Rock Stik – die Tour, die Mit und Rock Shock vereinte (2009)

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Ort: dvorana KD KRUH / Križe (Tržič) / Slowenien
Datum des Interviews: 27.12.2009

Wer die täglichen News aus der slowenischen Rock-Szene auch nur ein bisschen verfolgt, weiß sicher, dass Mit und Rock Shock im Dezember dieses Jahres ihre Kräfte selbstlos gebündelt haben, ein paar Gigs durch Slowenien gebucht haben und gemeinsam losgezogen sind, um die Alben „Rock Shock“ (RockLine-Rezension HIER) und „Mit“ (RockLine-Rezension HIER) unter dem Dach der gemeinsamen Tour namens „Rock Stik“ zu promoten. Die Tour endete in der Halle des KD KRUH im Dörfchen Križe bei Tržič am 26.12.2009.

Mit hatten gerade ihren Auftritt beendet, Rock Shock hatten sich inzwischen backstage schon etwas abgekühlt. Zum Gespräch bereit zeigten sich die treibenden Kräfte beider Bands, die Gitarristen Miha Oman – Buco (Mit) und Janko Tomšič (Rock Shock)…

RockLine: Die Rock Stik-Tour ist heute Abend mit dem Auftritt in Križe bei Tržič zu Ende gegangen. Wie fühlt ihr euch, und wie würdet ihr eure Eindrücke zusammenfassen?

Buco (Mit): Das Gefühl ist großartig. Die Idee, dass Mit und Rock Shock ihre Kräfte gebündelt haben, ist eine der besten Dinge, die wir je gemacht haben. Unser Ziel haben wir damit erreicht, und ich hoffe, dass andere Bands an diesem Beispiel erkennen, wie sehr man sich auf diese Weise gegenseitig helfen kann. Zu Konzerten kommt man generell leichter. Das Entscheidende dabei ist aber, dass unter solchen Bands Selbstlosigkeit herrschen muss – kein gegenseitiges Untergraben, sondern der gemeinsame Wunsch, dass es für beide Bands klappt. Das Kernstück dieser Tour war also die bestmögliche Präsentation beider Bands vor einem breiten Publikum. Und das ist uns gelungen.

Janko (Rock Shock):  So eine Bandkonstellation bringt einen fünfmal größeren Effekt als wenn man alles alleine macht. Also wenn man sich  selbst um Konzerte und so kümmert. Natürlich muss von Anfang an klar sein, dass sich die beiden Bands keine Knüppel zwischen die Beine werfen.

RockLine: Es gibt also in Slowenien die Möglichkeit, dass Bands – wie im Beispiel der Rock Stick-Tour – einen gemeinsamen Nenner finden, sich gegenseitig unterstützen und Ziele gemeinsam noch effektiver erreichen als sonst.

Buco (Mit): Ich denke, das ist zwischen beliebigen Bands möglich. Es muss nur eine Bedingung erfüllt sein: Wenn sie sich darauf einlassen, darf keine Missgunst zwischen ihnen herrschen.  Sehr wichtig ist auch, dass der energetische Einsatz für eine solche Tour fifty-fifty aufgeteilt ist, also gleichmäßig.

Janko (Rock Shock): Mit und Rock Shock haben einfach miteinander harmoniert. Dadurch hatten wir durchgehend super Konzerte, super Stimmung, tolle Gesellschaft. Auf diese Weise funktioniert einfach alles leichter.

RockLine: Liegt ein Vorteil einer solchen Tour wie Rock Stick vielleicht auch darin, dass Rock Shock und Mit genremäßig doch recht unterschiedlich aufgestellt sind?

Janko (Rock Shock): Das ist sicher auch ein Vorteil, weil beide Bands dem Publikum eine unterschiedliche Erfahrung bieten. Das Ganze kann dadurch noch interessanter wirken. Und selbst wenn wir genremäßig ähnlicher wären, würde das meiner Meinung nach keinen großen Unterschied machen. Jede Band geht eben ihre Musik anders an und präsentiert sie auch auf ihre eigene Weise.

Buco (Mit): Rock Shock und Mit haben sich überhaupt keine Gedanken darum gemacht, was und wie wer spielt. Das Hauptziel dieser Tour war, die Alben „Rock Shock“ und „Stik“ so erfolgreich wie möglich zu präsentieren. Und auch beide Bands zu promoten, auch medial. Auch PR-technisch waren wir sehr gut abgedeckt, und ich denke, dass sowohl Mit als auch Rock Shock das Maximum aus dieser Erfahrung herausgeholt haben.

Janko (Rock Shock): Das Wichtigste war, dass wir uns auf persönlicher Ebene gut verstanden haben, die Mitglieder beider Bands. Sobald das lief, haben wir gesagt: Es ist Zeit, dass wir gemeinsam das Ziel angehen, unsere Musik zu promoten.

RockLine: Auf dieser Tour sind manchmal Mit vor Rock Shock aufgetreten, manchmal war es umgekehrt. Wie habt ihr diese Absprachen vor den Konzerten getroffen?

Janko (Rock Shock): Da hat vor allem der jeweilige Veranstaltungsort eine Rolle gespielt, der einzelne Konzerttermin dieser Tour. Also an bestimmten Orten in Slowenien kennt das Publikum Rock Shock besser, anderswo sind Mit besser bekannt. Und so haben wir angepasst, wer zuerst spielt und wer danach. Der Zweite auf dem Programm war, wenn ich das so sagen darf, derjenige, der sich beim jeweiligen Rock Stick-Termin auf seinem „Heimterritorium“ befand. Es kam aber auch vor, dass wir uns ganz entspannt geeinigt haben, je nachdem, was wem gerade mehr gepasst hat.

Buco (Mit): Ja. Schau. Das ist ganz einfach. Ein Konzert hätte nicht denselben Effekt gehabt, wenn zum Beispiel in Postojna Mit nach Rock Shock gespielt hätten, oder in Tržič Rock Shock nach Mit. Das  ist sehr gut. Schau, Mit sind in der Gorenjska schon gut bekannt und bringen Leute zum Konzert. Gleichzeitig können diese Leute auch Rock Shock kennenlernen. Dazu haben wir noch ein Sonderangebot für die Leute gemacht, sodass man über diese Tour im Dezember beide Alben, also „Rock Shock“ und „Stik“, für 10,00€ kaufen konnte. Also beide CDs zusammen für 10,00€. Außerdem hatten wir gemeinsamen Merchandise-Verkauf. Nicht jede Band separat. Also wer die CD von Mit gekauft hat, hat damit auch die CD von Rock Shock gekauft. Das ist wie ein Dominoeffekt. Mehr Leute kommen zum Konzert, hören beide Bands, kaufen die CDs beider Bands, klicken sich durch die offiziellen Websites beider Bands und fangen so an, die Aktivitäten beider Bands zu verfolgen.

RockLine: Buco, eine eher persönliche Frage an dich. Was hat dich dazu gebracht, heute Abend beim Konzert hier in Križe dieses rote Sowjetunion-Shirt anzuziehen?

Buco (Mit): Ein guter Freund ist gerade aus Tschetschenien zurückgekehrt. Er kommt auch aus Tržič. Vor ein paar Tagen ist er aus Tschetschenien zurückgekommen und hat mir dieses Shirt mitgebracht. Natürlich habe ich vor dem Auftritt darüber nachgedacht, dass es das erste Mal in meiner Musikkarriere wäre, auf der Bühne in einem Shirt zu stehen, das nicht schwarz ist. Aber ich hab’s für ihn gemacht – er ist unser großer Unterstützer, ein Unterstützer unserer Musik, weil ich wusste, dass ihm das wirklich viel bedeuten würde.

RockLine: Mit habt heute Abend bei diesem Auftritt in Križe eine wirklich kollegiale Geste gezeigt, als ihr zwei Rapper auf die Bühne eingeladen habt, um gemeinsam einen Song zu spielen.

Buco (Mit): Die beiden Jungs kenne ich schon länger und die geben sich echt Mühe. Die hatten ziemlich Pech mit Leuten – weißt du, wie das heute ist? Die richtigen Leute zu finden, um was auf die Beine zu stellen, ist eine wahre Kunst. Auch die beiden kommen aus Tržič, sie haben es mit zwei Bands versucht, aber irgendwie sind ihre Pläne nicht aufgegangen. Deshalb haben wir gesagt, lasst uns zusammen einen Track machen, der unser und ihrer ist. Das ist Save Your Life. Die beiden sind jetzt ein Duo. Am Anfang waren sie zu fünft, heute sind sie ein Duo namens Five Masters Duo.

RockLine: Janko, hinter dir liegen zwei intensive Tage. Gestern in Postojna beim Božični Rock festival, heute hier bei Tržič. Es waren zwei völlig unterschiedliche Abende, du spürst wahrscheinlich schon eine leichte Müdigkeit – wie würdest du diese zwei Abende zusammenfassen?

Janko (Rock Shock): Ja. Wir sind müde, aber so, wie soll ich sagen, angenehm müde. Beide Tage waren völlig unterschiedlich und phänomenal. In Postojna war es ein besonderer Moment, als wir diese riesige Bühne betreten haben und diese Energie des Saals, die dann herausbricht – das ist wirklich etwas Besonderes. Heute Abend dagegen: echter Klubambiente mit ausgesuchtem Publikum, was vielleicht sogar besser ist, weil dich Leute besuchen, die dich kennen, die mit dir zusammenarbeiten, in irgendeinem Kontakt mit dir sind – irgendwie ein eher speziell ausgerichtetes Publikum. Wenn wir nächstes Jahr nochmal ein paar solche Konzert-Wochenenden zusammen machen könnten, wäre das wirklich super.

RockLine: Das kleine Klubambiente gibt dir die Möglichkeit, den Leuten zu begegnen, die dich kennen – du beobachtest sie von der Bühne aus, kommunizierst vielleicht sogar noch intensiver mit ihnen, während du dein Material spielst.

Janko (Rock Shock): Der kleinere Klubambiente ist auf jeden Fall etwas Besonderes, weil man leichter Kontakt zu den Leuten knüpft, die Sache wirkt noch intimer und man kann sich dem Publikum durch Kommunikation völlig nähern. Auf der anderen Seite bringt auch ein Massenfestival ein ganz besonderes Gefühl. Wenn du die Bühne betrittst, wenn es knallt, wenn es dröhnt, wenn das Publikum mit massivem Lärm zurückgibt….

RockLine: Schmiedet Rock Shock nach dieser Tour schon irgendwelche Pläne für das neue Jahr? Habt ihr schon Ideen, wie das neue Album klingen soll?

Janko (Rock Shock): Das zehnjährige Jubiläum von Rock Shock rückt langsam näher. Im kommenden Jahr werden wir einiges Interessantes vorbereiten. Unter anderem ein neues Album – wir haben schon etwas Material dafür geschrieben. Einiges Neues habe ich schon vorbereitet, und auch Matej (Matej Zalar, Gesang Rock Shock, Anm. d. Red.) hat schon viel Neues vorbereitet. Zu Beginn des neuen Jahres werden wir uns noch  der Promotion des aktuellen Albums widmen, wir bereiten auch ein neues Musikvideo vor, das bald erscheinen soll. Und noch eine Single.

RockLine: Wie heißt sie?

Janko (Rock Shock): He, he, he… das sagen wir dir zu gegebener Zeit. Also, nächstes Jahr werden wir versuchen, die Kräfte auf eine noch massivere Promotion zu richten, weil es das 10-jährige Jubiläum der Band ist – und das ist für uns wirklich ein besonderes Ereignis, das wir gerne konkreter feiern würden.

RockLine: Wenn wir nochmal kurz auf den Anfang des Interviews zurückkommen: Hat die erfolgreiche Tour Rock Shock und Mit also noch enger zusammengebracht?

Buco (Mit): Ja. Neben den grundlegenden Absichten und Zielen, die die Tour erreicht hat, ist das ein wichtiger Faktor – dass sich die beiden Bands noch weiter angenähert haben.

Janko (Rock Shock): Eigentlich hat die Tour meine Erwartungen sogar übertroffen. Wir haben uns ein bisschen an Mit gewöhnt. Es wird sich irgendwie komisch anfühlen, wenn wir alleine auf die Bühne gehen. Ich werd sie ein bisschen vermissen.

Rockine: Welche Pläne hat Mit nach dieser Tour für die Zukunft? Ich nehme an, das neue Album ist schon ziemlich nah dran? Ihr habt ein völlig neues Bandmitglied, Matej Žibert…

Buco (Mit): Ja. Was unseren neuen Bassisten Matej Žibert angeht: Wir haben in ihm eine charakterlich passende Person für Mit gefunden, die sich Mühe gibt, von Konzert zu Konzert besser wird und immer mehr mit uns im Einklang ist. Ich kann sagen, dass wir bei Mit mit ihm endlich auch das fünfte Bandmitglied gefunden haben, das bereit ist zu arbeiten. Mit dem heutigen Tag ist die Rock Stick-Tour für 2009 abgeschlossen, aber ich glaube, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall noch einige Konzertauftritte unter dem Banner „Rock Stick“ geben wird. Davon bin ich eigentlich schon ziemlich überzeugt. Was das neue Album betrifft, werde ich im Voraus nichts zu viel versprechen, aber der Plan ist, es im nächsten Jahr tatsächlich herauszubringen, und ich hoffe, dass uns das auch gelingt.

RockLine: Auch Rock Shock hattet ihr einige Schwierigkeiten mit der Besetzung. Für diese Tour musstet ihr einen Ersatz für Bassisten Marko Turk finden.

Janko (Rock Shock). Ja. Leider hat sich unser Marko vor der Tour das Trommelfell verletzt, und die Ärzte haben ihm strikte Ruhe verordnet, weil das sehr langsam heilt. Es muss auf natürlichem Weg heilen, ohne Aussetzen starker Vibrationen jeglicher Art. So musste Marko drei Monate zwangspausieren. Deshalb hat Martin Rozman auf unsere Einladung hin freundlicherweise reagiert und ersetzt Marko seit den letzten zwei Monaten – dafür müssen wir ihm an dieser Stelle ganz besonders danken. Martin hat sich auch sehr erfolgreich bei uns eingefunden.

Buco (Mit): Eigentlich hat Martin auf gewisse Weise die Rock Stick-Tour gerettet – dass sie überhaupt durchgeführt werden konnte.

Fotos: Matej Zalar (Rock Shock), Klavdija Bogataj, Aleš Podbrežnik 

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