Superbrands – kroatischer Indie-Rock, der an die Türen des Auslands klopft (2010)

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Ort: Rock Cafe / Postojna / Slowenien
Datum des Interviews: 21.01.2010

Superbrands sind Indie-Rocker aus Zagreb. Von den 27 Bands, die sich beim Epic RockLine Contest 2009/2010 beworben haben, sind sie die einzige ausländische Band, die genug Mut aufgebracht hat, die scheinbaren Barrieren zu überwinden, die durch Staatsgrenzen gesetzt werden. Die Band ist mit englischsprachigen Texten und einem lockeren, natürlichen und melodischen Rock-Sound schon zu Beginn ihrer Karriere eher etwas für jene, die Festivals wie FreQuency oder Nova Rock in Österreich besuchen, als für das heimische Publikum.

RockLine: Was war der Hauptgrund dafür, dass ihr euch beim RockLine Epic Contest beworben habt?

Adi: Für uns war das Wichtigste, auf diese Weise einen Auftritt in Slowenien zu sichern. Ich habe nämlich gehört, dass es derzeit sehr schwer ist, einen Auftritt in Slowenien zu bekommen – ähnlich ist es in Kroatien.  Dieser sog. „Wettbewerbs“-Aspekt ist für uns in diesem Fall mehr oder weniger unwichtig. Wenn wir zufällig gewinnen würden, würde das für uns einen neuen Konzertauftritt bedeuten. Und das wäre für uns wieder das Wichtigste. Ein neuer Auftritt.

Hrvoje: Außerdem haben wir in Slowenien noch nie gespielt, deshalb ist es für uns umso wichtiger, dass wir heute Abend hier sind.

Robi: Slowenien ist jetzt für uns Ausland, ha, ha, ha… diesen Auftritt zählen wir so, als würden wir im Ausland spielen.

RockLine: Welche Umstände haben zu dem Musikstil geführt, den Superbrands entwickelt und pflegt?

Robi: Ich gehöre noch zur alten Garde, die sich irgendwie in die neue Welle der Bands eingegliedert hat. Ich bin der Letzte, der zur Band gestoßen ist. Vielleicht bin ich genau der Faktor, der zu dem, was heute alternativ klingt, eine Note des alten, traditionellen Rocks hinzugefügt hat, da ich schon in den achtziger Jahren in Bands aufgetreten bin.

RockLine: In welchen?

Robi: In Psihomodo Pop,…

Adi: Robi ist für uns ein Star, he, he…

Robi: Wir haben auch in Ljubljana gespielt, irgendwann um 1984 oder 1985… ich weiß es nicht ganz genau.

Adi: Wir sind wie eine komplette Fußballmannschaft. Darin sind die Jungen, denen das Blut in den Adern kocht, und dann gibt es die Älteren, die wissen, wie man den Ball beruhigt. Beim Stil selbst kann man nicht so einfach zusammenfassen, was wir in unserer Karriere alles gehört haben und was unseren Sound beeinflusst haben könnte. Vielleicht so etwas wie The Smiths. Als ich jünger war, habe ich sie ziemlich viel gehört.

Hrvoje: Bei uns zieht das eher mehr in Richtung The Editors…

RockLine: Genau das wollte ich ansprechen. Ihr habt mich persönlich kurz an den Indie-Sound von Bands wie Interpol, The Killers oder The Editors erinnert.

Adi: Solche Vergleiche gab es bisher schon einige. Besonders was den Gesang betrifft. Das ist super für uns. Interpol sind eine tolle Band, genauso The Killers.

Hrvoje: Weißt du, Kritiker verbinden uns oft mit Bands – angeblich ähneln wir der oder jener ein bisschen –, von denen wir noch nie gehört haben. Und dann interessieren sie uns und wir hören uns an, wer zum Teufel das für Bands sind, denen wir angeblich ähneln.

RockLine: Ist der Aufbau einer Atmosphäre ein wichtiges Leitprinzip in eurem Ausdruck?

Hrvoje: Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, ob wir das überhaupt bewusst tun. Das ist das, was du zum Beispiel wahrnimmst, oder was jemand anderes wahrnimmt, der uns zuhört. Dass wir uns vor dem Konzert darüber unterhalten würden, wie wir z. B. eine besondere Atmosphäre gezielt aufbauen – darüber haben wir noch nie ernsthaft gesprochen.

Adi: Weißt du, dabei geht es um einen Prozess. Die Songs sind unvergleichbar, wenn du vergleichst, wie sie geklungen haben, als wir sie zum ersten Mal im Studio gespielt haben, und wie sie heute klingen, wenn wir sie auf der Bühne spielen.

Robi: Ich selbst habe den direkteren Rock in den „weicheren“ Ansatz eingebracht, den die anderen gepflegt haben. Jetzt haben wir zwischen diesen beiden Ansätzen eine Art Mittellinie gezogen.

Adi: Ich kann nur sagen, dass wir so, wie wir gerade klingen, vor einem halben Jahr nicht geklungen haben und in einem halben Jahr auch nicht mehr klingen werden.

RockLine: Ihr seid also noch in einer Phase des Findens. Baut ihr die Chemie noch aus und entwickelt sie weiter?

Hrvoje: Nein. Die Besetzung hat irgendwie eine solide Form erarbeitet und die Verhältnisse funktionieren ausgewogen. Okay, die Chemie ist eine andere Sache. Die musst du ständig pflegen. Sie muss immer so wirken, dass sie die Band vorwärts treibt. Wir sind jetzt schon reif genug, um die Veröffentlichung unseres Studio-Debüts als oberstes Prioritätsziel an erste Stelle zu setzen.

Adi: Aber der Wunsch, Neues auszuprobieren, wird immer unter uns bleiben. Das hält uns zusammen.

RockLine: Wie weit seid ihr mit der Albumveröffentlichung?

Robi: Wir haben derzeit Material für eine CD. Für etwa 45 Minuten Musik. Wir spielen nicht schon lange zusammen. Sonst hätten wir mehr Material. Auf jeden Fall wird das Experimentieren mehr werden, wenn wir mehr Alben veröffentlichen.

RockLine: Nur als Beispiel aus Slowenien: Siddharta haben auf ihrem fünften Album ein 10-minütiges Instrumental veröffentlicht.

Robi: Interessant. Offensichtlich sind sie mit ihrem Status zufrieden. Sie haben kommerziellen Erfolg erreicht, und jetzt haben sie sich im Studio offensichtlich Luft gemacht und genießen das Experimentieren. Das ist eine gute Entscheidung.

RockLine: Gibt es in Kroatien, oder sagen wir in Zagreb, noch solche alternativen Rock-Bands wie Superbrands? Wie groß ist das Interesse bei euch für dieses Musikgenre und wird es unterstützt?

Robi: Interessant ist, dass es in diesem Indie-Rock-Kreis solche Bands wirklich nicht gibt. Es gibt viele interessante Bands, die einen eigenständigen alternativen Ansatz pflegen, aber in einem Bereich nahe Superbrands findet man sie tatsächlich kaum.

RockLine: Euer Ansatz wäre im Ausland sehr gefragt.

Adi: Genau das. Das ist unser Ziel. Viele sagen uns, dass wir uns einschränken, weil wir keine Songs auf Kroatisch spielen. Ich persönlich meine, dass das nicht so ist. Denn für unsere Art von Musik werden wir immer mehr Interesse im Ausland finden als in Kroatien, so seltsam das auch klingen mag. Jetzt, im Zeitalter des Internets, hast du das Publikum quasi in der Hand. Du musst sie nur zu überzeugen wissen. Schon jetzt haben wir mehr Fans im Ausland als bei uns zu Hause. Wenn ich mir unsere MySpace-Seite anschaue, stelle ich fest, dass hauptsächlich ausländische Hörer unsere Musik kommentieren. Nur selten Leute aus Kroatien.

Robi: Noch immer gibt es sehr wenige Bands aus Kroatien, die ihr Material nicht auf Kroatisch spielen.

Hrvoje: Und dahinter stecken kommerzielle Gründe.

Adi: Wir verbinden uns mit der Band The Orange Strips, die aus Labin kommt. Sie sind eine Stufe über uns. Nicht in musikalischer Hinsicht, aber sie haben zum Beispiel über MTV Adria bereits ihr zweites Musikvideo veröffentlicht. Sie bewegen sich musikalisch in der Nähe von Superbrands. Deshalb haben wir uns entschieden, uns zusammenzuschließen, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Konzerte zu organisieren. Jede Band bringt zu einem Konzert ein paar Leute mit. Auch euer Uroš, der seine eigene Band Uroš Planinc Group hat, hat mir etwas Ähnliches vorgeschlagen. Dass wir mal nach Celje kommen, und umgekehrt ermöglichen wir ihnen einen Gig in Zagreb. Ich finde es sehr wichtig, dass sich Bands auf diese Weise verbinden und die gegenseitige Konkurrenz vergessen. In diesem Fall hilfst du anderen und gleichzeitig damit auch dir selbst.

RockLine: Ist Kroatien sonst stark aufgestellt, was alternative Bands angeht?

Robi: Ja. Aber kommerziell ist da nicht viel drin. Gelegentlich drehen sie etwas in unserem Stil auf Radio 101. Normalerweise ist es aber so, dass sie, wenn sie schon kroatische Bands spielen, jene spielen, die ihre Songs auf Kroatisch singen.

Hrvoje: Das sind die sogenannten Lobbys.

Robi: Zum Beispiel Analena aus Zagreb. Ich erinnere mich nicht, sie je auf einer kroatischen Radiofrequenz gehört zu haben. Die haben dann fast öfter in Slowenien gespielt als bei uns.

RockLine: Wir dürfen also auf euer Album gespannt sein, das randvoll mit Indie-Rock sein wird?

Robi: Ja. Natürlich klingend, mit so wenig Kitsch wie möglich. Flinke, aber leichte Gitarren, kompakte Rhythmen.

Hrvoje: Ja. Ohne Verkompliziertheit. Manchmal lässt du dir aber auch zu, dass dich etwas, wenn du es ausprobierst, einfach mitreißt, weil es dir interessant vorkommt. Dann kann eine wirklich willkommene Idee entstehen, die den Ausdruck der Band bereichert und die Band bis zu einem gewissen Grad auf ein neues, höheres Qualitätsniveau hebt. Auf der Grundlage eines unschuldigen Experiments. Das ist der Moment, in dem du der Musik erlauben musst, dich zu nehmen, wo sie dich hinführen will.

Adi: Wir streben nach Melodiösität und Eingängigkeit. Du wirst keine Gitarrensoli und keine „seelenlähmenden“ instrumentalen Improvisationen hören. Das Ding muss sofort für die Ohren zugänglich sein. Ansteckend. Auf keinen Fall dürfen wir dabei „banal“ wirken.

RockLine: Was sind eure kurzfristigen Pläne?

Robi: So viele Auftritte wie möglich.

Hrvoje: Wir verbinden uns gerade mit The Orange Strips. Es wäre super, wenn wir es schaffen, auch vor den Schweden Mando Diao aufzutreten, die, glaube ich, im März dieses Jahres nach Zagreb kommen.

Adi: Wenn wir etwas Geld zusammenbekommen, wäre es super, unser Material aufzunehmen. Vielleicht zur Veröffentlichung als EP. Für den Anfang.

Hrvoje: Wenn das passieren würde, würden wir gleichzeitig versuchen, ein Musikvideo zu drehen.

Text übersetzt und bearbeitet von: Aleš Podbrežnik

Fotos: Martin Prezelj

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