Divine Illusion – bereit, den slowenischen Sympho-Prog-Power-Metal-Thron einzunehmen (2010)

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Ort: Rock Cafe / Postojna / Slowenien
Datum des Interviews: 01.04.2010

Divine Illusion haben Ende Februar dieses Jahres die schwarzen Wolken vertrieben – den mehr als ein Jahrzehnt andauernden Fluch, dass Slowenien keine Band bekommen konnte, die aus den Grundlagen des melodischen progressiven und power-metal-orientierten Schaffensprinzips schöpft. Das haben sie mit der EP „Genetic“ geschafft, die sie Ende Februar dieses Jahres veröffentlicht haben. Damit haben sie bestätigt, dass sie auf der Suche nach klanglicher und melodischer Perfektion sind. Was Bands wie Symphony X, Kamelot, Angra, Edguy und Stratovarius bereits tief in den Neunzigern gemacht haben, das hat Slowenien endlich mit Divine Illusion bekommen – diesem äußerst qualitätsvollen, aufstrebenden, herzlichen, engagierten melodisch-metallischen Kometen aus Postojna.

RockLine: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch beim Newcomer-Wettbewerb Epic RockLine Contest anzumelden?

Martin:  So ein Auftritt sorgt dafür, dass die Band bekannter wird. Und natürlich ist er wichtig, um Erfahrungen zu sammeln.

RockLine: Heute Abend spielt ihr zu Hause. In Postojna. Spürt ihr den Heimvorteil?

Peter: Eigentlich nicht. Wir haben hier schon mehrmals gespielt. Das ist einfach noch ein ganz normaler Auftritt für uns. Stimmt schon, dass wir uns sehr heimisch fühlen. Das verbergen wir nicht.

RockLine: Ende Februar dieses Jahres habt ihr die EP „Genetic“ veröffentlicht. Was könnt ihr uns darüber erzählen?

Peter: Wir sind sehr zufrieden damit. Vor allem mit der Produktion und dem Sound. Auch die Promotion war äußerst erfolgreich und die Leute haben sie begeistert aufgenommen. Das Promo-Konzert haben wir ebenfalls hier im Rock Cafe gespielt.

RockLine: War es schwer, eine Fünf-Mann-Besetzung zusammenzustellen, die diese – wenn man das so sagen darf – anspruchsvollere Variante des melodischen Power Metal entwickelt hat, wie ihr ihn pflegt?

Simon: Eigentlich nicht. Von Anfang an haben wir irgendwie gemerkt, dass wir gut miteinander funktionieren.

Borut: In diesem Teil Sloweniens war der Geschmack für einen Stil wie den unseren immer aufgeschlossen und solche Musik wurde gut aufgenommen. Es war  kein langer Weg, eine gemeinsame Sprache zu finden. Wir haben uns schnell gefunden und eingespielt.

RockLine: Was bedeutet für euch die Veröffentlichung der EP „Genetic“? Das ist doch ein Meilenstein.

Peter: Bei der ganzen Sache ging es uns in erster Linie darum, mit dieser Veröffentlichung die Promotion zu erleichtern.

Simon: Es ist viel einfacher, wenn du jemandem etwas in die Hand geben und sagen kannst: Hör mal rein. So kannst du deine Musik besser vorstellen. Und du findest leichter Gigs.

RockLine: Die Veröffentlichung kann neben der guten Musik auch mit einem sehr gelungenen Design punkten.

Peter: Das Booklet hat uns Miha Dolenc gestaltet. Die Musik für die EP haben wir einfach zu Hause aufgenommen, also bei Simon, mit Ausnahme der Vocals und des Mixes, der im Studio Činč mit Hilfe von Borut Činč gemacht wurde. Žak von Mary Rose hat uns bei den Background-Vocals geholfen.

RockLine: Am Horizont stehen jede Menge Auftritte.

Peter: Ja. Darauf freuen wir uns schon sehr.

Simon: Von April bis Juli haben wir so einige Auftritte bestätigt. Auch bei Motorradtreffen. Und das ist gut. Auch was die Vernetzung mit Clubs und anderen Bands angeht.

RockLine: Wie entsteht ein bestimmter Song bei Divine Illusion?

Peter: Jeder von uns bringt eine Idee mit, die wir dann weiterentwickeln. Ich schreibe zum Beispiel irgendwelche Lines und dann steigen die anderen mit ein. Ich erkläre ihnen z. B. wie ich mir etwas vorgestellt habe. Und dann findet jedes Mitglied die passende Kombination. Neben den Grundlinien entsteht auch die Linie, also die Melodie, für den Vocal. Die Texte formen wir natürlich ganz am Ende. Manchmal streiten wir uns auch, was völlig normal ist.

Simon: Und deshalb klingen manche unserer Songs manchmal ziemlich wütend, ha, ha, ha…

RockLine: Wenn man wütend ist, ist es meistens klug, Musik zu schreiben.

Borut: Das gemeinsame Komponieren hat uns geholfen, uns auch besser kennenzulernen und leichter miteinander auszukommen.

RockLine: Eure Songs sind ziemlich abwechslungsreich.

Peter: Genau das hat uns im Grunde zusammengeschweißt, weil wir uns auf diese Weise besser kennenlernen mussten. Am Anfang hat es sehr lange gedauert, bis ein Song seine endgültige Form bekommen hat. Heute spüren wir uns sofort und wissen sofort, was wer tun muss. Wir können uns gegenseitig leichter lesen, wenn man das so sagen kann. Am Anfang hatten wir auch viele Konzerte, bei denen wir hauptsächlich Cover gespielt haben. Und so fehlte uns die Zeit, uns eigenen Songs zu widmen. Vor etwa einem Jahr haben wir dann auch in diesen sauren Apfel gebissen und bisher hat sich das bezahlt gemacht. Wir haben eine EP.

RockLine: Simon, wer waren deine Vorbilder, als du dich als Sänger entwickelt hast?

Simon: Anfangs war da vielleicht Timo Kotipelto von Stratovarius. Heute schaue ich da gar nicht mehr so sehr hin. Ich höre verschiedene Genres. Vor allem schätze ich aber Sänger von progressiven Bands. Sonst kommen viele positive Vibes aus dem guten alten Rock. Aus klassischen Rock-’n‘-Roll-Bands. Da kann man nicht viel falsch machen.

RockLine: Glaubt ihr, dass die heimische slowenische Musikszene und die aktuelle Situation bereit sind, ein melodisches Prinzip wie das von Divine Illusion aufzunehmen – oder müsst ihr eure Chancen im Ausland suchen?

Borut: Ich glaube, dass es in Slowenien für Musik wie unsere derzeit nicht genug Offenheit, geschweige denn Unterstützung gibt. In Skandinavien, besonders in Finnland, ist Musik wie unsere wesentlich stärker verankert. Dort ist das überhaupt keine Frage. Dort ist solche Musik etwas völlig Normales und Alltägliches. Für uns ist das Fluch oder Erlösung, wie man’s nimmt – denn Bands wie uns, die Melodic Metal in Slowenien weiterentwickeln, findest du kaum. Da haben wir einen gewissen Vorteil. Andererseits stellt sich wieder die Frage, warum man sie nicht findet. Und schon sind wir wieder am Anfang der Antwort. Weil es eben bei uns keinen Sinn für solche Musik und keine Unterstützung gibt. Divine Illusion sind gerne bereit, auch anderen Bands zu helfen, damit es bei uns möglichst viel solcher Musik gibt. Damit andere sie auch unterstützen und schätzen lernen.

Peter: Vor Kurzem haben wir die Band aus Prekmurje The Equasion kennengelernt, die Prog Metal macht. Von der Energie her eine sehr verwandte Band – wir haben uns sofort gut verstanden und vernetzt. Es ist eine Instrumentalband. Auch mit UseLess aus Kamnik verstehen wir uns sehr gut.

RockLine: Der wahrscheinlichste Wunsch von euch allen ist es, dass die Band so bald wie möglich ihr erstes richtiges Studioalbum herausbringt.

Simon: Anfangs haben wir anders gespielt als heute. Zunächst wollten wir eine Weile abwarten und sehen, wie die Leute diese Veränderung aufnehmen. Wenn du unsere EP kennst, dann weißt du, wie sich der erste Song Clarity Of Mind anhört. Danach haben wir die Arrangements noch mehr gewürzt. Unsere neueren Songs sind anspruchsvoller. Und die Leute haben das sehr gut aufgenommen. Deshalb werden wir wahrscheinlich auch in Zukunft in dieselbe Richtung weitermachen. Wir würden aber gerne ein gutes Album aufnehmen, deshalb werden wir mit dem Schreiben des Materials nicht hetzen. Wir wollen ein qualitativ hochwertiges Produkt abliefern.

Peter: Andererseits haben wir uns nicht so sehr damit belastet, ob den Leuten gefällt, was wir spielen. Es ist schön, wenn dich jemand lobt und sagt, dass ihm die Musik gefällt. Aber das Wesentliche ist, dass wir diese letzten Songs, die abwechslungsreicher sind, irgendwie spontaner entwickelt haben.

RockLine: Slowenien hat mit der EP „Genetic“ sein erstes echtes pro-europäisches oder anglo-amerikanisch-skandinavisch ausgerichtetes Power-Metal-Dokument bekommen. Damit hinken wir der entwickelten Welt um mehr als 15 Jahre hinterher.

Simon: In Slowenien ist diese Szene wirklich klein. Und dann passiert es, dass man sich trotz dieser ganzen Kleinheit noch gegenseitig Knüppel zwischen die Beine wirft. Bands machen sich gerne gegenseitig das Leben schwer. Das ist uns fremd.

Peter: Wir werden dem ersten Album aber im Herbst mehr Zeit widmen. Gerade befinden wir uns in einer Phase, in der wir uns auf Live-Auftritte konzentrieren. Ich hoffe, dass diese erfolgreich sein und dazu beitragen werden, das Interesse in Slowenien an Musik wie der von Divine Illusion zu steigern. Für das neue Album brauchen wir 10 neue Songs.

RockLine: Werden diese Songs völlig anders sein als die, die man auf der EP „Genetic“ findet?

Simon: Darüber haben wir noch nicht nachgedacht.

Peter: Wie es uns danach sein wird, so werden sie entstehen. Spontan. Wir werden uns treiben lassen.

Borut: Genau. Mit so wenig Kalkulation wie möglich. Wir belasten uns nicht mit dem Genre.

Martin: Prog Metal oder Power Metal. Ist uns egal. Hauptsache, es gefällt uns.

RockLine: Bedeutet das, dass sich die Arrangements der aktuellen Rohversionen der zukünftigen Songs noch sehr verändern können?

Borut: Im Grunde ja. Aber eine Sache haben wir alle gemeinsam. Wir alle wollen die Melodiosität bewahren. Die Refrains müssen singbar sein. Melodisch ausgearbeitete und eingängige  Leitmotive.

Martin: Progressiv kann es zum Beispiel in den instrumentalen Passagen sein, oder an Stellen, wo sich der Rhythmus ändert – bei den Refrains streben wir aber danach, dass sie sich ins Ohr schreiben. Das ist die Formel, also das musikalische Prinzip von Divine Illusion.

RockLine: Möchte zum Schluss noch jemand von euch etwas hinzufügen?

Borut: Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um uns bei allen zu bedanken, die zum Promo-Konzert anlässlich der Veröffentlichung der EP „Genetic“ gekommen sind, um uns zu unterstützen. Und auch bei allen, die uns heute Abend bei diesem Auftritt im Rahmen des Wettbewerbs zuhören werden. Ich persönlich glaube, das ist das Größte für eine Band. Menschen zu haben, die ihre Musik unterstützen.

Simon: Dazu möchte ich auch allen Beteiligten danken, die zur Entstehung dieser EP beigetragen haben.

Fotos: Martin Prezelj

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