M.U.D.D. – Alternative-Rock-Band mit teuflisch gutem Frauengesang (2010)
Ort: Rock Cafe / Postojna / Slowenien
Interviewdatum: 18.03.2010
M.U.D.D. sind ein junges, fast schon Alternative-Rock-orientiertes Quartett, das seinen Wiedererkennungswert mutig auf der Durchschlagskraft des Frauengesangs aufbaut. Klingt bekannt – aber Achtung! M.U.D.D. sind Originale, denen es herzlich egal ist, sich populären Musiktrends zu beugen. Direkt nach dem Abgang von der Bühne des Postojnaer Rock Cafe schnappten sich zwei (gutaussehende) RockLine-Nachwuchsjournalisten die Band und verwickelten sie in einen interessanten Plausch.
RockLine: Was hat euch dazu bewogen, beim Epic RockLine Contest mitzumachen?
Urban: Für uns ist das vor allem wieder eine Erfahrung mehr. Ein neues Spiel, ein neues Erlebnis! Ich finde, wir haben heute ganz ordentlich gespielt.
Doris Natalija: Das Gefühl nach dem Auftritt ist gut, auch wenn es immer noch besser gehen kann.
RockLine: Hattet ihr Lampenfieber?
Doris Natalija: Ein bisschen schon. Von meiner Seite aus eigentlich jede Menge.
Urban: Auf der Bühne fühlen wir uns super, auch wenn man merkt, dass uns noch ein paar Kilometer auf dem Buckel fehlen.
RockLine: Ihr seid doch eigentlich keine so junge Band?
Urban: Zusammengefunden haben wir uns irgendwo im September, Oktober 2008 – in der Formation, die ihr heute gesehen habt. Doris haben wir später über das Internet aufgetan.
RockLine: Die Band war also ursprünglich ohne Frauengesang gedacht?
Urban: Am Anfang haben wir einen männlichen Sänger gesucht. Eine Zeit lang hat Andrej diese Rolle übernommen – ein super Vokalist, aber leider war er ideell vielleicht ein Jahrzehnt, vielleicht sogar mehr, von uns entfernt. Wir waren einfach nicht auf der gleichen Wellenlänge. Später haben wir uns dann zum Glück durch einen reinen Zufall mit Doris „getroffen“. Wir waren aber von Anfang an für alle Optionen offen – männlicher oder weiblicher Gesang.
Doris Natalija: Ich bin sowieso zu 60 % ein Mann, also… (lacht)
RockLine: Wie heißt es so schön: „may the best man win“! (lacht)
RockLine: In deinem Gesang ist sogar etwas von schwarzem Soul zu spüren. Kannst du ein bestimmtes Vorbild oder eine musikalische Figur nennen, die dich beim Singen inspiriert?
Doris Natalija: Das sind sozusagen ganz grundlegende Einflüsse, wie zum Beispiel Aretha Franklin. Auch die Schule des Sologesangs hilft mir, auch wenn das eine ganz andere Art der Ausführung ist – vom Wechsel der Klangfarben der Stimme angefangen.
RockLine: Frauengesang im Rock ist längst Usus. Auf der einen Seite haben wir eine Flut von Bands mit eher kommerziellem Vorzeichen, auf der anderen die saftig-rockig aufgestellten. Auf welcher Seite sollen die Leute euch sozusagen „antreffen“?
Urban: Absolut auf der letzten! Kommerz hat uns (auch) langfristig nie interessiert. Es geht vor allem darum, in der Musik das zu sagen, was man denkt, was von innen kommt. Für Seichtheit ist da kein Platz. Ich finde, solche Bands fehlen in Slowenien – es gibt davon erschreckend wenige, vor allem solche mit Frauengesang, der Eier hat.
RockLine: Die Trümpfe liegen zweifellos in euren Händen, vor allem mit so einem charakterstarken Gesang. Was kaum überrascht, wenn man bedenkt, dass Doris zu mehr als der Hälfte ein Mann ist und ihr als Band damit mindestens eine gute Portion mehr Eier habt! (lacht). Das Mädel hat schon beim Soundcheck überrascht…
Doris Natalija: Danke! Mein Problem ist nach wie vor das Lampenfieber, wegen dem ich oft heiser werde. Bei den Proben zum Beispiel gibt es das Problem nicht – da läuft alles wie am Schnürchen. Live-Auftritte können aber eine ganz eigene Geschichte sein.
Rockline: Glaubst du, dass du mit deinem Einstieg in die Band den Jungs etwas mehr an sensiblen Farben mitgebracht hast?
Doris Natalija: Auf jeden Fall. Auf ihre Art sind sie ein bisschen weicher geworden. (lacht)
Rockline: Wie sieht es mit den Ambitionen rund ums Aufnehmen des Debüts aus? Einige Demo-Aufnahmen habt ihr ja schon veröffentlicht..
Doris Natalija: Auf unserem Myspace gibt es so ein auf die Schnelle hingepfuschtes Demo, eigentlich drei Songs.
Urban: Für ein Album fehlt uns momentan noch etwas Material. Aber die Dinge werden sich mit der Zeit schon einreihen.
RockLine: Was sind also die Pläne für die Zukunft?
Urban: Spaß an der Musik, so viele Konzerte wie möglich und Kilometer sammeln! Und dass wir endlich einen anderen Fahrer finden, weil ich ständig als Einziger hinter dem Steuer hocke! (lacht)
Interview geführt von: Daniel Pavlica & Rok Klemše
Fotos: Mojca Perdih
Text bearbeitet von: Daniel Pavlica
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