Human Zoo – erste Boten des melodischen Rock-Erbes aus Balingen (2011)

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Ort: Bang Your Head!!! festival / Balingen / Deutschland
Datum des Interviews: 16.07.2011

Human Zoo sind deutsche melodische Hard Rocker aus Balingen. In diesem Jahr haben sie ihr drittes Studioalbum veröffentlicht, dem sie den Titel „Eyes Of A Stranger“ gegeben haben (RockLine Rezension HIER).  Obwohl die Band noch relativ jung ist, vereint sie erfahrene Musiker unter ihrem Dach, die sich zuvor in anderen Bands die Sporen verdient und dabei wertvolle Erfahrungen und eine Menge Kilometer gesammelt haben.  Das Sextett hat die Besonderheit, ein Altsaxofon in seinen Reihen zu vereinen – und diese Besonderheit verleiht der Band einen Hauch von Wiedererkennbarkeit. Denn angesichts der Tatsache, dass sie auf dem Erbe deutscher Hard-Rock-Bands wie Bonfire, Frontline und Jaded Heart fußt, wäre es naiv, von Human Zoo eine musikalische Revolution in der Eigenkomposition zu erwarten oder gar zu fordern.

Die Band pflegt eine moderne musikalische Spur der melodischen Rock-Schablone, die heute vor allem in Skandinavien üppig gedeiht – worauf die anthemhaft ausgerichteten melodischen Gesangslinien hinweisen, besonders in den Refrains, sowie die Sorge um melodische Reinheit, Ausgereiftheit und Prägnanz, die sich über das gesamte Album mit dem AOR-Moment auseinandersetzt.

Ich hatte die Gelegenheit, am zweiten Tag des diesjährigen Bang Your Head-Festivals mitten am Mittag ein paar Worte mit der Band zu wechseln. Im Tourbus, den Gibson für Tourneen verleiht – genau jenem, in dem wir diesen Juni mitten in Augsburg das Interview mit den AOR-Königen Journey geführt hatten – versammelte sich das ganze Sextett um mich herum. Gesprächsbereit waren jedoch vor allem drei von ihnen. Bassist Markus Ratheiser, der vor der Gründung von Human Zoo, bis 2004, in der Band Glenmore gespielt hatte, Saxofonist Boris Matakovic (Subway), dessen Eltern aus dem kroatischen Karlovac stammen, und Keyboarder Zarko Mestrovic, der Nachkomme slowenischer und kroatischer Eltern ist. Die bunte Truppe des Human Zoo-Teams wurde noch durch Sänger Thomas Seeburger, Gitarrist Ingolf Engler und Schlagzeuger Kevin Kimesch vervollständigt. 

RockLine: Hey Jungs! Ihr seid in letzter Minute in die Lineup gesprungen, nachdem Crash Diet kurz vorher ihren Auftritt abgesagt hatten. War da Nervosität dabei, als euch die Festivalveranstalter plötzlich anriefen, um einzuspringen – oder wart ihr schon zu 100% bereit?
Markus: Für uns war der Auftritt auf dem Festival eine außergewöhnliche Herausforderung. Mit allem Respekt gegenüber Crash Diet, denen da etwas dazwischengekommen ist. Wir waren unglaublich geehrt, in der Gesellschaft der besten Bands auftreten zu dürfen, denn beim Bang Your Head treten immer nur die Besten auf. Wir sind gut eingespielt – vor einer Woche haben wir auf einem der Konzerte hier in der Nähe von Balingen gespielt.

RockLine: Erst vor drei Tagen ist offiziell euer drittes Studioalbum mit dem Titel „Eyes Of The Stranger“ erschienen. Könnt ihr den Hintergrund seiner Entstehung verraten und was die grundlegende Botschaft dahinter ist?
Markus: Wir haben schon alle möglichen Vergleiche gehört. Dass wir vom Sound her an Gotthard erinnern, an Pretty Maids und ähnliches – was nur insofern stimmt, dass wir eben die Musik dieser Bands hören. Die Leute stecken eben gerne alles in Schubladen, das ist die Manier des modernen Menschen halt. Auch Musik und Musiker. Das Album entstand auf Basis musikalischer Ideen, die sich im Laufe des vergangenen Jahres und in der ersten Hälfte dieses Jahres entwickelt haben. Bis zur Finalisierung der endgültigen Form der Songs verging aber mehr Zeit, da wir als gesamte Band im Studio die Arrangements noch weiter bis ins Detail ausgefeilt haben.

RockLine: Boris, wie fühlst du dich als einer der wenigen Saxofonisten mit einem festen Platz in einer melodischen Rockband – und wie kommst du mit dem ganzen Lärm klar, den die Gitarren machen?
Boris: Mit Human Zoo bin ich in der Phase vor den Aufnahmen zum Debüt „Precious Time“ in Kontakt gekommen – zunächst wollten die Jungs nur, dass ich für höchstens drei Songs Saxofon beisteuere. Beim Ausprobieren einzelner Motive im Studio haben wir alle festgestellt, dass die ganze Sache hervorragend zusammenpasst. Ab diesem Moment haben wir das Saxofon als völlig normalen, integralen Bestandteil der Band behandelt – als integrales Instrument der Musik von Human Zoo. Und so verliefen dann auch die Aufnahmen. Natürlich übertreiben wir mit den Saxofon-Arrangements keineswegs. Die Melodie ist behutsam eingebettet, muss aber klar und ausdrucksstark überzeugend sein – mit dem Ziel, denjenigen, der unsere Musik hört, so sehr wie möglich zu berühren. Ich glaube, dass die Integration des Saxofons in Human Zoo den Sound und den Ausdruck der Band besonders, neu und anders macht.

RockLine: Wie werdet ihr bei AOR Heaven Records aufgenommen? Bietet euch das Label genug Unterstützung?
Alle: AOR Heaven Records gibt es nicht mehr.
Markus: Es hat sich in Fastball Music umbenannt.
Zarko: Wir sind sehr zufrieden mit der Haltung unseres neuen Labels gegenüber unserer Musik. Hinter uns steht ein ausgezeichnetes Management-Team, das uns volle Unterstützung bietet. Deshalb erwarten wir, dass die Promotion des neuen Albums „Eyes Of The Stranger“ dieses Mal unsere Erwartungen erfüllt – was bedeutet, dass Human Zoo möglichst viele Hörer in Europa kennenlernen, besonders auch außerhalb Deutschlands.

RockLine: Welcher musikalische Hintergrund prägt den musikalischen Charakter von Human Zoo?
Markus: Alle sechs in der Band kommen aus verschiedenen musikalischen Hintergründen. Wir hören alle unglaublich viele verschiedene Arten von Musik – und das ist der Kern von Human Zoo. Den Großteil der Ideen bringen Ingo mit der Gitarre, Thomas mit Melodie und Texten sowie ich ein. Dann formt das gesamte Sextett die endgültige Gestalt der Songs. Trotzdem halten wir uns an eine gewisse Form – unser Wunsch ist es, auszuprobieren, wie weit wir diese Form „biegen“ können, um den Charakter unserer Musik zu bewahren und gleichzeitig neuen Ideen Frische zu verleihen. Ansonsten schätzen wir alle Gotthard sehr. Wir hören alle sehr gerne Gotthard. Und dann gibt es natürlich auch andere Bands, wie zum Beispiel Whitesnake und den restlichen melodischen Rock der Achtziger. Unsere Rolle ist es, das Erbe des melodischen Rocks der Achtziger zu dekodieren und auf eine Art in eine neue Ära zu übertragen.
Boris: Ja. Wie wir schon vorhin gesprochen haben, werden wir gerne mit Gotthard verglichen – aber wir selbst empfinden keine große Ähnlichkeit zu ihnen. Auf eine gewisse Weise schon, denn die Grundlage des Komponierens in diesem Genre ist dieselbe. Aber wir bemühen uns, eigenständig zu sein, unser eigenes musikalisches Prinzip zu entwickeln – und ich glaube, das gelingt uns bisher sehr gut. Das ist auch sehr wichtig beim Aufbau der Fangemeinde, der Fans, die hinter der Band stehen.
Markus: Deshalb haben wir uns auch den Namen Human Zoo gegeben…
Boris: Ja. Genau deshalb, weil unsere Musik ein bisschen anders ist als die anderer Bands – wir bieten die Sache ein bisschen anders an. Natürlich ist das Saxofon eines jener Elemente, die das in unseren Ausdruck einbringen.

RockLine: Plant ihr in nächster Zeit eine Konzerttournee?
Markus: Im Oktober dieses Jahres. Aber alles steckt noch ganz in den Kinderschuhen, deshalb können wir dir keine belastbaren Informationen verraten. Verträge haben wir bisher noch nicht unterzeichnet, aber die Dinge sehen für uns in diesem Moment, was die Tournee betrifft, sehr vielversprechend aus. Leider dürfen wir dir im Moment nicht mehr verraten.

RockLine: Wie sind die Reaktionen von Publikum und Medien auf euer gerade erschienenes Album „Eyes Of The Stranger“?
Boris: Momentan sehr gut. Vielversprechend. Die Medien bewerten unser neues Studioalbum sehr gut, was ein äußerst gutes Zeichen ist. Zum Beispiel hat eines der führenden Metal- und Rockmedien in Deutschland unser Album mit acht von zehn möglichen Punkten bewertet.

RockLine: Was sind die Pläne für Human Zoo in der näheren Zukunft?
Markus: Unser Hauptziel ist es, auf Bühnen aufzutreten. So viele Auftritte wie möglich. So viel wie irgend geht.
Boris: Ja. Es ist schön, gute Kritiken zu lesen, es ist schön, Alben aufzunehmen – aber das Wesentliche ist das Auftreten auf Bühnen. In Kontakt mit Menschen kommen, damit die Leute unsere Musik live hören.
Zarko: Unseren Human Zoo-Virus müssen wir weiterverbreiten – und das mit Konzertauftritten. Das ist der sehnlichste Wunsch der Band in diesem Moment. Es wäre großartig, wenn wir auch außerhalb Deutschlands auftreten könnten – für mich persönlich wäre es zum Beispiel unglaublich aufregend, in Slowenien und Kroatien aufzutreten, wo meine Eltern herkommen. Dort würde ich wirklich gerne spielen.
Markus: Natürlich ist uns allen völlig klar, dass uns davon noch ein langer und steiniger Weg trennt. Das ist ein Prozess. Wir sind motiviert, aber wir müssen alles sorgfältig und bedacht planen. Schritt für Schritt.

RockLine: Verbirgt sich hinter dem Albumtitel „Eyes Of The Stranger“ noch etwas mehr, eine tiefere Bedeutung?
Boris: Eigentlich nicht. Der Hauptgrund für die Wahl dieses Namens liegt in der Tatsache, dass wir einen griffigen Titel gesucht haben, der gut klingt, ordentlich knallt und sofort auf sich aufmerksam macht. Es ist aber so, dass wir ein Album normalerweise nach einem der Songs benennen, die darauf zu finden sind. Das galt auch für das vorherige Album „Over The Horizon“, wo zunächst ein Song mit diesem Namen entstand – und dasselbe gilt auch für das neue Album.

RockLine: Gestern habt ihr hier beim Bang Your Head!!! Festival gespielt. Ich finde, ihr seid eine großartige Band, super eingespielt – nach dem, was ich bei eurem Konzert genießen durfte. Habt ihr auch schon mal über „unplugged“-Auftritte nachgedacht?
Markus: Oh ja. Gestern haben wir hier gespielt. Genau in diesem Raum, in diesem Bus. Wir haben Spaß gehabt. Mit Tamburinen und akustischen Gitarren. Wir haben Whitesnake-Songs gespielt und ähnliches. Über ernsthafte Auftritte in der „unplugged“-Version haben wir aber noch nie wirklich ernsthaft nachgedacht. Ich persönlich bin auch nicht gerade begeistert davon. Ich mag sehr laute Musik, he, he, he,…

RockLine: War das gestern euer erster Auftritt in eurer Karriere beim Bang Your Head!!! Festival?
Boris: Ja. Dieser Auftritt hat für uns große Bedeutung. Bang Your Head!!! ist das zweitgrößte Festival in Deutschland. Direkt nach dem Wacken Open Air. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir die Gelegenheit bekommen haben und hier in Balingen spielen durften. Obendrein in unserem Heimatort, aus dem wir stammen.

Interview geführt, übersetzt und redigiert von: Aleš Podbrežnik

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