der Stelle der Blitz treffen. Es wirkt, als wäre die digitale Tonspur direkt von der Kamera übernommen worden, ohne jede Bearbeitung. Der Gesang von Brian Fair ist extrem schlecht zu hören und undeutlich, die Backing Vocals hört man nur zur Probe. Die Bassgitarre scheint gar nicht da zu sein, etwas besser hört man zumindest die wilden Gitarrenlinien von Jonathan Donais. Ich frage mich auch, warum der Drumsound so schlecht ist. Mit einem Schlagzeuger wie Jason Bittner, der schon mehrfach ausgezeichnet und von der Kritik über den grünen Klee gelobt wurde, könnte man doch wirklich punkten. Was anderes, als auch dem Sound ein dickes Minus zu verpassen, bleibt mir also nicht übrig.
INHALT:
Das Hauptmenü überrascht mit einem schönen Design, aber leider bleibt es auch dabei. Warum kann man keinen einzelnen Song des Hauptkonzerts anwählen? Will man also z. B. Of One Blood sehen, irgendwo in der Mitte des Konzerts, wartet nerviges Vorspulen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, sind die Unterbrechungen durch irgendwelche „Home-Videos“ zwischen jedem Song. Persönlich würde mich das gar nicht so sehr stören, wenn diese Clips wenigstens halbwegs unterhaltsam wären. Zum Brüllen ist das jedenfalls nicht! Man hätte sich an Panteras Home-Videos ein Beispiel nehmen können, und ein Vorbild hätte es auch bei der Machine Head DVD Elegies gegeben, die uns die Möglichkeit bietet, das Konzert mit oder ohne diese Clips anzuschauen.
Die Setlist des Konzerts ist gut, vertreten sind natürlich vor allem Songs vom Album The Art of Balance, ergänzt durch ältere Nummern. Ich persönlich habe mich am meisten auf das Tribute an den tragisch ermordeten Darrell „Dimebag“ Abbott gefreut, den legendären Gitarristen von Pantera. Auf jeden Fall eine lobenswerte Geste der Band… aber leider enttäuscht auch das komplett. Wenn ich schon den extrem schlechten Sound erwähnt habe: Beim gemeinsamen Auftritt von Shadows Fall und Damageplan bei Panteras Walk blieb mir nur noch, leer auf den Bildschirm zu starren. Ich frage mich, wie man so einen Murks Tribute nennen kann, der Sound ist wirklich mies, mehr als Rauschen ist kaum zu hören.
Ich hatte gehofft, dass mich wenigstens das Kapitel Shenanigans in bessere Laune versetzt, aber leider kommen auch die Albernheiten nicht über eine schlechte und ziemlich peinliche Jackass-Nachahmung hinaus. Ein bisschen gegrinst habe ich nur bei der Imitation von Tony Clifton, einer der Figuren des Kultkomikers Andy Kaufman, und beim Verkleiden von Adam D von Killswitch Engage als Paul Stanley.
Abgerundet wird das Paket durch alle offiziellen Videoclips von den Alben The Art of Balance und The War Within sowie, als Zugabe, durch Live-Versionen von zwei Covern: Live Wire (Motley Crue) und Teasn‘ Pleasn‘ (Dangerous Toys).
Auch wenn die DVD randvoll mit Extras ist und nicht gerade kurz, sie dauert fast zwei Stunden, kann ich dir von dieser Veröffentlichung leider nur abraten. Vor allem, wenn du ein anspruchsvollerer Nutzer bist und von einer DVD-Veröffentlichung eine hochwertige Präsentation erwartest. Wenn du aber Fan von Shadows Fall bist und nicht viel Wert auf Ton- und Bildqualität legst, dann greif bei The Art of Touring ruhig zu.
Besetzung
Brian Fair: Gesang
Matthew Bachand: Rhythmusgitarre, Backing Vocals
Jonathan Donais: Leadgitarre, Backing Vocals
Paul Romanko: Bass
Jason Bittner: Schlagzeug
Produktion
Matt Bachand und Jason Bittner
Tracklist
-Main Feature-
01. Introduction
02. Tell us how you really feel
03. Thoughts Without Words (live)
04. Destroyer of Senses (live)
05. The Idiot Box (live)
06. Of One Blood (live)
07. The First Noble Truth (live)
08. Stepping Outside the Circle (live)
09. A Fire in Babylon (live)
10. Fleshold (live)
11. Walk: A Tribute to Dimebag Darrell (live feat. Damageplan)
-Shenanigans-
12. Destruction on the Road
-Music Videos-
13. Thoughts Without Words
14. Destroyer of Senses
15. The Idiot Box
16. The Power of I and I
17. What Drives the Weak
18. Inspiration on Demand
-Bonus Feature-
19. Live Wire
20. Teasn‘ Pleasn‘ (live feat. Jason McMaster)
Laufzeit: 114 Minuten