Matevž Šalehar `Hamo` und die ersten zehn Kerzen für Hamo & Tribute 2 Love (2016)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar
Datum des Interviews: 27.10.2016
Vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Konzert im oberen Clubbereich des Orto bar gesellte sich einer der heißesten und aktivsten Rocker Sloweniens für ein kurzes, aber inhaltsreiches und überaus herzliches Gespräch dazu. Matevž Šalehar „Hamo“, der im Orto bar mit seiner Band Tribute to Love die ersten zehn Kerzen ausgeblasen hat.
RockLine: Zehn Jahre Bandgeschichte, über fünfhundert gespielte Konzerte – das ist eine wirklich beeindruckende Zahl für Slowenien, wenn man bedenkt, in was für seltsamen Zeiten der Rock’n’Roll weltweit steckt. War der Weg bis hierher hart?
Hamo: Hjam… Die ersten fünf Jahre schrubbst du dich ab und nichts bewegt sich von der Stelle, die ersten fünf Jahre waren wirklich eine Katastrophe. Jedes Mal schaust du dir fünf Leute beim Gig an, wenn’s gut geht immer dieselben. Die kommen zu den Konzerten, unterstützen dich, kaufen Shirts usw.… Langsam verlierst du schon den Glauben, weil die Zahl einfach nicht wächst, aber dann fangen die Dinge doch langsam an, sich nach oben zu bewegen. Der Grundgedanke war, vor allem genau diese unsere treuesten Fans zu ehren, die von Tag eins an bei uns sind, und ihnen hier im Orto bar ein besonderes Konzert zu geben.
RockLine: Wie kam es, dass ihr euch für dieses Jubiläum ausgerechnet den Orto bar ausgesucht habt, und zwar seinen oberen Konzertraum?
Hamo: Na ja, hier haben wir eigentlich unsere erste Sünde begangen. Genau hier haben wir vor zehn Jahren zum ersten Mal gespielt. Das ist das Jubiläum. Wir gehen auf dieselbe Bühne, auf der vor zehn Jahren alles angefangen hat. Und ich hoffe, dass wir auch unser Zwanzigjähriges genau hier feiern werden. Genau hier. Wir könnten auch unten spielen, wo mehr Platz ist, weil sich wirklich viele Leute für das heutige Konzert angemeldet haben. Was mich betrifft, ist das kein Problem, ich hab unten gespielt, hier. Vor mehr als zwanzig Jahren haben wir noch neben der ersten Bar im Orto bar gespielt, gleich rechts wenn du reinkommst – jetzt hängt da eine große Leinwand und der Raum ist normalerweise geschlossen. Dort war eine improvisierte Bühne. Da haben wir noch mit Babewatch gespielt. Und dann haben wir uns eben den oberen Konzertraum angeeignet. Mit dem großen Saal unten sind wir noch nicht ganz warm geworden, aber das wird kommen. Daran besteht kein Zweifel. Alles zu seiner Zeit.
RockLine: Du bist ein Musiker, der in der slowenischen Musikszene durch seine unablässige Aktivität quasi „allgegenwärtig“ ist. Das hast du dir hart erarbeitet, du stehst ständig auf der Bühne, sei es als Teil von Musikprojekten, als Sondergast – du hast auch Mladi levi bei ihren Jubiläumsfeiern geholfen. In relativ kurzer Zeit habt ihr mit Hamo And Tribute 2 Love zwei Studioalben veröffentlicht usw.…
Hamo: Ganz einfach. Ich mach das alles nämlich sehr gerne. Wenn ich die heutigen Zeiten mit anderen Zeiten vergleiche, als wir noch Babewatch gespielt haben, sind diese Zeitabstände unvergleichbar. Oder zumindest kaum vergleichbar. Damals hatten wir bis zu 130 Gigs im Jahr. In zwei Jahren haben wir alles erreicht, wofür wir mit der neuen Band fünf brauchten. Okay, das war eine andere Erfahrung, aber wir haben buchstäblich in jedem Loch gespielt, und noch was. Früher sind die Leute lieber zu Konzerten gegangen. Platten haben sich auch verkauft, die Auflagen waren höher. Die erste Auflage des ersten Babewatch-Albums betrug 15.000 Exemplare, davon wurden 12.000 verkauft. Dabei kannte uns damals kaum jemand wirklich. Mit Hamo And Tribute 2 Love haben wir zusammen zwischen 2000 und 3000 Exemplare beider Platten verkauft, und ich hab das Gefühl, dass uns mehr Leute kennen als damals Babewatch. Die Zeiten haben sich also gedreht, aber die Logik ist geblieben: Von Gig zu Gig gewinnst du neue Fans, wenn du jeden Gig mit Herzblut spielst – das heißt, du bist dabei. Ich mach Musik gern und hab die Leute gefunden, mit denen wir eine tolle gemeinsame Formel entwickelt haben – deshalb läuft das alles so schön zusammen.
RockLine: Also zwei veröffentlichte Alben. Das neue »Pol S« hat weniger Songs, das Debüt »Dva« hatte sechzehn. Was sind die wichtigsten Unterschiede im Ansatz beim neuen Album im Vergleich zum Debüt?
Hamo: Ein paar Songs sind nicht auf dem Album, was uns unheimlich leid tut, weil niemand sie hören kann – sie sind wirklich gut, und live spielen wir sie auch nicht mehr. Die Konzerte waren einfach zu lang. Auch für das neue Album, das gerade entsteht, planen wir keine große Songanzahl. Wir wollen aber so bald wie möglich auch neue Songs spielen. Vom letzten Album haben wir uns live schon ein bisschen satt gespielt. Nicht dass das Album langweilig wäre. Eher das Gegenteil – live kann man ihn experimentell dehnen und strecken. Er ist eine Stunde lang, aber live haben wir damit drei Stunden und zwanzig Minuten gemacht. Wenn ich die beiden Alben vergleiche: Das erste Album hat sechzehn Songs, aber das stimmt schon, es ist über sechs Jahre entstanden. Das nächste Album entstand in gerade mal zwei Jahren. Die Songs darauf sind schon viel stärker miteinander verbunden. Weil sie in kürzerer Zeit entstanden sind, ähneln sie sich mehr – sowohl in der Struktur als auch im Sound. Auch das neue Album, das gerade entsteht, wird vom Material her viel konsistenter sein. Und noch was. Von Album zu Album werden wir immer ehrlicher und bluffen immer weniger. Letzteres bedeutet, dass du eine Geschichte erzählst, die du selbst nicht erlebt hast. Mit solchem Material ist es wahnsinnig schwer, auf der Bühne zu stehen – besonders fünfzigmal hintereinander. Und auch öfter. Wenn die Geschichte nicht ehrlich ist, kannst du sie kaum 10 Jahre lang wiederholen. Das will ich also vermeiden. Auf der Gitarre bin ich zwar ein richtig guter Bluffer, aber was die Texte angeht, will ich darin das sagen, was mir wirklich passiert ist oder was ich zum Beispiel täglich erlebe.
RockLine: Schon in der ersten Jahreshälfte des letzten Jahres habt ihr »Pol S« auch als Vinyl veröffentlicht – eine tolle Geste, gerade wenn man Audiophiler ist. Diese Organik zieht euch offensichtlich sehr an. Wie werdet ihr in dieser Hinsicht beim Aufnehmen des neuen Albums vorgehen?
Hamo: Beim neuen Album sind Denis und ich vom Material her als Autoren am stärksten präsent. Grundsätzlich suchen wir nach einem globalen Klang für das Album. Okay, sagen wir mal, wir haben ihn gefunden – auch wenn wir noch nichts aufgenommen haben und das Erscheinungsdatum des Albums schon feststeht, was ich persönlich als eine Art Druck empfinde, aber ich glaube, dass wir es schaffen werden. Wie auch immer ich es drehe, ich will das Material des neuen Albums im Kern in eine Zeit und einen Raum verpacken, die diese Musik am besten zusammenfasst. Sie auf die authentischste Art vorstellen. Ich hoffe, dass sich das Album so natürlich wie möglich entwickelt und dass es uns gelingt, es auch als Vinyl rauszubringen. Wenn das passiert, höre ich nur noch Vinyl – nie wieder CD. So deutlich ist der Unterschied im Klang. Im Moment habe ich zuhause nur noch Alben auf Vinyl. Nicht wegen des Trends. Das ist nämlich das Einzige, was mich dazu zwingt, sie überhaupt zu hören. Vinyl bedeutet mir viel. CD oder MP3 kannst du nebenbei hören, wenn du zuhause Geschirr spülst – Vinyl zwingt dich dazu, wirklich Musik zu hören. Und weil ich Musiker bin, höre ich Musik in den Details – und nur Vinyl bietet dir dieses Vergnügen. Weil ich in dieser Hinsicht ein ewiger Enthusiast und Optimist bin, werden auch die anderen in der Band meinen Wunsch verstehen, das neue Album auch als Vinyl rauszubringen. Die Vinylplatte musst du umdrehen, du musst sie lesen, du »fummelst« ständig daran rum,… da passiert ständig was mit ihr.
RockLine: Das ist so ein bescheidener Wunsch, aber in der heutigen Zeit ist er gar nicht so leicht zu verwirklichen.
Hamo: Da das letzte Vinyl gut lief und wir ständig am Rand des Überlebens sind, glaube ich, dass wir das irgendwie auch hinkriegen werden. Wenn du mal zu Geld kommst, musst du wieder mehr ausgeben, damit du wieder am Rand des Überlebens landest. So ist Rock’n’Roll. Erst dann passieren die echten Dinge. Die richtigen Dinge am richtigen Ort und im richtigen Moment. Es passiert genau das, was passieren muss. Aber zuerst musst du das Geld ausgeben.
RockLine: Gibt es in der slowenischen Musikszene irgendjemanden, mit dem du als Musiker in Zukunft zusammenarbeiten oder etwas aufnehmen möchtest?
Hamo: Eine Menge. Wir spielen in ganz Slowenien, und dann passiert’s, dass jemand dein Konzert eröffnet oder du auf einem Festival bist, wo mehrere Bands spielen. So waren wir in Jesenice und Samuel Blues ist aufgetaucht. Das ist ein Typ mit Gitarre, und zwar das, was ich zum Beispiel nie sein werde. Ehrlich gesagt ein echter »motherfucker«. Gitarre auf der Bühne, allein gegen das Publikum, Charisma. Und als Songwriter ist er super. Gemacht für England, gemacht fürs Ausland. Er sollte sofort dorthin gehen. Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten werden – und das sehr bald, ganz sicher. Er ist großartig. Genauso die Prismojeni profesorji bluesa, die vor ein paar Jahren auf der Szene eingeschlagen haben. Sofort, eigentlich sehr schnell, haben wir angefangen zusammenzuarbeiten. Wir haben sie zur Videopräsentation eingeladen, sie haben mich vor einem Monat zu ihrem Auftritt in die Križanke eingeladen. Alle Achtung. Die gehen ihr Projekt mit großen Eiern an – die sind wirklich mutig. Die trauen sich was. Und solche mutigen Leute haben dann in musikalischer Hinsicht wirklich viel zu sagen und zu zeigen. Bei einem Gig überzeugst du einen, dann zwei, und von Gig zu Gig gewinnst du mit deiner Herzlichkeit immer mehr Fans. Da steckt keine vorab geplante Gewinnstrategie dahinter. Das ist alte Schule.
RockLine: Viele vergleichen deine Stimmfarbe und deinen Stil mit Joe Cocker. Wie viel Wahrheit steckt da drin?
Hamo: Eigentlich bin ich immer sehr froh, wenn ich auf so einen Vergleich stoße. Es gibt nämlich auf der Szene sehr wenige raue Vocals – also solche, die sich auf der Szene wirklich durchgesetzt haben. Beim Singen hilft dir das nämlich nicht besonders. Dieses Register schränkt dich mehr ein als alles andere. Andererseits ist es aber sehr wiedererkennbar. Was Joe Cocker angeht – ich war und bin schon immer ein großer Fan von ihm. Aber es gibt viele Leute mit einer ähnlichen Stimmfarbe. Für mich persönlich ist das ein großes Kompliment. Vielleicht gibt es aber noch andere Sänger, von denen ich noch mehr mitgenommen habe als von Cocker. Gerade beim Übergang zum Singen auf Slowenisch ist dieser Cocker-Charakter sehr schwer beizubehalten. Dementsprechend werden diese Vergleiche immer weniger. Es war nämlich so: Als wir englisches Material gespielt haben, sagten die Leute: »Okay, Cocker ist ja super und so… Aber warum spielst du nichts Eigenes?« Aber heute bin ich noch aus einem anderen Grund froh. Wir spielen seit zehn Jahren und die ganze Zeit spielen wir hauptsächlich unser eigenes Material. Zwar haben wir ab und zu einen Cover gespielt – und zwar wirklich nur für uns –, wie zum Beispiel Take You To The Limit, das im Original von The Eagles kommt. Einfach weil uns dieser Song gefällt. Strikt also für unseren eigenen Geschmack und nicht weil die Leute ihn besser kennen würden. Okay. Also schmeißen wir ab und zu einen fremden Song in unseren musikalischen Sack und spielen ihn auf unsere Art, aber ansonsten bin ich wirklich stolz darauf, dass wir unsere Hörerschaft strikt durch unser eigenes Material aufgebaut haben. Heute stehen wir hier im Orto bar also auf unseren eigenen Schwielen. Covers zu spielen ist durchaus nützlich. Gerade beim Proben, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie Songs aufgebaut und strukturiert sind – da kann man unglaublich viel lernen. Bei Babewatch haben wir uns auf Covers eingeschossen, dieses Mal – also mit Hamo And Tribute 2 Love – verwirklichen wir unsere Ziele strikt mit eigenem Material.
RockLine: Da du Babewatch schon erwähnst, wage ich zu fragen: Gibt es noch Hoffnung auf eine Reunion, oder war der Auftritt in der Sendung Štos pri Draganu Buliču euer letzter Schrei?
Hamo: Das Konzert bei Bulič – ich glaube, das war wirklich der letzte Babewatch-Gig. Andererseits hab ich diese Jungs immer noch sehr gern, vor allem meinen Bruder (Miha Šalehar, Anm. d. Red.). Miha war wirklich der Hauptideengeber, ein toller Gitarrist, und ich vermisse ihn in meiner Band heute ein bisschen. Ich necke ihn ständig, er soll wieder zur Gitarre greifen. Er sträubt sich zwar, aber ich verliere die Hoffnung nicht.
RockLine: Er wird sich’s noch überlegen. Mit der Zeit.
Hamo: Ich warte beharrlich, ich warte geduldig. Obwohl – mit dem älteren Bruder in derselben Band zu spielen und dabei die Rolle des Bandleaders zu übernehmen, das ist wirklich keine leichte Sache. Mit den Jungs von Babewatch bin ich ständig in Kontakt. Wir sehen uns, wir sind Freunde, alles bestens. Aber dass wir noch mal zusammen spielen würden… das eher nicht. Das waren andere Zeiten, jugendliche Energie hat uns zusammengehalten. Anderer Fokus, anderer Blick aufs Leben. Meiner ist offensichtlich ähnlich geblieben – ich bin in der Musik. Die anderen haben sich verändert, haben andere Prioritäten an die erste Stelle in ihrem Leben gesetzt.
RockLine: Damit würde ich abschließen. Trotzdem – haben wir irgendwas Wichtiges vergessen hinzuzufügen?
Hamo: Ja. Am 09.02.2017 treten wir in der Kino Šiška auf und präsentieren das neue Studioalbum (der Termin wurde später um eine Woche verschoben, genauer auf den 16.02.2017, Anm. d. Red.). Wir veröffentlichen also dann die neue Platte. Das Album ist ja schon fertig, und das beruhigt mich. Jetzt müssen wir es nur noch aufnehmen und ordentlich verpacken, damit wir damit zufrieden sind.
Wie es später beim Konzert von Hamo & Tribute 2 Love war, kannst du HIER nachlesen!
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