Interview mit Kaiser Chiefs-Keyboarder Nick »Peanut« Baines (2009)
Ort: St. Pölten / Österreich
Interviewdatum: 20.08.2009
Kaiser Chiefs. Eine der meistbeachteten britischen Indie-Rock-Bands, die 2007 mit dem Megahit Ruby von ihrem zweiten Studioalbum Yours Truly, Angry Mob weltweite Bekanntheit erlangte, veröffentlichte letzten Oktober ihr drittes Album Off With Their Heads und präsentierte es erfolgreich durchs laufende Jahr. Bevor sich die Fünferbande in eine längere Pause verabschiedet, um neue Kräfte zu tanken, haben wir uns mit Keyboarder Nick „Peanut“ Baines unterhalten.
RockLine: Der Name der Band ist eng mit einem südafrikanischen Fußballclub verbunden, in dem der ehemalige Kapitän von Leeds, Lucas Radefe, gespielt hat. Abgesehen vom Fußball – welche sind die wichtigsten Einflüsse auf eure Musik?
Nick „Peanut“ Baines: Einflüsse? Wahrscheinlich Songs aus den Achtzigern, Sachen, die uns täglich um die Ohren fliegen, Mädchen. Unsere Songs sind wie Geschichten, vollgepackt mit Details. Man kann sich Gesichter und Bilder vorstellen und spürt den Sinn der Texte noch tiefer. Fußball ist eigentlich kein Einfluss – das ist eher was, womit wir als Band Spaß haben. Er beeinflusst unsere Musik nicht, wir schauen ihn einfach alle gerne.
RockLine: Ihr habt acht Jahre gebraucht, bevor ihr im März 2005 euer Debütalbum Employment veröffentlicht habt. Was hat zu einem so langen Warten auf den Erstling geführt?
Peanut: Kaiser Chiefs haben sich erst gut sechs Jahre davor gegründet, also hat es uns drei Jahre gekostet, ein Album rauszubringen. Vorher haben wir alle in verschiedenen Bands gespielt, die Musik war ziemlich härter. Das ist wie Lernen – zum Beispiel eine Sprache, man wird mit der Zeit immer besser und besser. Anfangs spielst du vor fünf Leuten …
RockLine: Dann fängt das Publikum vor der Bühne langsam an zu wachsen …
Peanut: Genau. Genauso ist es mit Songtexten – mit jedem wird man besser. Man lernt auch, was man als Bandmitglied kann und was nicht. Auch wenn es wie eine lange Zeit wirken mag, ist es ein sich wiederholender Prozess. Die dritte Platte ist draußen, wir haben Hunderte von Festivals gespielt, Tausende von Konzerten, und das ist das, was uns glücklich macht.
RockLine: Vor den Aufnahmen und der Veröffentlichung des dritten Studioalbums Off With Their Heads hattet ihr eigentlich eine etwas längere Pause geplant. Was hat die Band für die Zukunft vor? Können wir ein neues Album erwarten, oder werdet ihr die Ankündigungen wahr machen?
Peanut: Nach dem Ende der Festivalsaison gönnen wir uns ein Jahr Pause, verbringen sie mit Familien und Freunden, weg von der Musik. Danach kommt die Rückkehr, eine neue Ära der Kaiser Chiefs. Bis dahin ist der Kalender leer. Wir tanken neue Kräfte, schreiben neue Songs. In vier Jahren haben wir nämlich drei Alben veröffentlicht, was ziemlich viel ist. Wir brauchen einen neuen Antrieb.
RockLine: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Lily Allen, die für euer letztes Album Backing Vocals beigesteuert hat? Das Fräulein ist ja bekannt für sein ziemlich launisches Verhalten. Wie war es, mit ihr zu arbeiten?
Peanut: Wir wollten ein paar weibliche Backing Vocals, und weil Mark (Ronson, Produzent; Anm. d. Red.) Lily kennt, hat er sie eingeladen. Wir haben uns schon ein paarmal vorher getroffen, und ich muss sagen, sie ist ein wirklich nettes Mädchen. Ihre Stimme war eine echte Bereicherung für Musik, die sonst nur von Männern gemacht wird.
RockLine: Kritiker vergleichen euch (zu) oft mit anderen Britpop-Bands wie Blur und Oasis. Wie seht ihr dieses musikalische Dreieck?
Peanut: Ich stimme nicht zu, dass es Britpop ist, denn da spielen viele kulturelle Dinge mit rein. England hat sich seit den frühen Neunzigern enorm verändert. Es ist vor allem ein fauler Vergleich, den Leute ziehen, weil wir aus Großbritannien kommen und Rock’n’Roll spielen. Natürlich sind wir sehr geehrt, mit Blur verglichen zu werden, denn das ist eine Band mit ausgezeichneten Texten und Musik, ihre Alben unterscheiden sich stark voneinander und enthalten Assoziationen über Menschen und die Welt, in der wir leben. Der Vergleich gefällt uns, aber ich denke, unsere Musik ist ein bisschen härter als Blur.
RockLine: Wenn eine Wohltätigkeitsorganisation euch zu einem Fußballspiel einladen würde, bei dem Geld für Bedürftige gesammelt wird – würdet ihr zustimmen und mitspielen, wenn als Mitspieler die zuletzt allzu viel gefeierten Gallagher-Brüder (Noel und Liam von der kürzlich aufgelösten Band Oasis; Anm. d. Red.) dabei wären?
Peanut (blickt überrascht, die Frage hat ihn sichtlich in Verlegenheit gebracht, und antwortet nach kurzem Stocken): Ich glaube, ich hätte nichts dagegen, denn Noel und Liam sind eigentlich ganz nette Typen – sie sollten nur ihre Zungen ein bisschen kürzer halten. Die Medien sind es, die die ganze Sache noch viel mehr aufblasen.
Fotos: Barbara Milharčič
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