Love Over Gold
Künstler: Dire Straits
Label: Vertigo Records
Veröffentlichung: 1982
Spieldauer: 40:59
Bewertung: 5/5
Knopfler und seine Truppe haben mit diesem Album bewiesen, dass sie echte Großmeister sind! Fünf Stücke auf dem Album, eines davon die unglaublichste Single der Musikgeschichte, ein vierzehnminütiges Meisterwerk, eine Single, die nie wirklich eine war, und zum Schluss zwei Hammer-Nummern. Das ist definitiv eines der unglaublichsten Alben der Rockmusik, ein zeitloses Album – ein Klassiker!
Los geht’s mit dem monumentalen Brocken Telegraph Road, den man kaum beschreiben kann. Knopflers Erzählung über eine imaginäre Stadt im Entstehen geht mit jeder Strophe direkt ins Herz, man hat als Hörer das Gefühl, selbst Teil dieser Geschichte zu sein. In diesem Stück kommen vor allem Mark Knopfler und der unglaubliche Alan Clark an den Keyboards zur Geltung, wobei er hier vor allem am Klavier glänzt. Jede Note ist phänomenal und vierzehn Minuten vergehen wie im Flug. Die übrigen drei Mitglieder (Hal Lindes – Gitarre, John Illsley – Bass und Pick Withers – Schlagzeug) sind meisterhafte Verlängerungen, die Knopflers Ideen phänomenal umsetzen.
Es folgt das unglaublichste Stück und die unglaublichste Single der Musikgeschichte – das detektivische Private Investigations! Anfang der Achtziger, als in den angesehensten Charts der Welt dreieinhalbminütige Popsongs und Jacksons Thriller das Sagen hatten, hätte dieser Song nach keiner Logik auch nur in die Top 100 kommen dürfen, geschweige denn auf Platz zwei der Charts! In so ein Umfeld platzen also Dire Straits mit einer siebenminütigen Single und einem Album mit fünf Stücken und rocken die Charts. Die offensichtlichste Single und zugleich das ’schwächste‘ Stück auf dem Album ist eigentlich Industrial Disease, das neben solchen Meisterwerken wie Love Over Gold und It Never Rains, das auch das Album abschließt, trotz seiner Klasse und obwohl es auch eine amerikanische Top-10-Single war, ein bisschen untergeht. Sogar ein Song wie Private Dancer, den Mark Knopfler zwei Jahre später für das gleichnamige Comeback-Album von Tina Turner beisteuerte, ist von diesem Album glatt rausgefallen, weil er zufällig nicht ins Albumkonzept gepasst hat. Wie ich schon in der vorherigen Rezension geschrieben habe, hat Knopfler bei den Aufnahmen zum Album Making Movies von Jimmy Iovine viel gelernt, und deshalb ist er bei diesem Album natürlich auch als Produzent eingetragen.
Noch heute erinnere ich mich nach all den Jahren an meine erste Reaktion, als ich zum ersten Mal (ich stand noch voll unter dem Eindruck von Making Movies) ein paar Stücke vom Album im Radio hörte, wo Dragan Bulič das Ding vorstellte. Meine erste Reaktion war: ‚Was zum Teufel treiben diese Typen da?!‘ Als ich mir das Album gekauft hatte, habe ich die LP so abgenudelt, dass ich innerhalb von gut einem Jahr gleich drei RTB-Vinylscheiben kaufen musste, weil die so erbärmliche Qualität hatten und zwischen den Stücken unglaublich geknistert haben! Das Ding macht dich komplett süchtig, und heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich mal diesen Satz rausgehauen habe.
Für dieses Meisterwerk, das schon mit dem Cover zu verstehen gibt, dass es sich von den meisten Alben jener Zeit unterscheidet (auf der Rückseite des Covers ist ein Foto von Rauch, das andeutet, dass da, wo Rauch ist, auch Feuer ist, und auf diesem Album steckt definitiv jede Menge Leidenschaft und Gefühl, wofür das Foto auf dem Frontcover steht!), passt der Albumtitel perfekt… Das ist LOVE OVER GOLD, ein Ding, das man hören muss, vor allem aber fühlen!
Besetzung
Mark Knopfler – Gitarre, Gesang
John Illsley – Bass
Pick Withers – Schlagzeug
Alan Clark – Keyboards
Hal Lindes – Gitarre
Produktion
Mark Knopfler
Tracklist
01.Telegraph Road
02.Private Investigations
03.Industrial Disease
04.Love Over Gold
05.It Never Rains