Joe Berardi und Kira Vollman im Gespräch mit RockLine (2008)
Datum des Interviews: 22.11.2008
Non Credo ist eine amerikanische Band, die in ihrer zwanzigjährigen Geschichte nur drei Alben veröffentlicht hat. Aber was für Alben! Mit RockLine haben beide Hauptakteure dieses avantgardistischen Wahnsinns gesprochen, Joe Berardi und Kira Vollman.
RockLine: Impropera ist euer letztes Album. Wie zufrieden seid ihr damit?
Kira Vollman: Ich bin sehr zufrieden. Wir haben genau das erschaffen, was wir wollten. Als wir fertig waren, haben wir uns gefragt: „Wer zum Teufel wird das überhaupt hören?“.
Joe Berardi: Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Genau so hatten wir uns das Album vorgestellt. Wir mussten Impropera aufnehmen, wir mussten das aus uns rauslassen. Die grundlegende Musik haben wir schon lange live gespielt. Dadurch konnte sie sich entwickeln. Alles entstand aus Improvisationen, und unser Ziel war es, diese Spontaneität in der kontrollierten Atmosphäre des Studios einzufangen. Ich glaube, das ist uns gelungen. Auch wenn wir mit dem Ergebnis zufrieden waren, wussten wir, dass die Hörer vielleicht Schwierigkeiten mit der Musik haben würden. Wir waren uns bewusst, dass das Album schwerer zugänglich ist als die beiden Vorgänger. Zwar erwarten die Leute, die unsere Musik hören, keine leichte Popmusik, aber ich glaube, wir haben für manche von ihnen wahrscheinlich auch zu schwere Kost produziert. Viele Rezensionen haben erwähnt, dass die Musik völlig eigenständig und einzigartig klingt, jenseits aller Klassifizierungen, auch abseits der Avant-Garde- und experimentellen Tradition. Wenn man das Album zum ersten Mal hört, kann das ein Problem sein. Es kann sich anfühlen, als hätte man keinen Halt. Am besten hört man das Album ohne Vorurteile.
RockLine: Findet ihr, dass das Album sich deutlich von den Vorgängern unterscheidet?
KV: Einerseits ja, andererseits auch nicht. Auf dem Album gibt es einige Tracks, die auch auf anderen Alben hätten sein können, und umgekehrt. Aber weil wir Impropera als Oper präsentiert haben (im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Songsammlung), bedeutete das, dass es anders sein würde. Weil wir das Album mit der Idee erarbeitet haben, dass es eine Oper sein soll, hat das auch die Musik beeinflusst.
JB: Ich finde, das Album ist deutlich anders. Früher haben wir eher standardmäßige Songs geschrieben und nur gelegentlich atmosphärische Teile hinzugefügt. Wie wir schon gesagt haben, basiert Impropera auf Improvisation und ist offener. Es scheint auch, dass wir mit Impropera ein Album erschaffen wollten, das wir live spielen könnten, denn wir haben nichts zusätzlich aufgenommen, keine Instrumente oder Sounds hinzugefügt. Wenn wir Arrangements machen wollen, gibt es viele Möglichkeiten und wir können alles wählen, was wir wollen. Wir fügen immer etwas hinzu, um die Arrangements zu verbessern. Daher dauert es auch so lange, bis wir etwas fertigstellen! Bei Impropera haben wir nur das verwendet, was wir live spielen – ich an den Keyboards, Kira an der Klarinette, dem Gesang und der Perkussion. Das war ein völlig anderer Ansatz, und das spiegelt sich auch im Endergebnis wider.
RockLine: Waren die Vocals geplant, bevor ihr ins Studio gegangen seid, oder wurden sie manchmal (oder immer) improvisiert?
KV: Nicht alle Gesangsteile sind geplant. Die Songs mit Texten entstanden aus Improvisationen und haben sich so geformt, wie du sie auf dem Album hörst, aber auch diese können live komplett anders gespielt werden. Die experimentellen Gesangsteile sind vollständig improvisiert, sowohl auf dem Album als auch live. Sie sind immer anders, aber mit einer ähnlichen Atmosphäre. Dann gibt es noch einige Songs, die vollständig improvisiert wurden (sowohl Musik als auch Gesang) im Studio, während der Aufnahme. Das sind „Prima Punta“ und „Epilogue“. Diese Tracks haben wir live noch nie gespielt. Auch einige Instrumentalteile wurden im Studio improvisiert.
Impropera begann als Live-Performance mit dem Konzept, eine improvisierte Oper live zu spielen. Mit der Zeit wurden die Dinge lernbarer. Joe würde sich Sounds und Samples ausdenken, und Muster entstanden. Einige Dinge gefielen uns so gut, dass wir sie beibehielten, anstatt jedes Mal anders zu spielen. Je mehr wir spielten, desto vertrauter und einstudierter wurden bestimmte Dinge. In dem Moment sagten wir uns, dass wir Impropera aufnehmen müssen… solange es noch nicht zu vertraut geworden war. Wir wollten es aufnehmen, solange es noch nicht zu durchkomponiert war und bevor wir genau wüssten, was jeder von uns tun muss. Jede Live-Show ist anders. Die Arrangements sind immer unterschiedlich, abhängig von der verfügbaren Zeit für den Auftritt und unserer Stimmung. Wir wissen, welche Samples wozu passen, sodass bestimmte Dinge voneinander abhängen. Ich weiß ungefähr, in welchem Stil Joe spielen wird, aber ich kann nicht genau festlegen, was er spielen wird.
JB: Eine interessante Sache ist, dass die Songs „Prima Punta“ und „Epilogue“ auf dem Album am komponiertesten klingen, aber in Wirklichkeit reine Improvisationen sind, die zum ersten Mal erst im Studio gespielt wurden.
RockLine: Was bedeutet der Name Impropera? Improvisierte Oper, unangemessene (improper) Oper, beides, oder etwas anderes?
KV: Alles, was du gesagt hast. Impropera ist eine improvisierte und unangemessene Oper und noch viel mehr! Viele wunderbare Wörter beginnen mit „imp“… findest du nicht?
JB: Unmöglich (Impossible)!
RockLine: Haben die Texte auf Impropera ein Konzept?
KV: Ich mag Struktur. Ich mag Geschichten. Ich liebe Kohäsion, auch wenn es um Improvisation geht. Unsere Improvisationen haben immer eine Komposition im Hintergrund. Ich glaube, anfangs improvisiere ich Texte und suche damit nach einer Richtung und einer Geschichte. Am Ende kann ich einzelne kleine Geschichten zu einer umfassenderen Geschichte verbinden. Nun, zumindest versuche ich das. Impropera lässt sich auf sinnvolle Weise erklären, als Konzept. Ich erzähle den Leuten ungern meine eigenen Interpretationen, weil es so interessant ist zu lesen, wie andere meine Texte auslegen.
Aber lass mich es dir trotzdem ein bisschen erklären:
Ich denke an Impropera wie an einen Film. Die Oper beginnt irgendwo am Ende der Geschichte, wo sich unser Anti-Held auf dem Tiefpunkt befindet. Er ist obdachlos, nicht in der Lage, sozial zu interagieren, und nicht in der Lage, diese eine einfache Aufgabe zu lösen, die ihn retten würde. Seine Geschichte würde Mitgefühl bei den Menschen wecken, aber er erzählt sie nicht, und seine Geschichte ist eine Lüge. Der Rest der Texte befasst sich mit der wahren Geschichte. Sie handeln von seinen Verbrechen, seinen Wahnvorstellungen und seiner Verleugnung. Gegen Ende der Oper hören wir „Sleeping Beauty“. Die Inspiration für diesen Text bekam ich aus einem Zeitungsartikel, den ich vor vielen Jahren gelesen habe und nie vergessen konnte. Er handelte von einer Frau, die in einem Krankenhaus oder Sanatorium lag. 10 Jahre lang war sie im Koma, dann bemerkte das Personal plötzlich, dass ihr Bauch größer wurde. Sie stellten fest, dass sie schwanger war. Die Eltern wollten, dass sie das Kind bis zur Geburt in sich tragen sollte, damit zumindest noch ein Teil von ihr bliebe, da sie praktisch schon „gegangen“ war. Ich erzähle die Geschichte aus der Perspektive der Frau im Koma. Unser Anti-Held hat sie geschwängert, als er dort angestellt war. Sie trägt ein Kind in sich, das dieselbe Geisteskrankheit wie der Vater hat, aber ihre Eltern wissen das nicht und wollen das Kind behalten. Unser Anti-Held verschwindet in den Tiefen seines Absturzes und ist nicht mehr nur ein verrückter Soziopath, sondern durch seine Taten auch körperlich gezeichnet. So sehen wir ihn am Anfang der Oper. Eine fröhliche Geschichte, die einem das Herz erwärmt.
RockLine: Warum habt ihr euch entschieden, auf dem Album kein Schlagzeug einzusetzen?
KV: Ich spiele kein Schlagzeug.
JB: Ha! Heißt das, wenn sie Schlagzeug spielen würde, wäre es auf dem Album? Für Impropera haben wir auf viele Dinge verzichtet. Wie wir schon erwähnt haben, wollten wir ein Dokument unserer Live-Auftritte erstellen, bei denen wir nur Gesang, Klarinetten und Keyboards einsetzen. Aber in Wirklichkeit gibt es auf Impropera jede Menge Schlagzeug, aber es sind Samples, die auf den Keyboards gespielt werden, was bedeutet, dass Sound und Gefühl völlig anders sind. Rhythmen und Muster können verlangsamt oder beschleunigt werden, man kann sie aufteilen und aus ihrem ursprünglichen Kontext herauslösen. Zum Beispiel sind die Militärtrommeln auf Vienna Fingers Samples aus einem anderen Song, den wir noch nicht veröffentlicht haben. Das wiederholt sich auf dem Album mehrmals. Also haben wir das Schlagzeug in Wirklichkeit gar nicht losgeworden!
Rockline: Glaubst du, dass du es leichter hattest, das Schlagzeug bei Impropera wegzulassen, weil du in anderen Bands noch Schlagzeug spielst?
JB: Nein, ich glaube, das hat damit nichts zu tun. Bei Non Credo habe ich völlige Freiheit, sodass ich am Schlagzeug Dinge tun kann, die mir anderswo nicht erlaubt werden. Aber es stimmt, dass mein Schlagzeugspiel bei Non Credo immer dem Song untergeordnet ist. Es geht nicht darum, mit Schlagzeugkönnen zu prahlen, und weil wir mit Impropera eine bestimmte Idee umsetzen wollten, war es nicht schwer, auf das Schlagzeug zu verzichten. Ich war ebenso glücklich, Samples meines Schlagzeugspiels verwenden und sie auf den Keyboards manipulieren zu können.
RockLine: Macht ihr gerade neue Musik?
KV: Immer, aber wir beide kommen sehr langsam zu dem Punkt, wo wir etwas veröffentlichen können. Wir haben begonnen, Songs für ein neues Non Credo Album zu schreiben, das sehr langsam entsteht. Wir arbeiten auch an einem Cover-Album. Auch das entsteht langsam. Ich selbst versuche, ein Soloalbum aufzunehmen, aber es fehlt immer die Zeit.
JB: Das nächste, was wir veröffentlichen werden, ist das Cover-Album, denn das ist dem Abschluss am nächsten. Ihr könnt eine eklektische und schizophrene Songsammlung erwarten. Ich würde sagen, dass unser nächstes Album mit eigenem Material den ersten beiden Alben näher sein wird. Wir würden gerne zu eher standardmäßigen Songs zurückkehren, im Gegensatz zu den langen Improvisationen auf Impropera. Aber in Zukunft könnte es durchaus ein Impropera Volume 2 geben.
In Schweden will jemand ein Non Credo Tribute-Album herausbringen. Verrückt, oder!? Ha ha. Einige Songs hat er bereits selbst aufgenommen, und wir versuchen ihm zu helfen, Musiker zu finden, die gerne unsere Arrangements spielen würden. Es ist sehr interessant und faszinierend zu hören, wie die Leute an unsere Musik herangehen. Ich glaube, dieses Projekt wird Spaß machen, und ich hoffe, es wird nächstes Jahr veröffentlicht.
RockLine: Das ist eine meiner Standardfragen. Wie sieht der kreative Prozess bei Non Credo aus?
KV: Ha! Wahrscheinlich ziemlich chaotisch. Wir streiten ständig. Nun, ich glaube, hauptsächlich streite ich mit mir selbst. Ich arbeite und schreibe lieber alleine. Wenn etwas aus Improvisationen entsteht, arbeiten wir da eher zusammen. Ansonsten mache ich diese Dinge am liebsten alleine, und wir arbeiten nur zusammen, wenn es nötig ist. Ich glaube, Joe würde lieber mehr Dinge gemeinsam machen, aber das liegt mir nicht.
JB: Manchmal ist es ganz einfach, manchmal eine grauenhafte Qual! Meistens liegt es irgendwo dazwischen. Wie Kira schon gesagt hat, arbeiten wir hauptsächlich jeder für sich, aber es ist schön, wie gut wir uns ergänzen, wenn es Zeit ist zusammenzuarbeiten. Jeder hat Ideen, auf die der andere nie käme. Ich glaube, wir respektieren und vertrauen einander. Wenn einer einen unfertigen Song hat, wird der andere etwas völlig Unerwartetes hinzufügen und die Musik wird in eine ganz neue Richtung gehen. So kommt es zu manch angenehmer Überraschung. Natürlich gibt es viele Streitigkeiten, weil wir beide stur und eigenständig sind, aber mit dem Endergebnis sind wir immer zufrieden. Am Ende lohnt es sich, all die Mühen durchzustehen.
Ich würde sagen, wir arbeiten kreativ eher wie Maler, die auf eine Leinwand Farben auftragen. Uns beeinflusst vieles, was nichts mit Musik zu tun hat, und diese Einflüsse sind in der Musik spürbar. Manchmal denken wir auch wie beim Film. Für jeden Song versuchen wir, eine kleine Geschichte zu erschaffen, oder vielleicht einen kurzen Film.
RockLine: Seid ihr noch in anderen Projekten außer Non Credo tätig?
KV: Gelegentlich habe ich einen Soloauftritt oder Improvisationen mit anderen, aber im Gegensatz zu Joe spiele ich nicht mit vielen verschiedenen Leuten und spiele auch nicht so oft. Joe spielt mit praktisch jedem in Los Angeles Schlagzeug. Er ist eine richtige Nutte.
JB: Danke, Kira! Ja, ich bin noch in vielen anderen Projekten tätig, hauptsächlich als Schlagzeuger und Perkussionist. Zum Beispiel spiele ich mit der Surf-Band Double Naught Spy Car, mit den Avant-Blues-Leuten The Mentones und mit der Perkussionsgruppe The Obliteration Quartet. In Los Angeles spiele ich auch viele improvisierte Auftritte – Solo, Duo, Trio und mehr. Das gibt mir die Möglichkeit, selbst gebaute elektronische Instrumente und Spielzeuge einzusetzen, oder auch Perkussions-Samples zu verwenden. Die Improvisationsszene hier ist stark, auch wenn die Musiker außerhalb der Stadt vielleicht nicht so bekannt sind. Kira und ich haben auch ein gemeinsames Improvisationstrio, hauptsächlich mit dem Gitarristen Carey Fosse.
RockLine: Verdient ihr euren Lebensunterhalt mit Musik?
KV: Ich nicht, und das war ich noch nie. Wahrscheinlich werde ich es auch nie sein. Auf keinen Fall mit Non Credo. Wenn ich meinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen wollte, müsste ich Musik spielen, die ich hasse, und Texte singen, bei denen mir übel wird. Das will ich nicht. Es wäre aber wunderbar, wenn ich mit der Musik, die mir gefällt, meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Oh ja…
JB: Ja. Ich schlage mich irgendwie finanziell mit Musik durch. Aber nicht mit Non Credo. Das bedeutet, ich muss Musik anderer spielen. Man könnte sagen, ich bin eine „Nutte“, weil ich mich verkaufe, aber ich bin sehr selektiv bei der Wahl der Musik, die ich spiele. Ich habe auch das Glück, dass mich Leute engagieren, die meine Musik mögen, und nicht nur, weil sie einen guten Schlagzeuger brauchen. Es ist schwer durchzukommen, aber aus künstlerischer Sicht fühlt man mehr Befriedigung. Finanziell könnte es besser sein.
RockLine: Kanntet ihr RIO und Zeuhl, als ihr anfangt, mit Musik zu arbeiten? Und wie ist das heute?
KV: Ich habe als Kind angefangen zu singen. Damals existierten diese Genres noch nicht. Als ich anfing, in Bands und in Clubs zu spielen, lernte ich diese Genres kennen, weil andere mich dort einordneten.
Man sagte mir, ich klinge ähnlich dem und meine Songs seien ähnlich jenem. Jetzt lesen wir Rezensionen, in denen Kritiker behaupten, wir gehören nicht in diese Kategorien. Das ist der Reiz von Non Credo. Wir gehören nirgendwo dazu. Das ist sehr befreiend.
JB: RIO und Zeuhl bin ich mir schon lange bewusst, noch vor Non Credo und noch vor The Fibonaccis, meiner Band vor Non Credo. Diese Genres beeinflussen mich sehr. Manchmal werden wir RIO zugeordnet, manchmal sagt man, wir gehören gar nicht dorthin. Wir denken gar nicht darüber nach. Das Einzige, was gut ist, ist, dass man mit diesem Wort Musik beschreiben kann, die sich unmöglich einordnen lässt. Wenn mich jemand fragen würde, was für Musik wir spielen, würde ich locker RIO sagen. Aber das würde kaum jemand verstehen.
Was auch immer man über uns sagt, ich glaube, unsere Musik hat den echten „Rock In Opposition“-Geist. RIO steht für Musik gegen die verständnislose Musikindustrie, und da gehören wir definitiv dazu. Aber sind wir wirklich RIO? Wer weiß? Vielleicht sind wir Rock in Opposition für RIO!
RockLine: Tretet ihr live alleine auf?
KV: Momentan schon!
JB: Wir treten zu zweit auf. In letzter Zeit spielen wir hauptsächlich Impropera, hier und da noch einen alten Song. Für besondere Auftritte würden wir gerne weitere Musiker einbeziehen, besonders wenn wir anfangen, neues Material in die Shows zu integrieren.
RockLine: Habt ihr euch jemals gewünscht, der Band mehr Mitglieder hinzuzufügen?
KV: Vor zwanzig Jahren, als wir anfingen, waren sechs Mitglieder in der Band, also vier außer uns. Was für eine Qual! Nun, das stimmt nicht ganz. Wir mögen die Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben, immer noch sehr. Das sind wundervolle Menschen, hervorragende Musiker und gute Freunde. Aber Non Credo ist nur Joe und Kira. Wir schreiben alles. Wir entscheiden, wie etwas gespielt werden soll. Wir proben enorm viel, und Musiker, die nicht am Projekt interessiert sind und nicht viel Geld bekommen, können sich der Musik nicht so widmen, wie wir es gerne hätten. Manchmal denken wir, es wäre schön, wieder eine Band zu haben, aber wahrscheinlich wird das nie passieren. Wir spielen seit zwanzig Jahren zusammen und kennen instinktiv, wie der andere spielt. Wenn wir jemanden hinzufügen, laufen die Dinge vielleicht nicht mehr so reibungslos. Aber Joe und ich sind der Meinung, dass Bernard Sauser-Hall ein Ehrenmitglied, ein dauerhaftes (wenn auch inaktives) Mitglied von Non Credo ist. Bernard ist der einzige externe Mitarbeiter, der aus Improvisationen bei Kompositionen geholfen hat. Als Bernard zur Band stieß, wurden wir aus einer Band mit vier oder fünf Mitgliedern ein Trio. Vor einigen Jahren zog er zurück in die Schweiz. Mit Bernard werden wir immer spielen, wenn er in der Nähe ist und Interesse hat.
JB: Ich hätte gerne eine kleine Besetzung, mit der wir live spielen könnten, aber wir werden niemanden als aktives Mitglied hinzufügen. Wir alleine haben schon Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Vielleicht brauchen wir genau das… eine dritte Person, die die entscheidende Stimme abgibt! Weißt du, in Wirklichkeit werden wir immer nur wir zwei sein, weil diese Situation so unglaublich gut funktioniert.
RockLine: Gibt euch die Tatsache, dass ihr nur zwei Mitglieder in der Band seid, mehr kreative Freiheit?
JB: Ich glaube schon. Entscheidungen treffen nur zwei Personen, und wenn du dieser Person vertraust, ist es einfacher und es gibt weniger persönliche Kompromisse. Es ist leichter, eine Balance zu finden. Non Credo begann als Projekt, bei dem beide die Möglichkeit hätten, Dinge zu tun, die sie in einer normalen Band mit drei oder vier Mitgliedern nicht könnten. Manchmal ist ein Song das Werk nur eines von uns, während der andere nur hier und da etwas hinzufügt. Ich glaube, das zeigt ein hohes Maß an Freiheit.
KV: Ich glaube, Freiheit ist nicht so wichtig wie Raum. Auf der Bühne haben wir mehr Platz und stoßen nicht gegen jemanden. Vielleicht ist das aber kreative Freiheit. Also würde auch ich „Ja“ sagen.
RockLine: Plant ihr in Zukunft Konzerte?
KV: Wir haben Angebote, aber wir versuchen, sie zu vermeiden. Wir wollen die Dinge aufnehmen, die wir begonnen haben. Wenn wir auftreten, bedeutet das, dass wir nicht aufnehmen können. Keine Zeit für beides. Jede Sache erfordert eine andere mentale Aktivität. Wir haben darüber nachgedacht, langfristig in einem kleinen Club in Los Angeles aufzutreten. Es ginge um zwei Shows pro Nacht, eine Nacht pro Woche, für einen Monat. Bei jeder Show würden wir völlig andere Songs spielen. Wir würden uns sowohl eine Audio- als auch eine Videoaufnahme der Auftritte wünschen. Wenn alles dokumentiert ist, werden wir uns fragen: „Wer zum Teufel wird das jemals überhaupt hören?“.